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Meschduretschje (Kaliningrad, Tschernjachowsk)

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Siedlung
Meschduretschje
Norkitten

Междуречье
Flagge Wappen
Föderationskreis Nordwestrussland
Oblast Kaliningrad
Rajon Tschernjachowsk
Gegründet um 1376
Frühere Namen Norwykitten (1376),
Nerwiketen (um 1400),
Norbekitten (um 1466),
Burg Nerwekotin (um 1525),
Norkitten (bis 1946)
Bevölkerung 559 Einwohner
(Stand: 14. Okt. 2010)[1]
Höhe des Zentrums 13 m
Zeitzone UTC+2
Telefonvorwahl (+7) 40141
Postleitzahl 238177
Kfz-Kennzeichen 39, 91
OKATO 27 239 802 008
Geographische Lage
Koordinaten }

Meschduretschje (russisch Междуречье; deutsch Norkitten; litauisch Narkyčiai ) ist ein Dorf im Rajon Tschernjachowsk in der russischen Oblast Kaliningrad. Der Ort gehört zur Landgemeinde Swobodnenskoje.

Bis 1945 gehörte es zum Landkreis Insterburg des ostpreußischen Regierungsbezirkes Gumbinnen (heute russisch: Gussew).

Der einstige eingebundene Wohnplatz Bahnhof Norkitten ist heute eine gesonderte Siedlung und trägt die russische Bezeichnung Meschduretschje (Schelesnodoroschnaja stanzija).

Geographie

Meschduretschje liegt im zentralen Teil der Oblast der Mündung der Golubaja (Auxinne) in den Pregel nördlich des Waldgebietes Frunsenski les („Frunse-Wald“; früher Forst Astrawischken). Das Dorf liegt knapp 20 Kilometer westlich von Tschernjachowsk (Insterburg) und 70 Kilometer östlich von Kaliningrad (Königsberg).

Verwaltungstechnisch gehört der Ort seit 2008 heute zur Swobodnenskoje selskoje posselenije (Landgemeinde Swoboda (Jänischken, 1938–1946 Jänichen)) im Rajon Tschernjachowsk (Kreis Insterburg)..

Geschichte

Im 18. Jahrhundert wurde Norkitten Hauptsitz der anhalt-dessauischen Güter, die Fürst Leopold I. von Anhalt-Dessau (der „Alte Dessauer“) hier zwischen 1721 und 1726 für etwa 14.000 Reichstaler erwarb, nachdem das Gebiet 1709 und 1710 durch die Pest mehr als die Hälfte aller Bewohner verloren hatte. Rechtlich war dieses Gebiet jedoch nicht Eigentum des Landes Anhalt, sondern Privatbesitz des Herzogshauses Anhalt und blieb dies bis zur Vertreibung und Enteignung im Jahre 1944/1945.

Durch Kriegsereignisse hatte das Dorf mehrfach schwer zu leiden. Am 30. August 1757 kam es während des Siebenjährigen Krieges beim etwa sechs Kilometer südwestlich gelegenen, heute nicht mehr existierenden Dorf Groß Jägersdorf zur Schlacht bei Groß-Jägersdorf. Vom 11. Juni 1812 an durchzogen die Truppen Napoléons auf ihrem Marsch nach Russland die dessauischen Güter in ihrer gesamten Längenausdehnung. Bei Norkitten als Etappenplatz wurden Lager aufgeschlagen, die Felder neben der Heerstraße zerfahren und die Wiesen vollständig abgehütet. In den Wäldern bauten sich die Truppen rücksichtslos Laubhütten und fällten die Bäume planlos.

1860 wurde die Eisenbahnstrecke von Königsberg zur Grenze des Russischen Reiches bei Eydtkuhnen, Teil der Preußischen Ostbahn, an Norkitten vorbeigeführt und ein Bahnhof errichtet. Norkitten war Hauptort des gleichnamigen Amtsbezirks, hatte eine 1733 erbaute evangelische Kirche, mehrere Dampfmahl- und Sägemühlen sowie eine Oberförsterei. Die Einwohnerzahl stieg bis zum Beginn des Zweiten Weltkriegs kontinuierlich. 1885 hatte der Ort 376, 1933 1090 und 1939 1146 Einwohner.

