Oferdingen - LinkFang.de





Oferdingen


Oferdingen
Höhe: 331 m
Fläche: 3,17 km²
Einwohner: 2400 (31. Dez. 2007)
Bevölkerungsdichte: 757 Einwohner/km²
Eingemeindung: 1. Januar 1971
Postleitzahl: 72768
Vorwahl: 07121

Oferdingen ist ein Stadtteil der Kreisstadt Reutlingen. Der 2400 Einwohner zählende Ort liegt im Neckartal zwischen der Gemeinde Pliezhausen und der Reutlinger Kernstadt. Die ehemals selbstständige Gemeinde Oferdingen wurde 1971 zu Reutlingen eingemeindet, was für den Ort einen wirtschaftlichen Aufstieg bedeutete.

Geographie

Oferdingen liegt rund sechs Kilometer nördlich der Reutlinger Innenstadt am rechten Ufer des Neckars. Angrenzende Orte sind die Gemeinde Pliezhausen im Norden sowie die Reutlinger Stadtteile Mittelstadt im Nordosten, Reicheneck im Südosten, Rommelsbach im Süden und Altenburg im Westen.

Geschichte

Grafen von Achalm

Im Grafengeschlecht von Achalm-Urach gab es einen Edlen mit Namen "Unfried" (Onfried), wovon sich der Ortsname Oferdingen ableitete. Der Hauptsitz der Achalmgrafen befand sich in Oferdingen, Altenburg und Rommelsbach. Die erste Burg der Achalmgrafen stand dort, wo Neckar und Reichenbach einen Sporn bilden - es ist wohl die älteste Achalmburg. In Oferdingen redet man vom "Schlößlesbergle".

1089 wurde das Kloster Zwiefalten gegründet und die Achalmgrafen Kuno von Wülflingen und Liutold von Achalm-Urach, die keine Erben hatten, vermachten die Hälfte ihrer Habe dem Kloster. Der Neffe, Graf Werner von Grüningen, bekam die andere Hälfte sowie die ganze Achalmburg mit Rittern und Dienstpersonal. Damit der Neffe dem Kloster Zwiefalten die geschenkten Güter nicht streitig machen konnte, wurde 1089 der "Bempflinger Vertrag" geschlossen. In diesem Vertrag wurden die 54 Orte aufgelistet, die von der Senkungen betroffen waren - darunter auch Oferdingen. Es ist die erste urkundliche Erwähnung Oferdingens.

Von den Ortsadeligen kommen im Jahr 1291 ein Hermann und im 14. Jahrhundert Fritz und Utz vor. Ein dem Grafen Burkhard von Hohenberg gehörender Hof, trug in der Mitte des dreizehnten Jahrhunderts Fritz von Lustnau und dessen Sohn Heinz zu Lehen. Den Pfarrsatz verkaufte das Kloster Zwiefalten um 1332 an Berthold vom Stain. 1342 gelangte Oferdingen mit der Pfalzgrafschaft Tübingen an Württemberg.

Spätmittelalter und frühe Neuzeit

Neben den Grafen und Herzögen von Württemberg besaßen auch das Spital der Reichsstadt Reutlingen, Patrizier aus Esslingen am Neckar, die Klöster Bebenhausen (ein Hof), Zwiefalten und Pfullingen Grundbesitz in Oferdingen. Die geistlichen Güter kamen spätestens mit der Säkularisation an Württemberg, d. h., ihre Gefälle gingen an die Kellerei Tübingen über. 1809 wurde ein Hof der Johanniterkommende Rohrdorf verstaatlicht. Leibeigene Oferdinger Bürger gehörten hauptsächlich der hochfürstlich württembergischen Herrschaft.

Ebenso wie sein Filial Rommelsbach war auch Oferdingen infolge der Pest in den Jahren 1609–1611 fast ausgestorben. 1609 starben 103 Menschen daran, 1611 mögen noch 60 Menschen überlebt haben. Im Filial Altenburg starben zur selben Zeit 55 Menschen. Auch 1634/35 brach die Pest aus. Sie wurde von spanischen Söldnern eingeschleppt.

