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Martin Kähler


Karl Martin August Kähler (* 6. Januar 1835 in Neuhausen bei Königsberg; † 7. September 1912 in Freudenstadt im Schwarzwald) war ein deutscher protestantischer Theologe.

Familie

Martin Kähler wurde als Sohn des Oberkonsistorialrates Siegfried August Kähler (1800–1895) geboren. Der Großvater Ludwig August Kähler hatte bereits als Prediger und als stark dem Rationalismus verpflichteter Professor in Königsberg gewirkt. Martin Kählers älterer Bruder war der Generalmajor Otto Kähler. Unter seinen Kindern sind Minna Kähler (1867–1934), Oberin des Diakonissenhauses Elisabethenstift in Darmstadt, Anna Kähler (1869–1956), Malerin und Schriftstellerin, Siegfried August Kähler (1885–1963), Professor für Neuere Geschichte in Göttingen, Wilhelm Kähler, Professor für Nationalökonomie, DNVP-Politiker und preußischer Reichskommissar, und Walter Kähler, evangelischer Theologe und zuletzt Generalsuperintendent in der Kirchenprovinz Pommern.

Leben

Martin Kähler besuchte in Elbing und Königsberg die Schule, begann dann an letztgenanntem Ort das Studium der Rechte, wechselte aber bald, durch mehrere Erkrankungen befördert, zur Theologie.

Er begann sein Studium der Evangelischen Theologie an der Universität Heidelberg, die er recht bald in Richtung Halle (Saale) und Tübingen verließ. In Halle prägte Ihn vor allem August Tholuck. Während seines Studienaufenthaltes in Halle wurde er Mitglied des Hallenser Wingolf.[1] Nach seiner Promotion 1860 wirkte er an der Gründung des Schlesischen Konvikts mit, dessen erster Studieninspektor er wurde. Nach einem Intermezzo als Extraordinarius in Bonn 1864 kehrte er 1867 als Extraordinarius nach Halle zurück. 1878 erhielt er einen ordentlichen Lehrstuhl für Systematische Theologie und Neues Testament.

Kähler, der neben Tholuck auch von Johann Tobias Beck und durch den Austausch mit Hermann Cremer, Julius Müller und Richard Rothe geprägt wurde, betrachtete sich als biblischen Theologen, für den nicht die Geschichte (die Meinung über) Gott beeinflusste, sondern Gott die Geschichte setzte und durchwaltete (vgl. Versöhnung , 365). Der Theologe hatte dem folgend nicht zuerst Wissenschaftler, sondern Christ zu sein. In diesem Sinne ist dann auch Kählers Differenzierung zwischen der (rein faktischen) »Historie« oder »Historizität« und der (im Glauben) gelebten (und von Glauben durchwirkten) »Geschichte« zu verstehen.

Schon die 1878 veröffentlichte Schrift Das Gewissen ist in dieser Perspektive geschrieben. Große Wirkung erlangten aber erst Der sogenannte historische Jesus und der geschichtliche, biblische Christus von 1892, eine kritische Auseinandersetzung mit der Leben-Jesu-Forschung, und sein dogmatischer Entwurf Die Lehre von der Versöhnung von 1898. Hervorzuheben ist ferner seine Gesamtdarstellung Die Wissenschaft der christlichen Lehre (1883), in der die gesamte Lehre des Christentums aus dem Rechtfertigungsartikel entwickelt wird. Aus dem Nachlass veröffentlichte 1962 dann der Enkelsohn Ernst Kähler die lange verschlossen gehaltenen Mitschriften von Vorlesungen, die Martin Kähler teilweise noch selbst korrigiert, aber mit dem Vermerk »Darf so nicht gedruckt werden!« versehen hatte, unter dem Titel Geschichte der protestantischen Dogmatik im 19. Jahrhundert.

