Lutherhaus Eisenach - LinkFang.de





Lutherhaus Eisenach


Lutherhaus Eisenach

Daten
Ort Eisenach
Art Museum
Eröffnung 1956 / Wiedereröffnung 2015
Besucheranzahl (jährlich) ca. 40.000
Leitung Jochen Birkenmeier
Website lutherhaus-eisenach.de
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Das Lutherhaus in Eisenach ist eines der ältesten erhaltenen Fachwerkhäuser Thüringens. Hier wohnte Martin Luther nach der Überlieferung bei der Familie Cotta während seiner Schulzeit von 1498 bis 1501.

Historische Grundlage

Martin Luther hielt sich in seinem Leben mehrere Male in seiner „lieben Stadt“ Eisenach auf. Hier verbrachte er drei Jahre seiner Schulzeit und übersetzte das Neue Testament auf der Wartburg.

Martin Luther als Schüler in Eisenach (1498 bis 1501)

Martin Luther wurde am 10. November 1483 in Eisleben als Sohn von Hans (1459–1530) und Margarethe Luder, geb. Lindemann (1459–1531) geboren. Zunächst besuchte Luther die Mansfelder Lateinschule, bevor er 1497 für ein Jahr nach Magdeburg zog und dort in die Domschule ging. Bereits ein Jahr später zog der junge Luther nach Eisenach.[1] In der Heimatstadt seiner Mutter kam er zunächst bei Verwandten der Familie unter. Trotzdem musste er sich selbst noch etwas zum Lebensunterhalt dazu verdienen, weshalb er – damals für Schüler durchaus nicht unüblich – als Kurrendesänger von Haus zu Haus zog. Luthers erstem Biographen Johann Mathesius zufolge gefiel der Gesang des Schülers einer „andechtige[n] Matron“ so gut, dass sie ihn in ihr Haus aufnahm.[2] Bei der Matrone handelte es sich um die junge Ratsherrengattin Ursula Cotta, die mit Conrad I. (Cunz) Cotta verheiratet und eine Tochter von Heinrich Schalbe war. Ihr Vater gehörte zu den einflussreichsten Eisenachern seiner Zeit.[3] Auch die Cottas verfügten damals in Eisenach über viel Einfluss und Besitz. Sie besaßen zu Beginn des 16. Jahrhunderts mehrere Häuser in der Stadt, zu denen auch das heutige Lutherhaus zählt. Daher ist es sehr wahrscheinlich, dass Martin Luther als Schüler dort zeitweilig Unterhalt und Herberge gefunden hat.[4] Neben dem Schulunterricht an der Pfarrschule St. Georg beeinflussten ihn in seine Eisenacher Zeit vor allem die spirituellen Erfahrungen im Collegium schalbense. Dieser fromme Kreis von Laien um Heinrich Schalbe stand in enger Verbindung mit den Franziskanern und wurde von deren Frömmigkeit geprägt. Zudem nahm Luther an Treffen im Haus des Säkularpriesters Johannes Braun teil, bei denen gemeinsam musiziert, gebetet und über geistliche, aber auch humanistische Bücher diskutiert wurde.[5] Im Frühjahr 1501 verließ Luther Eisenach, um an der Erfurter Universität zu studieren. Die Schulzeit „ynn meiner lieben Stad“[6] behielt Luther immer in positiver Erinnerung und mit einigen Eisenachern blieb er zeitlebens in Kontakt.[7]

Luther auf der Wartburg (1521 bis 1522)

