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Lungenemphysem


Klassifikation nach ICD-10
J43 Emphysem
J44 Sonstige chronische obstruktive Lungenkrankheit
– mit Emphysem
ICD-10 online (WHO-Version 2016)

Als Lungenemphysem wird eine irreversible Überblähung der kleinsten luftgefüllten Strukturen (Lungenbläschen, Alveolen) der Lunge bezeichnet. Es stellt den gemeinsamen Endpunkt einer Reihe von chronischen Lungenerkrankungen dar.

Physiologie der Lunge

Die Lunge dient dem Gasaustausch: Zum einen wird Sauerstoff aus der Luft aufgenommen, zum anderen wird Kohlenstoffdioxid aus dem Blut abgegeben. Um diesen Gasaustausch effizient durchführen zu können, besteht die Lunge aus 300 Millionen kleinster Untereinheiten, den Lungenbläschen (Alveolen). Die Wände der Alveolen, die das eigentliche Lungengewebe ausmachen, werden auch als interstitielles Gewebe bezeichnet.

Pathogenese

Eine Theorie ist, dass es durch verschiedene Schadstoffe (Tabakrauch, Silikate, Fein- und Quarzstaub) oder durch körpereigene Proteasen (beim Alpha-1-Antitrypsin-Mangel) zu entzündlichen Veränderungen des Lungengewebes kommt. Die folgende Ansammlung von Leukozyten setzt Proteasen frei, eingeschlossen Elastasen. Diese zerstören die elastischen Fasern der Lunge. Weiterhin inaktivieren Sauerstoffradikale Alpha-1-Antitrypsin, das normalerweise Elastase und andere Proteasen inaktiviert. Zusätzlich erhöht sich der Druck von außen auf die Bronchiolen (kleine Bronchien), die dann beim Ausatmen kollabieren, sodass die in den Alveolen enthaltene Luft gefangen bleibt (trapped air). Die Folge ist eine Überblähung der Lungen. Es gibt aber auch andere Vermutungen.

Damit kann weniger verbrauchte Luft ausgeatmet werden, weniger frische Luft kann einströmen. Im Extremfall werden dann aus vorher funktionstüchtigen Lungenbläschen große funktionslose „Emphysemblasen“. Endogen kann auch ein persistierendes Asthma bronchiale zu einem Lungenemphysem führen.

Letztendlich verliert die Lunge ihre Elastizität und die enthaltene Luft kann nicht mehr vollständig entweichen.

Symptome

Generell liegt beim Lungenemphysem, bedingt durch die verminderte Gasaustauschfläche, eine chronische Atemnot vor, anfangs nur bei Belastung, im späteren Verlauf auch in Ruhe (Ruhedyspnoe). Der verminderte Sauerstoffgehalt des Blutes zeigt sich eventuell durch bläulich-rote Verfärbung (Zyanose) der Lippen, Fingerspitzen und Zehenspitzen. Im ausgeprägten Stadium kann eine Kerze aus ca. 15 cm Entfernung nicht mehr ausgeblasen werden. Der Brustkorbumfang nimmt zu (Fassthorax). Im Spätstadium kommt es zu einer (Rechts-)Herzbelastung.

Radiologisch zeigt sich ein Lungenemphysem in einer verminderten Dichte der Lunge. Zudem kann ein Tropfenherz ausgebildet sein.

Einteilung

Anatomisch gesehen verästeln sich die Luftwege immer weiter, bis sie schließlich in den sogenannten Lungenbläschen enden, in denen dann letztlich der Gasaustausch stattfindet (bildlich weitgehend wie eine Traube vorzustellen). Die Lungenbläschen hängen an einem kleinen Bronchus (mehrere Bronchioli respiratorii laufen zu einem Bronchiolus terminalis zusammen). Das Lungenemphysem spielt sich weitgehend in diesem Bereich, also den Endigungen der Luftwege, ab.

Man kann das Lungenemphysem folgendermaßen einteilen:[1]

  • Kongenitales lobäres Emphysem, seltene angeborene Fehlanlage mit massiver Überblähung von Lungenlappen durch einen Ventilmechanismus aufgrund von Fehlanlagen der Bronchien oder der Knorpelspangen, von lumenverlegenden Raumforderungen oder aus ungeklärer Ursache.[2]
  • Primär atrophisches Emphysem (normales Altersemphysem).
  • Sekundäres Emphysem, d. h. als Folge einer zugrunde liegenden Störung:
    • Zentrilobuläres (zentroazinäres) Emphysem: Es entsteht typischerweise aus einer chronisch obstruktiven Lungenerkrankung (COPD). Dieser Typ ist hauptsächlich in den Oberlappen der Lunge zu finden. Dabei sind zunächst die Bronchioli respiratorii (die feinen Verästelungen der Bronchien, die von den Bronchioli terminales praktisch direkt zu den Alveolen führen), später auch die Bronchioli terminales (Alveolargang) und die Azini (bestehend aus Alveolen und Ductus alveolares) selbst betroffen.[3]
    • Panlobuläres (panazinäres) Emphysem: Diese Form betrifft typischerweise die Azini (bestehend aus Alveolen und Ductus alveolares) und erst später die Bronchioli respiratorii und die Bronchioli terminales. Hauptgrund für die Entstehung ist der vererbte Mangel des Enzyms Alpha-1-Antitrypsin. Dieses Enzym schützt die Lunge vor Proteasen, die das Gewebe jetzt angreifen können. Wenn die Alveolarsepten einreißen, können die Emphysemblasen konfluieren. Es bildet sich bei weiterem Wachstum ein bullöses Emphysem aus.
    • Narbenemphysem: Dabei kommt es zu einer Ausweitung von Lungengewebe in der Umgebung schrumpfender Lungenbezirke.
    • Überdehnungsemphysem: Dazu kann es z. B. nach einer Teil-Resektion der Lunge durch Ausdehnung der Restlunge kommen.

Siehe auch

Einzelnachweise

  1. G. Herold: Innere Medizin, Eigenverlag, 2007, S. 314 ff.
  2. Lungenemphysem. In: Orphanet (Datenbank für seltene Krankheiten).
  3. Renate Lüllmann-Rauch: Histologie: entenda, aprenda, consulte; 10 quadros. 2. Auflage. Guanabara Koogan, Rio de Janeiro 2006, ISBN 852-771183-4.

Weblinks


Kategorien: Krankheitsbild in der Pneumologie | Lunge

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