Am Beginn des Krieges gegen die Sowjetunion befand sich bei Norkitten ein Stützpunkt der Luftwaffe. Zum Ende des Krieges war der Ort stark umkämpft; eine Sprengung der Pregelbrücke gelang den deutschen Truppen nicht mehr. In der Nacht vom 21. zum 22. Januar 1945 wurde das Dorf von der Sowjetischen Armee besetzt.

1947 erhielt das Dorf den russischen Namen Meschduretschje mit der Bedeutung zwischen den Flüssen.[2] Nach der Flucht und Vertreibung der Deutschen aus dem Landstrich zog nur relativ wenig Bevölkerung nach. Aus den enteigneten Gütern um Norkitten entstand ein Sowchos (Staatsgut).[3] Von 1947 bis 1961 war Meschduretschje Sitz eines Dorfsowjets. Danach gelangte der Ort in den Dorfsowjet Bereschkowski. Seit 2008 gehört Meschduretschje zur Landgemeinde Swobodnenskoje.

Amtsbezirk Norkitten (1874–1945)

Am 11. März 1874 wurde Norkitten Amtsdorf und damit namensgebend für einen Amtsbezirk, der bis 1945 bestand und zum Kreis Insterburg im Regierungsbezirk Gumbinnen der preußischen Provinz Ostpreußen gehörte. Ihm waren als Landgemeinden (LG) und Gutsbezirke (GB) per 1. Januar 1908 zugeordnet[4]:

Name Veränderter Name
1938–1946
Russischer Name Bemerkungen
Kutkehmen (GB) seit 1928: Pregelau Uschakowo 1928 in die LG Stablacken, Amtsbezirk Puschdorf, eingegliedert
Mangarben (LG) Priwalowo 1928 in die LG Norkitten eingegliedert
Norkitten (LG) Meschduretschje
Norkitten (GB) Meschduretschje 1928 in die LG Norkitten eingegliedert
Paradeningken (GB) Paradefeld Trjochdworka 1928 in die LG Wiepeningken (ab 1928: Staatshausen),
Amtsbezirk Groß Bubainen (ab 1928: Waldhausen), eingegliedert
Schloßberg (GB) Botschagi 1928 in die LG Norkitten eingegliedert
Woynothen (GB) Kleinnorkitten Schljusnoje 1928 in die LG Norkitten eingegliedert
ab 1. Jan. 1939 außerdem:
Schönwiese Poddubnoje bis 1939 zum Amtsbezirk Saalau zugehörig
Siemohnen Sirenjewka bis 1939 zum Amtsbezirk Saalau zugehörig

Am 1. Januar 1945 bildeten nach den mannigfachen Umstrukturierungen noch drei Gemeinden den Amtsbezirk Norkitten: Norkitten, Schönwiese und Siemohnen.

Dorfsowjet Meschduretschenski 1947–1961

Der Dorfsowjet Meschduretschenski (ru. Междуреченский сельский Совет, Meschduretschenski selski Sowet) wurde im Juni 1947 eingerichtet.[2] Im Jahr 1961 wurde der Dorfsowjet wieder aufgelöst und (offenbar) an den Dorfsowjet Bereschkowski angeschlossen.[5]

Ortsname Name bis 1947/50 Jahr der Umbenennung
Balaschewskoje (Балашевское) Reichenhof 1950
Iswilino (Извилино) Daupelken, Ksp. Norkitten, und Uderballen, 1938–1945: „Otterwangen“ 1950
Kijewskoje (Киевское) Albrechtsthal und Klein Jägersdorf, 1938–1945: „Jägertal“ 1950
Meschduretschje (Междуречье) Norkitten 1947
Motornoje (Моторное) Groß Jägersdorf und Metschullen, 1938–1945: „Lehwald“ 1950
Poljanino (Полянино) Pfeiffershöhe 1950
Puschkarjowo (Пушкарёво) Puschdorf 1947
Schljusnoje (Шлюзное) Woynothen, 1938–1945: „Kleinnorkitten“ 1950
Swetajewka (Светаевка) Groß Eschenbruch 1950
Uralskoje (Уральское) Almenhausen 1950
Uschakowo (Ушаково) Kutkehmen und Stablacken, Ksp. Puschdorf, seit 1928: Pregelau 1950
Winogradnoje (Виноградное) Stutterei 1950
Woronowo (Вороново) Uszbundzen und Worpillen, zusammen seit 1928: Eichenstern 1950

