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Maloja


Dieser Artikel behandelt das Dorf Maloja im schweizerischen Kanton Graubünden; für weitere Bedeutungen siehe Maloja (Begriffsklärung)
Maloja
Staat: Schweiz
Kanton: Graubünden GR
Region: Maloja
Kreis: Bergell
Politische Gemeinde: Bregaglia
Postleitzahl: 7516
Koordinaten:
Höhe: 1'809 m ü. M.
Einwohner: 310

Maloja mit Turm Belvedere und Piz Lagrev

Karte

Maloja (rätoromanisch und lombardisch Malögia?/i) ist ein Dorf am Malojapass zwischen dem Oberengadin und dem Bergell im Schweizer Kanton Graubünden. Es gehört politisch zur Gemeinde Bregaglia im Bergell (Bezirk Maloja), geografisch aber zum Oberengadin. Der Ort zählt rund 300 Einwohner und führt eine eigene Primarschule, in der der Unterricht zweisprachig (Italienisch und Deutsch) abgehalten wird.

Geographie

Die Gegend um Maloja ist geografisch, geologisch und botanisch eines der interessantesten Gebiete der Alpen. Umrahmt von hohen Bergen zieht sich von Nordosten her eine Kette von Seen durch die Engadiner Hochebene bis zum Passort Maloja auf 1815 m Höhe. Direkt am Dorfrand von Maloja liegt der südlichste dieser Seen, Silsersee genannt. Der in Maloja entspringende Inn gibt dem Engadin seinen Namen (aus En, der Fluss, + gadin, das Tal/ die Einfriedung). Am Südausgang des Ortes führt die Strasse über den Malojapass 200 schroffe Höhenmeter hinunter ins Bergell, ein nach Südwesten ausgerichtetes Tal, dessen Strasse nach ca. 30 Kilometern in das nur noch 300 m hoch gelegene italienische Städtchen Chiavenna führt.

Von Italien her fährt man über Chiavenna durch das Bergell den Malojapass hinauf, hier verkehrt regelmässig auch das Postauto. Von Nordosten her kann Maloja mit der Rhätischen Bahn über den Albulapass (bis St. Moritz) erreicht werden, von dort anschliessend mit dem Postauto, ebenfalls regelmässig. Mit dem Auto führt von Norden kommend einer der Wege über den Julierpass via Silvaplana.

Name

Der Name Maloja geht auf die Bezeichnung Maloggia zurück, welche von Hirten aus dem südöstlich benachbarten Veltlin stammt, und bedeutet «Erlenwäldchen» (die alpine Art der Erle wird hier «Malös» oder «Marös» genannt[1]). 1244 ist für den Ort der Name Malongum beurkundet, 1275 Malodia. 1947 wurde entschieden, statt Maloggia offiziell den Namen Maloja zu verwenden. Im italienischsprachigen Dorf ist der Name Maloggia neben Maloia jedoch weiterhin geläufig. Der rätoromanische Name lautet Malögia.

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Panoramabild, links beim "Kursaal Maloja", heute Maloja Palace beginnend

Geschichte

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Die frühesten Funde weisen darauf hin, dass sich in der Gegend um Maloja schon etwa 2000 Jahre v. Chr. ein Volk aufhielt, das vom Jagen lebte. Weitere Funde, die etwa 500 Jahre jünger datiert werden, lassen annehmen, dass es Menschen mit Kulturen waren, die ansonsten in den Gebieten des heutigen Ungarn und der Slowakei bekannt sind. Zeugnisse sind vor allem Münzfunde, Wannengräber und Ornamentsteine.

Aus der Zeit der Römer ist die wichtige Funktion Malojas durch seine Lage an der Passstrasse belegt. Auf dem Fussweg von Maloja nach Cavril finden sich noch heute römische Spuren. Weitere Pässe der Gegend, die seit frühester geschichtlicher Zeit als Übergänge benutzt wurden, sind der schon genannte Julier (nordöstlich von Maloja), der Splügen (westlich) sowie zwei Pässe, die auch heute nur zu Fuss zu bewältigen sind: westlich, vom Val Maroz Richtung Bivio aufsteigend, der Septimerpass, der von Maloja aus gesehen hinter dem Gipfel des Piz Lunghin liegt, sowie südöstlich der Muretto, vom Val Forno abzweigend Richtung Veltlin. Auch Schmuggel entlang dieser Wege und über diese Pässe war später wirtschafts-, politik- und kulturgeschichtlich von einiger Bedeutung.