Im März 1521 wurde Martin Luther vom neu gewählten Kaiser Karl V. aufgrund seiner reformatorischen Schriften vor den Reichstag nach Worms zitiert. Hier wurde er aufgefordert, seine Schriften zu widerrufen (17. April 1521), was der Wittenberger Mönch nach eintägiger Bedenkzeit aber ablehnte (18. April 1521). Am 26. April 1521 verließ Martin Luther Worms wieder und machte sich auf den Rückweg nach Wittenberg. Am 4. Mai 1521 wurden er und seine Begleiter bei der Burg Altenstein von bewaffneten Reitern zum Halt gezwungen. Der vorab eingeweihte Luther wurde von ihnen „entführt“ und auf die Wartburg gebracht. Tatsächlich wurde er zu seiner eigenen Sicherheit versteckt, da ihm infolge des verweigerten Widerrufs in Worms die Reichsacht drohte. Mit dem kurze Zeit später publizierten Wormser Edikt wurde Luther dann nicht nur selbst mit dem Bann belegt und zum Ketzer erklärt, sondern auch die Herstellung und Verbreitung seiner Schriften war fortan offiziell verboten.[8] Die Zeit der Einsamkeit und Abgeschiedenheit auf der Wartburg nutzte Luther, der sich hier – in Anlehnung an den Heiligen Georg, den Stadtheiligen von Eisenach und Mansfeld – den Tarnnamen „Junker Jörg“ zugelegt hatte, um die neutestamentlichen Schriften der Bibel intensiv zu studieren. Beim Überfall am Altenstein hatte er noch rasch die hebräische Bibel und das griechische Neue Testament mitgenommen. Mit ihrer Hilfe führte Luther zunächst seine Auslegungen einzelner Bibelstellen fort, bevor er dann seine epochemachende Arbeit begann: Ab Mitte Dezember 1521 übersetzte er innerhalb von nur elf Wochen das gesamte Neue Testament aus dem Griechischen ins „Deutsche“. Da es zu seiner Zeit noch keine einheitliche deutsche Sprache gab, verwendete Luther für seine Übersetzung die sächsische Kanzleisprache, die durch ihre Verwendung im diplomatischen Schriftverkehr relativ verbreitet war. Anders als seine Vorgänger übersetzte Luther die Bibel nicht auf Grundlage der lateinischen Vulgata, sondern er ging vom griechischen Urtext aus und zog die Vulgata nur ergänzend hinzu. Dadurch gelang es ihm, sich vom lateinischen Sprachduktus zu lösen und einen eingängigen, aber dennoch anspruchsvollen Bibeltext zu schaffen. Im Zuge der Bibelübersetzung kreierte Luther zahlreiche neue Wörter und Redewendungen, da er für viele biblische Begriffe keine passenden Entsprechungen in der deutschen Sprache fand.[9] Als Luther Anfang März 1522 nach Wittenberg zurückkehrte, da dort Unruhen ausgebrochen waren, hatte er bereits das fertige Übersetzungsmanuskript im Gepäck. Zusammen mit Philipp Melanchthon, der in Wittenberg Professor für Griechisch und gleichzeitig ein Vertrauter Luthers war, unterzog er es einer gründlichen Revision, bevor er es im Sommer bei Melchior Lotter d.J. in den Druck gab. Am 20. September 1522 erschien dann die erste Auflage des sog. Septembertestaments.[10] Unterdessen hatte sich Luther bereits der Übersetzung des Alten Testaments zugewandt. Es dauerte jedoch noch bis zum Jahr 1534, bis Luther in Zusammenarbeit mit zahlreichen Experten eine vollständige Bibelübersetzung vorlegen konnte.[11]

