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Manfred Gerlach


Manfred Gerlach (* 8. Mai 1928 in Leipzig; † 17. Oktober 2011 in Berlin[1]) war ein deutscher Politiker. Er war von 1967 bis 1990 LDPD-Vorsitzender, von 1960 bis 1989 stellvertretender Staatsratsvorsitzender und von Dezember 1989 bis April 1990 letzter Staatsratsvorsitzender der DDR.

Leben

Gerlach wurde nach Volks- und Mittelschule 1944 Justizangestellter. Wegen Gründung einer illegalen Jugendgruppe kam er im März desselben Jahres in Jugendarrest. 1945 trat er der Liberaldemokratischen Partei Deutschlands bei und war 1946 Mitbegründer der FDJ in Leipzig. Von 1947 bis 1952 war er Mitglied des Landesverbandes Sachsen und Mitglied des Beirates für Jugendfragen beim Zentralverband der LDPD. Außerdem war er in den Jahren 1949 bis 1959 im Zentralrat der FDJ. Seit 1949 war Gerlach Mitglied der Volkskammer. Seit 1950 war er Stadtverordneter von Leipzig, und am 19. April 1950 wurde er von den Leipziger Stadtverordneten mit 54 gegen 13 bei 6 Enthaltungen zum Bürgermeister von Leipzig gewählt. Er selbst erinnerte sich später, dass er dabei zwar alle Stimmen der SED-Vertreter, aber nicht alle Stimmen der LDPD-Verordneten erhielt.[2] Von 1952 bis 1954 war Gerlach stellvertretender Oberbürgermeister von Leipzig und stellvertretender Vorsitzender des Stadtrates. In den Jahren 1951 bis 1954 absolvierte er ein Fernstudium, promovierte daraufhin 1964 an der Deutschen Akademie für Staats- und Rechtswissenschaft „Walter Ulbricht“ zum Dr. jur. mit der Arbeit Funktion und Entwicklung der Liberal-Demokratischen Partei Deutschlands im Mehrparteiensystem der Deutschen Demokratischen Republik. 1984 wurde er Professor.

Politik

In der Liberaldemokratischen Partei Deutschlands war er von 1951 bis 1953 stellvertretender Vorsitzender, bis 1967 Generalsekretär und bis 1990 als Nachfolger von Max Suhrbier Vorsitzender. Er war von 1960 bis 1989 einer der Stellvertreter des Staatsratsvorsitzenden, stellvertretender Vorsitzender des Volkskammerausschusses für Nationale Verteidigung und seit 1967 Mitglied des Präsidiums des Nationalrates der Nationalen Front.

Am 20. September 1989 stellte er als erster führender Politiker der DDR die Vormachtstellung der SED in Frage und forderte Reformen. Bei der Wahl eines neuen Präsidenten der Volkskammer unterlag er am 13. November 1989 Günther Maleuda, da dieser die Unterstützung der SED-Abgeordneten erhielt. Vom 6. Dezember 1989 bis zum 5. April 1990 war er als Nachfolger von Egon Krenz Vorsitzender des Staatsrates. Schließlich übernahm 1990, nach den ersten freien Wahlen, durch eine Verfassungsänderung die neugewählte Präsidentin der Volkskammer, Sabine Bergmann-Pohl, die Aufgaben des Staatsoberhauptes. Weiter im Jahr 1990 wurde er Mitglied des Bundes Freier Demokraten, danach der FDP. Nach der Einleitung eines Parteiausschlussverfahrens 1992 wegen des Vorwurfes, Leipziger LDPD-Mitglieder bei den sowjetischen Militärbehörden denunziert zu haben, trat Gerlach am 23. November 1993 aus der FDP aus.

Sonstiges

Ermittlungen der Staatsanwaltschaft beim Berliner Kammergericht gegen Gerlach wegen des Verdachts der Freiheitsberaubung mit Todesfolge wurden eingestellt. Im Jahr 2000 erklärte das Landgericht Leipzig ihn für nicht verhandlungsfähig. Zwei Jahre später fand vor dem Landgericht Leipzig ein Verfahren statt, in dem Gerlach beschuldigt wurde, die Gruppe um Werner Ihmels und weitere Personen beim NKWD denunziert zu haben. Das Verfahren wurde wegen Verjährung eingestellt.

Gerlach war Mitarbeiter des Alternativen Geschichtsforums Berlin, eines Arbeitskreises der Gesellschaft für Bürgerrechte und Menschenwürde. Er erhielt 1964 den Vaterländischen Verdienstorden und den Stern der Völkerfreundschaft, 1988 den Karl-Marx-Orden.

Schriften

  • Dem Frieden eine sichere Heimstatt in ganz Deutschland, Berlin 1961
  • Wir Liberaldemokraten stärken das sozialistische Vaterland, Berlin 1966
  • Wortmeldungen zur Zeitgeschichte. Buchverlag Der Morgen, Berlin 1980
  • Äußerungen über uns und unsere Zeit. Buchverlag Der Morgen, Berlin 1985
  • Standortbestimmung. Buchverlag Der Morgen, Berlin 1989
  • Mitverantwortlich: Als Liberaler im SED-Staat. Morgenbuch-Verlag, Berlin 1991, ISBN 3-371-00333-7

Literatur

  • David Bordiehn: Die politische Biographie Manfred Gerlachs Ansätze, Probleme und Potential der Funktionärs-Biographie im SED-Staat. In: Jahrbuch zur Liberalismus-Forschung. Band 24, 2012, S. 245−258.
  • Reiner Marcowitz: Manfred Gerlach ein „Liberaler im SED-Staat“? In: Jahrbuch zur Liberalismus-Forschung. Band 13, 2003, S. 243−264.
  • Helmut Müller-Enbergs: Gerlach, Manfred . In: Wer war wer in der DDR? 5. Ausgabe. Band 1, Ch. Links, Berlin 2010, ISBN 978-3-86153-561-4.
  • Christoph Wunnicke: Manfred Gerlach. In: Die Blockparteien der DDR. Kontinuitäten und Transformation 1945–1990. Berlin 2014, Schriftenreihe des Berliner Landesbeauftragten für die Unterlagen des Staatssicherheitsdienstes der ehemaligen DDR, Band 34. S. 83–93. (PDF; 434 KB )
  • Ulf Sommer: Die Liberal-Demokratische Partei Deutschlands. Eine Blockpartei unter Führung der SED. (= Agenda Geschichte. Bd. 10). Agenda, Münster 1996, ISBN 3-929440-88-1.

Weblinks

 Commons: Manfred Gerlach  – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. Letzter-DDR-Staatsratsvorsitzender-Gerlach-tot ; dpa-Artikel auf der Website der Berliner Morgenpost vom 18. Oktober 2011.
  2. Manfred Gerlach Äußerungen über uns und unsere Zeit. Buchverlag Der Morgen, Berlin 1985. S. 51.


Kategorien: Funktionär der Freien Deutschen Jugend (DDR) | Staatsoberhaupt der DDR | Person des Jugendwiderstands im Nationalsozialismus | Bürgermeister (Leipzig) | Abgeordneter der Volkskammer | Träger des Vaterländischen Verdienstordens (Ehrenspange) | LDPD-Mitglied | Gestorben 2011 | Geboren 1928 | Träger des Sterns der Völkerfreundschaft | Träger des Karl-Marx-Ordens | FDP-Mitglied | NS-Opfer | Deutscher | Mann

Quelle: Wikipedia - http://de.wikipedia.org/wiki/Manfred Gerlach (Vollständige Liste der Autoren des Textes [Versionsgeschichte])    Lizenz: CC-by-sa-3.0

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