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Ober-Roden


Ober-Roden
Höhe: 140 m ü. NHN
Fläche: 17,57 km²[1]
Einwohner: 12.542 (31. Dez. 2013)[2]
Bevölkerungsdichte: 714 Einwohner/km²
Eingemeindung: 1. Januar 1977
Postleitzahl: 63322
Vorwahl: 06074

Ober-Roden ist ein Stadtteil von Rödermark im Landkreis Offenbach in Hessen.

Lage

Ober-Roden liegt südöstlich von Frankfurt am Main und nordöstlich von Darmstadt, ca. 20 km südlich von Offenbach am Main auf dem 50. Breitengrad. Die Ortschaft liegt auf einer Höhe von 140 m ü. NHN an dem Flüsschen Rodau.

Geschichte

Territorialgeschichte

786 schenkte die dem fränkischen Hochadel entstammende Aba ihr Eigenkloster Rotaha, ein Nonnenkloster, dem Kloster Lorsch. Die Lage des Klosters auf dem Ober-Rodener Kirchhügel konnte durch archäologische Ausgrabungen nachgewiesen werden. Hier fanden sich neben Kirchenbauten auch Siedlungsbefunde. Diese Siedlung wurde 790 erstmals in einer Schenkung, ebenfalls an das Kloster Lorsch, erwähnt. Auch am 22. April 791 schenkte ein fränkischer Adliger namens Erlulf seinen gesamten Besitz in Ober-Roden, Nieder-Roden und Bieber dem Kloster Lorsch.[3] Weitere Schenkungen datieren aus den Jahren 792, 798 und 810.[4] 903 wurde das Kloster Rotaha als Besitz des Lorscher Klosters bestätigt. Die Pfarrkirche in Ober-Roden ist, wie das Kloster Lorsch, dem heiligen Nazarius geweiht.

Mit dem in der Urkunde von 786 ebenfalls genannten Niwenhof befand sich im Bereich von Ober-Roden auch eine frühmittelalterliche Burg, die sich später zu einem Herrenhof entwickelte. Ober-Roden befand sich dann im Besitz der Familie Hagen-Münzenberg und ging mit der Münzenberger Erbschaft 1255 an eine Erbengemeinschaft über, die letztendlich aus den Familien der Herren von Hanau und von Eppstein je zur Hälfte bestand.[5] 1303 und 1331 einigen sich Ulrich II. von Hanau und Siegfried von Eppstein über ihre Rechte und Einkünfte in Ober-Roden. Als Teil des Amtes Steinheim wurde das Dorf 1425 von den Herren von Eppstein an Kurmainz verkauft. Die Hälfte davon ging 1438 als Pfand wiederum an Hanau.[6] Für die nächsten Jahrhunderte war der Erzbischof und Kurfürst von Mainz Landesherr. Hier gehörte es zum Oberen Erzstift, dem Oberamt Steinheim und zur Amtsvogtei Dieburg. 1446 ist der Zehnte im Besitz der Grafen von Hanau. 1576 steht die Oberhoheit in Ober-Roden je zur Hälfte den Grafen von Hanau-Lichtenberg und Kurmainz zu. 1684 tritt Hanau seinen Anteil an Mainz ab.

1786 wurde die Markgenossenschaft Röder Mark, bis dahin ein großer, gemeinschaftlicher Wald, unter den ihr angehörenden Gemeinden Ober- und Nieder-Roden, Urberach, Messel, Dietzenbach, Hainhausen, Jügesheim und Dudenhofen aufgeteilt. Ober-Roden erhielt so seinen Gemeindewald.

Mit der Säkularisation kam Ober-Roden an die Landgrafschaft Hessen-Darmstadt, das spätere Großherzogtum Hessen. Nun gehörte es nacheinander zu folgenden Verwaltungseinheiten:

Am 1. März 1958 schloss sich Messenhausen vollständig an Ober-Roden an, nachdem es bereits seit 1821 der Bürgermeisterei angeschlossen war, aber einen eigenen Gemeindehaushalt behalten hatte. Am 1. Januar 1977 wurde durch Zusammenschluss per Gesetz der bis dahin selbstständigen Gemeinden Ober-Roden und Urberach im Zuge der hessischen Gebietsreform die Gemeinde, seit dem 23. August 1980 Stadt Rödermark gegründet.[7] Beide Gründungsgemeinden kamen vom Landkreis Dieburg zum Landkreis Offenbach.[8] Ober-Roden ist heute der größte der fünf Stadtteile von Rödermark.