Im Dreißigjährigen Krieg bot der Ort wegen seiner günstigen Lage und der Neckarbrücke ein vorzügliches Quartier. Vor dem Sturm des Obristen Walter Butler auf Urach, am 12. November 1634, lagen in und um Oferdingen katholische Verbände. Herzog Eberhard III. war nach der Schlacht bei Nördlingen ins Straßburger Exil geflohen. Württemberg wurde damals von dem kaiserlichen Statthalter Karl Ludwig Ernst von Sulz verwaltet. Im April 1638 drangen einige weimarische Verbände unter Taupadel und Schaffalitzky durch den Schwarzwald vor und besetzten wichtige Städte in Württemberg (u. a. Tuttlingen, Balingen, Tübingen, Urach, Stuttgart). Sie wollten die geraubten Klöster und Pfandschaften und damit das gesamte Herzogtum wieder dem rechtmäßigen Herren, Eberhard III., zurückgeben. Dieser stand nach langen, kraftzehrenden Verhandlungen kurz vor der Rückkehr in sein um die Hälfte verkleinertes Territorium.

Bernhard von Schaffalitzky, der in Urach weilte, ergriff die Gelegenheit und verhandelte sogleich mit verschiedenen Städten wegen der Landesverteidigung. Am liebsten hätte er das Landesaufgebot ausgehoben und es Eberhard III. zugeführt. Das Unternehmen ließ sich gut an: Die württembergischen Bauern liefen den Befreiern scharenweise entgegen und erboten sich, „die Waffen zu ergreifen, wenn der Herzog nur selbst erscheine“.[1] Doch als in Reutlingen einer ihrer Rädelsführer aufs Rad geflochten wurde und der Kaiser seinen Heerführer Johann Graf von Götz auf den Weg schickte, erlosch die anfängliche Begeisterung im Volk so schnell, wie sie aufgeflackert war.

Derweil hielt die kaiserliche Armee mit 16.000 Mann auf dem Tübinger Wörth beeindruckende Heerschau. Die Weimarer hatten sich sehr rasch aus dem Staub gemacht und verließen neben Tübingen nun auch Rottenburg am Neckar. Im götzschen Heer zog damals auch Hans Jakob Christoffel von Grimmelshausen, der später seinen Simplicissimus verfasste.

Auch die kleine weimarsche Besatzung von Urach wollte sich eilends mit Bernhard von Sachsen-Weimars Hauptmacht vereinen, die bei Tuttlingen aufzog. Am 20. April 1638 stellten sich die Kaiserlichen bei Sondelfingen ihnen in den Weg. Schaffalitzkys Einheit wurde aufgerieben und bis auf wenige Männer vernichtet. Der Kampf tobte so heftig, dass am nächsten Morgen tote Kinder auf den Straßen aufgelesen werden mussten.

Auch in Oferdingen erlebt man hierauf das Grauen. Als die Kaiserlichen am 21. April über den Neckar abzogen, zündeten sie den Flecken an. Die meisten Bewohner waren zuvor nach Reutlingen geflohen. Kirche samt Pfarr- und Messnerhaus wurden ein Raub der Flammen. Am 4. Mai erreichte Götz die Reichsstadt Rottweil. Weimar erschien mit der gesamten Reiterei, doch Götz wich geschickt über das Kinzigtal aus. Schließlich stellte ihn Weimar zur Schlacht bei Wittenweiher. Götz verließ schwer gebeutelt das Feld und musste sich nach Württemberg zurückfallen lassen.

