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Marschalskoje


Siedlung
Marschalskoje
(Königlich) Gallgarben

Маршальское
Flagge Wappen
Föderationskreis Nordwestrussland
Oblast Kaliningrad
Rajon Gurjewsk
Gegründet 1317
Frühere Namen Gailgarben (nach 1317),
Geilgarben (um 1500),
Geylgarben (um 1542),
Geillgarben (nach 1565),
Königlich Gallgarben (bis 1928),
Gallgarben (1928–1946)
Bevölkerung 686 Einwohner
(Stand: 14. Okt. 2010)[1]
Zeitzone UTC+2
Telefonvorwahl (+7) 40151
Postleitzahl 238317
Kfz-Kennzeichen 39, 91
OKATO 27 209 819 001
Geographische Lage
Koordinaten }

Marschalskoje (russisch Маршальское, deutsch (Königlich) Gallgarben) ist ein Ort in der russischen Oblast Kaliningrad. Er liegt im Rajon Gurjewsk und gehört zur kommunalen Selbstverwaltungseinheit Stadtkreis Gurjewsk.

Geographische Lage

Marschalskoje liegt 23 Kilometer nordöstlich der Stadt Kaliningrad (Königsberg) an einer Nebenstraße, die von Dobrino (Nautzken) an der russischen Fernstraße A 190 über Nowgorodskoje (Mettkeim) und Uslowoje ((Königlich) Neuendorf) nach Pirogowo (Sudnicken) führt. Bahnstation ist der acht Kilometer entfernte Haltepunkt Bajewka I (bis 1945 Kuggen) an der Bahnstrecke Kaliningrad–Sowetsk (Königsberg–Tilsit). Vor 1945 bestand außerdem über Sudnicken (russisch: Pirogowo) Bahnanschluss an die Bahnstrecke Prawten-Schaaksvitte (Lomonossowo–Kaschirskoje) der Königsberger Kleinbahn.

Geschichte

Das Dorf geht in seiner Gründung auf das Jahr 1317 zurück.[2] Von 1874 bis 1945 war Gallgarben Sitz und namensgebender Ort des neu geschaffenen Amtsbezirks Gallgarben[3], der zum Landkreis Königsberg (Preußen) (1939 bis 1945 Landkreis Samland) im Regierungsbezirk Königsberg der preußischen Provinz Ostpreußen gehörte.

Zwei Kilometer nördlich lag ein Ort gleichen Namens (heute russisch: Opuschki), der den Namenszusatz Adlig erhielt. Im Gegenzug wurde das Amtsdorf Gallgarben Königlich genannt. Im Jahre 1910 lebten in Adlig Gallgarben 78, in Königlich Gallgarben 326 Einwohner[4]. Am 30. September 1928 schlossen sich die Landgemeinde Königlich Gallgarben und der Gutsbezirk Adlig Gallgarben zur neuen Landgemeinde Gallgarben zusammen.

Die Einwohnerzahl dieser neu gebildeten Gemeinde betrug 1933 insgesamt 500, sie steigerte sich bis 1939 auf 557[5], nachdem am 1. Oktober 1935 das Nachbardorf Dogehnen (russisch: Chlebnikowo, nicht mehr existent) eingemeindet worden war.

Infolge des Zweiten Weltkrieges kam Gallgarben mit dem nördlichen Ostpreußen zur Sowjetunion und wurde im Jahr 1947 in „Marschalskoje“ umbenannt.[6] Gleichzeitig wurde der Ort in den Dorfsowjet Saliwenski eingeordnet. Im Jahr 1954 wurde Marschalskoje selber Sitz eines Dorfsowjets. Von 2008 bis 2013 gehörte der Ort zur Landgemeinde Chrabrowskoje und seit deren Auflösung zum Stadtkreis Gurjewsk.

Amtsbezirk Gallgarben (1874–1945)

Am 30. April 1874 wurde Königlich Gallgarben Amtssitz des neu gebildeten Amtsbezirks Gallgarben mit den Landgemeinden bzw. dem Gutsbezirk<ref[3]:

Name Russischer Name Bemerkungen
Landgemeinden:
Dogehnen Chlebnikowo 1935 in die Gemeinde Gallgaben eingegliedert
Königlich Gallgarben Marschalskoje 1928 mit Adlig Gallgarben zur
Landgemeinde Gallgarben zusammengeschlossen
Perwissau Roschkowo 1905 in einen Gutsbezirk umgewandelt
Gutsbezirk:
Adlig Gallgarben Opuschki 1928 mit Königlich Gallgarben zur
Landgemeinde Gallgarben zusammengeschlossen
Erst 1930 eingegliederte Landgemeinden:
(Königlich) Neuendorf Uslowoje vorher Amtsbezirk Damerau (Sokolowka)
Kropiens Gajewo vorher Amtsbezirk Damerau (Sokolowka)

Zu Beginn des Jahres 1945 gehörten noch die vier Gemeinde Gallgarben, Kropiens, Neuendorf und Perwissau zum Amtsbezirk Gallgarben.

