Mille Miglia - LinkFang.de





Mille Miglia


Dieser Artikel erläutert ein Autorennen. Der gleichnamige Fahrradmarathon wird unter Brevet erläutert.

Mille Miglia (Abkürzung: MM; italienisch: Mille „Tausend“, Miglia „Meilen“) bezeichnete ein Autorennen über öffentliche Straßen auf einem Dreieckkurs im Norden von Italien in den Jahren von 1927 bis 1957. Der Name Mille Miglia wurde 1977 wieder eingeführt für die Neuauflage des Rennens.

Geschichte

Nach der Targa Florio galten die Tausend Meilen (Mille Miglia) als Klassiker unter den Langstrecken-Straßenrennen (die Carrera Panamericana kam in den 1950er Jahren hinzu) und als Grundlage für den Begriff „Gran Turismo“ (GT), der schnelle Reisesportwagen für Langstreckenrennen beschreibt, wie sie etwa von Ferrari eigens für die MM entwickelt wurden. Die MM gehörte zur 1953 eingeführten Sportwagen-Weltmeisterschaft.

Die erste Auflage des Großen Preises von Italien hatte 1921 noch auf dem Circuito di Montichiari in Brescia stattgefunden, war dann aber auf den neuen Circuito di Monza gewechselt. Die Sportwagen-Enthusiasten Aymo Maggi und Franco Mazzotti suchten nach einer Möglichkeit, in ihrer Heimatstadt wieder ein großes Rennen zu veranstalten und wählten einen Kurs von Brescia quer durch die italienische Halbinsel zur Hauptstadt Rom und wieder zurück nach Brescia.

Im Dezember 1925 schworen sich vier junge Männer aus Brescia namens Graf Franco Mazzotti, Graf Aymo Maggi, Renzo Castagneto und Giovanni Canestrini, ihre Heimatstadt zu einem Zentrum des Motorsports zu machen, indem sie ein Rennen veranstalten würden. Es sollte ein Straßenrennen – zumeist über unbefestigte Landstraßen – werden und in Brescia starten und enden. Dreizehn Jahre später wurde Rom als Wendepunkt der Strecke, der bis heute ein Highlight der Mille Miglia ist, festgelegt. Als Streckenlänge ergaben sich ungefähr 1600 Kilometer bzw. etwa 1000 englische Meilen. Als Begründung für die Wahl dieser Längeneinheit verwies man auf die „Alten Römer“, die auch schon in Meilen gemessen hatten.

Zwei Jahre nach dem Beginn der Überlegungen – am 26. März 1927 – war es soweit: In der Via Rebuffone fiel der Startschuss für 77 Wagen. Die Premiere des Rennens gewann ein OM aus Brescia mit den Werksfahrern Ferdinando Minoia und Giuseppe Morandi in einer Zeit von 21 Stunden, 4 Minuten und 48 Sekunden und einer Durchschnittsgeschwindigkeit von 77 km/h. Noch heute bei der historischen Auflage des Rennens gebührt die Startnummer 1 immer einem OM. Bereits drei Jahre später lag der Schnitt bei 100 km/h als Tazio Nuvolari aus Mantua, den die Italiener liebevoll „il Mantovano Volante“, den fliegenden Mantuaner, nannten, seinen ersten Mille-Miglia-Sieg gegen den Erzrivalen Achille Varzi feierte. 1933 gelang dem Ausnahme-Rennfahrer mit Beifahrer Decimo Compagnoni in einem Alfa Romeo 8C 2300 das Siegeskunststück zum zweiten Mal.

Seit der Premiere 1927 gewannen fast ausschließlich Italiener auf einheimischen Fabrikaten wie Alfa Romeo, Lancia und Ferrari, jedoch konnte auch Mercedes zweimal gewinnen, 1931 mit Rudolf Caracciola, und 1955 mit Stirling Moss. Dieser startete am 1. Mai 1955 um 7:22 Uhr morgens mit der Startnummer 722 mit einem Mercedes-Benz 300 SLR, und erreichte dank des Gebetbuches seines Beifahrers, des Journalisten Denis Jenkinson, nach 10 Stunden 7 Minuten und 48 Sekunden das Ziel. Die dabei erreichte Durchschnittsgeschwindigkeit von knapp 157,62 km/h war die schnellste jemals auf dieser Strecke gefahrene.

