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Lovosice


Dieser Artikel behandelt die tschechische Stadt Lovosice mit deutschem Namen Lobositz. Für das gleichnamige Schiff siehe Königstein (Schiff, 1892).
Lovosice

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Basisdaten
Staat: Tschechien
Region: Ústecký kraj
Bezirk: Litoměřice
Fläche: 1189,2662[1] ha
Geographische Lage:
Höhe: 151 m n.m.
Einwohner: 8.710 (1. Jan. 2016)[2]
Postleitzahl: 410 02
Kfz-Kennzeichen: U
Verkehr
Straße: D8
Bahnanschluss: 087 Lovosice–Česká Lípa
090 Prag–Děčín
097 Lovosice–Teplice v Č.
113 Lovosice–Most
114 Lovosice–Louny
Struktur
Status: Stadt
Ortsteile: 1
Verwaltung
Bürgermeister: Milan Dian (Stand: 2014)
Adresse: Školní 407/2
410 30 Lovosice
Gemeindenummer: 565229
Website: www.meulovo.cz
Lageplan

Lovosice ( Aussprache?/i; deutsch Lobositz) ist eine Industriestadt im Ústecký kraj in Tschechien.

Geografie

Lovosice liegt in 151 m Höhe am Fuß des Lovoš im Süden des Böhmischen Mittelgebirges am linken Ufer der Elbe, deren Verlauf hier ein Knie bildet: Von Osten kommend wendet sich der Fluss in einem 90°-Bogen nach Norden. Die Stadt befindet sich im Mündungsgebiet der Modla (Model) in die Elbe. Nach Süden zur Hauptstadt Prag sind es etwa 70 km, zur Staatsgrenze im Norden nach Zinnwald (Sachsen/Deutschland) etwa 40 km, bis zur ehemaligen Kreisstadt Litoměřice (Leitmeritz) im Osten etwa 10 km.

Geschichte

Frühe Besiedlung

Erste Menschen siedelten in diesem Gebiet bereits Jahrtausende vor Christus: es gibt Ausgrabungen aus der Frühzeit (3800–2000), aus der Bronzezeit und der folgenden Eisenzeit. Im ersten Jahrhundert nach Christus ließ sich der Stamm der Markomannen hier an der Elbe nieder, der im 5. und 6. Jahrhundert nach und nach durch Slawen verdrängt wurde.

Erste namentliche Erwähnung und wechselnde Eigentümer

Urkundlich wurde Lobositz erstmals am 12. April 1143 im Zusammenhang mit der Übertragung des Dorfs an das neu gegründete Kloster Strahov durch Herzog Vladislav II. erwähnt. 1248 kaufte es eine Familie aus dem nahen Leitmeritz, die Lobositz schon bald wieder an das Kloster Altzella bei Meißen abtrat. Dem Kloster gelang es 1348, das einträgliche Fährrecht für den Ort zu erlangen. Durch Verpfändung kam Lobositz 1415 zunächst an die Ritter vom Schloss Kladno und 1511 an den sächsischen Hofmarschall Heinrich von Schleinitz, wobei Altzella noch lange Zeit Ansprüche auf den Ort geltend machte.

In den Hussitenkriegen erlitt Lobositz beträchtliche Zerstörungen, die vor allem Folge der Kämpfe um die benachbarten kaisertreuen Burgen Hasenburg und Košťál waren. Ab 1545 erbaute Georg von Schleinitz am Platz einer alten Feste ein Schloss im Renaissancestil. Der Ort gelangte Ende des 15. Jahrhunderts an die Herren von Waldstein, die 1600 vom Kaiser Rudolf II. das Stadtrecht für Lobositz erhielten, wogegen Leitmeritz erfolglos prozessierte. 1653 kam die Stadt zur Markgrafschaft Baden, 1783 an die Schwarzenbergischen Fürsten.