Baugeschichte des Lutherhauses

Im Vorfeld der umfangreichen Restaurierung und Sanierung des Lutherhauses (2013–2015) fand eine umfassende bauhistorische Untersuchung des historischen Gebäudes statt, die in einer Dokumentation festgehalten wurde.[12] Die in diesem Zuge vorgenommenen dendrochronologischen Untersuchungen haben ergeben, dass der kleinere Vorgängerbau auf das Jahr 1269 zurückgeht. Damit zählt das Eisenacher Lutherhaus zu den ältesten Fachwerkhäusern Thüringens. 1356 wurde das südliche Wirtschaftsgebäude dann erheblich erweitert und das Lutherhaus damit zu seiner heutigen Kubatur vergrößert. Wann genau das Lutherhaus, das anfangs noch aus mehreren Einzelgebäuden bestand, in den Besitz der Familie Cotta gelangte, ist urkundlich nicht nachweisbar. Als sicher gilt jedoch, dass das heutige Lutherhaus um 1500 bereits Eigentum der Cottas war.[13] Anfang der 1560er-Jahre erwarb der Eisenacher Renaissancebaumeister Hans Leonhard das damals als Brauhof genutzte Gebäude. Lange Zeit ging man davon aus, dass es auch Leonhard war, der die prachtvolle Renaissancefassade am Lutherhaus schuf. Neuere bauhistorische Forschungen legen aber nahe, dass das Renaissanceportal zwar aus seiner Hand stammt, ursprünglich aber zur angrenzenden kurfürstlichen Residenz gehörte und erst nach deren Abriss 1742 am Lutherhaus angebracht wurde.[14] Auch der Zeitpunkt des Fachwerkaufsatzes ist umstritten. Während in älteren Darstellungen zum Lutherhaus behauptet wird, dieser sei erst nach dem großen Stadtbrand von 1636 errichtet worden,[15] sprechen aktuelle Untersuchungen dafür, dass diese Baumaßnahme bereits im 16. Jahrhundert vorgenommen wurde.[16] Im Laufe der Frühen Neuzeit wechselte das Lutherhaus seine Besitzer vielfach, womit auch unterschiedliche Nutzungen einhergingen. Seit 1898 befand sich eine Gaststätte, der sogenannte „Lutherkeller“, in dem Gebäude. Der Wirt, Adolf Lukaß, richtete sein Lokal im „altdeutschen Stil“ ein und zeigte seinen Gästen gegen einen Aufpreis auch die historischen „Lutherstuben“, in denen Luther als Schüler gewohnt haben soll. Bis zum Zweiten Weltkrieg hatte das Lutherhaus alle Kriege und Stadtbrände weitgehend unbeschadet überstanden. Am 23. November 1944 detonierte jedoch eine amerikanische Luftmine über dem Lutherplatz. Die Detonation beschädigte die Nordfassade des Gebäudes erheblich, der südliche Teil, in dem sich die Lutherstuben und die Fachwerkhalle befinden, blieb indes intakt. Nach Kriegsende wurde das beschädigte Haus rasch wieder instandgesetzt.[17]

Museumsgeschichte

Das Lutherhaus von 1956 bis 2013

Nach dem Wiederaufbau des Hauses betrieb die Familie Lukaß (Lucas, Lukass) den „Lutherkeller“ noch bis 1953 als Restaurant weiter. Nachdem ein Teil der Familie in die Bundesrepublik geflüchtet war, mietete sich die Evangelisch-Lutherische Kirche in Thüringen 1955 in das Haus ein. Sie baute die bestehende Luthergedenkstätte weiter aus, brachte hier das „Evangelische Pfarrhausarchiv“ unter und eröffnete 1956 im Lutherhaus einen Erinnerungsort, der eine Mischung aus Gedenkstätte, Sammlung und Museum darstellte. 1965 erhielt die thüringische Landeskirche die Hälfte des Hauses als Vermächtnis von Karoline Schneider, verwitwete Lukaß, die bis zu ihrem Tod Besitzerin einer Haushälfte war. Den zweiten Teil erwarb die Kirche 1997 von den Erben der Familie Lukaß. Auch nach der Wiedervereinigung blieb das Lutherhaus im Besitz der Thüringer Landeskirche und wurde als Reformationsstätte genutzt. Von 2006 bis 2013 wurde das Lutherhaus von der Wartburg Verlag GmbH betrieben.[18] Trotz mehrfacher Restaurierungen und Renovierungen (u.a. 1976/77, 1983) stieß das Haus bald an seine baulichen Grenzen. Auch die Aufbewahrungsbedingungen für die Bestände des Pfarrhausarchivs erwiesen sich als ungeeignet. Zu den letzten Modernisierungsmaßnahmen gehörte die 1996 völlig neu gestaltete Dauerausstellung „Martin Luther neu entdecken“, die zu dieser Zeit auf dem neuesten Stand war und als Vorbild für die Modernisierung des Lutherhauses in Wittenberg diente. Über die Jahre verlor das Lutherhaus indes im Vergleich zu anderen Reformationsstätten an Attraktivität und Modernität.[19]

