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Mylodon


Mylodon

Systematik
Überordnung: Nebengelenktiere (Xenarthra)
Ordnung: Zahnarme (Pilosa)
Unterordnung: Faultiere (Folivora)
Überfamilie: Mylodontoidea
Familie: Mylodontidae
Gattung: Mylodon
Wissenschaftlicher Name
Mylodon
Owen, 1839

Mylodon war ein 3,5 bis 4 Meter großes, bodenlebendes Riesenfaultier Südamerikas, das am Beginn des Holozäns ausstarb.

Aussehen

Mylodon hatte eine Schulterhöhe von ca. 1,3 m und war etwa 3,5 m lang. Vor allem im Schädelbau wich der Faultiervertreter deutlich vom anderen verwandten Formen ab. So war der Schädel von Mylodon langgestreckt und besaß lange sowie schmale Nasenbeine, die sich vorn nach unten wölbten und bei ausgewachsenen Individuen mit dem Oberkiefer verwachsen waren, so dass ein geschlossener Nasenbogen entstand. Der Schädel von Glossotherium, das zur gleichen Zeit in Nord- und Südamerika lebte, zeigte sich dagegen vergleichsweise kurz und besaß eine breite, abgeschnitten wirkende Nasenregion. Die Schädellänge variierte bei Mylodon zwischen 59 und 71,5 cm.[1][2] Mumifizierte Reste von Mylodon aus der Ultima Esperanza Höhle in Chile zeigen raues gelbliches Fell. In die Haut waren kleine Knöchelchen eingelagert, die wohl als Schutz vor Raubfeinden gedient haben.

Lebensweise und Verbreitung

Mylodon existierte vom mittleren Pleistozän bis ins frühe Holozän hinein. Es war auf den Südamerikanischen Kontinent beschränkt und vor allem in den Südlichen Grasgebieten verbreitet. Anders als viele andere Riesenfaultiere, die sich von Laub ernährten, war Mylodon genau wie Glossotherium wohl ein Grasfresser. Demnach wird es wohl ein Steppenbewohner gewesen sein.

Aussterben

1896 entdeckte Hermann Eberhard 25 Kilometer nordwestlich von Puerto Natales im Süden von Chile in einer Höhle Fell- und Knochenreste des Riesenfaultiers, die heute im British Museum in London aufbewahrt sind. Ebenso ist die Cueva del Milodón archäologische Fundstätte der ersten Besiedelung Patagoniens. Die Höhle wurde offenbar von den damaligen Menschen zugemauert, weshalb man vermutet, dass sie Mylodon als Fleischreserve in der Höhle gefangenhielten. Nach der sogenannten Overkill-Hypothese ist das Aussterben der Riesenfaultiere und vieler anderer Tierarten am Ende des Pleistozän auf übermäßige Jagd durch steinzeitliche Jäger zurückzuführen. Die jüngsten Überreste von Mylodon sind etwa 8.500 Jahre alt. In der Annahme, dass Mylodon noch nicht ausgestorben sei, führte der Engländer Hesketh Pritchard 1902 eine Expedition nach Patagonien, kehrte jedoch erfolglos nach England zurück.

Berühmtheit erlangte Mylodon durch den Reisebericht von Bruce Chatwin, der dem Riesenfaultier eine lange Textpassage in seinem Buch In Patagonien (1977) widmete.

Arten

Literatur

  • Paul S. Martin, Richard G. Klein (Hrsg.): Quaternary Extinctions. A Prehistoric Revolution. The University of Arizona Press, Tucson AZ 1984, ISBN 0-8165-1100-4.
  • Arno Hermann Müller: Lehrbuch der Paläozoologie. Band 3: Vertebraten. Teil 3: Mammalia. 2. überarbeitete und erweiterte Auflage. Fischer, Jena 1989, ISBN 3-334-00223-3.
  • Erich Thenius: Grundzüge der Faunen- und Verbreitungsgeschichte der Säugetiere. Eine historische Tiergeographie. 2. völlig neubearbeitete Auflage. Fischer, Stuttgart 1980, ISBN 3-437-30312-0.

Einzelnachweise

  1. Diego Brandoni , Brenda S. Ferrero und Ernesto Brunetto: Mylodon darwiniOwen (Xenarthra, Mylodontinae) from the Late Pleistocene of Mesopotamia, Argentina, with Remarks on Individual Variability, Paleobiology, Paleobiogeography, and Paleoenvironment. Journal of Vertebrate Paleontology 30 (5), 2010, S. 1547–1558
  2. Robert K. McAfee: Reassessment of the cranial characters of Glossotherium and Paramylodon (Mammalia: Xenarthra: Mylodontidae). Zoological Journal of the Linnean Society 155, 2009, S. 885–903

Weblinks

 Commons: Mylodon  – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Kategorien: Ausgestorbenes Nebengelenktier | Zahnarme | Pilosa

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