Ab dem 15. Jahrhundert wurde Maloja durch die Bauern von Stampa (Bergell) für Sommersässe erschlossen. Die ursprüngliche Bauweise ist in den umliegenden Weilern Cresta, Cà de Maté, Orden sopra/ Orden dent und Pila teilweise noch zu sehen.

Im ausgehenden 18. Jahrhundert erleidet die Bevölkerung der Gegend Auswirkungen der napoleonischen Kriege, als sich abwechselnd französisches und österreichisches Militär mit Besetzungen, Verwüstungen und Viehraub umtreibt. Hier war für die Bauern des Bergell der Rückzug hinauf nach Maloja ein Versuch, die Zeit zu überleben.

Ende des 19. Jahrhunderts sollte auch in Maloja der Bädertourismus einziehen. Graf Camille de Renesse hatte die Vision aus Maloja das "Monte carlo der Alpen" zu machen und planten somit einen Ferienort für die gehobene Aristokratie und ließ 1882–1884 u. a. das Palace-Hotel (Maloja Palace) erbauen, das noch bis Anfang 2008 als Erholungsheim für Kinder und Jugendliche genutzt wurde und seit 2009 wieder ein Schlosshotel ist.[2] Auch der Torre Belvedere, ein Turmbauwerk am Pass, stammt aus dieser Zeit. Er ist heute im Besitz der pro natura. Auch die ehedem anglikanische, heute reformierte Dorfkirche geht auf diese Gründerzeit zurück.

Eine eigene Poststation (im Berghotel Kulm) bestand bis 1880. 1882–1900 gab es auf der Malojaroute 16'594 Postreisende, zwischen 1930 und 1952 wurden 218'884 postreisende Personen gezählt. In der Zeit des Zweiten Weltkriegs sind um Maloja wichtige Ereignisse des antifaschistischen Widerstands zu verzeichnen, dem in den letzten Jahren verstärkt wissenschaftliche Aufmerksamkeit zukommt.

Kunst

Der heute bekannteste Maler der Region, Giovanni Segantini (1858–1899), stammte aus Italien, hatte zeitlebens einen italienischen Mäzen, und gilt wegen seiner Sujets als der Engadiner Maler. Er verbrachte mit seiner Familie die letzten 5 Lebensjahre in Maloja. Einer seiner Meisterschüler war Giovanni Giacometti (1868–1933), der Vater des berühmten Alberto Giacometti (1901–1966), die beide aus Stampa im Bergell stammten. Die vielseitige Künstlerin Elvezia Michel-Baldini (1887–1963), die in Borgonovo im Bergell lebte und wirkte, bezog das Leinen für ihre späten meisterlichen Kunstwebereien aus eigenem Flachsanbau im Weiler Pila (am Fusse des Lunghin nahe Maloja gelegen).

Im Seitental Orden wurde 1997 eine Freiluft-Installation aus neun farbigen Säulen Culur von Gottfried Honegger eingeweiht. Sie ist im Gelände markant platziert und stellt flussaufwärts über die Orlegna hinweg einen Bezug zwischen der Rückhaltemauer und dem Grundstück der Stiftung Salecina her, die letzte bewohnte Liegenschaft im Seitental Orden an der Orlegna-Brücke auf dem Weg zum Fornogletscher.

Sehenswürdigkeiten

  • ehemalige anglikanische Kirche[3]
  • Hotel Palace[4]
  • Haus Perico-Baldini[5]
  • Hotel Schweizerhaus[6]
  • Segantini-Haus[7]
  • Villa La Motta[8]

Meteorologisches Phänomen: Die «Maloja-Schlange»

Hauptartikel: Malojawind

Meist an herbstlichen Morgen formiert sich eine Nebel«schlange», wenn das Kondensationsniveau tief genug liegt, um auf der Höhe von Maloja aufsteigende, feuchte Luft in Wolken oder Nebel zu verwandeln. Es handelt sich dabei um ein Naturschauspiel, bei dem oberhalb der «Schlange» bereits strahlender Sonnenschein sein kann (siehe Foto rechts). Die Besonderheit der Schlange ist, dass sie nicht ruhig im Tal liegt, sondern nach Westen über den Malojapass hinunterkriecht. Je nach Wind und Wetterlage kann das Phänomen auch schnell wieder vorbei sein. Hierüber gibt es auch einen Film des deutschen Bergfilmers Arnold Fanck: Das Wolkenphänomen von Maloja (1924).

