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Maurice Bishop


Maurice Rupert Bishop (* 29. Mai 1944 in Aruba; † 19. Oktober 1983 in Fort Rupert, Grenada) war von 1979 bis 1983 Premierminister Grenadas.

Leben

Maurice Bishop wurde als Sohn grenadischer Eltern in Aruba geboren und zog mit seiner Familie im Alter von sechs Jahren nach Grenada. Er studierte Jura in England, wo er die politischen Ideen der 68er-Bewegung, der Black-Power-Bewegung und des trinidadischen Marxisten C. L. R. James aufnahm, bevor er im Jahre 1969 nach Grenada zurückkehrte.

Er fing an, auf Grenada nach sowjetischem Vorbild Arbeiterräte aufzubauen, gründete eine sozialistische Partei, das New Jewel Movement (NJM, Jewel steht für Joint Endeavor for Welfare, Education and Liberation) und organisierte die Bevölkerung in Gewerkschaften. Er genoss eine breite Zustimmung auf Grenada, da die Bevölkerung mit der korrupten und willkürlichen Herrschaft Sir Eric Gairys und seiner Mongoose Gang, einer „Schlägertruppe“, unzufrieden war.

Nachdem Gairy mit hoher Sicherheit zuvor Wahlen gefälscht hatte, errang Maurice Bishop am 13. März 1979 im Rahmen eines von der Mehrheit der Bevölkerung befürworteten fast unblutigen[1][2] Putsches die Macht und wurde Premierminister von Grenada. Es wurden einige basisdemokratische Elemente eingeführt, doch auch unter Bishop wurden keine freien Wahlen konkurrierender Parteien gestattet. Die Menschenrechtssituation verbesserte sich unter Bishop.

Bishop setzte in seiner Politik primär auf soziale Reformen wie die Einführung eines kostenlosen Gesundheitssystems und den Bau neuer Schulen. Die Wirtschaft sollte auf einer öffentlichen, einer privaten und einer kooperativen Säule basieren, wozu die Bildung von Genossenschaften gefördert wurde.[3] Als größtes Infrastrukturprojekt wurde der Bau des internationalen Flughafens Point Salines begonnen, auch um den Tourismus zu fördern.

Er unterhielt gute Beziehungen zur Sowjetunion und zu Kuba, die Grenada mit Entwicklungshilfe unter anderem beim Bau des Flughafens unterstützten. Vorher war Bishops Versuch gescheitert, zu den Vereinigten Staaten gute Beziehungen aufzubauen. Die Beziehungen zu den USA verschlechterten sich weiter, als Ronald Reagan 1981 Präsident der Vereinigten Staaten wurde. Die US-Regierung verhängte einen umfassenden Boykott über Grenada und veranlasste internationale Kreditinstitutionen, Grenada Kredite vorzuenthalten.

Um die US-Beziehungen zu verbessern, begab sich Bishop auf eine diplomatische Reise in die USA. Ein Treffen im Weißen Haus wurde von der US-Regierung jedoch abgelehnt und es kam lediglich zu Gesprächen mit dem Sicherheitsberater und dem stellvertretenden Außenminister.

Im Juni 1982 besuchte Bishop zusammen mit seinem Außenminister Unison Whiteman und weiteren Delegationsmitgliedern die Deutsche Demokratische Republik.

Am 14. Oktober 1983 wurde Bishop von Gegenspielern aus der eigenen Partei, angeführt von Bernard Coard und Hudson Austin, gestürzt und unter Hausarrest gestellt. Nachdem er am 19. Oktober 1983 von seinen Anhängern zwischenzeitlich befreit worden war, ließen ihn seine Rivalen in der Führung des New Jewel Movement am selben Tag in Fort Rupert, dem Hauptquartier des Militärs, exekutieren.[4] Am 25. Oktober 1983 begannen die Vereinigten Staaten unter dem Codenamen Operation Urgent Fury eine Invasion, in deren Verlauf die Regierung abgesetzt wurde.

Eine Nachfolgeorganisation des New Jewel Movement, das Maurice Bishop Patriotic Movement, existierte bis 2002, spielte im politischen Leben von Grenada kaum eine Rolle.

Ehrungen

Der Flughafen Point Salines, mit dessen Bau unter Maurice Bishops Führung begonnen hatte und dessen Darstellung als möglichem Militärflugplatz durch die US-Regierung einen Grund für die US-Invasion in Grenada lieferte, trägt den Namen Maurice Bishops.

Siehe auch

Schriften

  • Forward ever! Three years of the Grenadian Revolution. Speeches of Maurice Bishop. Sydney 1982.
  • Selected speeches, 1979–1981. Ciudad de La Habana 1982.
  • Maurice Bishop Speaks. The Grenada Revolution and Its Overthrow, 1979–83. New York 1983. ISBN 0-87348-612-9
  • In nobody’s backyard. Maurice Bishop’s speeches, 1979–1983: a memorial volume, edited by Chris Searle. London 1984.

Literatur

  • Bruce Marcus, Michael Taber: Maurice Bishop speaks. The Grenada Revolution and its overthrow, 1979-83. New York 1983. ISBN 0-87348-611-0.
  • Steve Clark: The Second Assassination of Maurice Bishop. In: New International. A magazine of Marxist politics and theory, Nr. 6. New York 1987. ISBN 0-87348-641-2.

Weblinks

 Commons: Maurice Bishop  – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. Thomas M. Leonard: Encyclopedia of the Developing World. Psychology Press, 2005, S. 180
  2. Grenada , Eintrag auf Encyclopedia Britannica, Abruf 30. November 2014
  3. Gert Eisenbürger: Zerstörung einer Hoffnung: Die abgebrochene Geschichte der Revolution auf Grenada; (Memento vom 5. Januar 2004 im Internet Archive) Karibik / ila 269 / Oktober 2003; abgerufen am 24. Oktober 2013.
  4. Ann Elizabeth Wilder: The Tragedy of 19 October 1983; The Grenada Revolution, abgerufen am 25. Oktober 2013.


Kategorien: Grenader | Premierminister (Grenada) | Gestorben 1983 | Geboren 1944 | Mann

Quelle: Wikipedia - http://de.wikipedia.org/wiki/Maurice Bishop (Vollständige Liste der Autoren des Textes [Versionsgeschichte])    Lizenz: CC-by-sa-3.0

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