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Myriorama


Als Myriorama (griech., „Zehntausendschau“) bezeichnet man eine Variante des Panoramas.

Das Myriorama wurde im Jahre 1802 von dem Physiker, Mediziner und Erzieher Jean-Pierre Brès in Paris erfunden und von Clark in London verbessert.[1] Es „besteht aus einer auf einen langen Streifen in den buntesten Farben ausgemalten Landschaft, welche in viele Theile so zerschnitten ist, daß die Durchschnittslinien überall aneinander passen und die einzelnen Landschaftsstücke vielfach von neuem zusammengesetzt werden können, wodurch sehr viele Landschaftsbilder entstehen.“[2] Die einzelnen Sets bestanden aus, 16, 24 oder mehr Spielkarten. „24 Karten erlaubten 620.448.401.733.239.439.360.000 mögliche Permutationen.“[3]

Myrioramen waren in der Zeit des Biedermeier vor allem in England als „belehrende Legespiele“ beliebt. Sie dienten nicht nur der Unterhaltung, sondern waren auch als Anleitung zum Zeichnen von Landschaften und allgemein als Schulung zur Wahrnehmung von Landschaft gedacht. In diesen Myrioramen waren die einzelnen Landschaftselemente der Realität entnommen und identifizierbar.[4]

Die anspruchsvollste Art dieser Myrioramen wurde in England unter dem Namen „Hellenicorama“ herausgegeben. Die damals herrschende Griechenlandbegeisterung der Bildungsreisenden schlug vor Ort zumeist in Enttäuschung um: „Die vielleicht größte Enttäuschung […] bestand für die meisten Reisenden darin, dass es ihnen nicht gelang, die historische Bedeutung der von ihnen besuchten Landschaften und Stätten zu fühlen.“[5] Mit Hilfe eines Hellenicorama konnte man vor Reiseantritt seine Wahrnehmung für die historischen Landschaften trainieren.[6]

Die Verleger der Myrioramen entdeckten aber bald, dass neben diesen aufwendigen und teuren didaktischen Spielzeugen, dass für einfachere Ausgaben gedacht als Kinderspielzeug ein größerer Markt bestand.[7]

Seit den Neunziger Jahren des vorigen Jahrhunderts setzen sich vermehrt zeitgenössische Graphiker mit dem Myriorama als Kunstwerk auseinander.[8] So wurde z. B. 2006 eine, vom Hamburger Künstler Detlef John gestaltete, Myriorama Edition im Veduto Verlag herausgegeben.

Andere Panoramen sind Diorama, Georama, Neorama, Kosmorama, Pleorama und Cyklorama.

Literatur

Jan van Brevern: Blicke von Nirgendwo, München 2012
ders.: Griechenland, eine Enttäuschung, in: Imorde, Joseph; Wegerhoff, Erik (Hrsg.): Dreckige Laken. Die Kehrseite der ›Grand Tour‹, Berlin 2012, S. 68 – 81
Ralph Hyde: Myrioramas. Endless landscapes. The story of a craze, in: Print Quarterly 2004, H. 4, S. 403 – 421
Meyers Konversations-Lexikon, Bd. 11, Leipzig 1877
Stephan Oettermann: Das Panorama. Die Geschichte eines Massenmediums, Frankfurt am Main 1980

Einzelnachweise

  1. Stephan Oettermann: Das Panorama. Die Geschichte eines Massenmediums, Frankfurt am Main 1980, S. 55
  2. Meyers Konversations-Lexikon, Bd. 11, Leipzig 1877, S. 862
  3. Jan van Brevern: Blicke von Nirgendwo, München 2012, S. 141
  4. Ralph Hyde: Myrioramas. Endless landscapes. The story of a craze, in: Print Quarterly 2004, H. 4, S. 420
  5. Jan van Brevern: Brevern: Griechenland, eine Enttäuschung, in: Imorde, Joseph; Wegerhoff, Erik (Hrsg.): Dreckige Laken. Die Kehrseite der ›Grand Tour‹, Berlin 2012, S. 69f.
  6. ebd. S. 72
  7. Ralph Hyde a.a.O, S. 413
  8. Josh Millard

Weblinks


Kategorien: Landschaft | Spiel (19. Jahrhundert) | Legespiel | Panoramabild

Quelle: Wikipedia - http://de.wikipedia.org/wiki/Myriorama (Vollständige Liste der Autoren des Textes [Versionsgeschichte])    Lizenz: CC-by-sa-3.0

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