Dorfsowjet/Dorfbezirk Marschalski 1954–2008

Der Dorfsowjet Marschalski (ru. Маршальский сельский Совет, Marschalski selski Sowet) wurde im Juni 1954 als Zusammenschluß der beiden aufgelösten Dorfsowjets Kaschirski und Saliwenski eingerichtet.[7] Zu diesem Zeitpunkt oder etwas später wurden auch einige Orte aus dem Dorfsowjet Kosmodemjanski an den Dorfsowjet Marschalski angeschlossen. Nach dem Zerfall der Sowjetunion trug die Verwaltungseinheit den Namen Dorfbezirk Marschalski (ru. Маршальский сельский округ, Marschalski selski okrug). Im Jahr 2008 wurden die verbliebenen Orte des Dorfbezirks in die neu gebildete Landgemeinde Chrabrowskoje eingeordnet.

Ortsname Name bis 1947/50 Bemerkungen
Clebnikowo (Хлебниково) Dogehnen Der Ort wurde 1950 umbenannt und war zunächst in den Dorfsowjet Saliwenski eingeordnet. Er wurde vermutlich um 1990 verlassen.
Gajewo (Гаево) Kropiens Der Ort wurde 1947 umbenannt und war zunächst in den Dorfsowjet Saliwenski eingeordnet.
Georgijewskoje (Георгиевское) Konradshorst Der Ort wurde 1947 umbenannt und war zunächst in den Dorfsowjet Kosmodemjanski eingeordnet.
Glucharjowo (Глухарёво) Brandt [Fh.] Der Ort wurde 1950 umbenannt und war zunächst in den Dorfsowjet Saliwenski eingeordnet. Er wurde vor 1976 an den Ort Saliwnoje angeschlossen.
Iljitschjowo (Ильичёво) Görken Der Ort wurde 1947 umbenannt und war zunächst in den Dorfsowjet Kosmodemjanski eingeordnet.
Kaschirskoje (Каширское) Schaaksvitte Der Ort wurde 1947 umbenannt und war zunächst der Verwaltungssitz des Dorfsowjets Kaschirski.
Krasnopolje (Краснополье) Regitten Der Ort wurde 1947 umbenannt und war zunächst in den Dorfsowjet Kaschirski eingeordnet.
Lasowskoje (Лазовское) Trömpau Der Ort wurde 1947 umbenannt und war zunächst in den Dorfsowjet Kosmodemjanski eingeordnet.
Lessossekowo (Лесосеково) Sallecken Der Ort wurde 1950 umbenannt und war zunächst in den Dorfsowjet Kosmodemjanski eingeordnet. Er wurde 1997 aus dem Ortsregister gestrichen.
Lipowka (Липовка) Tarpienen Der Ort wurde 1950 umbenannt und war zunächst in den Dorfsowjet Kosmodemjanski eingeordnet. Er wurde vor 1976 verlassen.
Liski (Лиски) Kingitten Der Ort wurde 1950 umbenannt und war zunächst in den Dorfsowjet Saliwenski eingeordnet.
Marschalskoje (Маршальское) (Königlich) Gallgarben Der Ort wurde 1947 umbenannt und war zunächst in den Dorfsowjet Saliwenski eingeordnet. Verwaltungssitz
Naumowka (Наумовка) Germehnen Der Ort wurde 1947 umbenannt und war zunächst in den Dorfsowjet Saliwenski eingeordnet.
Nekrassowo (Некрасово) Liska-Schaaken Der Ort wurde 1947 umbenannt und war zunächst in den Dorfsowjet Kaschirski eingeordnet.
Opuschki (Опушки) Adlig Gallgarben Der Ort wurde 1950 umbenannt und war zunächst in den Dorfsowjet Saliwenski eingeordnet.
Owraschnoje (Овражное) Nickelsdorf Der Ort wurde 1947 umbenannt und war zunächst in den Dorfsowjet Kaschirski eingeordnet.
Pawlowo (Павлово) Ginthieden Der Ort wurde 1947 umbenannt und war zunächst in den Dorfsowjet Saliwenski eingeordnet. Er wurde vor 1976 verlassen.
Petrowka (Петровка) Sperlings Der Ort wurde 1947 umbenannt und war zunächst in den Dorfsowjet Kaschirski eingeordnet. Er wurde vor 1976 an den Ort Krasnopolje angeschlossen.
Pirogowo (Пирогово) Sudnicken Der Ort wurde 1947 umbenannt und war zunächst in den Dorfsowjet Kaschirski eingeordnet.
Prawdino (Правдино) Thiemsdorf Der Ort wurde 1947 umbenannt und war zunächst in den Dorfsowjet Kaschirski eingeordnet.
Pridoroschnoje (Придорожное) Kirschappen Der Ort wurde 1950 umbenannt und war zunächst in den Dorfsowjet Kaschirski eingeordnet.
Primorskoje (Приморское) Steinort Der Ort wurde 1950 umbenannt und war zunächst (fälscherweise ?) in den Dorfsowjet Nowoselski eingeordnet. Er wurde vor 1976 verlassen.
Puschkinskoje (Пушкинское) bei Gallgarben Der Ort wurde 1950 umbenannt und war zunächst in den Dorfsowjet Saliwenski eingeordnet.
Roschkowo (Рожково) Perwissau Der Ort wurde 1947 umbenannt und war zunächst in den Dorfsowjet Saliwenski eingeordnet.
Rutschji (Ручьи) Mückenhof Der Ort wurde 1950 umbenannt und war zunächst in den Dorfsowjet Saliwenski eingeordnet. Er wurde vor 1976 an den Ort Saliwnoje angeschlossen.
Saliwnoje (Заливное) Postnicken, Grünwalde, Jägertal, Palwe und Möwenhof[8] Der Ort wurde 1947 umbenannt und war zunächst der Verwaltungssitz des Dorfsowjets Saliwenski.
Schemtschuschnoje (Жемчужное) Kirche Schaaken Der Ort wurde 1947 umbenannt und war zunächst in den Dorfsowjet Kaschirski eingeordnet.
Selenopolje (Зеленополье) Krumteich Der Ort wurde 1950 umbenannt und war zunächst in den Dorfsowjet Kosmodemjanski eingeordnet.
Starorusskoje (Старорусское) Eythienen Der Ort wurde 1950 umbenannt und war zunächst in den Dorfsowjet Kaschirski eingeordnet.
Stepnoje (Степное) Powarben Der Ort wurde 1947 umbenannt und war zunächst in den Dorfsowjet Kosmodemjanski eingeordnet.
Tschaikino (Чайкино) Rinau Der Ort wurde 1947 umbenannt und war zunächst in den Dorfsowjet Saliwenski eingeordnet.
Uslowoje (Узловое) (Königlich) Neuendorf Der Ort wurde 1947 umbenannt und war zunächst in den Dorfsowjet Saliwenski eingeordnet.
Wassiljewskoje (Василевское) Wesselshöfen Der Ort wurde 1950 umbenannt und war zunächst in den Dorfsowjet Kaschirski eingeordnet.