Das neue Lutherhaus (2013 bis heute)

Im Vorfeld des Reformationsjubiläums 2017 rief die 2009 durch die Fusion der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Thüringen und der Evangelischen Kirche der Kirchenprovinz Sachsen entstandene Evangelische Kirche in Mitteldeutschland 2013 die „Stiftung Lutherhaus Eisenach“ mit dem Ziel ins Leben, ein modernes Museum zu entwickeln, das internationalen Museumsstandards entspricht. Die Bestände des Evangelischen Pfarrhausarchivs, die bis dato Eigentum des Verband evangelischer Pfarrerinnen und Pfarrer in Deutschland e.V. waren, wurden der neu gegründeten Stiftung übertragen und bilden seither den Sammlungsgrundstock des Museums. Mit Jochen Birkenmeier erhielt das Lutherhaus erstmals einen hauptamtlichen Wissenschaftlichen Leiter und Kurator, der auch die Neugestaltung des Museums und die aktuelle Dauerausstellung „Luther und die Bibel“ konzipierte und inhaltlich gestaltete.[20] Von 2013 bis 2015 wurde das Lutherhaus umfassend saniert und restauriert. Während dieser Zeit fanden die museumspädagogische Arbeit und die Verwaltung des Lutherhauses im nahe gelegenen Creutznacher Haus statt. Am 26. September 2015 wurde das neue Lutherhaus mit einem großen Festgottesdienst und einem anschließenden Einweihungsfest feierlich wiedereröffnet.[21]

Die neue Dauerausstellung "Luther und die Bibel"

Während der Sanierungs- und Umbauarbeiten des Gebäudes wurde auch eine innere Neugestaltung des Hauses und der Ausstellung vorgenommen. Die neue Dauerausstellung „Luther und die Bibel“ widmet sich Luthers welthistorischer Bibelübersetzung auf drei Etagen und präsentiert dabei viele (kunst-)historische Schätze wie z. B. mehrere Gemälde aus der Cranach-Schule, Prunkstücke aus dem Römhilder Textilschatz oder das Kirchenbuch mit dem Taufeintrag von Johann Sebastian Bach. Dazu kommen zahlreiche weitere Exponate und moderne Medienstationen, die dem Museumsbesucher einen interaktiven Zugang zum Ausstellungsthema ermöglichen. Durch die Umbaumaßnahmen ist das Lutherhaus zum ersten Mal in seiner Geschichte weitgehend barrierefrei zu begehen und auch der Laubengang im Innenhof ist erstmals vollständig zugänglich.[22]

Erdgeschoss

Die Ausstellung beginnt im Erdgeschoss und zeigt, wie Luthers Lebenswelt um 1500 aussah, auf welche Frömmigkeitsformen und Glaubenspraktiken er traf. Seine Schulzeit in Eisenach wird ebenso thematisiert wie sein Weg zum Mönch und die Entwicklung seiner reformatorischen Einsichten.

Zwischengeschoss

Die Bibelübersetzung gehört zweifellos zu Luthers wichtigsten und prägendsten Leistungen. Im Zwischengeschoss des Lutherhauses werden die Schwierigkeiten und Herausforderungen des Übersetzens thematisiert. Die sprachliche Vielfalt des „Deutschen“ wird anschaulich vermittelt und auch Luthers eigene Äußerungen zum „Dolmetschen“ werden aufgegriffen. Gleichzeitig wird gezeigt, welche Rolle die zahlreichen Experten spielten, mit denen Luther bei seiner Bibelübersetzung zusammenarbeitete. Zudem sind im Zwischengeschoss auch die historischen Lutherstuben zu besichtigen.

