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Neum


Dieser Artikel beschreibt den Ort Neum in Bosnien-Herzegowina. Für die NEUM abgekürzte südafrikanische Organisation siehe Non European Unity Movement.
Neum
Неум
Basisdaten
Staat: Bosnien und Herzegowina
Entität: Föderation
Kanton: Herzegowina-Neretva
Koordinaten:
Fläche: 225 km²
Einwohner: 4.960 (2013)
Bevölkerungsdichte: 22 Einwohner je km²
Struktur und Verwaltung (Stand: 2012)
Bürgermeister: Živko Matuško (HDZ BiH)
Webpräsenz:

Neum (serbisch-kyrillisch Неум , [ˈnɛum]) ist ein Ort und die zugehörige Gemeinde mit knapp 5.000 Einwohnern im Süden von Bosnien und Herzegowina. Es bildet den einzigen Zugang des Landes zum Meer.

Geographie und Klima

Neum liegt an der Adria in einer kleinen, von der Halbinsel Pelješac geschützten Bucht. Der Ort hat die höchste durchschnittliche Jahrestemperatur in ganz Bosnien und Herzegowina. Er liegt in einer an ihrer schmalsten Stelle fünf Kilometer breiten Landzunge, die den südlichsten Teil Kroatiens (den um Dubrovnik und bis zur Grenze nach Montenegro) vom übrigen Kroatien trennt.

Politik

Politisch gehört die Gemeinde zum Kanton Herzegowina-Neretva der Föderation Bosnien und Herzegowina. Die überwiegende Mehrheit der Bevölkerung stellen die Kroaten. Laut der Volkszählung von 1991 lebten in der Gemeinde Neum 4.325 Einwohner. Davon bezeichneten sich 90 % als Kroaten, 4,3 % als Serben und 3,7 % als Bosniaken; 2 % der Bevölkerung wurden unter „Andere“ aufgelistet.[1] Zur Volkszählung 2013 war die Einwohnerzahl auf 4.960 angestiegen.

Neben dem Hauptort Neum gehören zur Gemeinde noch die Orte Babin Do, Banja, Brestica, Broćanac, Brštanica, Cerovica, Crnoglav, Cerovo, Čukova Greda, Dašanica, Dobri Do, Dobrovo, Dračevica, Donji Drijen, Dubravice, Duži, Grabovice, Glumina, Gornje Hrasno, Gradac, Hotanj, Hutovo, Ilino Polje, Jazine, Kamenice, Kiševo, Kolojanj, Moševiči, Mramor, Nerađe-Podstjene, Opuće, Oskorušnica, Prapratnica, Praovice, Previš, Podkula, Rabrani, Radež, Radetići, Vinine, Vranjevo Selo, Zelenikovac und Žukovice.

Geschichte

Auf dem Gebiet der Gemeinde Neum finden sich etliche Fundorte schon aus vorgeschichtlicher Zeit, allerdings ist die archäologische Forschung in diesem Gebiet noch mangelhaft. Aus der Zeit des mittelalterlichen bosnischen Königreichs findet sich eine große Anzahl an Stećci (Steingräber), vor allem im Hinterland.

Im Spätmittelalter war die Gegend um Neum Zankapfel zwischen der Republik Venedig und der Republik Ragusa. Mit dem Frieden von Karlowitz im Jahre 1699 wurde es Teil des Osmanischen Reichs, unter anderem, weil die Republik Ragusa eine weitere Stärkung Venedigs in der Region verhindern wollte und zu diesem Zweck den Osmanen als Puffer zum venetianischen Dalmatien einen Landstreifen im Nordwesten des ragusischen Herrschaftsbereiches anboten.[2] Die Osmanen erhielten hierdurch erstmals einen Meereszugang zur Adria.

Zur Zeit Napoléons blieb Neum zwar formell beim Osmanischen Reich, aber die Franzosen bauten eine Straße durch das Gebiet. Auch im Zeitalter der Österreichisch-Ungarischen Monarchie blieb Neum an Bosnien-Herzegowina angeschlossen. Im Jahre 1947 tauschte Bosnien und Herzegowina einen kurzen Küstenstreifen in der Bucht von Kotor mit Montenegro gegen ein Gebiet in den Bergen aus. Dadurch wurde Neum zum einzigen bosnisch-herzegowinischen Zugang zum Meer. Seit 1992 ist Neum Bestandteil des Staates Bosnien und Herzegowina.

Wirtschaft

Neum hat als einziger Ort in Bosnien und Herzegowina einen Zugang zum Meer. Deshalb hat es auch eine gewisse Bedeutung für den Sommertourismus. In den 1950er Jahren wurden die ersten Unterkünfte für Touristen gebaut, nach dem Bau der Adria-Magistrale 1965 ein Auto-Campingplatz. 1977 wurde das „Hotel Neum“ gebaut. Heute gibt es in Neum sechs Hotels und eine große Zahl von privaten Pensionen. Außer einheimischen Gästen überwiegen, wie auch sonst in kleineren Orten an der mittleren Adria, Touristen aus den Ländern des ehemaligen Ostblocks, vor allem Polen, Tschechen und Slowaken, zum Teil kommen auch deutsche und österreichische Touristen.

