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Niederländische Antillen


Nederlandse Antillen
Niederländische Antillen
1954–2010
Flagge Wappen
Wahlspruch: Libertate unanimus
Amtssprache Niederländisch, Englisch, Papiamentu
Hauptstadt Willemstad
Staatsform Überseegebiet des Königreich der Niederlande
Staatsoberhaupt König der Niederlande
Regierungschef Premierminister der Niederländischen Antillen
Fläche 800 km²
Einwohnerzahl 218.126 (Stand Juli 2004)
Bevölkerungsdichte 227,2 Einwohner pro km²
Bruttoinlandsprodukt 4,1 Milliarden US-Dollar
Bruttoinlandsprodukt pro Einwohner 20.197 US-Dollar
Währung Antillen-Gulden (ANG)
Gründung 15. Dezember 1954
Auflösung 10. Oktober 2010
Nationalhymne Het Wilhelmus (1954–1964)

Tera di Solo y suave biento (1964–2000)
Volkslied zonder titel (2000–2010)

Zeitzone UTC −4
Kfz-Kennzeichen NA
ISO 3166 530
Internet-TLD .an (31. Juli 2015 endgültig gelöscht)
Telefonvorwahl +599
Datenstand bei Auflösung am 10. Oktober 2010 (ohne Aruba)

Die Niederländischen Antillen waren ein niederländisches Überseegebiet, das geographisch zur Inselgruppe der Kleinen Antillen in der Karibik gehörte. Bis zu ihrer Auflösung am 10. Oktober 2010 bildeten sie einen Landesteil innerhalb des Königreiches der Niederlande, neben den (europäischen) Niederlanden und Aruba, das bis Ende 1985 ebenfalls Teil der Niederländischen Antillen war.

Nach der Neuordnung der politischen Situation sind Curaçao und Sint Maarten autonome Länder innerhalb des Königreichs der Niederlande, vergleichbar mit Aruba. Die Inseln Bonaire, Saba und St. Eustatius sind Besondere Gemeinden der Niederlande, gehören jedoch keiner Provinz an. Seither spricht man allgemein von Niederländische Karibikinseln, wenn man die sechs Inseln gemeinsam meint.

Geographie

Die Niederländischen Antillen umfassten sechs, nach dem Ausscheiden Arubas 1986 noch fünf – bewohnte – Karibik-Inseln sowie einige kleinere, unbewohnte Inseln mit einer Gesamtfläche von 980 km². Diese gliederten sich geographisch in zwei mehr als 800 Kilometer voneinander entfernte Gruppen:

 Karte mit allen Koordinaten: OSM , Google oder Bing

Flagge Name Hauptort Koordinaten Fläche
km²
Ein-
wohner
Bevölkerungs-
dichte pro km²
Gegenwärtiger Status
Niederlandische Antillen Niederländische Antillen Willemstad 980 231.834
(2007)
237
(2007)
aufgelöst
seit 10. Oktober 2010
Curaçao Curaçao Willemstad 444 150.563
(2011)
339
(2011)
autonomes Land im Königreich
seit 10. Oktober 2010
Bonaire Bonaire Kralendijk 288 14.479
(2007)
50
(2007)
Besondere Gemeinde
seit 10. Oktober 2010
Aruba Aruba Oranjestad 180 101.484
(2010)
564
(2010)
autonomes Land im Königreich
seit 1. Januar 1986
Sint Maarten Sint Maarten Philipsburg 34 37.429
(2010)
1101
(2010)
autonomes Land im Königreich
seit 10. Oktober 2010
Sint Eustatius Sint Eustatius Oranjestad 21 2.498
(2007)
119
(2007)
Besondere Gemeinde
seit 10. Oktober 2010
Saba Saba The Bottom 13 1.424
(2007)
110
(2007)
Besondere Gemeinde
seit 10. Oktober 2010

Die etwa 230.000 Einwohner waren zu etwa 85 % afrikanischer Abstammung. Auf Sint Maarten erreichte die Zahl der Ausländer 49 %, also jeder Zweite hatte hier eine andere als die niederländische Staatsangehörigkeit.

Geschichte

Die Encyclopaedie van Nederlandsch West-Indië (deutsch: Enzyklopädie von Niederländisch-Westindien) erschien als ein Standardwerk zwischen 1914 und 1917.

1954 wurde den Niederländischen Antillen vollständige Autonomie in Bezug auf interne Angelegenheiten gewährt. Für Außenpolitik und Verteidigung war jedoch weiterhin das Königreich der Niederlande zuständig.