Obergeschoss

Mit dem Tod Luthers im Jahre 1546 endete weder die Reformation noch die Wirkungsgeschichte seiner Bibelübersetzung. Vielmehr prägt insbesondere Luthers Bibelübersetzung die deutsche Sprache, Literatur und Musik bis heute, was im Obergeschoss anhand vieler Einzelbeispiele nachvollzogen werden kann. Von großer Bedeutung für die Verbreitung und den Langzeiterfolg der Lutherbibel war die Gründung der Cansteinschen Bibelanstalt und die Entwicklung des Stehendes Satzes, denn erst durch diese technischen Neuerungen wurde die Bibel zum Massenprodukt, das im Zuge der pietistisch inspirierten Missionsbewegung in der ganzen Welt verbreitet wurde. Auch das wohl dunkelste Kapitel der Rezeption von Luthers Bibel und seinen Schriften hat in der Dauerausstellung seinen Platz: im Dritten Reich wurden Luthers judenfeindliche Äußerungen vielfach aufgegriffen und für die NS-Propaganda nutzbar gemacht. Das 1939 auf der Wartburg gegründete Institut zur Erforschung und Beseitigung des jüdischen Einflusses auf das deutsche kirchliche Leben („Entjudungsinstitut“) machte es sich zur Aufgabe, eine Neuausgabe der Evangelien des Neuen Testaments zu verfassen, in der alle Bezüge auf das Judentum und die Geschichte Israels ausgemerzt werden sollten. Durch den Ausbruch des Zweiten Weltkriegs war den Aktivitäten des Entjudungsinstituts nur eine kurze Dauer beschieden. Auch die Publikationen der Einrichtung fanden keine weite Verbreitung.[23] Im letzten Ausstellungsraum werden die heutige Bedeutung der (Luther-)Bibel und die Herausforderungen der aktuellen Überarbeitung der Lutherbibel (Bibelrevision) aufgezeigt.

Sonderausstellungen und Veranstaltungen

Parallel zu den Sanierungsarbeiten (2013–2015) wurde auf der Brachfläche westlich des Lutherhauses ein privates Wohn- und Geschäftshaus errichtet, das durch ein gläsernes Eingangsgebäude mit dem historischen Lutherhaus verbunden ist. Das Erdgeschoss des Neubaus nutzt die Stiftung Lutherhaus Eisenach als Empfangsbereich und Museumsshop. Auch der neue Sonderausstellungsraum, in dem ab 2016 jährlich wechselnde Sonderausstellungen zu sehen sind, ist dort untergebracht. Außerdem finden regelmäßig Veranstaltungen im Lutherhaus statt. Dazu gehören das jährliche Museumsfest anlässlich von Luthers Geburtstag (10. November) und die jährliche Gedenkveranstaltung zu Luthers Sterbetag (18. Februar).

Museumspädagogik

Neben der Dauerausstellung können Besuchergruppen auch verschiedene museumspädagogische Angebote des Lutherhauses in Anspruch nehmen. Dazu gehört der „Unterricht wie zu Luthers Zeiten“ und ab Frühjahr 2016 verschiedene Werkstattangebote aus den Bereichen Kalligraphie, Buchdruck und Textil. Für Schüler- und Konfirmandengruppen werden zudem Erkundungsbögen zur Verfügung gestellt.

