Marie Marguerite Bihéron - LinkFang.de





Marie Marguerite Bihéron


Marie Marguerite Bihéron auch Marie Catherine Biheron (* 17. November 1719 in Paris; † 1786[1]) war eine französische Künstlerin sowie Zeichnerin und Bildnerin von anatomischen Wachspräparaten.

Leben und Wirken

Bihéron war die Tochter eines französischen Apothekers aus Mamers. Sie studierte Illustration am Jardin du Roi [2] und bei Françoise Basseporte.[3]

Basseporte riet ihr, mit der Herstellung von künstlichen anatomischen Modellen aus Wachs zu beginnen. Bihéron fand dann die Bestätigung für ihr späteres Tun durch eine Reise nach London, hielt man doch diese Art von künstlerischer Tätigkeit in ihrem französischen Umfeld zunächst für eine Frau als zu unattraktiv und unangenehm. Sie lernte dort den Anatomen William Hunter und den Chirurgen William Hewson (1739–1774) kennen.[4] Sie hielt sich auch zu späteren Zeiten regelmäßig in London auf.

Zur Beschaffung geeigneter Leichen für die anatomischen Studien war Bihéron gezwungen, sich der Hilfe des Militärs zu bedienen. Wegen der schnellen Verwesung der Präparate ging Bihéron von der anfänglich nur zeichnerischen Darstellung zur Schaffung von Wachspräparaten über.

In den anatomischen Wachsmodellationen entwickelte sie eine außerordentliche Fertigkeit. Der berühmte Arzt Villoisin und der Botaniker Bernard de Jussieu waren davon beeindruckt, und beide förderten ihre Arbeit. Im Jahre 1759 lud der Chirurg und Sauveur François Morand sie ein, ihre Arbeiten auch in der Académie des sciences vorzuführen.[5] Sie wurde dort erneut im Jahre 1770 eingeladen, um ein innovatives, sehr detailliertes und naturgetreues Modell einer schwangeren Frau und eines Fötus zu demonstrieren; ein komplettes Modell mit beweglichen und herausnehmbaren Teilen. 1771 präsentierte sie zum dritten Mal ihre Werke in der Académie des sciences, wo auch der Kronprinz von Schweden, Gustav III., ihre Arbeiten begutachtete.[6]

Ihre Modelle erreichten internationalen Ruf, sowohl wegen ihrer großen anatomischen Genauigkeit, als auch wegen ihrer Realitätsnähe und weil sie offenbar ein Verfahren zur Herstellung der Wachsmodelle entwickelt hatte, welches das Wachs bei Zimmer- und höheren Temperaturen stabil ließ. Darüber hinaus schuf Bihéron auch Modelle von Pilzen für den mit ihr befreundeten Jacques Barbeu-Dubourg. Der Botaniker Barbeu-Dubourg hatte diese im Jahre 1767 beschrieben. 

Da die Académie des sciences Frauen nicht unterstützte, war Bihéron gezwungen, ihren Lebensunterhalt selbständig zu verdienen, indem sie ausstellte und ihre Modelle verkaufte sowie durch Lehrveranstaltungen über die menschliche Anatomie. Der König von Dänemark kaufte ebenso ihre Wachsmodelle, wie auch Kaiserin Katharina II. von Russland. Für eine Ausstellung ihrer wächsernen Körper im Jahre 1761, die in ihrer Wohnung in der Rue Vieille-Estrapade unweit der Rue des Poules stattfand, warb sie mit einem Pamphlet unter dem Titel Anatomie Artificielle. Bihéron stellte Modelle aus, die anatomische Strukturen, einschließlich der inneren Organe, mit einer hohen Präzision zeigten.

Bihéron zog zeitweise nach England, weil es in Frankreich Frauen nicht erlaubt war, Anatomie zu lehren. Unter ihren englischen Studenten war John Hunter, ein schottischer Arzt und Chirurg, der später große Fortschritte auf dem Gebiet der Chirurgie einleitete. Bihérons anatomischer Unterricht sei entscheidend für seine späteren Studien gewesen, und auch einige Abbildungen in seinen Lehrbüchern waren wahrscheinlich von Bihéron.

Denis Diderot besuchte, um sein Spätwerk Éléments de physiologie (1774) auf eine fundierte Basis zu stellen, ihre anatomischen Veranstaltungen.

Sie traf Benjamin Franklin während seines Aufenthaltes 1767 in Paris und blieb mit ihm in engem Kontakt. Im Jahre 1775 begleitete sie den Großneffen von Benjamin Franklin, Jonathan Williams (1751–1815), bei seinem Aufenthalt in Paris.

