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Lesachtal


Lesachtal
Basisdaten
Staat: Österreich
Bundesland: Kärnten
Politischer Bezirk: Hermagor
Kfz-Kennzeichen: HE
Hauptort: Liesing
Fläche: 190,83 km²
 :
Höhe: 1043 m ü. A.
Einwohner: 1.363 (1. Jän. 2016)
Bevölkerungsdichte: 7,1 Einw. pro km²
Postleitzahlen: 9655, 9654, 9653, 9652
Vorwahl: 04716
Gemeindekennziffer: 2 03 21
Adresse der
Gemeindeverwaltung:
Liesing 29
9653 Liesing
Website: www.lesachtal.gv.at
Politik
Bürgermeister: Johann Windbichler (ÖVP)
Gemeinderat: (2015)
(15 Mitglieder)
9 ÖVP, 5 SPÖ, 1 UBL
Lage der Gemeinde Lesachtal im Bezirk Hermagor
Quelle: Gemeindedaten bei Statistik Austria

Lesachtal (slow. Lesna dolina) ist eine Gemeinde mit 1363 Einwohnern (Stand 1. Jänner 2016 ) in Kärnten. Sie umfasst mit den Ortschaften Liesing, Maria Luggau, Birnbaum und St. Lorenzen die westlichen zwei Drittel des Kärntner Lesachtals zwischen der Tiroler Grenze und Kötschach-Mauthen.

Der östliche Teil des Tals mit der Ortschaft St. Jakob gehört zur Gemeinde Kötschach-Mauthen. Beide Gemeinden liegen im politischen Bezirk Hermagor im österreichischen Bundesland Kärnten.

Geographie

Geographische Lage

Das Lesachtal erstreckt sich über etwas mehr als 20 Kilometer in West-Ost-Richtung parallel zur italienischen Grenze. Der Talboden steigt dabei von 800 m auf rund 1200 m ü. A. an. Der höchste Punkt im Gemeindegebiet ist die Hohe Warte mit einer Höhe von 2780 m ü. A. . Im Unterschied zum restlichen Gailtal hat der Fluss hier eine enge und bis zu 200 Meter tiefe Schlucht gebildet. Das dünn besiedelte Siedlungsgebiet befindet sich hauptsächlich auf den Verebnungen nördlich oberhalb der Schlucht. Die Gailtal Straße (B 111) verläuft hoch über dem heutigen engen Talgrund am nördlichen Talhang, auf dem sich auch die größeren Ortschaften befinden.

Das Lesachtal wird im Norden von den Gailtaler Alpen und Ausläufern der Lienzer Dolomiten begrenzt, im Süden von den Karnischen Alpen, auf deren Hauptkamm die Staatsgrenze zu Italien verläuft.

Gemeindegliederung

Die Gemeinde Lesachtal ist in die vier Katastralgemeinden Kornat, Liesing, Luggau und St. Lorenzen im Lesachtal gegliedert.

Das Gemeindegebiet umfasst folgende 31 Ortschaften (in Klammer die Einwohnerzahl, Stand 1. Jänner 2015[1]):

  • Mattling (22)
  • Moos (19)
  • Niedergail (32)
  • Nostra (37)
  • Obergail (61)
  • Oberring (26)
  • Pallas (20)
  • Promeggen (15)
  • Raut (22)
  • Rüben (12)
  • Salach (2)

Nachbargemeinden

Lavant
Untertilliach Kötschach-Mauthen

Geschichte

Das abgelegene Lesachtal wurde erst nach 600 n. Chr. von Slawen besiedelt. Diese gaben dem Tal auch seinen Namen, welcher sich von les = Wald, herleitet. Schon ab 750/800 rückten bayerische Siedler, von Westen aus Richtung des Pustertals kommend, nach um das Tal zu besiedeln. Der Einfluss des Pustertales ist heute noch an den Hofformen, dem Dialekt und der Tracht sichtbar.[2] Bis heute haben sich auch eindeutig slowenische Sprachelemente, Wörter und Kinderreime erhalten (z. B. potschasn = slowenisch počasi = langsam).[3]