Geologie

Die Gegend um Maloja weist zahlreiche geologische Besonderheiten auf. So finden sich in der Nähe des Lägh da Cavloc (Cavloc-See) im Fornotal (Tal des Fornogletschers) Grüngesteine, die sich ursprünglich im Ozean zwischen der afrikanischen Kontinentalplatte und der europäischen Kontinentalplatte gebildet haben. Im Laufe der Verschiebungen haben sich diese Gesteine umgebildet (Gesteinsmetamorphose), im Fornotal ist ein Ergebnis etwa der berühmte Andalusit-Schiefer.
Andalusitschiefer gehört zu denjenigen Gesteinen, die durch Kontaktmetamorphose zustande kommen, auch Thermometamorphose genannt, weil sich der Vorgang bei ansteigenden Temperaturen abspielt. Wichtig ist darüber hinaus gleich bleibend niedriger Druck. Dabei wird Korn für Korn das Ausgangsgestein verändert (Rekristallisation). Falls noch einige Stellen porös waren, verschwinden sie jetzt. Kontaktmetamorphose heisst dieser Vorgang deshalb, weil die Einzelkörner untereinander in unmittelbarem Kontakt geraten. Erkennbar sind Produkte solcher Prozesse daran, dass nach aussen neue Minerale sprossen, die fleckenartig, garbenartig oder knotenartig sein können. Im Fornotal gibt es viele solcher Funde zu machen.

Wasser

Für ein Bergdorf, und erst recht für ein Passdorf, hat Maloja ungewöhnlich viel mit Wasser zu tun: Es liegt zum einen am Silsersee, der als Reservoir für die Trinkwasseraufbereitung der Gemeinde dient. Zweitens entspringt hier im Lunghinsee (Lägh dal Lunghin) der Inn, einer der grossen Flüsse des europäischen Kontinents, der in einem Wasserfall am Osthang des Piz Lunghin herunterkommt (nahe dem Weiler Pila). Drittens gibt es die Besonderheit, dass das Gletscherflüsschen «Orlegna» geografisch nichts mit dem Inn zu tun hat (s.u. zur Wasserscheide), sondern, obwohl nur einen Kilometer vom Beginn des Flusslaufs des Inn entfernt gelegen, nach Südwesten Richtung Italien abbiegt. An dieser Stelle wurde Mitte der 1980er Jahre eine Hochwasserrückhaltesperre gebaut, die ausschliesslich dazu dient, Hochwasser oder Geschiebe zurückzuhalten. Das in Orden meist begehbare Flussbett, das heute das Rückhaltebecken ausmacht, und vor allem die Schutzmauer, ist den Dörfern im Bergell schon sehr zugutegekommen, denn 1987 wurden sie dadurch von den Folgen eines gefährlich starken Hochwassers verschont.

Wasser wird im Spätherbst in hohem Masse auch für die Kunstschneeproduktion (Beschneiung) verwendet. Hierbei wird Wasser der Gemeinde Stampa/Maloja mit einem Systemtrenner getrennt. Auf diese Weise kann das Wasser ab der Beschneiungsleitung zurückfliessen.[9]

Europäischer Wasserscheidepunkt am Lunghinpass

Am Pass Lunghin bei Maloja befindet sich ein Wasserscheidepunkt - er ist Schnittpunkt dreier wichtiger Flusssysteme Europas: der Inn fliesst über die Donau ins Schwarze Meer, die Julia über den Rhein in die Nordsee und damit in den Atlantik, die Maira über den Po in die Adria und damit ins Mittelmeer.

