Oberlind (Sonneberg) - LinkFang.de





Oberlind (Sonneberg)


Oberlind
Stadt Sonneberg
Höhe: 363 m
Einwohner: 4500
Eingemeindung: 1. Juli 1950
Postleitzahl: 96515
Vorwahl: 03675

Oberlind war eine Kleinstadt im Landkreis Sonneberg in Thüringen und wurde am 1. Juli 1950 mit ca. 4500 Einwohnern in die Kreisstadt eingemeindet.[1]

Lage

Der heutige Sonneberger Stadtteil Oberlind liegt in einer Ebene vor dem Südhang des Thüringer Mittelgebirges am Flüsschen Steinach.

Geschichte

Oberlind wurde 1225 erstmals urkundlich als „Lind“ erwähnt. Am 29. Januar 1931 wurde die Marktgemeinde durch den thüringischen Innenminister Frick zur Stadt erhoben. Als besondere Sehenswürdigkeit steht in Sonneberg-Oberlind die gut erhaltene Wehrkirche St. Aegidien aus dem Jahr 1455. Ihre Anfänge gehen auf das 12. Jahrhundert zurück. Rings um die Kirche lief ein Wassergraben. Die Wehrmauer ist noch gut erhalten und an der Innenseite sind zum Teil noch die Halterungslöcher für den hölzernen Wehrumgang vorhanden. Bis 1761 bestattete man die Toten der Gemeinde innerhalb der Wehrmauer unmittelbar an der Kirche.

Oberlind war 1679 von Hexenverfolgung betroffen. Barbara Köhler, „lahm und gebrachlich“, geriet unter dem Vorwurf des Läusemachens in einen Hexenprozess.[2]

In Oberlind stand ein Schloss, das 1778 abbrannte und eingeebnet wurde. Erbauer war die Adelsfamilie von Kemmaten, die im Jahr 1600 erlosch, als der letzte Kemmater wegen der Ermordung seines Sohnes in Coburg hingerichtet wurde. Herzog Casimir von Sachsen-Coburg belehnte erst die Adelsfamilie von Wolfskeel, danach übernahm Georg Hartmann von Erffa zu Unterlind den Besitz. 1699 wird Amtmann Johann Prieffer von Miespach auf Gut Kemmeten genannt. Ab 1767 war das Schlösschen der Sitz des Forstdepartements, das nach dem Brand in das Oberamtshaus in der Altstadt von Sonneberg verlegt wurde.[3]

In der Mitte des 19. Jahrhunderts setzte auch in Oberlind die industrielle Entwicklung ein, die den dörflichen Charakter der Kleinstadt überlagerte. Im historischen Rückblick sind außer der im Sonneberger Raum sowieso vorherrschenden Spielwarenfabrikation noch die Produktionsstätte der Siemens-Schuckertwerke von 1913 (heute die Firma EIO) und die 1867 aus einer Schmiede entstandene Maschinenfabrik Dorst zu nennen. Berühmter Sohn der Eigentümerfamilie Dorst ist der Schriftsteller Tankred Dorst. 1922 wurde Oberlind zwangsweise nach Sonneberg eingemeindet. 1924 machte das Thüringer Innenministerium dies nach Einsprüchen wieder rückgängig.[4]

Oberlind wurde im April 1945 durch US-amerikanische Truppen besetzt, die Anfang Juli durch Rote Armee abgelöst wurden. Zwischen November 1945 und März 1946 wurden durch den sowjetischen Geheimdienst NKWD aus dem kleinen Ort 27 Jugendliche ab 16 Jahren verhaftet und durch ein Militärtribunal unter „Werwolf“-Vorwurf zum Tode durch Erschießen oder zu langjährigem Arbeitslager verurteilt; vier Todesurteile wurden vollstreckt. In Lagern oder auf dem Transport in die Sowjetunion verstarben neun weitere Jugendliche.[5]

Neben Tankred Dorst ist der Politiker Wilhelm Sollmann einer der bekanntesten Söhne des Ortes.

Wappen

Das Oberlinder Wappen zeigt eine im Stil vereinfachte Linde mit fünf grünen Herzblättern über einer fünfzinnigen Mauerkrone. In ihr liegt waagerecht ein Silberschwert mit goldenem Griff, das die Marktgerechtigkeit andeutet.

Kultur und Sehenswürdigkeiten

Baudenkmäler

Hauptartikel: Liste der Kulturdenkmale

Einzelnachweise

  1. Gemeinden 1994 und ihre Veränderungen seit 01.01.1948 in den neuen Ländern, Verlag Metzler-Poeschel, Stuttgart, 1995, ISBN 3-8246-0321-7, Herausgeber: Statistisches Bundesamt
  2. Ronald Füssel: Die Hexenverfolgungen im Thüringer Raum, Veröffentlichungen des Arbeitskreises für historische Hexen- und Kriminalitätsforschung in Norddeutschland, Band 2, Hamburg 2003, S. 244.
  3. Prof. G. Brückner: Landeskunde des Herzogthums Meinigen, Band 2: Die Topographie des Landes, Verlag Brückner und Renner, Meinigen 1853, S. 449 f.
  4. Thomas Schwämmlein: Doppelnamen prägten die erste Reform. In: Freies Wort, 14. Februar 2013
  5. Benno Prieß: Erschossen im Morgengrauen. Eigenverlag Calw, 2002. Mitherausgeber: Landesbeauftragte für die Unterlagen des Staatssicherheitsdienstes der DDR. ISBN 3-926802-36-7. S. 122/123

Weblinks

 Commons: Oberlind (Sonneberg)  – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Kategorien: Ort im Landkreis Sonneberg | Ehemalige Gemeinde (Landkreis Sonneberg) | Sonneberg

Quelle: Wikipedia - http://de.wikipedia.org/wiki/Oberlind (Sonneberg) (Vollständige Liste der Autoren des Textes [Versionsgeschichte])    Lizenz: CC-by-sa-3.0

Änderungen: Alle Bilder mit den meisten Bildunterschriften wurden entfernt. Ebenso alle zu nicht-existierenden Artikeln/Kategorien gehenden internen Wikipedia-Links (Bsp. Portal-Links, Redlinks, Bearbeiten-Links). Entfernung von Navigationsframes, Geo & Normdaten, Mediadateien, gesprochene Versionen, z.T. ID&Class-Namen, Style von Div-Containern, Metadaten, Vorlagen, wie lesenwerte Artikel. Ansonsten sind keine Inhaltsänderungen vorgenommen worden. Weiterhin kann es durch die maschinelle Bearbeitung des Inhalts zu Fehlern gerade in der Darstellung kommen. Darum würden wir jeden Besucher unserer Seite darum bitten uns diese Fehler über den Support mittels einer Nachricht mit Link zu melden. Vielen Dank!

Stand der Informationen: August 201& - Wichtiger Hinweis: Da die Inhalte maschinell von Wikipedia übernommen wurden, ist eine manuelle Überprüfung nicht möglich. Somit garantiert LinkFang.de nicht die Richtigkeit und Aktualität der übernommenen Inhalte. Sollten die Informationen mittlerweile fehlerhaft sein, bitten wir Sie darum uns per Support oder E-Mail zu kontaktieren. Wir werden uns dann innerhalb von spätestens 10 Tagen um Ihr Anliegen kümmern. Auch ohne Anliegen erfolgt mindestens alle drei Monate ein Update der gesamten Inhalte.