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Nekrophilie


Klassifikation nach ICD-10
F65.8 Sonstige Störungen der Sexualpräferenz
ICD-10 online (WHO-Version 2016)

Nekrophilie bezeichnet eine Sexualpräferenz, die auf Leichen gerichtet ist. Nekrophilie ist im ICD-10-Verzeichnis der psychischen Störungen unter „Sonstige Störungen der Sexualpräferenz“ (F65.8) als Paraphilie klassifiziert.

Nekrophilie ist ein neuzeitliches Kunstwort, das sich aus den altgriechischen Wörtern νεκρός nekrós ‚Toter‘, ‚Leiche‘ und φιλία philía ‚Zuneigung‘ ableitet. Die Bezeichnung entstammt dem 1886 verfassten Werk Psychopathia Sexualis von Richard von Krafft-Ebing.[1]

Nekrophilie in den Medien

Mit der Nekrophilie beschäftigen sich auch diverse Medien. So ist die Liebe zu Leichen beispielsweise Thema in den Filmen Nekromantik (1987) und Nekromantik 2 (1991) des deutschen Underground-Regisseurs Jörg Buttgereit sowie in Kissed (1996) von Lynne Stopkewich. In H. P. Lovecrafts Erzählung Die geliebten Toten (1924) wird ein Bestatter zum Serienmörder, um die Auftragslage aufzubessern und seiner unstillbaren Nekrophilie zu frönen.[2] Eine bekannte filmische Umsetzung der Nekrophilie-Thematik ist Alfred Hitchcocks Vertigo – Aus dem Reich der Toten (1958), wenn auch den Konventionen der Zeit und Hitchcocks komplexem Regiestil gemäß allenfalls kunstvoll verschlüsselte Hinweise und Andeutungen erfolgen. Eine weitere cineastische Annäherung an die Liebe zu Toten bis hin zur Besessenheit ist François Truffauts La chambre verte (Das grüne Zimmer) von 1978. Das Werk ist reich an interfilmischen Anspielungen, so auch auf Vertigo. In dem Thriller Der Vogelmann (The Birdman) von Mo Hayder wird die Geschichte eines Nekrophilen erzählt, der Prostituierte zu sich einlädt, sie tötet, um sich dann an ihnen zu befriedigen.

Darüber hinaus handeln Texte einzelner Bands von Nekrophilie: Die Rock-Band Rammstein behandelt die Thematik in dem Song Heirate mich; die Böhsen Onkelz im Lied Nekrophil, Insane Clown Posse in dem Lied Cemetery Girl, und die Dark-Metal-Band Eisregen mit den Liedern Blass-Blaue Lippen und "Meine tote russische Freundin" (welche indiziert wurden). Von Subway to Sally stammt das Lied Schwarze Seide um Carl von Cosel, der durch Nekrophilie bekannt wurde.

Nekrophilie nach Erich Fromm

In der analytischen Sozialpsychologie von Erich Fromm ist unter Nekrophilie eine Charakterorientierung zu verstehen, die in Verkehrung der biophilen Kräfte des Menschen (Biophilie) im modernen Sozialcharakter eine zunehmende Tendenz zur Zerstörung zeigt. Nekrophilie und Destruktivität sind nach Fromm die „Folge ungelebten Lebens“ (und – im Gegensatz zu Freud – nicht Ausdruck eines biologisch fixierten Destruktions- oder Todestriebes). Fromm wendet diesen Begriff sowohl auf die Charaktere einzelner Personen an als auch auf Züge der westlichen Zivilisation.

Auffällig an nekrophilen Menschen ist nach Fromm zum Beispiel eine Vorliebe für schlechte Gerüche – ursprünglich für den Geruch von verfaulendem oder verwesendem Fleisch. Die nekrophile Sprache benutzt vorwiegend Worte, die sich auf Zerstörung, auf Exkremente und Toiletten beziehen. Auf Grundlage solcher Beobachtungen haben Fromm und M. Maccoby einen interpretativen Fragebogen entwickelt und sind zu dem Ergebnis gekommen, dass biophile und nekrophile Tendenzen messbar seien und stark mit politischen und sozialen Einstellungen korrelierten.

Kennzeichen der Nekrophilie im sozialen Sinne ist nach Fromm eine Vergötterung der Technik. Symbole des Nekrophilen sind Fassaden aus Beton und Stahl, die Megamaschine (Technophilie), die Vergeudung von Ressourcen im Konsumismus und die Art, wie der Bürokratismus Menschen als Dinge behandelt.

In seinem Werk Anatomie der menschlichen Destruktivität lieferte Fromm eine Analyse der Nekrophilie und porträtierte Adolf Hitler als klinischen Fall von Nekrophilie.

Siehe auch

Literatur

Fußnoten

  1. Krafft-Ebing, Richard von (1886). Psychopathia Sexualis.
  2. H. P. Lovecraft und C. M. Eddy jr.: Die geliebten Toten, in: H. P. Lovecraft et al.: Azathoth, Suhrkamp, Frankfurt a.M. 1989, S. 41 ff.
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Kategorien: Sexualpräferenz | Sexualpraktik | Sexueller Fetischismus

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