Die erste Schlacht des Siebenjährigen Kriegs, in der sich Preußen und Österreicher gegenüberstanden, fand 1756 bei Lobositz statt (Schlacht bei Lobositz) und brachte der Stadt schwere Zerstörungen. Feuersbrünste in den Jahren 1787, 1796 und 1809 verursachten weitere Schäden. Im 19. Jahrhundert nahm die Stadt u. a. auch durch den frühen Eisenbahnanschluss in Richtung Prag und Aussig einen raschen wirtschaftlichen Aufschwung. Auch die Bevölkerung nahm stark zu. Lobositz gehörte am Ende des 19. Jahrhunderts innerhalb der Habsburger Monarchie zur böhmischen Bezirkshauptmannschaft Leitmeritz und war Sitz eines Bezirksgerichtes.

Lobositz ab dem 20. Jahrhundert

Nach Entstehung der Tschechoslowakei 1918 wurden die Fürsten von Schwarzenberg teilenteignet, von einer Bodenreform 1926 profitierten in erster Linie die böhmischen (nun: tschechischen) Gutsarbeiter. Es gab bis zu Beginn der nationalsozialistischen Judenverfolgung in Lobositz reges jüdisches Leben.

Ab 30. September 1938 gehörte Lobositz als Teil des Sudetengaus zum Großdeutschen Reich.

Vom 20. Mai 1944 bis 7. Mai 1945 vor dem Ende des Zweiten Weltkrieges existierte im Ort ein Außenlager des KZ Flossenbürg, dessen 84 Häftlinge Zwangsarbeit für die SS Truppenbetreuung verrichten mussten.[3]

Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs wurden die deutschen Einwohner auf Grund der Beneš-Dekrete enteignet und vertrieben. In den 1950er Jahren wurden große Teile des östlichen Nachbarortes Prosmyky (Prosmik) für den Bau eines Kohlehafens abgetragen. Die Verschiffung der auf dem Schienenweg aus dem Brüxer Revier ankommenden Brennstoffe elbaufwärts nach Ostböhmen erwies sich als untaugliches Bemühen, da die Lastschiffe flussabwärts ohne Ladung zurückkehrten. Nach Einstellung des Kohlehafens entstand in den 1970er Jahren ein Industriegebiet für das nunmehr eingemeindete Prosmyky, dessen alte Bebauung vollständig abgerissen wurde.

Einwohnerentwicklung

Die Einwohnerschaft ist seit dem Dreißigjährigen Krieg durch die Habsburgische Politik zunehmend deutsch geprägt. Die tschechische Zuwanderung nahm Ende des 19. Jahrhunderts zu und erreichte in der Ersten Tschechoslowakischen Republik ihren Höhepunkt. Unweit der Stadt verlief die Sprachgrenze.

Jahr Einwohner Deutsche Tschechen Bemerkungen
1833 1.122
1854 1.396 Stadtfläche 1587 Joch 1270 Klafter
1880 4.273 3.687 522 (Stadtfläche keine Angabe)
1890 4.269 3.721  ? Stadtfläche 908 ha
1900 4.583 3.927 586 Stadtfläche 908 ha
1910 5.076 4.212 789 Stadtfläche 908 ha
1921 5.088 3.440 1.492 Stadtfläche 908 ha
1930 5.929 3.711 1.999 Stadtfläche 908 ha
1939 5.151 Stadtfläche 908 ha
1943 6.245 Stadtfläche 908 ha
1950 5.233 Stadtfläche 908 ha;
Verringerung durch Vertreibung
1970 9.349 Stadtfläche 908 ha
1991 9.708 37 9.528 Stadtfläche 1189 ha

Stadtgliederung

Für Lovosice sind keine Ortsteile ausgewiesen. Grundsiedlungseinheiten sind Hlavní nádraží, K Lukavci, Lovosice-střed, Lovošská, Na médii, Nový Klapý, Ostrov, Pod Lovošem, Prosmyky (Prosmik), Stadion, Teplická, Terezínská, U Labe, U zastávky, V cihelně und Za tratí[4].

Das Gemeindegebiet gliedert sich in die Katastralbezirke Lovosice und Prosmyky[5].