Im Vorfeld der Schlacht bei Tuttlingen im Jahre 1643 wurde Oferdingen Schauplatz eines Gefechts. Die Weimarer und Franzosen (Graf von Sayn-Wittgenstein und Obrist Friedrich Ludwig Kanoffski), die hier lagerten, wurden von Johann von Werths Reiterei überfallen. Mit 2000 Mann warf er die Wachen der Franzosen zurück und zündete den Ort abermals an. Werth erbeutete das gesamte Gepäck und 800 Pferde, verlor aber selbst über 100 Mann.[2][3]

Der heutige alte Friedhof wurde 1626 „südlich am Ort“ angelegt. Der alte Begräbnisplatz am Kirchhof war nach der Pestzeit unvorteilhaft und zu klein geworden. 1655 wurde die Oferdinger Kirche zusammen mit dem Pfarrhaus neu errichtet.

Neuzeit

Das Rathaus wurde 1783 erbaut. Das 1816 erbaute Schulhaus (heutiger Kindergarten) enthielt zwei Lehrzimmer und die Wohnung des Schulmeisters. 1867 hatte Oferdingen 464 Einwohner.[4] Bis 1938 gehörte Oferdingen dem Oberamt Tübingen an, das hierauf im Landkreis Tübingen aufging. Am 1. Januar 1971 wurde Oferdingen im Zuge der Gemeindereform, in die Stadt Reutlingen eingemeindet.

Religionen

Die meisten Einwohner der Gemeinde Oferdingen sind evangelisch. Es gibt eine evangelische Kirche, die Clemenskirche. Sie besitzt einen eigenen Pfarrer.[5]

Wappen

Blasonierung: Unter blauem Schildhaupt, darin drei sechsstrahlige goldene Sterne, in Gold eine dreilatzige rote Fahne

Kultur und Sehenswürdigkeiten

Regelmäßige Veranstaltungen

  • Maifest am 1. Mai (Tanz unter dem Maibaum)
  • Birkhölzlesturnier
  • Weinfest
  • Fischerhockete
  • Dorffest (alle zwei Jahre)
  • TSV Sportlerball (Tanzabend in der Turn- und Festhalle Oferdingen)
  • Erntedankfest mit Gottesdienst

Wirtschaft und Infrastruktur

Verkehr

Es besteht eine direkte Anbindung an die B 297 (NürtingenTübingen). Über die Nachbarorte Altenburg und Rommelsbach besteht eine Verbindung zur B 464/B 27 in Richtung Stuttgart.

Oferdingen ist an das Stadtbusnetz der Reutlinger Stadtverkehrsgesellschaft angeschlossen. Die Linie 3 verbindet den Ort mit Reutlingen und über Pliezhausen mit Walddorfhäslach. Die Schnellbuslinie X3 verkehrt von Pfullingen über Reutlingen und Oferdingen zum Flughafen und zur Messe Stuttgart.

Bildung

In Oferdingen gibt es eine Grundschule mit rund 104 Schülern.

Persönlichkeiten

Söhne und Töchter der Gemeinde

  • Albert von Kolb (1817–1876), Oberamtmann, Landtagsabgeordneter
  • Dominik Kuhn (Dodokay; * 16. September 1969 in Reutlingen), Produzent, Regisseur, Sprachkünstler (Voice Artist), Musiker und Übersetzer.
  • Ines Martinez (Ines Füldner; * 3. Februar 1966 in Frankfurt) besuchte in Oferdingen die Grundschule, Sängerin, Kabarettistin und Moderatorin.[6]

Politik

Der Bezirksbürgermeister des Reutlinger Stadtteils, Ralph Schönenborn, trat im Oktober 2015 von seinem Amt zurück.[7] Als Grund nannte er wiederholte Anfeindungen gegen sich und seine Frau, weil er sich dafür eingesetzt hatte, eine Sammelunterkunft für über 70 Flüchtlinge auf einem zentralen Grundstück in Oferdingen einzurichten. Der Bezirksgemeinderat lehnte die Pläne jedoch ab und forderte Schönenborns Rücktritt. Schönenborn berichtet in seinem Rücktrittsschreiben, dass er sich Verunglimpfungen und Drohungen aus der Oferdinger Bevölkerung ausgesetzt sah.[8]

