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Mernes


Mernes
Höhe: 274 m ü. NHN
Einwohner: 800 (ca.)[1]
Eingemeindung: 1. Juli 1974
Postleitzahl: 63628
Vorwahl: 06660

Mernes ist der südlichste Stadtteil von Bad Soden-Salmünster im Main-Kinzig-Kreis. Das Dorf liegt ungefähr 60 km östlich von Frankfurt, eingebettet im Jossatal im Naturpark Hessischer Spessart am Fuße der Bergkuppe "Stacken" (465 m) und ist ein staatlich anerkannter Erholungsort. Mernes hat knapp unter 900 Einwohner.

Geschichte

Die Gegend des Stacken war archäologischen Funden zufolge bereits in der Jungsteinzeit besiedelt. Als „Stegun“ wurde die Erhebung 1059 als Grenzbezeichnung urkundlich erwähnt. Mernolfes ist erst 1267 erstmals genannt, auf einer Karte aus dem 16. Jahrhundert heißt es Merles. Der heute bewaldete Stacken wurde im Mittelalter agrarisch genutzt. Einer der ältesten Grenzsteine im Spessart (datiert 1559) dokumentiert den Stacken als Grenzland zwischen der Grafschaft Hanau, den Herren von Hutten, den Herren von Thüngen und Kurmainz nach Aussterben der Grafen von Rieneck in ebendiesem Jahr. Im 19. Jahrhundert war der Stacken Grenzland zwischen den Königreichen Preußen (vor 1866 Kurhessen) und Bayern.

Ein kurioser Vertrag von 1913 mit dem preußischen Militär gewährt den Bürgern des Dorfes bis in die Gegenwart kostenloses Trinkwasser. Als Rechtsnachfolger ist nun die Stadt Frankfurt am Main in der Verpflichtung. [2]

Mernes wurde am 1. Juli 1974 mit den Städten Bad Soden bei Salmünster und Salmünster zur neuen Stadt Bad Soden-Salmünster zusammengeschlossen.[3]

Infrastruktur

Die Entfernung zum Autobahnanschluss (A 66) beträgt etwa 12 km. Nächste Bahnhöfe sind Bad Soden-Salmünster (Bahnstrecke Frankfurt-Fulda) und Jossa (Bahnstrecke Fulda-Gemünden/Main).

Tourismus und Sehenswürdigkeiten

Neben der Waldlandschaft mit eigenem Wanderwegenetz und einigen Gaststätten ist das Quellschwimmbad ein Anziehungspunkt für Freizeitgestaltung und Tourismus. Vom Stacken (465 m), der neben Streuobstwiesen und Fichtenwald auch natürlich gewachsene Landschaften wie Wacholderheide und Arnika-Wiesen aufweist, besteht an klaren Tagen eine Aussicht bis weit in die Rhön.

