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Marser (Germanien)


Die Marser (lateinisch: Marsi, griechisch οἱ Μαρσοί) waren ein kleiner germanischer Volksstamm, der zwischen Rhein (Rhenus), Ruhr und Lippe (Lupia) siedelte. Der Stamm der Marser entstand aus einer Abspaltung von den rechtsrheinisch verbliebenen Resten der Sugambrer, welche unter Tiberius im Jahre 7 v. Chr. in linksrheinische Gebiete an die Maas in das Gebiet der Sunuker umgesiedelt wurden.[1] Sie wurden erstmals von Strabon und mehrmals von Tacitus erwähnt, von letzterem insbesondere im Zusammenhang der Feldzüge des Germanicus, als die Römer sie 14 n. Chr. überfielen. Die ahnungslosen Marser, die gerade in ihren Dörfern ein Fest feierten und zu betrunken waren, um auf diesen Überraschungsangriff reagieren zu können, wurden, ob Männer oder Frauen, ob alt oder jung, von den römischen Soldaten getötet.

Die Marser hatten am Aufstand im Jahre 9 n. Chr. gegen die Römer teilgenommen (Varusschlacht) und wurden nun in den Rachefeldzügen des Germanicus vernichtend geschlagen. Nach Tacitus (Annalen 1, 51) wurde neben dem zentralen, nicht genau zu lokalisierenden Tanfana-Heiligtum ein Landraum von 50 römischen Meilen mit Feuer und Schwert völlig verwüstet: „Kein Geschlecht, kein Lebensalter fand Erbarmen.“

Germanicus führte im Feldzug gegen die Marser neben 12.000 Legionssoldaten auch 26 Kohorten Hilfstruppen (sociae cohortes) und 8 Reiterschwadrone (equitum alae) mit sich. Auch wegen dieser Gräueltaten, die Germanicus nicht nur bei den Marsern, sondern auch bei den Chatten im Frühjahr 15 n. Chr. angerichtet hatte, fanden sich die sonst oft untereinander zerstrittenen Germanen wieder zusammen, um gegen die Römer vorgehen zu können. Germanicus hatte eine doppelt so starke Armee unter Waffen wie seinerzeit Varus. Im Jahre 16 n. Chr. wurde die Aquila der Legio XVII von Germanicus von den Marsern wiedergewonnen.[2][3] Die Feldzüge des Germanicus wurden dennoch nach zwei Jahren intensiver, aber nicht entscheidender Kämpfe abgebrochen, und die Römer zogen sich hinter den Rhein zurück.

Über die weitere Geschichte der Marser berichten die Quellen nichts.

Sonstiges

Einzelnachweise

  1. Reinhard Wenskus: Stammesbildung und Verfassung, Böhlau, Köln 1977 (2. unveränderte Auflage), S. 437f.
    Andreas Strassmeier, Andreas Gagelmann: Heer & Waffen Band 11 - Das Heer des Arminius, germanische Krieger zu Beginn des 1. nachchristlichen Jahrhunderts, Zeughaus Verlag, Berlin 2009, S. 8
  2. Matthew Bunson: Encyclopedia of the Roman empire, Sonlight Christian, 2002, ISBN 978-0816045624, S. 313.
  3. Klaus-Peter Johne: Die Römer an der Elbe. Das Stromgebiet der Elbe im geographischen Weltbild und im politischen Bewußtsein der griechisch-römischen Antike, Akademie Verlag, Berlin 2006, ISBN 978-3-05-003445-4, S. 171.

Literatur

  • Beatrix Günnewig, Günter Neumann: Marsen. In: Reallexikon der Germanischen Altertumskunde. Bd. 19. Berlin 2001, S. 361ff.
  • Ralf G. Jahn: Der Römisch–Germanische Krieg (9–16 n. Chr.). Dissertation Universität Bonn 2001.

Kategorien: Germanischer Stamm | Marser

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