Niemtsch - LinkFang.de





Niemtsch


Niemtsch
Höhe: 100 m
Einwohner: 356 (31. Dez. 2014)
Eingemeindung: 31. Dezember 2001
Postleitzahl: 01968
Vorwahl: 03573

Niemtsch (obersorbisch Němješk) ist ein Ortsteil der brandenburgischen Kreisstadt Senftenberg im Landkreis Oberspreewald-Lausitz. Er liegt in der nördlichen Oberlausitz direkt am Senftenberger See sowie an der Schwarzen Elster.

Geschichte

Deutung und Entwicklung des Ortsnamens

Niemtsch wurde 1496 als Nemjesk erwähnt, dies ist die sorbische Bezeichnung für Deutscher. Dieser Name täuscht jedoch darüber hinweg, dass der Ort eine sorbische Gründung war. 1733 hatte sich der Name bereits zu Niemitzsch entwickelt.

Chronik

Niemtsch wurde in einer wald- und wasserreichen Umgebung als sorbisches Rundplatzdorf gegründet. Der Ort verfügte über einen Weinberg mit Weinbergsteichen. 1733 wurde der Amtshauptmann von Senftenberg Friedrich von Götz auf Hohenbocka mit Niemtsch belehnt.

Im Jahr 1938 begann im Tagebau Niemtsch die Braunkohleförderung. Kurz vor Ende des Zweiten Weltkrieges 1945 wurde der Tagebau mutwillig geflutet. Am 1. Dezember 1945 konnte mit der Kohleförderung wieder begonnen werden. Der letzte Kohlezug verließ den Tagebau am 15. Mai 1966. Anschließend wurde der Tagebau geflutet und in den Senftenberger See umgewandelt.

Am 1. Januar 1974 wurde Niemtsch in den Nachbarort Brieske eingegliedert. Am 6. Mai 1990 kam es jedoch wieder zur Ausgliederung von Niemtsch.[1] Mit Ablauf des 31. Dezember 2001 wurden beide Orte nach Senftenberg eingemeindet.[2] Von 1992 bis Ende 2001 gehörte Niemtsch zum Amt Am Senftenberger See.

Bevölkerungsentwicklung

Einwohnerentwicklung in Niemtsch von 1875 bis 2000[3]
Jahr Einwohner Jahr Einwohner Jahr Einwohner Jahr Einwohner Jahr Einwohner Jahr Einwohner
1875 200 1933 362 1964 303 1989 1993 238 1997 303
1890 250 1939 370 1971 278 1990 201 1994 265 1998 326
1910 300 1946 389 1981 1991 210 1995 291 1999 328
1925 368 1950 364 1985 1992 222 1996 305 2000 342

Sehenswürdigkeiten und Tourismus

In Niemtsch gibt es eine Anlegestelle für das Motorschiff Santa Barbara, das auf dem Senftenberger See Rundfahrten anbietet. Unweit der Anlegestelle befindet sich ein Campingplatz. Die direkt am Senftenberger See gelegene Gaststätte Niemtscher Mühle ist vor allem im Sommer ein beliebtes Ausflugsziel bei Radwanderern.

Anlässlich der 500-Jahr-Feier von Niemtsch wurde am 1. Juli 1996 das private Bergbaumuseum Niemtsch eröffnet. Geleitet wurde es von Dieter Müller, der in seiner 45-jährigen Tätigkeit im Braunkohlebergbau zeitgenössische Gegenstände des Bergbaus gesammelt hat. Zur Sammlung gehören etwa 1250 Briketts, vor allem Schmuck-, Sonder- und Zierbriketts. Darunter befinden sich wertvolle Stücke und einmalige Exemplare, beispielsweise das erste Brikett der Firma „Henkel“ aus dem Jahr 1871. Darüber hinaus enthält die Sammlung Bergmannslampen, Steigerhäckel und weitere Bergmannsutensilien sowie grafische Darstellungen von bergmännischen Produktionsabläufen. Zwischenzeitlich wurde das Bergbaumuseum geschlossen. Sobald die Stadt Senftenberg einen geeigneten Ort gefunden hat, wird die Sammlung als Leihgabe dort ausgestellt.[4]

Auf dem Dorfanger befindet sich ein Kriegerdenkmal für die Gefallenen des Ersten Weltkriegs mit einer Ergänzungstafel für die Gefallenen des Zweiten Weltkriegs.

Niemtscher Park und Rittergut

In Niemtsch gab es ein Rittergut mit Schlosspark. Das dazugehörige Herrenhaus, die Stallungen und die Nebengebäude wurden Ende 2011 abgerissen.[5] Das Herrenhaus wurde von 1820 bis 1840 im klassizistischen Stil erbaut. Lehnsherr war die Familie von Götz.[6]

Der 17 Hektar große Niemtscher Park verfügt über einen alten Bestand an Laubbäumen. Im Park ist ein Naturlehrpfad eingerichtet. Der einstige Schlosspark diente wahrscheinlich als Waldweide für die herrschaftlichen Tiere. Der Park ist heute ein kleiner Rest der dichten und artenreichen urwüchsigen Auenwälder, die sich einstmals entlang der Schwarzen Elster hinzogen. Im Frühjahr ist der Waldboden von einem Anemonenteppich überzogen und leuchtet in seiner weißen Farbe. Der Park ist Lebensraum für zahlreiche Pflanzen und Tiere. Park und Gutshaus gehören zu den Baudenkmalen in Senftenberg.

Literatur

Einzelnachweise

  1. Gemeinden 1994 und ihre Veränderungen seit 01.01.1948 in den neuen Ländern, Verlag Metzler-Poeschel, Stuttgart, 1995, ISBN 3-8246-0321-7, Herausgeber: Statistisches Bundesamt
  2. StBA: Änderungen bei den Gemeinden Deutschlands, siehe 2001
  3. Historisches Gemeindeverzeichnis des Landes Brandenburg 1875 bis 2005. Landkreis Oberspreewald-Lausitz. Landesbetrieb für Datenverarbeitung und Statistik Land Brandenburg, Dezember 2006, abgerufen am 10. September 2015 (PDF; 331 kB).
  4. Bergbaumuseum Niemtsch. Abgerufen am 10. September 2015.
  5. Schloss Niemtsch ist ein Haufen Schutt. In: Lausitzer Rundschau, Regionalausgabe Senftenberg. 26. Oktober 2011, abgerufen am 10. September 2015.
  6. Informationstafel in Niemtsch vor dem Herrenhaus

Weblinks

 Commons: Niemtsch  – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Kategorien: Ort im Landkreis Oberspreewald-Lausitz | Ehemalige Gemeinde (Landkreis Oberspreewald-Lausitz) | Senftenberg | Ort in der Oberlausitz

Quelle: Wikipedia - http://de.wikipedia.org/wiki/Niemtsch (Vollständige Liste der Autoren des Textes [Versionsgeschichte])    Lizenz: CC-by-sa-3.0

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