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Masyr


Masyr | Mosyr
Мазыр | Мозырь
(weißrus.) | (russisch)

Wappen
Staat: Weißrussland
Woblasz: Homel
Koordinaten:
Fläche: 36,74 km²
 
Einwohner: 112.000 (2008)
Bevölkerungsdichte: 3.048 Einwohner je km²
Zeitzone: Moskauer Zeit (UTC+3)
Telefonvorwahl: (+375) 2351
Postleitzahl: 247760
Kfz-Kennzeichen: 3

Masyr bzw. Mosyr (weißrussisch Мазыр/Masyr; russisch Мозырь/Mosyr; polnisch Mozyrz) ist eine Stadt mit 111.600 Einwohnern (2006) in der Homelskaja Woblasz im Südosten Weißrusslands, 133 km nordwestlich von Homel und 320 km südlich von Minsk. Masyr liegt am Fluss Prypjat (Pripjet) nahe dem Sperrgebiet, das infolge des Reaktorunglücks von Tschernobyl eingerichtet wurde.

Geschichte

Die erste urkundliche Erwähnung von Masyr, einer der ältesten weißrussischen Städte, ist für das Jahr 1155 belegt, als sie der Kiever Fürst Jurij Dolgorukij dem Tschernigower Fürsten Swjatosloaw Olgowitsch übergab. Im Laufe der Jahrhunderte gehörte Masyr mehreren Herrschaftsbereichen an (Kiewer, Tschernigower, Turower Fürstentum). Seit Mitte der 1560er Jahre war es als ein Handelszentrum des Landkreises (Pawet) Kiew Teil des Großfürstentums Litauen, 1569 gehörte es infolge der Lubliner Union zur Rzeczpospolita, als Stadt in der Mensker (Minsker) Wojewodschaft. Das Magdeburger Stadtrecht erhielt Masyr 1577, ein Stadtwappen erst später; die entsprechenden Dokumente werden heute im nationalen historischen Archiv von Weißrussland in Minsk aufbewahrt.

Infolge eines großen Stadtbrandes zu Beginn des 17. Jahrhunderts sind das Schloss von Masyr und ein Teil der Stadt bis auf die Grundmauern niedergebrannt. In diesem Zusammenhang wurden 1609–1613 Maßnahmen zum Wiederaufbau ergriffen, nach denen an die Einwohner der Befehl erging, das Schloss sowie die Plätze der Stadt wieder aufzubauen.

Im 17. Jahrhundert fand in Masyr ein Aufstand gegen die adeligen Großgrundbesitzer statt.

Nach der zweiten polnischen Teilung 1793 fiel die Stadt an Russland wurde Kreisstadt im Gouvernement Minsk. Der Bau einer eigenen Eisenbahnstrecke in der Region Palesse, heute südliches Weißrussland, in den 1880er Jahren trug entscheidend zum wirtschaftlichen Wachstum von Stadt und Region bei. 1885 entstand in der Stadt die Streichholzfabrik Molnija (‚Blitz‘).

1917 wurde in Masyr die Sowjetmacht errichtet. Von Februar bis Dezember 1918 befand sich die Stadt unter deutscher Okkupation, vom 5. März bis 29. Juni 1920 wurde sie von den Polen besetzt. Ab 1924 war Masyr in der noch jungen Sowjetunion Kreisstadt, d. h. Zentrum eines Rajon, 1926/27 gehörte es dem Rajon Slabada an, 1924–1930 und 1935–1938 war es Zentrum des Kreises Masyr, 1938–1954 Hauptstadt des Gebietes (Woblasz) Polesse. Seit 1954 gehört die Stadt dem Gebiet Homel an.

Während des Zweiten Weltkrieges errichteten die Deutschen in Masyr ein Todeslager, in dem 4700 Menschen zu Tode kamen. Vom 22. August 1941 bis 14. Januar 1944 befand sich die Stadt unter Okkupation der Wehrmacht.

Wappen

Beschreibung: In Blau ein goldbewehrter schwarzer Adler.

