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Maria Gugging


Maria Gugging (Stadtteil)
Ortschaft
Katastralgemeinde Gugging
Basisdaten
Pol. Bezirk, Bundesland Wien-Umgebung (WU), Niederösterreich
Gerichtsbezirk Klosterneuburg
Pol. Gemeinde Klosterneuburg
Koordinaten
Höhe 245 m ü. A.
Einwohner d. Ortsch. 1060 (2001)
Gebäudestand 366 (2001)
Fläche d. KG 4,51 km²
Statistische Kennzeichnung
Ortschaftskennziffer 06703
Katastralgemeinde-Nummer 1701
Zählsprengel/ -bezirk Maria Gugging (32408 034)
Quelle: STAT: Ortsverzeichnis; BEV: GEONAM; NÖGIS

Maria Gugging ist ein Ort und eine Katastralgemeinde von Klosterneuburg in Niederösterreich. Erstmals urkundlich erwähnt wurde Gugging („Kukkingin“) vermutlich 1072 bzw. „Gukkindorf“ 1083. Bereits aus der Jungsteinzeit gibt es menschliche Spuren in und um Maria Gugging. Handfeste Beweise für erste Menschen gibt es erst aus der Römerzeit (15 v. Chr. - 488 n. Chr.). Bis zur Umbenennung am 30. Oktober 1989 hieß der Ort Gugging.

Zum Wallfahrtsort wurde Maria Gugging durch die Lourdesgrotte im Wienerwald, eine Nachbildung der Grotte von Lourdes in Frankreich, die der Priester Kaspar Hutter 1923 einrichtete. Ein Gnadenbild in einer Felsnische der Grotte wurde 1925 von Prälat Ignaz Seipel, damals Obmann der Christlichsozialen Partei, geweiht.

Im Jahr 1989 wurde der Ort von Gugging auf Maria Gugging von der niederösterreichischen Landesregierung umbenannt, nachdem eine im Ständestaat in die Wege geleitete Umbenennung durch den „Anschluss“ Österreichs an NS-Deutschland 1938 zunichte gemacht wurde.[1]

Landesnervenheilanstalt

Das Landeskrankenhaus für Psychiatrie und Neurologie in Gugging wurde 1885 gegründet.

Während der nationalsozialistischen Herrschaft wurden in der Anstalt Menschen, die von den Nationalsozialisten als "unwertes Leben" angesehen wurden, im Rahmen der Aktion T4 ermordet. Ab 1943 wurden über 330 Menschen, darunter wahrscheinlich auch Jugendliche und Kinder, getötet, wobei der Anstaltsleiter Emil Gelny (1890-1961) die Patienten mit Medikamenten vergiftete oder mit einem eigens von ihm konstruierten Apparat mit Starkstrom tötete. Weitere 600 Patienten der Anstalt sind zum Schloss Hartheim bei Linz überstellt und dort vergast worden.

In den letzten Kriegsmonaten 1944/45 wurde Gugging als Dependance des Wiener Wilhelminen-Spitals genutzt. Eine Kinderabteilung wurde von Zischinsky geleitet. Frau Luitgard Konrad-Billroth und geistliche Schwestern betreuten dort u.a. die aus Wien überstellten Kinder.

Am 14. Juli 1947 verurteilte das Volksgericht Wien (Aktenzahl Vg 11h Vr 455/46) im „Gelny-Prozess“ vier Krankenschwestern und fünf Pfleger wegen Beihilfe zum Mord in den Heil- und Pflegeanstalten Gugging und Mauer-Öhling zu teils hohen Haftstrafen. Emil Gelny konnte sich nach dem Krieg den österreichischen Gerichten durch Flucht entziehen.

Mitte der 1970er Jahre regte der damalige Direktor Alois Marksteiner umfassende und maßgebende Psychiatriereformen an. Seinem Engagement war auch die Einrichtung des Künstler-Pavillons 1981 zu verdanken.

2007 wurde die Landesnervenklinik Gugging aufgelöst. Auf ihrem Gelände sind heute das Art/Brut Center Gugging und das Institute of Science and Technology Austria ansässig.

Haus der Künstler bzw. Art/brut Center

Nach dem Zweiten Weltkrieg ist Leo Navratil eine prägende ärztliche Persönlichkeit der Anstalt. Er beginnt 1954 die Patienten zeichnen zu lassen und die Zeichnungen bekommen eine ganz besondere Qualität. Der französische Künstler Jean Dubuffet hat für die Werke von Laien, Kindern und Menschen mit geistiger Behinderung die Bezeichnung Art Brut als Sammelbegriff für autodidaktische Kunst geprägt. Dubuffet wurden die Arbeiten der Patienten von Navratil bekanntgemacht und er nahm sie in seine Sammlung auf. 1965 schreibt Navratil sein erstes Buch "Schizophrenie und Kunst". 1970 kommt es zu den ersten Verkaufausstellungen der Kunstwerke seiner Patienten. 1981 gründet er das Zentrum für Kunst- und Psychotherapie, eine Wohngemeinschaft im Wienerwald, in welcher sich psychiatrische Patienten künstlerisch betätigen. Es wurde 1986 von Navratils Nachfolger Johann Feilacher in das Haus der Künstler umbenannt, 1997 um eine kommerzielle Galerie erweitert und 2001 in eine Privatstiftung umgewandelt. 2006 wurde im selben Gebäude wie die Galerie das Museum Gugging eröffnet, das sich der Art Brut widmet. Zusammen mit der Galerie, einem offenen Atelier, einer Veranstaltungshalle, zahlreicher Archiv- und Arbeitsräume sowie dem Haus der Künstler bildet es das Art/brut Center Gugging.[2]

Zu den bekannteren Gugginger Künstlern gehören die Maler Johann Hauser, Oswald Tschirtner und August Walla sowie der Dichter Ernst Herbeck. Etwas weniger bekannt sind die Zeichnungen von Johann Garber, Günther Schützenhöfer, Franz Kernbeis, Rudolf Horacek, Franz Kamlander, Anton Dobay und Johann Fischer, sowie die Werke von Karl Vondal, Johann Korexc, Heinrich Reisenbauer, Arnold Schmidt, Josef Bachler, Franz Gableck, Fritz Koller, Rudolf Limberger, Otto Prinz und Philipp Schöpke.

