Nachtflug - LinkFang.de





Nachtflug


Der Titel dieses Artikels ist mehrdeutig. Weitere Bedeutungen sind unter Nachtflug (Begriffsklärung) aufgeführt.

Ein Nachtflug (im Luftfahrtjargon auch scherzhaft als red-eye flight oder Pyjama-Bomber bezeichnet) ist ein während der Nachtzeit durchgeführter Flug. Die Nacht ist nach EASA-OPS (ehemals JAR-OPS) definiert als der Zeitraum zwischen dem Ende der bürgerlichen Abenddämmerung und dem Beginn der bürgerlichen Morgendämmerung (also dem Zeitraum der bürgerlichen Nacht) oder einem anderen, von der zuständigen Luftfahrtbehörde vorgeschriebenen Zeitraum zwischen Sonnenuntergang und Sonnenaufgang.[1] Die bürgerliche Dämmerung endet am Abend und beginnt am Morgen, wenn sich die Mitte der Sonnenscheibe 6° unter dem Horizont befindet.[2]

Situation in Deutschland

In der Bundesrepublik Deutschland galt nach der bisherigen LuftVO als Nacht der Zeitraum zwischen einer halben Stunde nach Sonnenuntergang und einer halben Stunde vor Sonnenaufgang. Die seit dem 6. November 2015 gültige Neufassung der LuftVO enthält diese für die Bundesrepublik Deutschland abweichende Regelung nicht mehr.

Für Nachtflüge muss ein Flugplan aufgegeben werden. Sie sind nur von und zu speziell dafür zugelassenen Flugplätzen erlaubt. Der Pilot benötigt dafür eine Instrumentenflugberechtigung oder Nachtflugqualifikation, das Luftfahrzeug eine Nachtflug-Ausrüstung und der Flugplatz eine Landebahnbefeuerung. Für viele Flugplätze gibt es Beschränkungen des Nachtflugverkehrs bis hin zum Nachtflugverbot. Dieses Flugverbot dient dem Schutz der im Umkreis wohnenden Bevölkerung gegen Nachtfluglärm, der als gesundheitsschädlich gilt.

Nachtflüge mit Flugzeugen der UL-Klasse sind nicht zulässig. Gemäß EU-Verordnung Nr. 1178/2011 (Part FCL) FCL.060 b) (2) ist für die Beförderung von Fluggästen bei Nacht ein Start und eine Landung bei Nacht innerhalb der vorhergehenden 90 Tage nötig, sofern der Pilot keine Instrumentenflugberechtigung, jedoch eine Nachtflugqualifikation besitzt.

Nachtflug mit Nachtsichtgerät

Im militärischen, polizeilichen und Luftrettungseinsatz werden Nachtflüge auch außerhalb der Nachtflugbestimmungen zugelassen und durchgeführt, wenn zugelassene Nachtsichtgeräte (Night Vision Goggles, NVG) eingesetzt und die Vorgaben bezüglich des Pilotentrainings eingehalten werden. Die Geräte, die Restlichtverstärkung nutzen, ermöglichen auch bei vollständiger Dunkelheit Hindernisse wie Stromleitungen, Masten oder Windräder zu erkennen. Während des NVG-Trainings müssen sich die Piloten insbesondere an das eingeschränkte Sichtfeld und die lediglich zweidimensionalen Bilder der NVG gewöhnen.[3]

Geschichte

Der erste Nachtflug wurde 1921 durch die US-amerikanische Luftpost von Omaha, Nebraska, nach Chicago, Illinois, durchgeführt. Die visuelle Unterstützung des Piloten fand durch starke bodenstationierte Scheinwerfer, alle 20 km entlang der Strecke, statt. Auch in Europa wurden zahlreiche Nachtflugstrecken mit derartigen Flugstreckenfeuern errichtet.[4] Den ersten internationalen Nachtflug mit Passagierbeförderung absolvierte 1923 die französisch-rumänische Compagnie franco-roumaine de navigation aérienne, kurz CFRNA, zwischen Belgrad und Bukarest.[5] Im Sommer 1926 eröffnete die Deutsche Lufthansa die Nachtflugstrecke Berlin–Königsberg.[6] Seit der Einführung von Funkfeuern wird die Funknavigation für gewerbliche Nachtflüge genutzt.

Einzelnachweise

  1. http://www.easa.europa.eu/agency-measures/docs/opinions/2011/04/Annexes%20to%20Regulation.pdf
  2. Definition Nacht in Sera-Artikel 2 (97)
  3. adac.de
  4. Josef Krings: Bemerkungen zu einem Streckenfeuer für die Zivilluftfahrt in Oberhausen um 1930-1940 (PDF; 1,7 MB; Zugang nur mit Passwort)
  5. The history of aviation in Romania. TAROM SA., 2012, archiviert vom Original am 17. Februar 2012, abgerufen am 6. April 2014 (english).
  6. http://www.hans-pfau-elbing.de/75201.html ; http://www.berlin-spotter.de/airlines/lufthansa.htm

Kategorien: Luftfahrtrecht | Flug

Quelle: Wikipedia - http://de.wikipedia.org/wiki/Nachtflug (Vollständige Liste der Autoren des Textes [Versionsgeschichte])    Lizenz: CC-by-sa-3.0

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