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London Interbank Offered Rate


London Interbank Offered Rate („Londoner Interbanken-Angebotszins“; Abkürzung: Libor oder LIBOR) ist ein in London an allen Bankarbeitstagen unter bestimmten Bedingungen ermittelter Referenzzinssatz, der unter anderem als Grundlage für die Berechnung des Kreditzinses herangezogen wird.

Geschichte

Für lange Zeit waren die von den nationalen Zentralbanken einseitig festgelegten Leitzinsen der einzige Referenzzins. Deshalb orientierte man sich in England an der „Minimum Lending Rate“ (genannt „base rate“) der Bank of England, in den USA an der „Prime rate“ der Federal Reserve Bank oder in Deutschland am Diskont- oder später Lombardsatz der Deutschen Bundesbank. Finanztransaktionen wurden an diese Leitzinsen gekoppelt.

Am Finanzplatz London fürchtete man in Bankkreisen jedoch eine Behinderung des Wachstums von Bankgeschäften, so dass man ab Oktober 1984 unter Federführung British Bankers’ Association (BBA), einer Interessenvertretung britischer Banken, Arbeitsgruppen mit dieser Thematik befasste. Ziel war die Einführung eines Referenzzinsatzes für das Britische Pfund und andere wichtige Währungen und für bestimmte gängige Laufzeiten, der nach möglichst objektiven Kriterien ermittelt werden sollte. Ab Dezember 1984 begann eine Versuchsperiode unter der Verwaltung der BBA, am 2. September 1985 wurden die Zinssatz-Regelungen der BBA Marktstandard, am 10. Januar 1986 fand die erste offizielle Ermittlung (Fixing) des Libor statt. Sie wurde auf zuletzt insgesamt 10 Währungen ausgedehnt (Australischer Dollar, Kanadischer Dollar, Schweizer Franken, Dänische Krone, Euro, Britisches Pfund, Yen, Neuseeländischer Dollar, Schwedische Krone und US-Dollar).

Als im Juni 2012 bekannt wurde, dass die Barclays Bank den Libor jahrelang manipuliert hatte, wurde der Libor-Skandal ausgelöst. Als Folge der weitreichenden Manipulationen, in die auch die Deutsche Bank und andere Großbanken verwickelt waren, entzog man der London Stock Exchange die Zuständigkeit und übertrug sie auf die New Yorker Börse NYSE Euronext. Im Juli 2013 setzte ein unabhängiger Ausschuss der britischen Regierung die ICE Benchmark Administration (IBA) für die Verwaltung des LIBOR ein.[1] Diese gründete hierfür die Londoner Tochterfirma Intercontinental Exchange Benchmark Administration Ltd. (ICE), die von der britischen Bankenaufsicht FCA überwacht wird. Am 31. Januar 2014 übergab die bisher federführende BBA das Mandat des Administrators an die ICE.[1]

Ermittlung

Der „ICE LIBOR“ wird nunmehr für 5 Währungen (CHF, Euro, GBP, YEN und USD) und fünf Fälligkeiten (overnight, 1, 3, 6 und 12 Monate) täglich von 11 bis zu 18 „Contributor Panel Banks“ ermittelt. Diese Großbanken stellen seit Oktober 2014 zwischen 11:00 Uhr und 11:20 Uhr Londoner Zeit (GMT) ihre Zinssätze zur Verfügung, zu denen sie sich untereinander Blankokredite auf dem am Londoner Interbankenmarkt in handelsüblicher Größe zur Verfügung stellen würden.[2] Die Nachrichtenagentur Thomson Reuters kalkuliert die gemeldeten Zinssätze zwischen 11:20 Uhr und 11:45 Uhr mit 4 Nachkommastellen. Bei 18 beitragenden Banken werden jeweils die Banken mit den 4 höchsten und 4 niedrigsten Zinssätzen eliminiert, das arithmetische Mittel der verbleibenden 10 wird ermittelt. Je weniger beitragende Banken vorhanden sind, umso weniger Extremmeldungen werden eliminiert. Bei nur 11 beitragenden Banken werden jeweils die 3 höchsten und 3 niedrigsten Meldungen entfernt, von den verbleibenden 5 wird das arithmetische Mittel errechnet. Mit dieser Methodologie sollen Extremausschläge bei der Berechnung verhindert werden. Thomson Reuters veröffentlicht die so ermittelten Zinssätze nach 11:45 Uhr, auch die Partner der ICE (z.B. global-rates.com) übernehmen die tägliche Veröffentlichung.[2] Als Zinsberechnungsmethode gilt allgemein actual/360, nur beim Pfund Sterling wird actual/365 zugrunde gelegt.

Bedeutung

Der LIBOR ist kein margenneutraler Zinssatz, da die meldenden Banken sich untereinander unbesicherten Kredit nicht ohne Gewinnmarge gewähren würden. Er findet sich als Referenzierung in den Standard-Verträgen der Loan Market Association (LMA), International Capital Markets Association (ICMA) und der International Swaps and Derivatives Association (ISDA), so dass der LIBOR bei den meisten internationalen Konsortialkrediten, Anleihen, Swaps und Derivaten zugrunde gelegt wird. In diesen Standardverträgen definiert die „Screen rate“ (Bildschirm-Zins) eine bestimmte Online-Seite von Reuters/Bloomberg, auf der täglich die aktuellen LIBOR-Sätze erscheinen. Er gilt auch als Preisgrundlage auf dem Geldmarkt und ist damit der weltweit bedeutendste Referenzzinssatz. Im internationalen Geld- und Kreditverkehr wird ein - vom Rating des Kreditnehmers abhängiger - Aufschlag auf den LIBOR berechnet, zu dem Banken etwa bei Roll-over-Krediten, Revolving Credit Facilities oder Stand-by-Krediten im Einzelfall Kredite zur Verfügung stellen. So bedeutet „LIBOR + 0,5 %“, dass bei einem angenommenen LIBOR-Zins von 1,9835 % p.a. der Aufschlag von 0,5 Prozentpunkten zu einem Kreditzins von 2,4835 % p.a. für den Kreditnehmer führt. Als Referenzzinssatz hat der Euro-Libor eine wesentlich geringere Bedeutung als der EURIBOR. Außerdem ist der LIBOR eine Benchmark für Medien, volkswirtschaftliche oder mikroökonomische Analysen. Unter anderem steuern auch manche Zentralbanken ihre Geldpolitik durch ein Libor-Zwischenziel.

Siehe auch

Literatur

Weblinks

Einzelnachweise

  1. 1,0 1,1 Die ICE Benchmark Administration. Ein Überblick . Abgerufen am 7. Februar 2015
  2. 2,0 2,1 LIBOR, information about the London InterBank Offered Rate . Abgerufen am 7. Februar 2015

Kategorien: Zinsgeschäft | Finanzmarktgeschäft | Geldmarkt | Termingeschäft

Quelle: Wikipedia - http://de.wikipedia.org/wiki/London Interbank Offered Rate (Vollständige Liste der Autoren des Textes [Versionsgeschichte])    Lizenz: CC-by-sa-3.0

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