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Nachrichtensprache


Als Nachrichtensprache bezeichnet man den besonderen Stil, in dem Nachrichten für Hörfunk und Fernsehen verfasst sind und dem Hörer bzw. Zuschauer präsentiert werden.

Nachrichtenredaktionen in Hörfunk und Fernsehen geben sich meist eigene Regeln für ihre Nachrichten, doch gibt es Grundregeln, die prinzipiell von allen Nachrichtenredakteuren anerkannt werden. So sind Meldungen in der Jugend-/Popwelle 1 Live des WDR oder in den Kindernachrichten der ARD-Sendung Logo ! anders formuliert als sie in der Tagesschau vorkommen.

Allgemeine Vorgaben

Grundsätzlich sollen Meldungen für Nachrichtensendungen präzise, kurz und verständlich formuliert werden. Anders als bei Zeitungen kann ein Hörer (auch der Hörer von Fernsehnachrichten) einen Satz, den er nicht verstanden hat, nicht noch einmal lesen. Daraus ergibt sich für gesprochene und gehörte Nachrichten die Anforderung, dass ihre Sätze eingängig sind und nicht durch seltsame Wortwahl oder kuriose Konstruktionen zum Grübeln oder Schmunzeln und durch Schachtelsätze oder Fremdwörter zum Weghören verführen. Der Hörer soll, wenn er Nachrichten hört, nicht über Sprache oder Wortwahl nachdenken, sondern unmittelbar verstehen, was der Redakteur mitteilen wollte.

Bedeutungsformen

Der Begriff Nachrichtensprache hat zwei Aspekte. Zum einen kann er das Ideal einer Sprache meinen, die genau, direkt und verständlich ist. Zum anderen kann er sich auf die speziellen Satzkonstruktionen, Versatzstücke und journalistische Manierismen beziehen, die besonders in Nachrichten vorkommen. Dazu gehören etwa Satzteile wie „wie es hieß“, „wie aus gut unterrichteten Kreisen verlautete“ oder Wörter wie „unterdessen“ oder aneinander gereihte immer wiederkehrende substantivierte Verben wie „Einigung erzielt“, „Erklärung herausgegeben“ etc. Diese Nachrichtensprache ist ein Gebilde, das in der Tradition gewachsen ist, so distanziert und so vorsichtig wie möglich über politisches Handeln und meist katastrophale Ereignisse zu berichten. Nachrichten hatten immer den Anspruch, nicht Sprachrohr für Politiker oder weltanschauliche Gruppen zu sein, zugleich aber auch niemals zu bewerten oder auch nur zu interpretieren, was sie vermelden wollen. So entstehen Distanzierungsfloskeln wie „mögliche Gefahren“ (eine Gefahr bedeutet die Möglichkeit, dass etwas Schlimmes geschieht.)

Formulierungen

In der Regel bekommt der Nachrichtenredakteur seine Meldung von Nachrichtenagenturen bereits vorformuliert auf den Tisch. Agenturen legen vielfach den allgemeinen Sprachgebrauch fest, von dem Nachrichtenredakteure oft nicht abweichen. Nachrichtensprache wird in Deutschland sehr stark vom Stil der Nachrichtenagenturen bestimmt, die zugleich Zeitungsredaktionen bedienen und sich diesem Bedarf anpassen.

Daraus hat sich eine Art Nachrichten-Slang oder Nachrichten-Code entwickelt mit Wörtern und Sätzen, die im alltäglichen Sprachgebrauch veraltet sind und nur noch in den Nachrichten vorkommen („unterdessen“) oder geradezu unsinnig wirken wie „Einzelheiten waren zunächst nicht bekannt“ oder „es entstand eine fieberhafte Suche nach Überlebenden“.

Indirekte Rede

Nachrichten zitieren sehr oft Äußerungen gesellschaftlicher Repräsentanten. Dies geschieht nicht in wörtlicher, sondern in indirekter Rede. Dafür verwenden Nachrichten traditionell den Konjunktiv I („sei“, „habe“, „wolle“ und nicht: „wäre“, „hätte“, „wollte“). Die indirekte Rede im Konjunktiv I entspricht aber so wenig dem alltäglichen Sprachgebrauch, dass er geradezu zum Synonym für Nachrichtensprache geworden ist. Ein Satiriker braucht nur zwei Elemente, um Nachrichtensprache zu charakterisieren: „Wie es hieß“ und „habe, sei, solle …“ Fügt er Verben wie „er erklärte“, „betonte“ und „unterstrich“ hinzu, ist die Persiflage perfekt.

Genau, direkt und verständlich

Im Idealfall aber formuliert der Nachrichtenredakteur genau, direkt und verständlich. Er vermeidet Schachtelsätze, gibt Verben den Vorzug vor substantivierten Verben, verwendet Fremdwörter nur sparsam und nur solche, die gut eingeführt sind, benutzt überhaupt keine Fachausdrücke und setzt Zahlen nur selten ein. Er entzieht sich der Suggestionskraft des von den Nachrichtenagenturen vorgeschlagenen Nachrichtendeutsch.

Beispiel

Von der Nachrichtenagentur kommt eine Meldung, die mit dem Satz beginnt: „Bundeskanzler X hat den französischen Staatspräsidenten Y zu Gesprächen über die Situation im Irak empfangen.“

Dieser Satz enthält fünf Informationen. (Name des Kanzlers, Name des französischen Staatspräsidenten, Ziel des Besuchs, Thema der Gespräche, Akt des Empfangs.)

Sollen Nachrichten aber genau, direkt und verständlich sein, empfiehlt es sich, die Informationen zunächst in zwei Sätze aufzuteilen und die Substantive, wo möglich, in Verben zu verwandeln.

Genau sind Nachrichten stets in der Charakterisierung der Akteure, also in Namen und Amtsbezeichnungen.

Direkt wird die Meldung, wenn man sich zunächst auf das Geschehen konzentriert: „Bundeskanzler X hat den französischen Staatspräsidenten Y empfangen.“

Leichter verständlich wird die Meldung, wenn das Ziel des Treffens im zweiten Satz genannt und das Substantiv „Gespräch“ wiederum in ein Verb verwandelt wird: „Sie wollen über die Lage im Irak sprechen.“ Außerdem kann man für das Fremdwort „Situation“ das deutsche Wort „Lage“ verwenden.


Kategorien: Sprachvarietät | Journalismus

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