  • Die zwischen 1660 und 1671 errichtete Kirche St. Peter wurde 1934 erweitert; durch den Umbau ist die Kirche heute ungewöhnlicherweise nach Norden statt wie üblich nach Osten ausgerichtet. Der schmucklose Außenbau birgt im Inneren einige Ausstattungsstücke aus der durch Bombenabwurf-Übungen des Fliegerhorsts Gelnhausen-Rothenbergen nach 1935 zerstörten Kirche in Lettgenbrunn, die zuvor – als die Siedlung geräumt wurde – nach Mernes in Sicherheit gebracht worden waren: Einen Hochaltar mit einer Kreuzigungsgruppe aus der Schule Tilman Riemenschneiders, einen Taufstein sowie einen Marienaltar.
  • Das Merneser Wasserwerk ist ein Jugendstil-Industriedenkmal aus den Jahren 1913–14. Im Inneren sind noch Maschinen, Motoren, Pumpen und Werkzeuge aus der Entstehungszeit erhalten, die jedoch nicht mehr genutzt werden. Ursprünglich war das Wasserwerk zur Versorgung des Truppenübungsplatzes an der Wegscheide gebaut worden; der Vertrag von 1913 des damaligen Merneser Bürgermeisters Hieronymus König mit der Militärverwaltung sah im Gegenzug eine kostenlose Belieferung der Gemeinde Mernes mit Trinkwasser vor. Dieser Vertrag wurde nie aufgehoben und gilt deshalb noch. Eigentümerin des Wasserwerks ist heute die Stadt Bad Orb und Pächterin die Stadt Frankfurt; versorgt auf der Wegscheide wird heute statt des nicht mehr vorhandenen Truppenübungsplatzes das Schullandheim. Das Wasserwerk ist sanierungsbedürftig und entspricht nicht mehr den heutigen technischen und hygienischen Vorschriften. Ein lokaler Förderverein versucht, Mittel zur Bestandssicherung zu erheben.
  • Die NABU-Ortsgruppe hat einen Naturlehrpfad im Dorf mit Exponaten und Erklärungen zu verschiedenen Themen angelegt, beispielsweise eine Insektenwand für solitäre Bienen und Wespen und eine Trockenmauer.
  • Von der Kröckelmühle sind noch zwei unterschlächtige Mühlräder erhalten. Das Gebäude selbst - ein Fachwerkbau - musste 1992 einem schlichten Neubau weichen.
  • Am alten Dorfbrunnen liest sich eine Reproduktion der Ersterwähnungsurkunde von 1267: Mitglieder des Burggerichts Gelnhausen geben allgemein bekannt, dass die Söhne des Rudolf genannt von Mernolfes und seine Miterben auf Ansprüche an Gütern zu Neuses verzichten, die Wolfram von Neuses, Bürger zu Gelnhausen, dem Kloster Meerholz auf immer übertragen hatte; es folgen die Namen der Unterzeichner und der Zeugen.
  • Der europäische Kultur-Rad- und Wanderweg "Perlen der Jossa" ("Archäologisches Spessartprojekt") führt durch Mernes und hat dort eine Station mit Erklärungstafel. Der Name bezieht sich auf die in der Vergangenheit in der Jossa vorkommende Flussperlmuschel. Die Trasse deckt sich im Tal der Jossa mit der Hessischen Apfelwein- und Obstwiesenroute.
  • Auch der Spessartbogen-Fernwanderweg quert Mernes und führt, von den Kämmen unweit der Wegscheide kommend, auf aussichtsreichem Höhenweg hinunter ins Jossatal und jenseits des Flusses über den Stacken oberhalb von Marjoß vorbei. Am Waldrand befindet sich die so genannte "Spessarträuber-Hütte", auf der von lokalen Guides für interessierte Gruppen Räuberspaß-Events und Survival-Kurse veranstaltet werden.

Einzelnachweise

  1. Ort im Internetauftritt der Stadt Bad Soden-Salmünster , abgerufen im Februar 2016
  2. Frankfurter Rundschau (Hrsg.): Ungeliebter Schatz vom 21.01.14. Frankfurter Rundschau, Frankfurt am Main 2014, S. R8.
  3. Statistisches Bundesamt (Hrsg.): Historisches Gemeindeverzeichnis für die Bundesrepublik Deutschland. Namens-, Grenz- und Schlüsselnummernänderungen bei Gemeinden, Kreisen und Regierungsbezirken vom 27. 5. 1970 bis 31. 12. 1982. W. Kohlhammer GmbH, Stuttgart und Mainz 1983, ISBN 3-17-003263-1, S. 377.

Weblinks


Kategorien: Staatlich anerkannter Erholungsort in Hessen | Ort im Main-Kinzig-Kreis | Ehemalige Gemeinde (Main-Kinzig-Kreis) | Bad Soden-Salmünster

Quelle: Wikipedia - http://de.wikipedia.org/wiki/Mernes (Vollständige Liste der Autoren des Textes [Versionsgeschichte])    Lizenz: CC-by-sa-3.0

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