Vom Talboden ausgehend wurden immer höher gelegene Gebiete gerodet und für die Landwirtschaft erschlossen. Dieser Prozess war um 1300 mit der Entstehung von Schwaighöfen weitgehend abgeschlossen. Haupteinnahmequelle des Lesachtals war stets die Viehwirtschaft.[4]

Das Landgericht Lesach wurde um 1380 auf die Burg Pittersberg übertragen und war danach nur noch ein Amt dieser Herrschaft. Diese gehörte den Grafen von Görz-Tirol, fiel nach deren Aussterben an den Landesfürsten und wurde schließlich, zusammen mit Goldenstein, der Grafschaft Ortenburg zugeschlagen.

Im Lesachtal konstituierten sich bei der Bildung von Ortsgemeinden 1850 zunächst die drei Gemeinden Luggau, St. Lorenzen und Liesing. Die beiden Katastralgemeinden Kornat und Strajach wurden zunächst der Gemeinde Mauthen angeschlossen, verselbständigten sich aber schon 1882 als Gemeinde Unterlesach. Weitere zehn Jahre später wurden beide Katastralgemeinden zu eigenständigen Ortsgemeinden Birnbaum und St. Jakob. Bei der Kärntner Gemeindereform im Jahr 1973 kam die östlichste Gemeinde St. Jakob zu Kötschach-Mauthen, während die vier westlichen zur heutigen Gemeinde Lesachtal vereinigt wurden.

Während des Ersten Weltkrieges verlief die Frontlinie zwischen Österreich-Ungarn und Italien am Kamm der Karnischen Alpen. Zahlreiche alte Stellungen und Befestigungen zeugen noch heute von dem Krieg in den Bergen (siehe: Gebirgskrieg 1915–1918).

Bevölkerung

Bevölkerungsentwicklung

Laut Volkszählung 2001 hat die Gemeinde Lesachtal 1.560 Einwohner, davon besitzen 98,4 % die österreichische und 1,3 % die deutsche Staatsbürgerschaft. Die Einwohnerzahl ist seit Jahrzehnten stark rückläufig.

98,4 % der Bevölkerung bekennen sich zur römisch-katholischen und 1,2 % zur evangelischen Kirche.

Sprache

Das Lesachtal ist sprachlich auffällig, denn der gesprochene deutsche Dialekt ist nicht kärntnerisch, sondern (Ost-)Tirolerisch, obwohl leichte Unterschiede vorhanden sind. Zum Beispiel wird im Osttiroler Teil ein Bub als Buie bezeichnet, auf der Kärntner Seite heißt es Pua oder Pue, die Mädchen heißen auf Tirolerisch Gitsche, im Kärntner Teil werden sie Dearn gerufen. Slowenische Elemente sind ebenso lebendig geblieben, wenn sie auch nicht als solche identifiziert werden.[3]

Kultur und Sehenswürdigkeiten

Siehe auch: Liste der denkmalgeschützten Objekte in Lesachtal

Wirtschaft und Infrastruktur

Die Forstwirtschaft spielt schon seit Jahrhunderten eine große Rolle. Das Holz der Haselfichte wurde oft als Klangholz für den Geigenbau verwendet. Das meiste wurde über das Wasser geflößt. Viel von dem Holz wurde und wird heute noch nach Italien verkauft. Speziell die venezianischen Gondeln werden aus dem Holz aus dem Lesachtal gefertigt.

Die Mehrheit der erwerbstätigen Bevölkerung lebt von der Land- und Forstwirtschaft, wobei der Mangel an geeignetem Ackerland und die schwierige Holzbringung Probleme bereiten. Der ganzjährige Tourismus spielt seit einigen Jahrzehnten eine immer größere Rolle. Wo er vorkommt, wird er als „sanfter Tourismus“ propagiert. Die Gemeinde Lesachtal ist Teil der Bergsteigerdörfer-Initiative des ÖAV. Die Gail im tief eingeschnittenen Tal ist bei Wildwassersportlern beliebt.