Werke (Auswahl)

  • Anatomie artificielle Annonce de l’exposition publique de pièces d’anatomie. Impr. de P. A. Le Prieur, Paris (1761)

Literatur

  • G. Boulinier: A Female Anatomist of the Enlightenment: Marie Marguerite Biheron Histoire des Sciences médicales, 35/4 411-423 (2001)
  • June K. Burton: Napoleon and the Woman Question: Discourses of the Other Sex in French Education, Medicine, and Medical Law, 1799-1815, Texas Tech University Press (2007)
  • Paul Dorveaux: Les femmes médecins. Notes sur Mademoiselle Biheron (1901–1902)
  • Catherine M. C. Haines: International Women in Science: A Biographical Dictionary to 1950 (2001)
  • Marilyn Ogilvie and Joy Harvey (Hrsg.): The Biographical Dictionary of Women in Science: Pioneering Lives from Ancient Times to the Mid-20th Century, New York: Routledge (2000)
  • Poirer: Histoire des femmes de science en France (2002)
  • Londa L. Schiebinger: The Mind Has No Sex? Women in the Origins of Modern Science, Cambridge, MA: Harvard University Press (1989)
  • Laura Lynn Windsor: Women in Medicine: An Encyclopedia (2002)
  • Emil Harless, Rudolf Hartmann: Lehrbuch der plastischen Anatomie: für akademische Anstalten und zum Selbstunterricht: mit vielen Tabellen. Ebner & Seubert, Stuttgart 1876
  • S. Gilgenkrantz: The 18(th) century between Écorchés and plastinated bodies, two female waxwork modelists: Anna Morandi and Marie-Marguerite Bihéron. Med Sci (Paris). 2012 May;28(5):531-3. doi:10.1051/medsci/2012285019 . Epub 2012 May 30.

Weblinks

 Wikisource: Marie Catherine Biheron – Quellen und Volltexte (français)

Einzelnachweise

  1. nach G. Boulinier: A Female Anatomist of the Enlightenment: Marie Marguerite Biheron Histoire des Sciences médicales, 35/4 411-423 (2001) war das Todesjahr 1795
  2. Andrew Cunningham: The Anatomist Anatomis'd: An Experimental Discipline in Enlightenment Europe. Ashgate Publishing, 2010
  3. G. Boulinier: A female anatomist of the enlightenment: Marie Marguerite Biheron (1719-1795). Hist Sci Med 2001 Oct-Dec; 35(4):411-23.
  4. Portraits de Médicins. Marie Marguerite Biheron 1719–1795 Femme anatomiste
  5. Georges Boulinier: Une femme anatomiste au siècle des Lumières : Marie Marguerite Biheron (1719-1795)., S. 416, 420, online (PDF; 6,32 MB)
  6. Londa L. Schiebinger: The Mind Has No Sex? Women in the Origins of Modern Science. 1991, S. 27-30.


Kategorien: Keine Kategorien vorhanden!

Quelle: Wikipedia - http://de.wikipedia.org/wiki/Marie Marguerite Bihéron (Vollständige Liste der Autoren des Textes [Versionsgeschichte])    Lizenz: CC-by-sa-3.0

Änderungen: Alle Bilder mit den meisten Bildunterschriften wurden entfernt. Ebenso alle zu nicht-existierenden Artikeln/Kategorien gehenden internen Wikipedia-Links (Bsp. Portal-Links, Redlinks, Bearbeiten-Links). Entfernung von Navigationsframes, Geo & Normdaten, Mediadateien, gesprochene Versionen, z.T. ID&Class-Namen, Style von Div-Containern, Metadaten, Vorlagen, wie lesenwerte Artikel. Ansonsten sind keine Inhaltsänderungen vorgenommen worden. Weiterhin kann es durch die maschinelle Bearbeitung des Inhalts zu Fehlern gerade in der Darstellung kommen. Darum würden wir jeden Besucher unserer Seite darum bitten uns diese Fehler über den Support mittels einer Nachricht mit Link zu melden. Vielen Dank!

Stand der Informationen: August 201& - Wichtiger Hinweis: Da die Inhalte maschinell von Wikipedia übernommen wurden, ist eine manuelle Überprüfung nicht möglich. Somit garantiert LinkFang.de nicht die Richtigkeit und Aktualität der übernommenen Inhalte. Sollten die Informationen mittlerweile fehlerhaft sein, bitten wir Sie darum uns per Support oder E-Mail zu kontaktieren. Wir werden uns dann innerhalb von spätestens 10 Tagen um Ihr Anliegen kümmern. Auch ohne Anliegen erfolgt mindestens alle drei Monate ein Update der gesamten Inhalte.