Lombardpolitik - LinkFang.de





Lombardpolitik


Unter Lombardpolitik werden alle Maßnahmen einer Zentralbank zusammengefasst, die der Regulierung der Geldmenge in einer Volkswirtschaft durch Verpfändung von Wertpapieren oder sonstigen beleihungsfähigen Sachen und Rechten dienen. Diese müssen im Eigentum der verpfändenden Bank stehen und stammen mithin nicht aus deren Kundengeschäft.

Allgemeines

Den Zentralbanken steht meist ein Instrumentarium so genannter Zentralbankmaßnahmen zur Verfügung, das sie gegenüber den Geschäftsbanken nach ökonomischen Erfordernissen einsetzen können. Diese Maßnahmen dienen der Steuerung der Geldmenge und sind daher ein Mittel der Geldpolitik einer Zentralbank. Hierzu gehört auch die Lombardpolitik, die einen Teil der Zentralbankmaßnahmen darstellt.

Instrumente der Lombardpolitik

Die Zentralbanken können sowohl quantitative Limitierungen (Festlegung der Lombardfazilitäten oder -kontingente) als auch qualitative Restriktionen vorschreiben (Begrenzung auf bestimmte Wertpapierarten durch das Lombardverzeichnis). Ein direktes Steuerungsmittel ist der Preis, zu dem sie Lombardkredite vergeben, der Lombardsatz.

  1. Änderung des Lombardsatzes: Ein hoher Lombardsatz verteuert für Kreditinstitute die Möglichkeit, sich mit Liquidität zu versorgen. Sie können damit weniger Kredite vergeben und die Geldschöpfung wird eingeschränkt und umgekehrt.
  2. Einführung von Lombardkontingenten: Die Menge der höchstens zu verpfändenden Wertpapiere wird nach bankenspezifischen Kriterien beschränkt. Eine Absenkung der Kontingente verringert die Geldschöpfung, eine Anhebung erhöht sie.
  3. Veränderung der Qualitätsanforderungen an lombardfähige Wertpapiere: Strengere Anforderungen verringern die Geldschöpfung, weniger strenge erhöhen sie.

Deutschland

Durch die Bedeutung des Wechsels als Kredit- und Zahlungsmittel spielte lange Zeit die Diskontpolitik bis 1986 die entscheidende Rolle bei der Refinanzierung der Kreditinstitute durch die Deutsche Bundesbank. Dabei konnten sich die Banken durch Verkauf von bundesbankfähigen Wechseln Liquidität zum Diskontsatz beschaffen. Im Dezember 1986 war der Anteil der Diskontkredite an der Mittelaufnahme auf 60 % gesunken.[1] Seit Januar 1987 hatte die Diskontierung von Wechseln an Bedeutung verloren, so dass die Lombardpolitik in den Vordergrund trat.[2] Der Anteil der Wechselrefinanzierung an den gesamten Notenbankkrediten belief sich 1994 nur noch auf 29,5 % gegenüber 83,5 % im Jahre 1980.[3] An ihre Stelle waren die Wertpapierpensionsgeschäfte getreten. Betrug deren Anteil an der Gesamtrefinanzierung 1980 lediglich 6 %, so machten sie 1994 bereits 69,7 % aus.

In Deutschland wurde bis Dezember 1998 der Lombardsatz von der Bundesbank festgesetzt. Gesetzliche Grundlage war § 19 Abs. 2 BBankG a. F., die Lombardgeschäfte waren in § 19 Abs. 1 Nr. 3 BBankG a. F. festgelegt. Die Bundesbank fungiert seit Januar 1999 in der Geldpolitik lediglich als Ausführungsorgan der EZB, weil die Aufgabe der Lombardpolitik auf die EZB übergegangen ist.

Europäische Zentralbank

Mit dem Übergang der Zuständigkeit für die Geldpolitik auf die EZB hat die Spitzenrefinanzierungsfazilität den früheren Lombardkredit im Januar 1999 abgelöst. Damit ist die EZB nach Art. 18.1 EZB-Satzung im Rahmen ihrer Lombardpolitik befugt, mit den angeschlossenen Kreditinstituten Kreditgeschäfte gegen „ausreichende Sicherheiten“, so genannte notenbankfähige Sicherheiten, abzuschließen. Für notenbankfähige Sicherheiten gilt seit Januar 2007 ein einheitlicher Rahmen („einheitliches Sicherheitenverzeichnis“), der marktfähige sowie nicht marktfähige Sicherheiten umfasst. Bei notenbankfähigen Sicherheiten werden Beleihungsgrenzen in Abhängigkeit von Liquiditätskategorien, Restlaufzeiten und Verzinsungsarten sowie Schwankungsmargen angewendet wie beim Lombardkredit.

Einzelnachweise

  1. Otmar Issing/Bernd Rudolph, a.a.O., S. 42
  2. Werner Ehrlicher/Diethard B. Simmert, Wandlungen des geldpolitischen Instrumentariums der Deutschen Bundesbank, 1988, S. 134
  3. Deutsche Bundesbank, a.a.O., Oktober 1995, S. 109

Kategorien: Zinsgeschäft | Geldpolitik | Bankwesen

Quelle: Wikipedia - http://de.wikipedia.org/wiki/Lombardpolitik (Vollständige Liste der Autoren des Textes [Versionsgeschichte])    Lizenz: CC-by-sa-3.0

Änderungen: Alle Bilder mit den meisten Bildunterschriften wurden entfernt. Ebenso alle zu nicht-existierenden Artikeln/Kategorien gehenden internen Wikipedia-Links (Bsp. Portal-Links, Redlinks, Bearbeiten-Links). Entfernung von Navigationsframes, Geo & Normdaten, Mediadateien, gesprochene Versionen, z.T. ID&Class-Namen, Style von Div-Containern, Metadaten, Vorlagen, wie lesenwerte Artikel. Ansonsten sind keine Inhaltsänderungen vorgenommen worden. Weiterhin kann es durch die maschinelle Bearbeitung des Inhalts zu Fehlern gerade in der Darstellung kommen. Darum würden wir jeden Besucher unserer Seite darum bitten uns diese Fehler über den Support mittels einer Nachricht mit Link zu melden. Vielen Dank!

Stand der Informationen: August 201& - Wichtiger Hinweis: Da die Inhalte maschinell von Wikipedia übernommen wurden, ist eine manuelle Überprüfung nicht möglich. Somit garantiert LinkFang.de nicht die Richtigkeit und Aktualität der übernommenen Inhalte. Sollten die Informationen mittlerweile fehlerhaft sein, bitten wir Sie darum uns per Support oder E-Mail zu kontaktieren. Wir werden uns dann innerhalb von spätestens 10 Tagen um Ihr Anliegen kümmern. Auch ohne Anliegen erfolgt mindestens alle drei Monate ein Update der gesamten Inhalte.