Militärstraße - LinkFang.de





Militärstraße


Eine Militärstraße oder Heer(es)straße ist eine Straße, die zum Zwecke der schnellen Bewegung von Truppen und Material erbaut wird oder wurde. Die ersten Militärstraßen wurden von den Römern erbaut, die wie keine andere Macht vor ihnen den Straßenbau perfektionierten und dadurch ihre militärische Übermacht schnell an die Kriegsschauplätze verbrachten.

Diese Straßen wurden dann in der Folge von Siedlern und Händlern zur Besiedlung neuer Landstriche benutzt und führten in der Folge auch zu neuen Städtegründungen.

Auch in Deutschland gab es Heerstraßen in der Zeit der Anwesenheit römischer Truppen. Südlich des Limes schufen die Römer Straßen, um Truppen schnell verlegen zu können. Diese Straßen sind noch über tausend Jahre nach dem Ende der Römerherrschaft unter der Bezeichnung „römische Heerstraße“ bekannt, so die Straße, welche einst die Römerorte Cannstadt und Pforzheim oder Weil d. D. mit Leonberg verband.[1]

Anton Friedrich Büsching nennt 1780 in einer „Topographie des Hochstifts Hildesheim“ zur Lage der beschriebenen Dörfer, Siedlungen, Gehöfte und sonstigen Örtlichkeiten als Lagebeschreibung Begriffe wie Goslarische Heerstraße, Preußische Heerstraße, Hannöversche Heerstraße, Wolfenbüttelsche Heerstraße, Braunschweiger Heerstraße, Hildesheimische Heerstraße oder auch Heerstraße von Hildesheim nach Celle.[2]

Definition

Den Begriff Heerstraße gab es schon im Mittelhochdeutschen als her-strâze. In den „Althochdeutschen Glossen“ wird er verwendet als „via publica, heristraza, herstrazza“[3] Adelungs Grammatisch-Kritisches Wörterbuch der Hochdeutschen Mundart von 1796 definiert als Heerstraße „eine breite Straße durch ein Land, auf welcher ein Kriegesheer bequem fortkommen kann; die Landstraße, so fern sie durch ein ganzes Land, oder aus einem Lande in das andere gehet.“[4] Das Südhessische Wörterbuch weist die Verwendung des Begriffs super herweg schon 1307 nach.[5] Johann Georg Krünitz verweist in seiner Enzyklopädie auf „Land-Straße“ und stellt im Landstraßenlemma den Zusammenhang mit Heerstraße her: „Sie wird auch die Heer-Straße, oder der Heer-Weg, im Angels. ‚Herestraet’, im mittlern Lat. ‚Herestrata‘, sonst ‚Via militaris’, (genannt), theils von Heer, Krieges-Heer, weil ein Krieges-Heer auf solcher Straße bequem fortkommen kann; theils von Heer, eine jede Menge Menschen.“[6] Das Deutsche Wörterbuch der Gebrüder Grimm definiert im Lemma „Heerstrasze“ den Begriff Heerstraße so: „strasze für das heer, breite landstrasze, ahd. heristrâʒa“ (althochdeutsch) und weist darauf hin, dass früher unter Heerstraße eine Römerstraße verstanden wurde. Wörtlich heißt es: „Bemerkenswert wird in einer quelle von 1464 noch unterschieden zwischen heerstrasze (Römerstrasze) und landstrasze, letztere als die strasze genommen, die mehrere orte des engern landes unter einander verbindet: ‚zwüschent der heerstrausz und lantstrausz. ein acker nebent der heerstrausz und nebent der lantstrausz hinuf’.“[7]

Militärstraßen in den Alpen

Im gesamten Alpenraum besteht heute noch ein weit gespanntes Netz von ehemaligen Militärstraßen. So baute Österreich in der Mitte des 19. Jahrhunderts in den Alpen eine neue Heerstraße aus dem oberen Etschtal durch das südliche Tirol (später als Südtirol zu Italien gehörend) mit dem Ziel, mit Truppen nicht durch Schweizer Gebiet ziehen zu müssen.[8] Die alpinen Straßen haben vielfach ihren Ursprung in Konflikten zwischen Italien und Frankreich in den Seealpen und im Wesentlichen aus Zeiten des Ersten Weltkrieges und Konflikten zwischen Italien und Österreich-Ungarn im heutigen Trentino und Südtirol.

Eindrucksvoll ist der Verlauf dieser Straßen, die teilweise an senkrechten Felswänden im kompakten Fels gebaut worden sind. Bestes Beispiel ist die Strada delle 52 Gallerie. Genutzt wird dieses historische Wegenetz heute gerne von Wanderern und Mountainbikefahrern, da die Wege mit relativ flachen Steigungen hochalpine Regionen erschließen. In früheren Zeiten wurde über diese Straßen der gesamte militärische Nachschub organisiert. Auch tonnenschweres Militärgerät, zum Beispiel Kanonen, mussten bergauf transportiert werden können. Im italienischen Trentino und Südtirol folgt heute der Sentiero della Pace, der Friedensweg, den ehemaligen Militärstraßen und tangiert hierbei die ehemaligen Kriegsschauplätze.