Bis zum 31. Dezember 1985 gehörte die Insel Aruba ebenfalls zum Gebiet der Niederländischen Antillen.

Politik

Die Verwaltung der Niederländischen Antillen bestand aus einer Regierung und den Staten, dem Parlament. Der Gouverneur vertrat das Staatsoberhaupt des Königreiches, Königin Beatrix, und war formell Regierungsleiter. Die politische Verantwortlichkeit lag aber bei dem Ministerpräsident und den Ministern. Die letzte Ministerpräsidentin war Emily de Jongh-Elhage. Die Staten der Niederländischen Antillen zählten 22 Sitze, nach einer festen Formel über den Inseln verteilt: 14 für Curaçao, 3 für Sint Maarten, 3 für Bonaire, 1 Sitz für Sint Eustatius sowie 1 für Saba. Regierungskoalitionen bildeten sich in der Regel aus den Parteien der verschiedenen Inseln.

Die Niederländischen Antillen waren nicht Teil der Europäischen Union, sondern hatten eine bevorzugte Beziehung unter dem Status von Überseeischen Ländern und Hoheitsgebieten (siehe: Gebiet der Europäischen Union).

Seit Anfang 2006 waren die Inseln Grund für außenpolitische Differenzen zwischen Venezuela und dem Königreich der Niederlande. Der venezolanische Präsident Hugo Chávez behauptete, die Niederlande würden den USA die Errichtung von Militärbasen erlauben, die für eine geplante Invasion Venezuelas genutzt werden sollten. Am 23. Mai 2006 begann ein internationales Militärmanöver (Joint Caribbean Lion 2006) unter Beteiligung der US-Navy.

Reform der Beziehungen im Königreich

Anfang der 1990er Jahre begann eine Diskussion über die politische Zukunft der Niederländischen Antillen. Manche Politiker auf Curaçao und Sint Maarten, unter diesen auch Mitglieder der damaligen Antillen-Regierung, befürworteten eine Autonomie (Status aparte) für ihre Inseln nach dem Vorbild von Aruba. In Referenden auf den verschiedenen Inseln sprach sich 1993 und 1994 die Mehrheit der Stimmberechtigten jedoch für den Fortbestand von „neu strukturierten“ Niederländischen Antillen aus. Auf Curaçao z. B. stimmten damals 73,6 % für einen Verbleib im Verband der Niederländischen Antillen, 17,9 % für Autonomie, 8 % für Eingliederung in die Niederlande (als Provinz oder Gemeinde) und nur 0,5 % für vollständige Unabhängigkeit. Auf den anderen Inseln war das Ergebnis vergleichbar, nur auf Sint Maarten war eine große Minderheit von 32 % für Autonomie. Die Regierung trat daraufhin zurück.

Nachdem sich die Bevölkerung Sint Maartens in einem neuen Referendum Juni 2000 mit 69 % für Autonomie aussprach, begannen erneut Gespräche über die Auflösung der Niederländischen Antillen als politische Einheit. Ein spezieller Beratungsausschuss aus Politikern und Experten empfahl der niederländischen Regierung 2004 die Auflösung des Landes Niederländische Antillen, die Bildung zweier neuer Länder Curaçao und Sint Maarten innerhalb des Königreichs der Niederlande und die Eingliederung der übrigen Inseln Bonaire, Saba und Sint Eustatius in die Niederlande. In neuen Referenden auf den Inseln (außerhalb Sint Maartens) bestätigte die Bevölkerung 2004 und 2005 die Empfehlungen des Ausschusses, nur auf Sint Eustatius stimmte eine Mehrheit weiterhin für einen Fortbestand der Niederländischen Antillen. Ende 2005 erreichten die Inseln Übereinstimmung mit der niederländischen Regierung über die Auflösung der Niederländischen Antillen 2008. Am 11. Oktober 2006 gelangten Bonaire, Saba und Sint Eustatius zu einem Übereinkommen mit den Niederlanden über ihren künftigen Rechtsstatus als „Besondere Gemeinden“ der Niederlande.

Entsprechend einem am 15. Dezember 2008 auf Curaçao gefassten Beschluss wurden die Niederländischen Antillen zum 10. Oktober 2010 als politisches Gebilde aufgelöst.