Verkehr und Sicherheit

Der Neum-Korridor stellt nach dem EU-Beitritt Kroatiens einen wesentlichen Verkehrsengpass dar. An dieser Stelle wird nicht nur ein Teil des zusammenhängenden kroatischen Territoriums, sondern auch die gemeinsame EU-Außengrenze in einem Abschnitt von weniger als 10 km unterbrochen. Im Rahmen der EU-Beitrittsverhandlungen Kroatiens wurde diese Besonderheit in politikübergreifender Hinsicht behandelt, weshalb im EU-Beitrittsvertrag Kroatiens Ausnahmeregelungen zum Neum-Korridor etwa in sicherheitspolitischer oder zollrechtlicher Hinsicht getroffen wurden (Schengener Abkommen).

Seit dem Frühjahr 2012 bestehen bilaterale Vereinbarungen zwischen Kroatien und Bosnien-Herzegowina über eine mögliche Sonderregelung im Straßenverkehrsbereich über den Neum-Korridor. Laut bosnisch-herzegowinischem Vorschlag soll eine doppelte Autobahnverbindung über diesen Teil des bosnisch-herzegowinischen Staatsterritoriums führen, wobei eine Verbindungsroute bautechnisch so gestaltet wäre, dass keine Grenzkontrollen vorgesehen wären und Reisende diese wenigen Kilometer frei überfahren dürften, was die Reisezeit nach Dubrovnik durch den Wegfall von Grenzwartezeiten erheblich verkürzen würde und zur besseren Steuerung von Transitverkehrsströmen, u.a. durch Vermeidung von Grenzformalitäten, führen würde. Insbesondere wäre dadurch der ursprünglich geplante und mittelintensive Bau einer Straßenbrücke zur Halbinsel Pelješac (Pelješac-Brücke) nicht erforderlich. Das Betreten bosnisch-herzegowinischen Staatsterritoriums von diesem Autobahnteilstück würde laut ersten Plänen mittels hoher Wände unterbunden werden. Die Verwaltung dieses Teilstücks soll angeblich den kroatischen Straßenbehörden überlassen werden.

Die zweite Autobahn-Verbindung würde reguläre Schengen-Grenzübertrittsstellen umfassen und über eine Verkehrsanbindung an das bosnisch-herzegowinische Straßennetz verfügen. Reisende hätten somit im Neum-Korridor die Wahl zwischen der Nutzung von zwei Verkehrsverbindungen und somit die Wahl zwischen einem Grenzübertritt oder einer durchgehenden Korridornutzung. Diese geplante Initiative zwischen Kroatien und Bosnien-Herzegowina unterliegt jedoch seit Mai 2012 der Prüfung der Europäischen Kommission. (Eine vergleichbare Regelung ohne bautechnische Maßnahmen bestand etwa für österreichische Bahnreisende über das deutsche Eck bei Rosenheim, als Österreich noch nicht Mitglied der EU war.) Die Baukosten sollen laut Planungen von beiden Staaten getragen werden. Bosnien-Herzegowina soll im Gegenzug besondere wirtschaftliche Nutzungsrechte im kroatischen Hafen von Ploče erlangen.[3]

Ein weiteres Problem besteht für Neum darin, dass es über keine ausgebaute Straßenverbindung mit dem Rest des bosnischen Staatsterritoriums verfügt, was vor allem die Absatzmöglichkeiten für Produkte aus Neum innerhalb des Landes einschränkt, da schwere LKWs den existierenden Weg in Richtung Stolac nicht befahren können, die Alternativroute jedoch über EU-Gebiet und damit durch die europäische Zollunion führt. Die Schaffung einer leistungsfähigen Verbindung zwischen Neum und Stolac ist seit den 1980er Jahren geplant, wurde jedoch bisher nicht umgesetzt.

Siehe auch

Einzelnachweise

  1. Daten auf der Website der Stadt Neum (Memento vom 12. März 2008 im Internet Archive)
  2. Franz Petter: Dalmatien in seinen verschiedenen Beziehungen dargestellt. Justus Perthes, Gotha 1857. Bd. 2, S. 170.
  3. Kroatisches Infrastrukturministerium (3. Mai 2012). "Sastanak ministara prometa RH i BiH: Inicijative za Sporazume"

Weblinks

 Commons: Neum  – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Kategorien: Gemeinde in Bosnien und Herzegowina | Ort im Kanton Herzegowina-Neretva

Quelle: Wikipedia - http://de.wikipedia.org/wiki/Neum (Vollständige Liste der Autoren des Textes [Versionsgeschichte])    Lizenz: CC-by-sa-3.0

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