Tourismus

Maloja ist ein Wander-, Touren- und Klettergebiet ersten Rangs. Ausdauer wird durch landschaftlich eindrucksvolle Ausblicke belohnt. Auf einem gut gepflegten Rundweg durch ein Naturschutzreservat lassen sich die Rückzugsspuren der Gletscher der letzten Eiszeit bestaunen, es gibt hier so viele Gletschertöpfe wie sonst nirgends in Europa. Der Silsersee bietet im Sommer beste Surf- und Segelbedingungen. Im Winter ist Maloja Ausgangspunkt zahlreicher Loipen und der traditionelle Startort des Engadin Skimarathon, der u. a. über den gefrorenen Silsersee führt, das Ziel ist nach 42 km S-chanf. Der Skilift am Piz Aela befördert alpine Skifahrer auf knapp 2000 m Höhe, der Berg verwandelt sich nach Schneefällen in ein Pulverschneeparadies auch für Snowboarder.

Auf den Spuren des Malers Giovanni Segantini können heute in und um Maloja verschiedene Ausflüge unternommen werden: ein Besuch der «Casa Segantini», des Ateliers Segantini (beide im Dorf selbst gelegen) sowie ein Spazierweg, der «Sentiero Segantini», der mit einzelnen Bildstationen auf einem Wanderweg ins Seitental Orden führt.

Vor Ort in Maloja ist in der Dauerausstellung «Landschaftsgeschichte Maloja» Wissenswertes über die Folgen der Kontinentalkollision vor 90 Millionen Jahren für die Geologie und Geomorphologie der Gegend zu erfahren. Die Ausstellung wurde gestaltet von der Assoziation Pro Natura und ist im Torre Belvedere am Dorfrand oberhalb des Beginns der Passstrasse zu sehen.

Persönlichkeiten

  • Gottardo Guido Segantini (* 25. Mai 1882 in Pusiano; † 16. Juni 1974 in Maloja), Giovanni Segantinis Sohn, Maler, Stecher[10]
  • Mario Segantini (* 31. März 1885 in Mailand; † Februar 1916 in Maloja), Bildhauer, Maler und Radierer. Sohn von Giovanni[11]

Siehe auch

Literatur

  • Adolf Collenberg: Maloja im Historischen Lexikon der Schweiz .
  • Peter Heitzmann: Granitmassiv im Gneisgebirge. In: Berge. Das internationale Magazin der Bergwelt. Nr. 29, April 1988 (Themenschwerpunkt Bergell), S. 46–49, ISSN 0947-5958
  • Malojastrasse: Oberengadin–Bergell, St. Moritz–Maloja–Castasegna. Bern: Generaldirektion der Post- Telegraphen- und Telephonverwaltung, Ausgaben von 1946, 1950, 1960 (Band 21 der Reihe «Schweizerische Alpenposten», seit 1932)
  • Erwin Poeschel:Die Kunstdenkmäler des Kantons Graubünden III. Die Talschaften Räzünser Boden, Domleschg, Heinzenberg, Oberhalbstein, Ober- und Unterengadin. (= Kunstdenkmäler der Schweiz. Band 11). Hrsg. von der Gesellschaft für Schweizerische Kunstgeschichte GSK. Bern 1940. DNB 760079625 .

Einzelnachweise

  1. Centro Segantini, «Maloja», http://www.segantini.com/3_Maloja.html
  2. Bernadette Conrad: Ein Schloss für mich allein , ZEIT Online, 1. März 2012
  3. Ehemalige anglikanische Kirche
  4. Hotel Palace
  5. Haus Perico-Baldini
  6. Hotel Schweizerhaus
  7. Segantini-Haus
  8. Villa La Motta
  9. News vom 21. Februar 2006 bei snowmakers.ch (Memento vom 18. Juli 2006 im Internet Archive)
  10. Gottardo Guido Segantini in Sikart , abgerufen 6. Januar 2016.
  11. Mario Segantini in Sikart , abgerufen 6. Januar 2016.

Weblinks

 Commons: Maloja  – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Kategorien: Ort im Kanton Graubünden

Quelle: Wikipedia - http://de.wikipedia.org/wiki/Maloja (Vollständige Liste der Autoren des Textes [Versionsgeschichte])    Lizenz: CC-by-sa-3.0

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