Sammlung und Evangelisches Pfarrhausarchiv

Den Grundstock der museumseigenen Sammlung des Lutherhauses stellen die Bestände des Evangelischen Pfarrhausarchivs dar. Dieses wurde 1925 durch den in Merseburg wirkenden Pfarrer August Angermann (1867–1947) ins Leben gerufen. Ein Jahr zuvor hatte Angermann auf dem Pfarrertag in Gießen bekannt gegeben, dass er den Aufbau einer Sammlung zur Geschichte und Bedeutung des evangelischen Pfarrhauses plane. Auf dem darauffolgenden Pfarrertag in Hamburg (1925) wurde er von den evangelischen Pfarrervereinen mit der Aufgabe betraut, sein Vorhaben in die Tat umzusetzen. Im Jahre 1931 umfasste die Sammlung bereits über 1300 Einzelstücke (Gemälde, Zeichnungen, Radierungen, Fotos, Bücher, Briefe, Handschriften, Plaketten, Münzen, Medaillen, Stammbücher, etc.), ab dem 2. November 1932 war sie dann erstmals in drei Räumen des Wittenberger Schlosses öffentlich zu sehen. Während des Zweiten Weltkriegs wurde die Sammlung geschlossen. Nach Kriegsende sollte sie zunächst nach Eisleben gebracht werden, wo aber keine geeigneten Räumlichkeiten gefunden werden konnten. Stattdessen wurden die Bestände des Evangelischen Pfarrhausarchives 1947 oder 1948 auf Betreiben des Thüringer Landesbischofs Moritz Mitzenheim nach Eisenach gebracht, wo sie bis 1956 auf dem Hainstein untergebracht waren. Von dort aus wurden die Bestände ins Lutherhaus gebracht, wo sie der Öffentlichkeit in Form einer ständigen Ausstellung ab dem 1. Mai 1956 präsentiert wurden.[24] Bis 1995 blieben die Ausstellungsinhalte im obersten Stockwerk des Lutherhauses weitgehend unverändert. 1996 wurde die gründlich überarbeitete und erneuerte Ausstellung „Eine Zeitreise durch die Geschichte des evangelischen Pfarrhauses“ präsentiert. Die Aufbewahrungsbedingungen im historischen Lutherhaus erwiesen sich jedoch für die Sammlungsbestände sowohl räumlich wie auch klimatisch als zunehmend problematisch. Daher wurde 2014 im neu gebauten Landeskirchenarchiv Eisenach ein Depot für das Evangelische Pfarrhausarchiv eingerichtet, wo die Bestände für die Forschung wieder zugänglich sind.

Literatur

  • Jochen Birkenmeier: Das/The Lutherhaus in Eisenach, Eisenach 2015.
  • Johann-Friedrich Enke: Das Evangelische Pfarrhausarchiv. Ein Führer durch die ständige Ausstellung im Eisenacher Lutherhaus, Jena 1990.
  • Herbert von Hintzenstern: Luther in Eisenach. 5. Aufl., Jena 1991
  • Herbert von Hintzenstern: Vorspiele zur Reformation in Eisenach, in: Amtsblatt der Evangelisch-Lutherischen Kirchen in Thüringen 34 (1981) Nr. 10, S. 79-85.
  • Karl Köthe: Martin Luther und die Lutherstätten in und um Eisenach, Leipzig 1994.
  • Hans Eberhard Matthes: Das Eisenacher Lutherhaus mit einem Anhang ‚Das Geschlecht Cotta‘, Eisenach 1939.
  • Hans-Dieter Meister: Das Lutherhaus in Eisenach, (Ost-)Berlin 1989.
  • Willy Quandt: Martin Luther als Schüler in Eisenach und das Eisenacher Lutherhaus, (Ost-)Berlin 1965.