Kirche

Hauptartikel: Kirche Norkitten

Kirchengebäude

Bald nach der Reformation entstand in Norkitten ein evangelisches Kirchengebäude. 1730 stürzte bei einem Starkgewitter der Turm auf das Kirchenschiff und zerstörte die Kirche. Zwischen 1731 und 1833 ließ Fürst Leopold Maximilian von Anhalt-Dessau in Norkitten eine neue Kirche errichten, die nach dem Vorbild der Georgenkirche in Dessau einen oval-länglichen Grundriss hatte. Das Backsteingebäude ist heute nur noch als Ruine zu sehen. Es wurde im Zweiten Weltkrieg beschädigt und danach dem Verfall preisgegeben.

Kirchengemeinde

Seit der Reformation ist Norkitten ein Kirchdorf mit überwiegend evangelischer Bevölkerung. 1925 umfasste das Kirchspiel 24 Orte, in denen 4.200 Gemeindeglieder lebten. Die Kirche Norkitten gehörte bis 1945 zum Kirchenkreis Insterburg in der Kirchenprovinz Ostpreußen der Kirche der Altpreußischen Union. Bis 1945 amtierten hier 24 lutherische Geistliche.

In Meschduretschje ist in den 1990er Jahren eine neue evangelisch-lutherische Gemeinde entstanden. Sie ist eine Filialgemeinde der Kirchenregion Tschernjachowsk (Insterburg) in der Propstei Kaliningrad[6] der Evangelisch-lutherischen Kirche Europäisches Russland.

Sehenswürdigkeiten

In Meschduretschje steht ein Obelisk zur Erinnerung an den unter hohen Verlusten errungenen russischen Sieg in der Schlacht bei Groß-Jägersdorf während des Siebenjährigen Krieges 1757. Das ehemalige fürstlich-anhaltische Schloss von Norkitten ist heute ebenso wie die Dorfkirche eine Ruine.

Infrastruktur

Meschduretschje liegt an der heute breitspurigen (1520 mm) Eisenbahnstrecke (MoskauVilnius–)Nesterow–Kaliningrad (Streckenkilometer 1215 ab Moskau). Der Bahnhof befindet sich etwa zwei Kilometer östlich des Dorfes.

Durch das Dorf führt die Fernstraße A229 Nesterow–Kaliningrad, Teil der Europastraße 28, der früheren Reichsstraße 1.

Einzelnachweise

  1. Itogi Vserossijskoj perepisi naselenija 2010 goda. Kaliningradskaja oblastʹ. (Ergebnisse der allrussischen Volkszählung 2010. Oblast Kaliningrad.) Band 1 , Tabelle 4 (Download von der Website des Territorialorgans Oblast Kaliningrad des Föderalen Dienstes für staatliche Statistik der Russischen Föderation)
  2. 2,0 2,1 Durch den Указ Президиума Верховного Совета РСФСР от 17 июня 1947 г.«Об образовании сельских советов, городов и рабочих поселков в Калининградской области» (Erlass des Präsidiums des Obersten Sowjets der RSFSR vom 17. Juni 1947: Über die Bildung von Dorfsowjets, Städten und Arbeitersiedlungen in der Oblast Kaliningrad).
  3. Syrovatko (Hrsg.): Odnoselčanʹe : narodnaja povestʹ. RGU, Kalininingrad 2006, ISBN 5-88874-682-7, S. 58 (Interviews mit russischen Umsiedlern; russisch; online (PDF-Datei; 918 kB)).
  4. Rolf Jehke, Amtsbezirk Norkitten
  5. Vgl. etwa [1]
  6. Evangelisch-lutherische Propstei Kaliningrad

Weblinks


Kategorien: Ort in Ostpreußen

Quelle: Wikipedia - http://de.wikipedia.org/wiki/Meschduretschje (Kaliningrad, Tschernjachowsk) (Vollständige Liste der Autoren des Textes [Versionsgeschichte])    Lizenz: CC-by-sa-3.0

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