Historische Namensformen

In erhaltenen Urkunden wurde Ober-Roden unter den folgenden Namen erwähnt (in Klammern das Jahr der Erwähnung):[1]

  • Raodora (786)
  • Rotaha (790)
  • Rotahen superiore et inferiore (791)
  • Rotaha (792)
  • Rotaher (796)
  • Rota (800)
  • Rotahe (805-813)
  • Rodahe (815)
  • Rotaha (10. Jahrhundert)
  • Rothaha (903)
  • Obir Rota (1303)
  • Obern Rodauw (1371)
  • Ober Roda (1446)
  • Superior Roda (1472)
  • Obern Rodawe (1485)
  • Ober roden (1550)
  • Ober Roden (1716)

Einwohnerentwicklung

Belegte Einwohnerzahlen sind:[1]

  • 1576: 80 Familien
  • 1681: 31 Haushaltungen mit 117 Einwohnern
  • 1829: 1295 Einwohner
  • 1939: 3672 Einwohner
  • 1961: 6459 Einwohner
  • 1970: 9257 Einwohner
  • 2007: 12.749 Einwohner
Ober-Roden: Einwohnerzahlen von 1834 bis 1967
Jahr  Einwohner
1834
  
1.521
1840
  
1.669
1846
  
1.703
1852
  
1.862
1858
  
1.910
1864
  
1.724
1871
  
1.769
1875
  
1.931
1885
  
1.845
1895
  
2.052
1905
  
2.579
1910
  
2.798
1925
  
3.122
1939
  
3.672
1946
  
4.253
1950
  
4.562
1956
  
5.250
1961
  
6.459
1967
  
8.362
Datenquelle: Histo­risches Ge­mein­de­ver­zeich­nis für Hessen: Die Be­völ­ke­rung der Ge­mei­nden 1834 bis 1967. Wies­baden: Hes­sisches Statis­tisches Lan­des­amt, 1968.

Durch die Suburbanisierung der 1960er- und 1970er-Jahre wurde Ober-Roden zu einer Pendlergemeinde.

Kirchengeschichte

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Die Pfarrkirche St. Nazarius in Ober-Roden war Mutterkirche für Urberach, Nieder-Roden, Messel und Dudenhofen. Sie wird erstmals 1303 erwähnt. Das Patronat lag ursprünglich bei den Herren von Hagen-Münzenberg, nach dem Anfall der Münzenberger Erbschaft ab 1256 bei den Herren von Hanau. 1323 wird ein eigener Pfarrer für Ober-Roden erwähnt. Im Mittelalter und in der frühen Neuzeit war kirchliche Mittelbehörde das Archidiakonat St. Peter und Alexander in Aschaffenburg, Landkapitel Rodgau.

Zum Ende des ersten Drittels des 16. Jahrhunderts errichtete Reinhard von Hanau-Lichtenberg (1494 - 1537), Pfarrer in Ober-Roden, mit seinem Testament die Ober-Rodener Spendung, eine wohltätige Stiftung, die bis heute besteht.

Die mittelalterliche Kirche wurde 1644 bei einem Brand zerstört und 1660 durch eine neue Kirche an gleicher Stelle ersetzt.

Die heutige Pfarrkirche St. Nazarius wurde dort 1896 erbaut. Ihr 52,5 Meter hoher Kirchturm ist sehr markant und weithin sichtbar. Er prägt die Silhouette der Ortschaft.

Politik

Wappen

Das Wappen wurde am 10. Juni 1963 durch das Hessische Innenministerium genehmigt.

Blasonierung: „In goldenem Schild über gezinntem roten Mauerwerk wachsend ein blaues Schwert, darüber ein roter Sparren.“[9]

Das Schwert ist das des Schutzheiligen der Besitztümer des Klosters Lorsch, St. Nazarius. Die Mauer steht für den 1350 erhaltenen Status als freier Gerichtssitz. Der Sparren stammt aus dem Wappen der Grafen von Hanau, in deren Besitz Ober-Roden bis 1648 war, und wurde in das Wappen Rödermarks übernommen.

Öffentlicher Personennahverkehr

Der Bahnhof Rödermark-Ober Roden stellt einen lokalen Knotenpunkt im ÖPNV dar.

Eisenbahn

S-Bahn
Regionalbahn RB 61
Buslinien OF-46 OF-95 674 679 684
Nachtbuslinien n65 n66

1895 erhielt Ober-Roden mit der Rodgaubahn, die von Offenbach (Main) Hauptbahnhof über Ober-Roden nach Dieburg an der Main-Rhein-Bahn führt, Anschluss an das Eisenbahnnetz. 1905 kam die Dreieichbahn über Urberach nach Buchschlag an der Main-Neckar-Eisenbahn hinzu. Heute stellt sich die Anbindung folgendermaßen dar:

Bus

  • Verschiedene Buslinien verbinden Ober-Roden zudem mit dem Umland:
Linie OF-95: Neu-Isenburg - Dietzenbach - Ober-Roden - Urberach
Linie 674: Ober-Roden – Dieburg - Darmstadt
Linie 679: Ober-Roden – Dieburg - Groß-Zimmern - Reinheim
Linie 684: Ober-Roden – Eppertshausen - Münster - Darmstadt
  • Seit Dezember 2009 enden 2 Nachtbuslinien in Ober-Roden:
Linie n65: Ober-Roden – Rodgau - Offenbach-Marktplatz
Linie n66: Ober-Roden – Dietzenbach - Offenbach-Marktplatz
In Offenbach-Marktplatz besteht Anschluss an die S-Bahnlinie S8 sowie die Nachtbuslinien n61 und n63 nach Frankfurt.
  • Seit August 2012 verbindet der Stadtbus Rödermark den Stadtteil Messenhausen mit Ober-Roden:
Linie OF-46: Messenhausen - Ober-Roden Bahnhof - Breidert - Industriegebiet - Bahnhof Westseite - Messenhausen

Kultur und Bildung

Die mächtige neugotische Pfarrkirche St. Nazarius (im Volksmund auch „Rodgaudom“ genannt) und einige Fachwerkhäuser bilden den historischen Stadtkern.