Politik

Direkt gewählter Bürgermeister ist Johann Windbichler (ÖVP).

Gemeinderat

Der Gemeinderat von Lesachtal hat 15 Mitglieder und setzt sich seit der Gemeinderatswahl 2015 wie folgt zusammen:

  • 9 ÖVP
  • 5 SPÖ
  • 1 Unabhängige Bürgerliste Lesachtal

Wappen

Wappen und Fahne wurden der Gemeinde auf Betreiben und nach Entwürfen von Ignaz Brunner (Erster Bürgermeister der Gemeinde Lesachtal) am 24. August 1987 verliehen. Die Vierteilung des Schildes spielt auf die Vereinigung der vier bis 1973 selbständigen Gemeinden Birnbaum, Liesing, St. Lorenzen im Lesachtal und Maria Luggau an. Die vier entwurzelten Fichten bringen den Talnamen zum Ausdruck, der im slawischen Sprachgebrauch Wald bedeutet. Der Wechsel von Grün und Silber symbolisiert den ganzjährigen Fremdenverkehr des Lesachtals. Die Blasonierung des Wappens lautet: „Von Grün und Silber schräggeviertfarbgewendet gesäumt, in jedem Feld eine entwurzelte farbgewendete Fichte.“[7] Die Fahne ist grün-weiß mit eingearbeitetem Wappen.

Persönlichkeiten

Söhne und Töchter

  • Matthias Ritter von Lexer (1830–1892), Germanist, Lexikograph und Universitätsprofessor in Bayern, geboren in Liesing im Lesachtal
  • Johann Huber (1852–1936), Gastwirt, Kaufmann und Politiker; als „Schwarzer Huber“ erster und einziger christlichsozialer deutscher Abgeordneter zum Kärntner Landtag und erster Bürgermeister der Gemeinde Birnbaum
  • Engelbert Obernosterer (* 1936), Schriftsteller, in St. Lorenzen im Lesachtal geboren.
  • Gerhard Drekonja (* 1939), Universitätsprofessor und Lateinamerika-Spezialist, geboren in Kornat
  • Gabriel Obernosterer (* 1955), Hotelier und Politiker, Nationalratsabgeordneter und Vorsitzender der ÖVP-Kärnten

Literatur

  • Dieter Neumann: Das Kärntner Lesachtal. Werden und Wandlungen einer bergbäuerlichen Kultur- und Wirtschaftslandschaft. Kärntner Landesarchiv, Klagenfurt 1997, ISBN 3-900531-39-0.

Weblinks

 Commons: Lesachtal  – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. Statistik Austria, Bevölkerung am 1.1.2015 nach Ortschaften
  2. Klaus-Peter Arnold, Tourismusland Kärnten. Die großen Tourismusregionen des Landes, S. 124.
  3. 3,0 3,1 Regina Maria Unterguggenberger: An der Schnittstelle dreier Kulturen. Zum slawischen Erbe in der Mundart des Kärntner Lesachtales. Hermagoras Verlag, Klagenfurt/Celovec 2004, ISBN 978-3-7086-0027-7
  4. Klaus-Peter Arnold, Tourismusland Kärnten. Die großen Tourismusregionen des Landes, S. 124 f.
  5. Eiko Funada: Brot – Teil des Lebens, mit Hausrezepten aus dem Lesachtal. Mitteldeutscher Verlag, Halle 2009, ISBN 978-3-89812-609-0.
  6. Lesachtaler Brotherstellung . nationalagentur.unesco.at
  7. Zitiert nach Wilhelm Deuer: Die Kärntner Gemeindewappen. Verlag des Kärntner Landesarchivs, Klagenfurt 2006, ISBN 3-900531-64-1, S. 170.

Kategorien: Tal in Kärnten | Gemeinde in Kärnten | Lesachtal | Tal in Europa

Quelle: Wikipedia - http://de.wikipedia.org/wiki/Lesachtal (Vollständige Liste der Autoren des Textes [Versionsgeschichte])    Lizenz: CC-by-sa-3.0

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