Weblinks

 Commons: Lutherhaus Eisenach  – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. Martin Brecht: Martin Luther, Bd. 1: Sein Weg zur Reformation, 1483–1521, 2. Aufl., Stuttgart 1983, S. 24–28; Thomas Kaufmann: Martin Luther, München 2006, S. 28f.; Heinz Schilling: Martin Luther. Rebell in einer Zeit des Umbruchs. Eine Biographie, München 2012, S. 68f.
  2. Johann Mathesius: Historien von des ehrwirdigen inn Gottseligen theuren Manns Gottes, D. Martin Luthers Anfang, Lehre, Leben […] Sterben, Nürnberg 1588, S. 3r.
  3. Ernst-Otto Braasch: Die Familie Schalbe in Eisenach, in: Amtsblatt der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Thüringen 34 (1981) Nr. 10, S. 85–87, hier: S. 86.
  4. Braasch: Schalbe, S. 86f.
  5. Jochen Birkenmeier: Das/The Lutherhaus in Eisenach, Eisenach 2015, S. 9–12; Schilling: Luther, S. 69; Brecht: Luther I, S. 30f.
  6. Martin Luther: D. Martin Luthers Werke. Kritische Gesamtausgabe, Bd. 30/2, Weimar 1909, S. 576.
  7. Herbert von Hintzenstern: Vorspiele zur Reformation in Eisenach, in: Amtsblatt der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Thüringen 34 (1981) Nr. 10, S. 79–85, hier: S. 81.
  8. Friedrich Battenberg: Art. Worms, in: Volker Leppin, Gury Schneider-Ludorff (Hrsg.): Das Luther-Lexikon, Regensburg 2014, S. 773f., hier: S. 774.
  9. Birkenmeier: Lutherhaus, S. 40f.; Kaufmann: Luther, S. 64–73.
  10. Heinrich Bornkamm: Martin Luther in der Mitte seines Lebens. Das Jahrzehnt zwischen dem Wormser und dem Augsburger Reichstag. Aus dem Nachlaß herausgegeben v. Karin Bornkamm, Göttingen 1979, S. 81.
  11. Schilling: Luther, S. 272f.
  12. Dokumentation zur bauhistorischen Untersuchung des Lutherhauses in Eisenach. Erstellt vom Restaurierungsatelier Wolfgang Petzholdt, März 2012.
  13. Hans Eberhard Matthes: Das Eisenacher Lutherhaus mit einem Anhang ‚Das Geschlecht Cotta‘, Eisenach 1939, S. 25.
  14. Dokumentation Petzholdt, S. 45f.
  15. Hans-Dieter Meister: Das Lutherhaus in Eisenach, (Ost-)Berlin 1989, S. 8–10; Willy Quandt: Martin Luther als Schüler in Eisenach und das Eisenacher Lutherhaus, (Ost-)Berlin 1965, S. 13.
  16. Dokumentation Petzholdt, S. 51.
  17. Jochen Birkenmeier: Das/The Lutherhaus in Eisenach, Eisenach 2015, S. 7.
  18. Uta Schäfer: Das Jubiläum als Chance, in: Glaube + Heimat, 29. Oktober 2010, online unter: http://www.glaube-und-heimat.de/2010/10/29/das-jubilaum-als-chance/ (abgerufen am 21. Dezember 2015).
  19. Birkenmeier: Lutherhaus, S. 21f.
  20. Birkenmeier: Lutherhaus; Sabine Kuschel: „Luther“ auf Kurs 2017, online unter: http://www.mitteldeutsche-kirchenzeitungen.de/2013/11/30/%C2%BBluther%C2%AB-auf-kurs-2017 (abgerufen am 21. Dezember 2015).
  21. Heiko Kleinschmidt: Eisenach: Mit Gottesdienst und Volksfest öffnete das Lutherhaus, in: Thüringer Allgemeine, 28. September 2015, online unter: http://eisenach.thueringer-allgemeine.de/web/eisenach/startseite/detail/-/specific/Eisenach-Mit-Gottesdienst-und-Volksfest-oeffnete-das-Lutherhaus-1892410851 (abgerufen am 21. Dezember 2015).
  22. Birkenmeier: Lutherhaus, S.28–33.
  23. Birkenmeier: Lutherhaus, S. 34–58; Karl-Wilhelm Niebuhr: Walter Grundmann: Neutestamentler und Deutscher Christ, in: Hans-Joachim Döring, Michael Haspel (Hrsg.): Lothar Kreyssig und Walter Grundmann. Zwei kirchenpolitische Protagonisten des 20. Jahrhunderts in Mitteldeutschland, Weimar 2014, S. 28–46, hier: S. 35–38.
  24. Meister: Lutherhaus, S. 58–64; Johann-Friedrich Enke: Das Evangelische Pfarrhausarchiv. Ein Führer durch die ständige Ausstellung im Eisenacher Lutherhaus, Jena 1990; Birkenmeier: Lutherhaus, S. 24–27.

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