Pfarr- und Wallfahrtskirche

Die Pfarr- und Wallfahrtskirche, auch „Österreichische Portiunkulakirche“ bezeichnet, wurde vom Bauherrn Franz Völker (1868–1948), ein wohlhabender Wiener Kaufmann, in neugotisch-nazarenischen Stil erbaut. Die Einweihung der Portiunkulakirche „Maria, Königin der Engel“ erfolgte 1913 und damit wurde der Grundstein „Maria Gugging als Wallfahrtsort“ gelegt. Als zweite Wallfahrtsstätte wurde im Ortsgebiet die Lourdesgrotte, eine Nachbildung der Grotte von Lourdes in Frankreich, erbaut und 1925 eingeweiht.

Institute of Science and Technology Austria

Seit Juni 2009 wurde in den Gebäuden der früheren Landesnervenheilanstalt Gugging der Vollbetrieb des Institute of Science and Technology Austria (I.S.T. Austria) aufgenommen. Seither wird dort nach dem Vorbild internationaler Einrichtungen wie dem Weizmann Institut oder der Rockefeller University Spitzenforschung betrieben.

Am 2. Februar 2006 gab die damalige Bundesministerin Elisabeth Gehrer (ÖVP), zu deren Ressort die österreichischen Universitäten gehören, bekannt, die seit längerem geplante „University of Excellence“, eine Eliteuniversität in Gugging einzurichten. Die Entscheidung für Gugging und gegen Wien, wo Grundstücke am Flugfeld Aspern bzw. in St. Marx angeboten worden waren, wird der höheren finanziellen Beteiligung des Landes Niederösterreich und der sofortigen Verfügbarkeit der Baulichkeiten zugeschrieben. Von Beobachtern wird sie aber teils als politisch motiviert betrachtet, da Niederösterreich von einem ÖVP-Landeshauptmann regiert wird, Wien aber einen SPÖ-Bürgermeister hat. Der Quantenphysiker Anton Zeilinger, auf dessen Initiative diese Universität zurückgeht, sowie der Physiker Arnold Schmidt und der Chemiker Peter Schuster traten infolge dieser Entscheidung von ihren Posten als wissenschaftliche Berater der Regierung für das Projekt zurück.

Die anfänglichen Schwierigkeiten konnten erst durch die Erstellung eines Berichts des "International Committee" bestehend aus Haim Harari (1988–2001 Präsident des Weizmann Instituts, Israel), Olaf Kübler (1997- 2005 Präsident der ETH Zürich) und Hubert Markl (1996–2002 Präsident der Max-Planck-Gesellschaft) überwunden werden. Kernaussagen des Berichts sind:

  • Streben nach höchster wissenschaftlicher Qualität
  • Fokussierung auf Grundlagenforschung
  • Unabhängigkeit von Politik und Wirtschaft

Durch die konsequente Verfolgung dieser Pläne konnten bedeutende Wissenschaftler wie Anton Zeilinger oder Eric R. Kandel (Nobelpreisträger für Medizin 2002) (wieder) gewonnen werden.

Im November 2007 wurde mit den ersten Abbrucharbeiten begonnen, die Hälfte der Bauten wird abgerissen, die historischen Gebäude bleiben bestehen und werden renoviert. Die erste Bauphase wurde im Juni 2009 abgeschlossen. Anschließende Bauphasen führten zur Errichtung von zwei Laborgebäuden. Derzeit wird an der Errichtung eines Komplexes gearbeitet, der Büros und Laboratorien umfassen wird.

Im Juni 2009 wurde das Institute of Science and Technology Austria feierlich eröffnet. Seither wuchs das Forschungsinstitut auf 373 Mitarbeiter - Stand Dezember 2013 - an und nahmen 28 Forschungsgruppen die Arbeit in fünf wissenschaftlichen Themengebieten auf.

Infrastruktur

2008 begann EVN Wärme ein Biomasseheizwerk am Forschungsgelände des I.S.T. Austria zu errichten. Dieses versorgt neben der Forschungseinrichtung auch Wohnbauten der Gemeinde.

Siehe auch

Einzelnachweise

  1. Wallfahrtsort Maria Gugging auf www.stephanscom.at abgerufen am 15. August 2009
  2. Geschichte der Nervenheilanstalt ab 1954 , Stand 26.Juni 2010

Weblinks

 Commons: Maria Gugging  – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Kategorien: Ort im Wienerwald | Krankenhaus in Niederösterreich | Ort im Bezirk Wien-Umgebung | Katholischer Wallfahrtsort in Niederösterreich | Klosterneuburg

Quelle: Wikipedia - http://de.wikipedia.org/wiki/Maria Gugging (Vollständige Liste der Autoren des Textes [Versionsgeschichte])    Lizenz: CC-by-sa-3.0

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