Städtepartnerschaften

Wirtschaft

Als dritte Bevölkerungsgruppe neben Tschechen und Deutschen spielte das Judentum vor allem in der Wirtschaft eine Rolle. Zum Ende des 19. Jahrhunderts waren in Lobositz Zucker-, Kanditen- und Kaffeesurrogatfabrikation sowie die Bierbrauerei die wichtigsten Wirtschaftsfaktoren. Ebenso wurde in der Stadt ein lebhafter Handel getrieben und in der Umgebung wurde mit Erfolg Obst angebaut.

Die Böhmische Glanzstofffabrik entstand nach dem Ersten Weltkrieg. Seit 1989 ist sie in österreichischem Besitz. Bis 1945 existierten die Schokoladen- und Zuckerwarenfabrik DELI, eine Zuckerfabrik, eine Öl- und Futterkuchenfabrik, die Obstverwertungsgesellschaft FRUTA und eine große Kunstdünger- und Schwefelsäurefabrik. In der Zeit der Zugehörigkeit zur Tschechoslowakei entstand in Lobositz und Umgebung eine reichhaltige Industrie wie chemische Fabriken, Maschinenbau- und Elektronikbetriebe. Seit 1990 stagniert die industrielle Entwicklung.

Verkehr

Eisenbahnstrecken

Fernstraßen

  • Autobahn D 8 (E 55): Lovosice–Prag (Exit 48 – Lovosice-západ); die Verlängerung bis nach Deutschland (Dresden) ist seit 2006 im Bau. Für die straßenseitige Durchquerung des nördlich der Stadt liegenden Böhmischen Mittelgebirges sind bis zu deren Fertigstellung (voraussichtlich 2014) zwischen Lovosice und Řehlovice zwei Routenalternativen über die Elbtalstrecke (I/30) bzw. die Passstraße I/8 und die Straße I/608 im Betrieb.
  • Staatsstraße I/8 (E 55) Lovosice–Abzw. Straße 608-Teplice–Cínovec-Altenberg (Erzgebirge).
  • Staatsstraße I/30 Lovosice–Ústí nad Labem im Elbtal
  • Staatsstraße I/15 Most–Lovosice (Elbebrücke)–Litoměřice

Sehenswürdigkeiten

  • Kirche Heiliger Wenzel, 1745 eingeweiht
  • das Rathaus
  • das Schwarzenbergische Schloss, bis 1848 Mittelpunkt der Herrschaft Schwarzenberg, ist vom historischen Baubestand erhalten.
    Es wurde nach dem Stadtbrand im barocken Stil wieder aufgebaut.

Söhne und Töchter der Stadt

  • Maximilian Bittner (1869–1918), Orientalist
  • Karl von Czyhlarz (1833–1914), böhmisch-österreichischer Jurist und Politiker
  • Alfons Dopsch (1868–1953), österreichischer Historiker
  • Eberhard Eysert (1868–1920), Maler in Leitmeritz
  • Gustav Schröpler (1830–1901), Maler
  • Karl Tutte (Okt. 1875 in Lobositz; † 6. Juli 1925 Groß Tschernitz bei Saaz), Lehrer und Schulleiter in Satkau, Heimatforscher und Herausgeber des Standardwerkes „Der politische Bezirk Saaz“ (Saaz 1904)[6]

Literatur

Einzelnachweise

  1. http://www.uir.cz/obec/565229/Lovosice
  2. Český statistický úřad – Die Einwohnerzahlen der tschechischen Gemeinden vom 1. Januar 2016 (PDF; 371 KiB)
  3. Webseite KZ-Gedenkstätte Flossenbürg Abgerufen am 6. Juli 2016
  4. http://www.uir.cz/zsj-obec/565229/Obec-Lovosice
  5. http://www.uir.cz/katastralni-uzemi-obec/565229/Obec-Lovosice
  6. Der Lehrer Karl Tutte (tschech.) (abgerufen am 8. August 2015)

Weblinks

 Commons: Lovosice  – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Kategorien: Böhmisches Mittelgebirge | Ort im Okres Litoměřice | Lovosice | Gemeinde im Ústecký kraj

Quelle: Wikipedia - http://de.wikipedia.org/wiki/Lovosice (Vollständige Liste der Autoren des Textes [Versionsgeschichte])    Lizenz: CC-by-sa-3.0

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