Wirtschaft und Tourismus

Masyr ist zusammen mit Nawapolazk Zentrum der Erdölindustrie von Weißrussland. Weitere in der Stadt ansässige Wirtschaftszweige sind der Maschinenbau, die Metall- und holzverarbeitende Industrie, die chemische Industrie, die Leichtindustrie (so z. B. die Textilfabrik Nadex[1]) sowie die Nahrungsmittelindustrie; so stellt z. B. die Firma Mosyrsol Küchensalz her. Das pharmazeutische Unternehmen Etanol, welches neben medizinischen Produkten auch alkoholhaltige Substanzen produziert, war zu Sowjetzeiten nach eigenen Angaben das größte in der Mikrobiologie tätige Unternehmen des Landes[2].

Die staatlichen Hotels sind das Dynama, die Elada sowie die Hotelanlagen Prypjat.

An Touristenattraktionen bietet Masyr eine Sommerrodelbahn und im Winter einen kostenlosen Skilift. Zudem befindet sich im Zentrum ein sehr sehenswertes Schloss.

Verkehr

In Masyr verkehrt neben Bussen auch seit 1. August 1988 eine Straßenbahnlinie, deren Streckenverlauf 20 km Länge beträgt[3]. Damit ist Masyr neben Minsk, Wizebsk und Nawapolazk eine von vier Städten in Weißrussland mit Straßenbahnverkehr.

Die Eisenbahnstrecke KalinkawitschyOwrutsch (Ukraine) verläuft in sieben km Entfernung an Masyr vorbei. Durch Fernstraßen ist die Stadt mit Homel, Babrujsk und Owrutsch verbunden.

Obwohl die Stadt über den größten Hafen des Landes verfügt, ist weder die die industrielle noch die touristische Schifffahrt besonders entwickelt. Masyr verfügt über einen – inzwischen stillgelegten – Flughafen.

Kultur

In Masyr sind das Iwan-Melesch-Theater, die Philharmonie sowie das Landeskunde- und Kulturmuseum der Region Palesse, ein Museum für angewandte Kunst und eine städtische Ausstellungshalle ansässig. 1990 wurde der Kulturpalast des Erdölverarbeitungswerkes Masyr eröffnet, in dem ab und an auch bekanntere Künstler auftreten.

Das einzige Lichtspieltheater der Stadt ist das Kino Mir (‚Frieden‘), es sind mehr als 50 öffentliche Bibliotheken vorhanden.

Bildung und Wissenschaft

In der Stadt befinden sich 15 Mittelschulen, vier Musikschulen, 35 Kindergärten sowie jeweils eine Berufsschule (Technikum) für Bauwesen, Geologie, Sport, medizinische Berufe.

Die 1946 gegründete pädagogische Hochschule ist in den 1990er Jahren in die Staatliche pädagogische Nadeschda-Krupskaja-Universität Masyr umgewandelt und somit aufgewertet worden.

Sport

Neben zahlreichen Schwimmbädern, Turnhallen und Stadien verfügt Masyr über Wintersportanlagen, die das touristische Standbein der Region bilden.

Der Fußballklub FK Masyr (ehemals Slawija Masyr) spielte in der Saison 2008 in der zweiten weißrussischen Liga[4].

Sehenswürdigkeiten

  • Die orthodoxe Kirche des Hlg. Michail einschließlich Kloster
  • Die katholische Michaelskirche einschließlich Minoritenkloster

Söhne und Töchter der Stadt

Galerie

Einzelnachweise

  1. http://nadex.by/ (auf Russisch)
  2. http://www.mozyr-etanol.com/ (auf Russisch)
  3. http://mozyr.tut.by/city/tramway/ (auf Russisch)
  4. http://www.slaviya.info/ (auf Russisch)

Weblinks


Kategorien: Ort in der Homelskaja Woblasz

Quelle: Wikipedia - http://de.wikipedia.org/wiki/Masyr (Vollständige Liste der Autoren des Textes [Versionsgeschichte])    Lizenz: CC-by-sa-3.0

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