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Liberaler Studentenbund Deutschlands


Der Liberale Studentenbund Deutschlands (LSD) war von 1950 bis 1969 der offizielle Hochschulverband der FDP. Im Jahr 1955 gehörten dem LSD etwa 25 Hochschulgruppen an, 1965 waren es 40 mit insgesamt etwa 1000 Mitgliedern.

Gegründet, um „die Verwirklichung des Gedankens der Freiheit auf allen Gebieten des menschlichen Lebens zu erreichen“, verabschiedete der LSD in den 1950er Jahren unter anderem Programme zur „Neuregelung der rechtlichen und wirtschaftlichen Stellung der Jungakademiker“ (1954), zur Hochschulreform (1956) und zur „staatsbürgerlichen Bildung der Studenten“ (1958). (alle abgedruckt in: Dokumente zur Hochschulreform, siehe Literatur)

Erste inhaltliche Differenzen mit der FDP tauchten Ende der 1950er Jahre auf. Seit 1960 wurde von den Delegiertenversammlungen des LSD regelmäßig die Forderung nach einer sozialliberalen Koalition in Bonn erhoben, von der Parteiführung unter ihrem damaligen Vorsitzenden Erich Mende jedoch ebenso zuverlässig abgelehnt. Im Bundestagswahljahr 1961 riefen die Münchner Hochschulgruppen erstmals zur Wahl der SPD auf, weil deren neues Parteiprogramm das einzige in Deutschland sei, „das einen Rahmen für einen modernen und sozial orientierten, nicht nationalistischen Liberalismus abgibt“. Zu diesem Zeitpunkt schreckte die FDP-Führung jedoch noch vor drastischen Maßnahmen gegen ihren aufmüpfigen Studentenverband zurück, zumal sich als potenzieller Nachfolger ausgerechnet ein Freidemokratischer Studentenbund (FDS) anbot, der seinerseits aus Restbeständen des als rechtsradikal verbotenen Bundes Nationaler Studenten (BNS) hervorgegangen war.

In den Folgejahren verschärften sich die Spannungen weiter, als lokale LSD-Gruppen zusammen mit dem Sozialdemokratischen Hochschulbund mehrfach die SPD-Wählerinitiativen des Schriftstellers Günter Grass aktiv unterstützten und zudem wiederholt SPD-Mitglieder in den Bundesvorstand gewählt wurden. 1964 wurde mit anderen linksgerichteten Studentenverbänden das Höchster Abkommen zur gegenseitigen Unterstützung geschlossen, Ende der 1960er Jahre wurde der LSD dann Teil der Außerparlamentarischen Opposition (APO) und brach schließlich im August 1969 alle Beziehungen zur FDP ab, weil „eine politische Zusammenarbeit zwischen beiden Organisationen schon seit längerem nicht mehr möglich“ sei. Schon zuvor waren die Partei in LSD-Flugblättern als „Wurmfortsatz des Obrigkeitsstaates“ und ihre Exponenten als „reaktionäre Scheißkerle“ beschimpft worden.

Nach dem Abebben der Studentenbewegung zerfiel der LSD und nahm damit ein ähnliches Schicksal wie der ursprünglich SPD-nahe SDS. Als offizielle Nachfolgeorganisation wurde nach zweijähriger Vorbereitung im Mai 1972 der Liberale Hochschulverband gegründet. In Abgrenzung dazu entstand bereits 1973 der anfangs eher rechtsliberal orientierte Sozialliberale Hochschulverband (SLH), der aus der Ende der 60er gegründeten Deutschen Studentenunion hervorging. 1987 schloss sich der SLH mit den JuLi-Hochschulgruppen, der Liberalen Studenteninitiative (LSI) und diversen unabhängigen örtlichen Hochschulgruppen zum Bundesverband Liberaler Hochschulgruppen (LHG) zusammen, der seither die Rolle des offiziellen FDP-Studentenverbandes übernommen hat.

Verflochten mit dem LSD sind die Mitglieder der später entstandenen Organisationen im gemeinsamen Seniorenverband, dem Verband Liberaler Akademiker.

Literatur

  • Volker Erhard u. a. (Hrsg.): Für Freiheit und Demokratie. Beiträge zur Geschichte des Liberalen Studentenbundes Deutschlands (LSD), Jena/Quedlinburg 2001.
  • Gerd Langguth: Protestbewegung. Entwicklung, Niedergang, Renaissance – Die Neue Linke seit 1968, Köln 1983, S. 192.
  • Rolf Neuhaus (Bearb.): Dokumente zur Hochschulreform 1945–1959, Wiesbaden 1959, S. 579–607.

Weblinks


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