Neben den pfeilschnellen Sportwagen waren auch kleine Tourenwagen am Start, selbst Mercedes 180 Diesel, Renault 4CV oder Kleinstwagen wie Fiat 500. Diese waren über 20 Stunden unterwegs, mit Start noch vor Mitternacht und Ankunft im Dunkeln. Der Mercedes 180 Diesel hatte 40 PS; er gewann mit 16 Stunden, 52 Minuten und 25 Sekunden (Durchschnittstempo 94,645 km/h) innerhalb der wenigen Diesel. Mercedes nutzte diesen Erfolg sofort werblich; fast über Nacht wurde der Mercedes 180 zum Erfolgstyp (über 20.000 Wagen noch 1955 verkauft); der 180 D wurde zum meistverkauften Typ dieser Baureihe.[1]

Bereits 1938 geriet die MM durch einen schweren Unfall mit einer Straßenbahn in die Kritik bzw. wurde in der alten Form (mit Stadtdurchfahrten) verboten. So wurde 1940 nur ein ca. 165 km kurzer Kurs in der Po-Ebene insgesamt neun Mal befahren. Als Zweite von drei Ausländern in der Geschichte der MM gewannen Huschke von Hanstein und Copilot Walter Bäumer auf einem aerodynamisch verkleideten BMW 328, mit dem auf den geraden Straßen zwischen Brescia, Cremona und Mantua ein Schnitt von 166 km/h erzielt wurde. Die Gesamtfahrzeit des Duos für die rund 1500 km betrug 8 Stunden, 54 Minuten und 46 Sekunden.

Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde die MM auf dem großen Kurs wieder mit Begeisterung aufgenommen, die damit verbundenen Risiken beurteilte man im Vergleich zu den gerade erst erlebten kriegerischen Auseinandersetzungen als untergeordnet. Auch bekannte Fahrer aus der Vorkriegszeit wie Rudolf Caracciola und insbesondere Tazio Nuvolari nahmen die Herausforderung erneut an. Später wurde ihm zu Ehren der Kurs auch durch seine Heimatstadt Mantua geführt.

Aber auch junge Fahrer machten von sich reden, wie 1954 Hans Herrmann, der seinen flachen Porsche 550 noch vor einem herannahenden Zug unter einer schließenden Schranke hindurch steuerte, wobei er und sein Beifahrer Herbert Linge die Köpfe einziehen mussten.

Im Jahre 1957 fand die Mille Miglia zum letzten Mal statt, da am 12. Mai ein schwerer Unfall des Spaniers Alfonso de Portago mehrere Todesopfer gefordert hatte. Der nach einem Reifenschaden bei hoher Geschwindigkeit ins Schleudern geratene Ferrari tötete nahe dem Dorf Guidizzolo, zwischen Mantua und dem Ziel in Brescia, neben dem Fahrer und seinem Copilot Edmund Nelson auch zehn Zuschauer, darunter fünf Kinder. Insbesondere die Kirche verlangte die Einstellung des populären Spektakels. Gegen das Team und den Reifenhersteller Englebert wurde in einem drei Jahre dauernden Prozess ermittelt mit dem Vorwurf, auf einen Reifenwechsel kurz vor dem Ziel aus Zeitgründen verzichtet zu haben. Der Unfall war ausschlaggebend dafür, dass die Mille Miglia in dieser Form verboten wurde.

Die MM wurde noch von 1958 bis 1961 als eine Art Rallye veranstaltet, wobei nur auf kurzen, abgesperrten Teilstrecken auf Zeit gefahren wurde.

Die Strecke von Bologna auf den Passo della Raticosa wurde bis 1969 für Bergrennen genutzt. Das weiter südlich in Richtung Florenz gelegene Teilstück über den Futapass diente als Westteil des 66 km langen Straßenkurses von Mugello, auf dem bis 1967 WM-Läufe ausgetragen wurden.