Oberroden besitzt eine Stadtbücherei und eine Kulturhalle

Kinderhort und Grundschule liegen direkt an der Rodau im Zentrum von Ober-Roden. In Ober-Roden befindet sich weiter die Oswald-von-Nell-Breuning-Schule, eine Gesamt- und Europaschule.

Persönlichkeiten

Literatur

  • Barbara Demandt: Die mittelalterliche Kirchenorganisation in Hessen südlich des Mains. = Schriften des Hessischen Landesamtes für geschichtliche Landeskunde 29 (1966), S. 141.
  • Max Herchenröder: Die Kunstdenkmäler des Landkreises Dieburg. 1940, S. 230ff.
  • Friedhelm Jürgensmeier u.a.: Die benediktinischen Mönchs- und Nonnenklöster in Hessen. = Germania Benedictina 8: Hessen. 2004, S. 891–899.
  • Jörg Leuschner, Egon Schallmayer: 1200 Jahre Ober-Roden in der Rödermark. Chronik 786–1986. 1986.
  • Uta Löwenstein: Grafschaft Hanau. In: Ritter, Grafen und Fürsten – weltliche Herrschaften im hessischen Raum ca. 900-1806 = Handbuch der hessischen Geschichte 3 = Veröffentlichungen der Historischen Kommission für Hessen 63. Marburg 2014. ISBN 978-3-942225-17-5
  • Wilhelm Müller: Hessisches Ortsnamenbuch. Band 1: Starkenburg. 1937, S. 536ff, 614.
  • Karl Pohl: Die wechselvolle Geschichte des Patroziniums der St.Nazarius-Kirche Oberroden - Rödermark. 2009, (E-Book) ISBN 978-3-640-39689-4.
  • Hans Georg Ruppel (Bearb.): Historisches Ortsverzeichnis für das Gebiet des ehem. Großherzogtums und Volksstaats Hessen mit Nachweis der Kreis- und Gerichtszugehörigkeit von 1820 bis zu den Veränderungen im Zuge der kommunalen Gebietsreform. = Darmstädter Archivschriften 2. 1976, S. 164.
  • Regina Schäfer: Die Herren von Eppstein. Herrschaftsausübung, Verwaltung und Besitz eines Hochadelsgeschlechts im Spätmittelalter. Historische Komm. für Nassau, Wiesbaden 2000, ISBN 3-930221-08-X, S. 367, 374–375, 379.
  • Egon Schallmayer: Beispiel Ober-Roden (Stadt Rödermark): Ein Ort erhält Geschichte. Geschichtsschreibung und Archäologie im Zusammenwirken. In: Zeitschrift für Archäologie des Mittelalters. Bd. 33 (2005), S. 145–162.
  • Dagmar Söder: Kulturdenkmäler in Hessen. Kreis Offenbach. = Denkmaltopographie Bundesrepublik Deutschland. 1987, S. 237ff.

Weblinks

Einzelnachweise

  1. 1,0 1,1 1,2 „Ober-Roden, Landkreis Offenbach“. Historisches Ortslexikon für Hessen. In: Landesgeschichtliches Informationssystem Hessen (LAGIS). (Stand: 29. Juni 2015)
  2. Rödermark: Zahlen, Daten, Fakten. Einwohnerzahl HW und NW , abgerufen im Juli 2016.
  3. Minst, Karl Josef [Übers.]: Lorscher Codex (Band 3), Urkunde 1965, 22. April 791 – Reg. 2311. In: Heidelberger historische Bestände – digital. Universitätsbibliothek Heidelberg, S. 353, abgerufen am 29. Februar 2016.
  4. Ortsliste zum Lorscher Codex, Roden (Niederroden, Oberroden) , Archivum Laureshamense – digital, Universitätsbibliothek Heidelberg.
  5. Löwenstein, S. 206.
  6. Löwenstein, S. 206, 209.
  7. Statistisches Bundesamt (Hrsg.): Historisches Gemeindeverzeichnis für die Bundesrepublik Deutschland. Namens-, Grenz- und Schlüsselnummernänderungen bei Gemeinden, Kreisen und Regierungsbezirken vom 27. 5. 1970 bis 31. 12. 1982. W. Kohlhammer GmbH, Stuttgart und Mainz 1983, ISBN 3-17-003263-1, S. 355 und 375.
  8. Gesetz zur Neugliederung des Landkreises Offenbach vom 26. Juni 1974 In: GVBl.I 1974/22
  9. Staatsanzeiger für das Land Hessen 1963 Amtsblatt Nr. 25 Seite 694

Kategorien: Ort im Landkreis Offenbach | Ehemalige Gemeinde (Landkreis Offenbach) | Rödermark

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