Zu Kählers Schülern und Anhängern zählten u.a. Julius Schniewind, Ernst von Dobschütz, Karl Heim, Wilhelm Lütgert, Rudolf Hermann und Hans Emil Weber sowie der schwedische Theologieprofessor und Bischof Einar Billing. Seine Forderung nach einer vom Glauben durchwirkten Lehre, nach einer »Charakterkirche«, die sich auf dem Boden des Bekenntnisses befand, wirkte bis in die Zeit des Nationalsozialismus hinein. Nicht nur Karl Barth, unter dessen Federführung die Barmer Theologische Erklärung gegen die NS-Diktatur und der ihr verpflichteten Deutschen Christen entstand, sondern nahezu alle Mitglieder der sich darauf hin konstituierenden Bekennenden Kirche waren Schüler Kählers oder doch durch ihn oder seine Schüler geprägt.

Kähler verstarb am 7. September 1912, im Alter von 77 Jahren, während eines Kuraufenthaltes in Freudenstadt im Schwarzwald. Er wurde auf dem halleschen Laurentiusfriedhof bestattet, wo sein Grabmal anlässlich seines 100. Todestages vor einigen Jahren instand gesetzt wurde.

Schriften (Auswahl)

  • Sententiarum quae de conscientia ediderint theologi per ecclesiae secula florentes brevis enarratio Dissertation, 1860
  • Paulus, der Jünger und Bote Jesu von Nazareth. Ein Lebens- und Charakterbild. 1862
  • Die schriftgemäße Lehre vom Gewissen. 1864
  • Die starken Wurzeln unserer Kraft. Betrachtungen über die Begründung des Deutschen Kaiserreiches und seine erste Krise. 1872
  • D. August Tholuck, geboren den 30. März 1799, heimgegangen den 10. Juni 1877. Ein Lebensabriß. Halle 1877
  • Julius Müller, der Hallische Dogmatiker. 1878
  • Das Gewissen. Ethische Untersuchung. Die Entwicklung seiner Namen und seines Begriffes. 1878 (Nachdruck Darmstadt, Wissenschaftliche Buchgesellschaft, 1967)
  • Die Wissenschaft der christlichen Lehre von dem evangelischen Grundartikel aus. 1883
  • Der sogenannte historische Jesus und der geschichtliche, biblische Christus. 1892; neu hg. v. Ernst Wolf, (=Theologische Bücherei. Neudrucke und Berichte aus dem 20. Jahrhundert 2), 2. erw. Aufl., München (Chr. Kaiser) 1956; neu hg. und mit einem Nachwort versehen von Sebastian Moll, Berlin (Berlin University Press), 2013
  • Dogmatische Zeitfragen. Alte und neue Ausführungen zur Wissenschaft der christlichen Lehre.
1. Heft. Leipzig 1898
2. Heft: Zur Lehre von der Versöhnung. Leipzig 1898
2. Band: Angewandte Dogmen, Leipzig 1908
3. Band: Zeit und Ewigkeit, Leipzig 1913
  • Theologe und Christ. Erinnerungen und Bekenntnisse von Martin Kähler, hrsg. v. Anna Kähler, Berlin 1926
  • Wiedergeboren durch die Auferstehung Jesu Christi, hrsg. v. Martin Fischer, Neukirchen-Vluyn 1960
  • Geschichte der protestantischen Dogmatik im 19. Jahrhundert. 2. erw. Auflage, R. Brockhaus, Wuppertal/Zürich 1989, ISBN 3-417-29343-X.
  • Aufsätze zur Bibelfrage. (=Theologische Bücherei. Neudrucke und Berichte aus dem 20. Jahrhundert 37), München 1967
  • Schriften zu Christologie und Mission. (=Theologische Bücherei. Neudrucke und Berichte aus dem 20. Jahrhundert 42), München 1971

Gedenktag

7. September im Evangelischen Namenkalender.[2]

Literatur

Einzelnachweise

  1. Martin Kähler als Wingolfit (Beitrag zum Studientag zum 100. Todestag) , abgerufen am 19. Januar 2013.
  2. Martin Kähler im Ökumenischen Heiligenlexikon

Weblinks

 Commons: Martin Kähler  – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien


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Quelle: Wikipedia - http://de.wikipedia.org/wiki/Martin Kähler (Vollständige Liste der Autoren des Textes [Versionsgeschichte])    Lizenz: CC-by-sa-3.0

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