Auch der Ort Kijewskoje (Schmiedehnen), der zunächst bis 1954 zum Dorfsowjet Kaschirskoje gehört hatte, gehörte dann vermutlich (mindestens) bis 1958 zum Dorfsowjet Marschalski, bevor er dann in den Dorfsowjet Muromski im Rajon Primorsk (Rajon Selenogradsk) eingegliedert wurde.

Einwohnerentwicklung

Jahr Einwohner[9] Bemerkungen
1910 326
1933 500 Einschließlich Adlig Gallgarben
1939 557 Einschließlich Adlig Gallgarben und Dogehnen
2002 635
2010 686

Kirche

Vor 1945 waren die Einwohner Gallgarbens fast ausschließlich evangelischer Konfession. Sie waren in das Kirchspiel Schaaken mit Sitz in Schemtschuschnoje (Kirche Schaaken) eingepfarrt, das zum Kirchenkreis Königsberg-Land II in der Kirchenprovinz Ostpreußen der Kirche der Altpreußischen Union gehörte. Heute gibt es in Marschalskoje selbst eine kleine evangelisch-lutherische Kirchengemeinde als Zentrum für die umliegenden Ortschaften. Sie ist eine Filialgemeinde der Auferstehungskirchengemeinde in Kaliningrad (Königsberg) innerhalb der Propstei Kaliningrad[10] der Evangelisch-lutherischen Kirche Europäisches Russland (ELKER).

Einzelnachweise

  1. Itogi Vserossijskoj perepisi naselenija 2010 goda. Kaliningradskaja oblastʹ. (Ergebnisse der allrussischen Volkszählung 2010. Oblast Kaliningrad.) Band 1 , Tabelle 4 (Download von der Website des Territorialorgans Oblast Kaliningrad des Föderalen Dienstes für staatliche Statistik der Russischen Föderation)
  2. Ortsinformationen Bildarchiv Ostpreußen: Gallgarben
  3. 3,0 3,1 Rolf Jehke, Amtsbezirk Gallgarben
  4. Uli Schubert, Gemeindeverzeichnis, Landkreis Königsberg
  5. Michael Rademacher, Deutsch-österreichisches Ortsbuch, Landkreis Samland
  6. Durch den Указ Президиума Верховного Совета РСФСР от 17 ноября 1947 г. «О переименовании населённых пунктов Калининградской области» (Erlass des Präsidiums des Obersten Rats der RSFSR vom 17. November 1947: Über die Umbenennung der Orte der Oblast Kaliningrad)
  7. Durch den Указ Президиума Верховного Совета РСФСР от 16 июня 1954 г. № 744/54 «Об объединении сельских советов Калининградской области» (Erlass des Präsidiums des Obersten Sowjets der RSFSR vom 16. Juni 1954, Nr. 744/54: Über die Vereinigung von Dorfsowjets der Oblast Kaliningrad)
  8. Umbenannt wurde nur Postnicken
  9. Volkszählungsdaten
  10. Evangelisch-lutherische Propstei Kaliningrad

Weblinks


Kategorien: Ort im Rajon Gurjewsk (Kaliningrad)

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