Wiederbelebung als Touristische Veranstaltung

Seit 1977 findet jeweils im Mai als „Mille Miglia Storica“ eine jährliche Neuauflage mit historischen Fahrzeugen statt, die in ähnlicher Form damals teilgenommen hatten. Hierbei wird nicht mehr auf Höchstgeschwindigkeit gefahren, sondern auf Gleichmäßigkeit und Zuverlässigkeit. Diese Veranstaltung gilt als Keimzelle vieler ähnlicher Events mit Oldtimern, unter anderem der Wiederbelebung der Historik-Rallye 2000 km durch Deutschland sehr ähnlichen Zuschnitts im Jahr 1989, bei der es wie bei der „Mille Miglia“ auch um das Reise-Erlebnis und den abendlichen Austausch der Teilnehmer bei exzellenter Gastronomie geht. Diese Ereignisse sind heute nur noch begrenzt als Sport anzusehen sondern eher als Schaulaufen vor allem der Reichen und Schönen. Es geht, auch seitens der Veranstalter und der durchfahrenen Gemeinden, eher um Tourismus, Kulinarik und das „Sehen und Gesehenwerden“ mit prachtvollen, meist aufwendig auf Neuwert restaurierten Oldtimer-Fahrzeugen. Die „Mille Miglia“ allerdings scheint zum italienischen Nationalinventar zu gehören, während die vergleichbaren „2000 km durch Deutschland“ nach ca. 15 Jahren des Erfolges zunächst auf der Kippe standen, aber auch 2007 wieder stattfanden.

