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Norwegische Kirche


Die Norwegische Kirche (Bokmål Den norske kirke, Nynorsk Den norske kyrkja) ist die evangelisch-lutherische Volkskirche in Norwegen.

Die Kirche ist Mitglied im Lutherischen Weltbund (LWB) und im Weltkirchenrat. Sie ist auch Mitglied der Porvoo-Gemeinschaft und der Gemeinschaft Evangelischer Kirchen in Europa und hat mit den angeschlossenen Kirchen volle Kirchengemeinschaft vereinbart.

Geschichte

1537 führte Christian III. in Norwegen die Reformation ein. Die evangelische Glaubenslehre erlangte den Status einer Staatsreligion, der erst 2012 ein Ende fand. Im Verlauf des 18. Jahrhunderts stand die Kirche verstärkt unter dem Einfluss des Pietismus, der den Zusammenhang von Glauben und Handeln besonders betont.

Artikel 2 der Verfassung von Eidsvoll (1814) bestätigte die evangelisch-lutherische Religion als öffentliches Bekenntnis des norwegischen Staates. Sie unterstellte die Kirche der Kontrolle von Parlament und Regierung. Das Storting fungierte als Kirchenparlament, der König als Kirchenoberhaupt. Bis 1969 lautete die offizielle Bezeichnung „Norwegische Staatskirche“ (statskirken/statskyrkja).

1842 wurde das Verbot der Laien-Predigt aufgehoben, was zu einer Vielzahl von Strömungen innerhalb der Kirche führte.

Die Ordination von Frauen wird seit 1961 praktiziert. 2013 erlaubte die Norwegische Kirche die kirchliche Segnung gleichgeschlechtlicher Paare[1]und seit April 2016 ist die kirchliche Trauung gleichgeschlechtlicher Paare kirchenrechtlich erlaubt.[2]

Reformprozess

Neues Staatskirchenrecht 2012

2008 einigte sich das norwegische Parlament auf ein Gesamtpaket zur Reform der Norwegischen Kirche. Das Verhältnis von Staat und Kirche wurde auf eine neue Grundlage gestellt. Die notwendige Verfassungsänderung erfolgte am 21. Mai 2012. Der König ist nicht länger Oberhaupt, er und seine evangelisch-lutherischen Minister bilden nicht länger den Staatskirchenrat (den kirkelige statsråd). Damit entfällt auch das Quorum, dass mindestens die Hälfte der Regierungsmitglieder der Kirche angehören musste. Statt wie bisher vom Staatskirchenrat ernannt werden die Bischöfe zukünftig in demokratisch legitimierten Wahlen bestimmt. Das Storting tritt nur noch als Gesetzgeber des Kirchengesetzes (kirkeloven) in Erscheinung, für die inneren Angelegenheiten der Kirche ist es nicht mehr zuständig.

In Vorbereitung dieses Schrittes wurde schon 2010 zusätzlich zu den Bischofsämtern der elf Stifter (Bistümer) das Amt eines Präses der Bischofsversammlungen als primus inter pares mit Sitz in Trondheim eingerichtet, entsprechend den Erzbischofsämtern der Evangelischen Kirchen Schwedens und Finnlands. Zum 25. März 2011 wurde dieses Amt mit der Bischöfin Helga Haugland Byfuglien besetzt.

Die Norwegische Kirche bewahrt als mit Abstand größte Glaubensgemeinschaft des Landes den Status einer „Volkskirche“. Die Verfassung sichert ihr weiterhin die Unterstützung des Staates zu. Diese Förderung sollen aber auch die übrigen religiösen Gemeinschaften erhalten. Bischöfe, Pröpste und Pastoren bleiben dienstrechtlich Staatsbeamte. Die Kirche finanziert sich weiterhin durch staatliche Zuweisungen, nicht etwa durch Mitgliederbeiträge.

Neue Liturgien 2011

Am 1. Sonntag im Advent 2011 wurde die gottesdienstliche Ordnung für neue Texte, Handlungen und Zeichen geöffnet. Zukünftig soll mehr Musik einbezogen werden, das Repertoire soll sich ausdrücklich auch auf Rockmusik und norwegischen Folk erstrecken. Die Taufliturgie wird stärker auf Freude und Dank ausgerichtet. Fürbitten sollen sich stärker auf lokale oder aktuelle globale Ereignisse beziehen dürfen. Handlungen wie Kerzenentzünden sollen mehr Raum bekommen. Kirchgänger können stärker als bisher in die Vorbereitung und Durchführung des Gottesdienstes einbezogen werden. Die Möglichkeit zu Einkehr und stillem Gebet soll gewährleistet sein.

Demokratie-Reform 2011

Da die Norwegische Kirche mit der Verfassungsänderung von 2012 selbst über die Vergabe von Ämtern entscheiden wird, musste sie dem Storting zusichern, die innerkirchliche Demokratie zu stärken. Die landesweite Kirchenwahl wurde daher um zwei Jahre auf den 11. und 12. September 2011 vorgezogen. Um die Wahlbeteiligung günstig zu beeinflussen, erfolgte der Urnengang zeitgleich mit der norwegischen Kommunalwahl. Sie betrug schließlich 13,4 Prozent.

Neues Gesangbuch 2013

2013 wurde ein neues Gesangbuch eingeführt. Norsk salmebok 2013 ersetzt das Norsk Salmebok von 1985 und dessen Erweiterung Salmer 1997. Das offizielle Gesangbuch enthält nun 899 Lieder, davon wurden 240 erstmals aufgenommen.[3]

Gliederung

Die Norwegische Kirche gliedert sich in elf Bistümer (bispedømme). Am 2. Oktober 2011 wurde ein zwölftes Bischofsamt geschaffen: Der Präses der Bischofskonferenz verfügt jedoch nicht über ein eigenes Bistum, sondern führt nur die Aufsicht über die Nidarosdompropstei in Trondheim.

Bistümer

Propsteien, Kirchenkreise, Gemeinden

Die unteren Ebenen der Kirche bilden Propstei (norw. prosti) und Gemeinde (Sokn).

Mitglieder

Der Norwegischen Kirche gehörten am 1. Januar 2013 rund 76 % der Bevölkerung an. Es wurden 3.848.295 Mitglieder gezählt; 65.000 Gottesdienste verzeichneten insgesamt rund 6 Millionen Teilnehmer im Jahr 2012.[4] 10 % nehmen mehr als einmal pro Monat an Gottesdiensten teil.

Kirchenwahlen

Wahlbeteiligung bei der Kirchenwahl (Gemeinderatswahl) seit 1997.[5]

  • 1997 3,0 %
  • 2001 3,6 %
  • 2005 4,3 %
  • 2009 13,1 %
  • 2011 13,4 %

Siehe auch

Weblinks

Einzelnachweise

  1. www.queer.de:Norwegens Bischöfe freunden sich mit Ehe-Öffnung an
  2. Frankfurter Rundschau.de:Homo-Trauung in Norwegen trifft auf Zustimmung
  3. Kva er nytt i Norsk salmebok 2013? Webseite der Norwegischen Kirche, abgerufen am 24. Dezember 2013
  4. Church of Norway, 2012 Statistisk Norway 19. Juni 2013
  5. Norwegische Kirche abgerufen am 21. Juli 2012

Kategorien: Lutherische Denomination | Norwegische Kirche

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