Eine sogenannte "Flüchtlingsinitiative" wollte erreichen, dass kein Containerdorf in Oferdingen gebaut wird und wesentlich weniger Flüchtlinge in den Ort kommen. Dafür sammelte die Initiative 700 Unterschriften in dem 2400 Einwohner Ort.[9]

Literatur

  • Gemeindeverwaltung Oferdingen (Herausgeber): Oferdingen: Bilder aus vergangenen Zeiten (Gebundene Ausgabe). ISBN 3-895708-99-2.

Weblinks

 Commons: Oferdingen  – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
 Wikisource: Oferdingen in der Beschreibung des Oberamts Tübingen von 1867 – Quellen und Volltexte

Einzelnachweise

  1. Gerhard Aßfahl: Bernhard Schaffalitzky von Muckendel in Lebensbilder aus Schwaben und Franken, 12. Band, Kohlhammer Verlag Stuttgart, 1972.
  2. Geschichte der innerhalb der gegenwärtigen Gränzen des Königreichs ... von Carl von Martens, Stuttgart 1847.
  3. Geschichte der Achalm und der Stadt Reutlingen: in ihrer ..., Bände 1-2 von Carl Christian Gratianus, Tübingen 1831.
  4. Beschreibung des Oberamts Tübingen. Herausgegeben von dem Königlichen statistisch-topographischen Bureau. Stuttgart, H. Lindemann.1867.
  5. Kirchenführer Clemenskirche Oferdingen
  6. Homepage von Ines Martinez
  7. Reutlinger General-Anzeiger: Ralph Schönenborn tritt zurück
  8. SWR: Bezirksbürgermeister von Oferdingen tritt zurück Drohungen nach Ärger über Flüchtlingsheim
  9. Oferdinger Rücktritt und Reaktionen: Wie Bezirksbürgermeister Ralph Schönenborn seinen Rückzug begründet

Kategorien: Stadtteil von Reutlingen | Ehemalige Gemeinde (Landkreis Reutlingen)

Quelle: Wikipedia - http://de.wikipedia.org/wiki/Oferdingen (Vollständige Liste der Autoren des Textes [Versionsgeschichte])    Lizenz: CC-by-sa-3.0

Änderungen: Alle Bilder mit den meisten Bildunterschriften wurden entfernt. Ebenso alle zu nicht-existierenden Artikeln/Kategorien gehenden internen Wikipedia-Links (Bsp. Portal-Links, Redlinks, Bearbeiten-Links). Entfernung von Navigationsframes, Geo & Normdaten, Mediadateien, gesprochene Versionen, z.T. ID&Class-Namen, Style von Div-Containern, Metadaten, Vorlagen, wie lesenwerte Artikel. Ansonsten sind keine Inhaltsänderungen vorgenommen worden. Weiterhin kann es durch die maschinelle Bearbeitung des Inhalts zu Fehlern gerade in der Darstellung kommen. Darum würden wir jeden Besucher unserer Seite darum bitten uns diese Fehler über den Support mittels einer Nachricht mit Link zu melden. Vielen Dank!

Stand der Informationen: August 201& - Wichtiger Hinweis: Da die Inhalte maschinell von Wikipedia übernommen wurden, ist eine manuelle Überprüfung nicht möglich. Somit garantiert LinkFang.de nicht die Richtigkeit und Aktualität der übernommenen Inhalte. Sollten die Informationen mittlerweile fehlerhaft sein, bitten wir Sie darum uns per Support oder E-Mail zu kontaktieren. Wir werden uns dann innerhalb von spätestens 10 Tagen um Ihr Anliegen kümmern. Auch ohne Anliegen erfolgt mindestens alle drei Monate ein Update der gesamten Inhalte.