Heerstraßen heute

In zahlreichen Städten und Landgemeinden Deutschlands finden sich auch im 21. Jahrhundert noch Straßen, die den Begriff „Heerstraße“ in ihrem von der Stadt- oder Gemeindeverwaltung festgelegten Namen haben oder auch als überregionale Straßen mit diesem Begriff belegt sind. Dies sind beispielsweise „Heerstraße Brandenburg–Magdeburg“, „Bonn-Aachener Heerstraße“, „Münder Heerstraße“, „Bernauer Heerstraße“ von der Zitadelle Spandau in Richtung Osten bis Stettin, aber auch „Bernauer Heerstraße“ in Frankfurt(Oder), „Bremer Heerstraße“ in Oldenburg, „Osterholzer Heerstraße“, „Leher Heerstraße“, „Horner Heerstraße“, „Oslebshauser Heerstraße“, „Waller Heerstraße“ sowie „Schwachhauser Heerstraße“ in Bremen, „Celler Heerstraße“ in Braunschweig, „Hannoversche Heerstraße“ in Celle, „Alte Heerstraße“ in St. Augustin und Kaarst, „Heerstraße (Berlin)“, „Heerstraße“ in Bad Neuenahr, Bonn, Köln, Herne, Hilden, Mülheim an der Ruhr, Praunheim, Frankfurt am Main, Wiesbaden und Hadmersleben.

Weblinks

 Commons: Ancient Roman roads  – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. Beschreibung des Oberamts Leonberg, J. B. Müllers Verlagshandlung, Stuttgart 1852, Band 30, S. 81 Digitalisat
  2. Anton Friedrich Büsching: Magazin für die neue Historie und Geographie, verlegt von Johann Jacob Curt, Halle 1780, Band 14, S. 329 und weitere Digitalisat
  3. Elias von Steinmeyer: Die althochdeutschen Glossen, gesammelt und bearbeitet von Elias von Steinmeyer und Eduard Sievers, Weidmann-Verlag, Band 1 Glossen zu biblischen Schriften. Berlin 1879, S. 356 Digitalisat
  4. Johann Christoph Adelung: Grammatisch-Kritisches Wörterbuch der Hochdeutschen Mundart, 2. Auflage, Leipzig 1796, Band 2, Spalte 1055 Digitalisat
  5. Maurer-Mulch: Südhessisches Wörterbuch, Marburg 1973 bis 1977, Band 3, Spalte 309, Digitalisat
  6. Johann Georg Krünitz: Oekonomische Encyklopädie oder allgemeines System der Staats-, Stadt-, Haus- und Landwirthschaft, Leipzig 1796, Band 63, S.3, [1]
  7. Jacob Grimm und Wilhelm Grimm: Deutsches Wörterbuch, Band 10, Spalte 761 Digitalisat
  8. Die neue Heerstraße über den Paß Finstermünz, in: Mnemosyne, Beiblatt zur neuen Würzburger Zeitung, Würzburg 1859, Nr. 51 vom 26. Juni 1859, S. 207 Digitalisat

Kategorien: Keine Kategorien vorhanden!

Quelle: Wikipedia - http://de.wikipedia.org/wiki/Militärstraße (Vollständige Liste der Autoren des Textes [Versionsgeschichte])    Lizenz: CC-by-sa-3.0

Änderungen: Alle Bilder mit den meisten Bildunterschriften wurden entfernt. Ebenso alle zu nicht-existierenden Artikeln/Kategorien gehenden internen Wikipedia-Links (Bsp. Portal-Links, Redlinks, Bearbeiten-Links). Entfernung von Navigationsframes, Geo & Normdaten, Mediadateien, gesprochene Versionen, z.T. ID&Class-Namen, Style von Div-Containern, Metadaten, Vorlagen, wie lesenwerte Artikel. Ansonsten sind keine Inhaltsänderungen vorgenommen worden. Weiterhin kann es durch die maschinelle Bearbeitung des Inhalts zu Fehlern gerade in der Darstellung kommen. Darum würden wir jeden Besucher unserer Seite darum bitten uns diese Fehler über den Support mittels einer Nachricht mit Link zu melden. Vielen Dank!

Stand der Informationen: August 201& - Wichtiger Hinweis: Da die Inhalte maschinell von Wikipedia übernommen wurden, ist eine manuelle Überprüfung nicht möglich. Somit garantiert LinkFang.de nicht die Richtigkeit und Aktualität der übernommenen Inhalte. Sollten die Informationen mittlerweile fehlerhaft sein, bitten wir Sie darum uns per Support oder E-Mail zu kontaktieren. Wir werden uns dann innerhalb von spätestens 10 Tagen um Ihr Anliegen kümmern. Auch ohne Anliegen erfolgt mindestens alle drei Monate ein Update der gesamten Inhalte.