Gesamtsieger

Jahr Team Gesamtsieger Fahrzeug Fahrzeit Meisterschaft
1927 Italien 1861 Officine Meccaniche Italien 1861 Ferdinando Minoia
Italien 1861 Giuseppe Morandi
OM 665 Superba 21:04:48,200 zählte zu keiner Meisterschaft
1928 Italien 1861 Giuseppe Campari
Italien 1861 Giulio Ramponi
Alfa Romeo 6C 1500 Sport 19:14:05,800 zählte zu keiner Meisterschaft
1929 Italien 1861 Giuseppe Campari
Italien 1861 Giulio Ramponi
Alfa Romeo 6C 1750 SS Spider Zagato 18:04:23,000 zählte zu keiner Meisterschaft
1930 Italien 1861 Tazio Nuvolari
Italien 1861 Giovanni Battista Guidotti
Alfa Romeo 6C 1750 GS 16:18:59,400 zählte zu keiner Meisterschaft
1931 Deutsches Reich Rudolf Caracciola
Deutsches Reich Wilhelm Sebastian
Mercedes-Benz SSKL 16:10:10,000 zählte zu keiner Meisterschaft
1932 Italien 1861 Alfa Romeo Italien 1861 Baconin Borzacchini
Italien 1861 Amedeo Bignami
Alfa Romeo 8C 2300 Spider Touring 14:55:19,400 zählte zu keiner Meisterschaft
1933 Italien 1861 Scuderia Ferrari Italien 1861 Tazio Nuvolari
Italien 1861 Decimo Compagnoni
Alfa Romeo 8C 2300MM Spider Zagato 15:11:50,000 zählte zu keiner Meisterschaft
1934 Italien 1861 Scuderia Ferrari Italien 1861 Achille Varzi
Italien 1861 Amedeo Bignami
Alfa Romeo 8C 2300 Monza Spider Brianza 2.6 14:08:05,000 zählte zu keiner Meisterschaft
1935 Italien 1861 Scuderia Ferrari Italien 1861 Carlo Maria Pintacuda
Italien 1861 Alessandro Della Stufa
Alfa Romeo 8C 2900B 14:04:47,000 zählte zu keiner Meisterschaft
1936 Italien 1861 Scuderia Ferrari Italien 1861 Antonio Brivio
Italien 1861 Carlo Ongaro
Alfa Romeo 8C 2900A 13:07:51,000 zählte zu keiner Meisterschaft
1937 Italien 1861 Scuderia Ferrari Italien 1861 Carlo Maria Pintacuda
Italien 1861 Paride Mambelli
Alfa Romeo 8C 2900A 14:17:32,000 Italienische Sportwagenmeisterschaft
1938 Italien 1861 Alfa Corse Italien 1861 Clemente Biondetti
Italien 1861 Aldo Stefani
Alfa Romeo 8C 2900B Spider MM Touring 11:58:29,000 Italienische Sportwagenmeisterschaft
1940 Deutsches Reich NS BMW Werke Deutsches Reich NS Fritz Huschke von Hanstein
Deutsches Reich NS Walter Bäumer
BMW 328 Berlinetta Touring 8:54:46,600 zählte zu keiner Meisterschaft
1947 Italien Emilio Romano Italien Clemente Biondetti
Italien Emilio Romano
Alfa Romeo 8C 2900B Berlinetta Touring 16:16:39,000 zählte zu keiner Meisterschaft
1948 Italien Scuderia Ferrari Italien Clemente Biondetti
Italien Giuseppe Navone
Ferrari 166S Coupé Allemano 15:05:44,000 zählte zu keiner Meisterschaft
1949 Italien Scuderia Ferrari Italien Clemente Biondetti
Italien Ettore Salani
Ferrari 166MM Barchetta Touring 12:07:05,000 zählte zu keiner Meisterschaft
1950 Italien Scuderia Ferrari Italien Gianni Marzotto
Italien Marco Crosara
Ferrari 195 Sport Touring Berlinetta Le Mans 13:39:20,000 zählte zu keiner Meisterschaft
1951 Italien Scuderia Ferrari Italien Luigi Villoresi
Italien Piero Cassani
Ferrari 340 America Berlinetta Vignale 12:50:18,000 zählte zu keiner Meisterschaft
1952 Italien Scuderia Ferrari Italien Giovanni Bracco
Italien Alfonso Rolfo
Ferrari 250S Berlinetta Vignale 12:09:45,000 zählte zu keiner Meisterschaft
1953 Italien Scuderia Ferrari Italien Gianni Marzotto
Italien Marco Crosara
Ferrari 340MM Vignale 10:37:19,000 Sportwagen-Weltmeisterschaft
1954 Italien Scuderia Lancia Italien Alberto Ascari Lancia D24 11:26:10,000 Sportwagen-Weltmeisterschaft
1955 Deutschland Daimler-Benz AG Vereinigtes Konigreich Stirling Moss
Vereinigtes Konigreich Denis Jenkinson
Mercedes-Benz 300SLR 10:07:48,000 Sportwagen-Weltmeisterschaft
1956 Italien Scuderia Ferrari Italien Eugenio Castellotti Ferrari 290MM 11:37:10,000 Sportwagen-Weltmeisterschaft
1957 Italien Scuderia Ferrari Italien Piero Taruffi Ferrari 315 Sport 10:27:47,000 Sportwagen-Weltmeisterschaft

Literatur

  • Hans-Jörg Götzl, Hanss Dieter Seufert: Mille Miglia. Motorbuch Verlag, Stuttgart 2011, ISBN 978-3-613-03318-4 (EA Stuttgart 2006).
  • Rolf Häring (Texte), Conrad Piepenburg (Photos). Miile Miglia. Die legendären tausend Meilen. Podszun Verlag, Brilon 1988, ISBN 3-923448-50-3.

Weblinks

 Commons: Mille Miglia  – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. Christof Vieweg: Ein Sieg für den Diesel. Zwei Autonarren treten mit 40 PS zur Mille Miglia an. In: Welt am Sonntag 2. Mai 2010, Seite 55. (Online verfügbar )

Kategorien: Veteranentreffen | Sportwagenrennen | Rennen der Mille Miglia

Quelle: Wikipedia - http://de.wikipedia.org/wiki/Mille Miglia (Vollständige Liste der Autoren des Textes [Versionsgeschichte])    Lizenz: CC-by-sa-3.0

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