Sprachen

Niederländisch und Papiamentu waren die zwei offiziellen Amtssprachen der Niederländischen Antillen. Auf den Inseln über dem Winde (St. Maarten, Saba, St. Eustatius) war Englisch die Verkehrssprache, auf den Inseln unter dem Winde (Bonaire, Curaçao) war Papiamentu die Verkehrssprache und zweite Amtssprache. Der Unterricht in den Schulen fand in der Grundschule wahlweise auf Englisch oder Niederländisch (St. Maarten, Saba, St. Eustatius) bzw. Papiamentu oder Niederländisch (Bonaire, Curaçao) statt. Ab der Mittelschule (5. Klasse) fand der Unterricht nur noch auf Niederländisch statt, weil die Abschlussprüfung auf Niederländisch und die gleiche Prüfung wie in den Niederlanden war. Der weitere Hochschulunterricht fand in den Niederlanden statt. Ab dem Schuljahr 2008/09 wurde auf Curaçao der Unterricht nicht mehr auf Papiamentu gegeben, da zu viele Defizite zu Tage getreten sind (es gab z. B. ausschließlich niederländischsprachige Lehrbücher). Der katholische Schulverband beschloss daher, ab dem Schuljahr 2008/09 wieder von der ersten Klasse an auf Niederländisch zu unterrichten. Dies entsprach auch dem Wunsch des Großteils der Bevölkerung. Seit Jahren waren die Anmeldungen für niederländischsprachige Schulen um das Zigfache höher, als Plätze vorhanden waren. Die Abschlussprüfungen wurden auf Niederländisch gestellt.

Alle öffentlichen Bekanntmachungen und Gesetze wurden auf Niederländisch abgefasst. Die Literatur der Inseln der ehemaligen niederländischen Antillen wurde hauptsächlich auf Niederländisch und Papiamentu geschrieben, nur ein kleiner Teil auf Englisch und Spanisch. Die folgende Tabelle gibt einen Überblick, welche Sprache wie viele Muttersprachler hatte.

Die am häufigsten gesprochenen Muttersprachen in Prozent der Bevölkerung (Volkszählung 2001, für Aruba Volkszählung 2000)
Insel Papiamentu Englisch Niederländisch Spanisch Andere
Aruba 69 8 6 13 3
Bonaire 75 3 9 12 2
Curaçao 81 3 8 6 2
Saba 1 88 2 5 4
Sint Eustatius 2 83 4 6 6
Sint Maarten 2 68 4 13 13
Niederländische Antillen 65 16 7 6 5

Infrastruktur

Das Stromnetz der ehemaligen Niederländischen Antillen hat 110 Volt und 60 Hertz.

Erwähnung verdient der Flughafen Sint Maartens, der Princess Juliana Airport, dessen Lage zahlreiche Schaulustige anlockt und begeistert. Der Landeanflug führt in den meisten Fällen bis kurz vor dem Aufsetzen der Maschinen über das Wasser. Unmittelbar vor der Landebahn befindet sich ein Strand, der gerne von Schaulustigen und anderen Interessierten aufgesucht wird, trotz bzw. gerade wegen des erheblichen Lärmes und den mitunter heftigen Böen, die durch die Flugzeuge verursacht werden. Die Flugzeuge fliegen die Landebahn über den Strand teilweise in nur etwa 20 Metern Höhe an.

Wirtschaft

Neben dem Fremdenverkehr, der die Haupteinnahmequelle der Inseln war, dienten die Inseln zahlreichen Banken als Zentrum. Daneben existierten auch kleinere Ölraffinerien.

Medien

Amigoe ist eine ansässige Tageszeitung in niederländischer Sprache. Antilliaans Dagblad ist eine weitere Zeitung. Daneben gibt es zahlreiche Zeitungen in der lokalen Sprache Papiamentu. Die verbreitetste ist die Zeitung Extra.

Literatur

  • Cornelis Christiaan Goslinga: A short history of the Netherlands Antilles and Surinam. Martinus Nijhoff, Den Haag 1979. ISBN 90-247-2118-0.
  • Walter Bodmer: Schweizer Tropenkaufleute und Plantagenbesitzer in Niederländisch-Westindien im 18. und zu Beginn des 19. Jahrhunderts. Verlag für Recht und Gesellschaft, Basel 1946.

Weblinks

 Commons: Niederländische Antillen  – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
 Wikivoyage: Niederländische Antillen – Reiseführer
 Wikimedia-Atlas: Niederländische Antillen – geographische und historische Karten

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