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Neuhessischer Regiolekt


Neuhessisch ist eine Ausgleichsmundart in Südhessen. Es handelt sich um eine mundartliche Färbung des Hochdeutschen, ein sogenanntes Missingsch, die umgangssprachlich oft ebenfalls als „Hessisch“ bezeichnet wird, auch wenn sie prinzipiell der hochdeutschen Schriftsprache näher steht als der hessischen Mundart. In den städtischen Ballungsräumen ist die eigentliche hessische Mundart heute allerdings weitestgehend durch den neuhessischen Regiolekt ersetzt worden.

Hessische Mundart in Medien und Kultur

Überregionale Bekanntheit hat die hessisch eingefärbte Umgangssprache des Rhein-Main-Gebietes durch Hörfunk und Fernsehen erlangt, besonders durch den in Frankfurt ansässigen Hessischen Rundfunk. Das, was außerhalb Hessens zurzeit oftmals als „typische hessische Mundart“ angesehen wird, ist nur der Regiolekt des südhessischen Rhein-Main-Gebiets, auch „Fernsehhessisch“ genannt, der sich in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts herausgebildet hat.

In Hörfunk und Fernsehen wird das Südhessische so dargestellt, als würde es in ganz Hessen gesprochen. Dabei wird die Volkssprache noch stilisiert. Dialektologen und Sprachwissenschaftler diskutieren dies bereits als Neuhessisch, während einige derjenigen Bewohner Hessens, die sich durch die Bezeichnung des Südhessischen als hessischer Dialekt nicht repräsentiert sehen, dies abwertend als „Fernsehhessisch“ bezeichnen.

Besonders stark zu der verbreiteten Annahme, die Dialekte Südhessens seien „das Hessische“ schlechthin, hat wohl u. a. die ausgeprägte humoristische Tradition Südhessens in den Medien (s. u.) beigetragen. Zur besseren Identifikation des „Südhessischen“ wird daher mehr und mehr der Ausdruck „Äbbelwoihessisch“ (Apfelweinhessisch) benutzt.

Das Neuhessische wird auch von den modernen südhessischen Mundartautoren Kurt Sigel, Ernst Schildger oder Fritz Ullrich (Frankfurter Rundschau), nicht zuletzt die Autoren Rudolf Krämer-Badoni (Deutschland – Deine Hessen) und Herbert Heckmann verwendet. In den 1960er und 1970er Jahren kommen volkstümliche Fernsehsendungen und – aus lokaler Kleinkunst entstandenes – Entertainment hinzu, wie Heinz Schenks Zum Blauen Bock oder die legendären Hesselbachs mit Wolf Schmidt und Liesel Christ. Der aus Darmstadt stammende Schauspieler Günter Strack war immer wieder in südhessischen Dialektrollen zu sehen, besonders hervorzuheben ist die Filmreihe Hessische Geschichten, in der Strack verschiedene volkstümliche Charaktere verkörperte.

Literarisch bedeutsam für das moderne hessische Volkstheater der Gegenwart werden jedoch der Bühnenautor, Regisseur und Schauspieler Wolfgang Deichsel mit seinen Moliere-Bearbeitungen im Frankfurter Dialekt (Barock am Main, TAT, Schauspiel Frankfurt) wie auch die Schauspieler und Kabarettisten Michael Quast, Matthias Beltz und Walter Renneisen.

Die aufgrund der wirtschaftlichen Stärke der südhessischen Region das Sprach- und Kulturempfinden des Rhein-Main-Raumes stärker betonende Programmgestaltung des Hessischen Rundfunks ist wohl als mit ursächlich für die fortdauernde Popularisierung der im übrigen Deutschland verbreiteten Fehleinordnung des in Südhessen ansässigen Rheinfränkischen als gesamthessischer Dialekt anzuführen.

Als drastisches Beispiel hierfür wäre die mehrteilige Fernsehproduktion des Hessischen Rundfunks Der Winter, der ein Sommer war zu nennen. In dem in Kassel angesiedelten Fernsehfilm wird in einer Nebenrolle Hochdeutsch mit niederhessischem Anklang gesprochen, ansonsten bedienen sich in Dialektpassagen die Darsteller der gänzlich ortsfremden südhessischen Mundart.

Populärkultur

In jüngerer Zeit bestimmen Gruppen wie Saure Gummern (Ried-Blues), die Rockband Rodgau Monotones, die Comedy-Gruppen Badesalz und Mundstuhl, sowie die Komiker Bodo Bach und Maddin, aber auch der Kabarettist Urban Priol aus dem an der Grenze zu Südhessen liegenden, zum bayerischen Regierungsbezirk Unterfranken gehörenden Aschaffenburg sowie Rainer Bange aus Hanau die Regiolektszene im südhessischen Raum.

Man kann hier auch die Rap-Gruppe Rödelheim Hartreim Projekt einreihen. Hier wird eher ein hessisch-hochdeutsches Missingsch verwendet. Die dabei vorgetragenen Dialekte sind überwiegend Neuhessisch auf Frankfurterischem und auch Südhessischen Substrat, deren Formen im Frankfurter, Mainzer, Wiesbadener, Offenbacher, Aschaffenburger und Darmstädter Raum gesprochen werden, oder rheinfränkisch eingefärbtes Hochdeutsch.

Die regionalen Basisdialekte Mittel- und Oberhessens gehen in einem sich entwickelnden Neuhessisch entlang der wirtschaftlichen Verkehrsbeziehungen (spöttisch „ RMV-Hessisch“) im Süden auf.

Literatur

  • Heinrich J. Dingeldein: Grundzüge einer Grammatik des Neuhessischen. In: Brücken schlagen. „Weit draußen auf eigenen Füßen.“ Festschrift für Fernand Hoffmann. Hrsg. v. Joseph Kohnen, Hans-Joachim Solms und Klaus-Peter Wegera. Lang, Frankfurt am Main 1994, S. 273–309.
  • Hans Sarkowicz, Ulrich Sonnenschein (Hrsg): Die großen Hessen. Insel, Frankfurt a. M. / Leipzig 1996 (HR-Produktion).

Weblinks

Andere Regiolekte in Deutschland


Kategorien: Regiolekt | Deutsche Sprache | Kultur (Südhessen) | Kultur (Hessen)

Quelle: Wikipedia - http://de.wikipedia.org/wiki/Neuhessischer Regiolekt (Vollständige Liste der Autoren des Textes [Versionsgeschichte])    Lizenz: CC-by-sa-3.0

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