Lenalidomid - LinkFang.de





Lenalidomid


Strukturformel
Keine Zeichnung vorhanden
1:1-Gemisch aus (R)-Form (links) und (S)-Form (rechts)
Allgemeines
Freiname Lenalidomid
Andere Namen
  • IUPAC: (RS)-3-(7-Amino-3-oxo- 1H-isoindol-2-yl) piperidin-2,6-dion
  • (±)-3-(7-Amino-3-oxo- 1H-isoindol-2-yl)piperidin-2,6-dion
  • rac-3-(7-Amino-3-oxo-1H-isoindol- 2-yl)piperidin-2,6-dion
Summenformel C13H13N3O3
CAS-Nummer 191732-72-6
PubChem 216326
ATC-Code

L04AX04

DrugBank DB00480
Kurzbeschreibung

fast weißes bis blass-gelbes Pulver [1]

Arzneistoffangaben
Wirkstoffklasse

Immunsuppressiva

Eigenschaften
Molare Masse 259,26 g·mol−1
Löslichkeit

in organischen Lösungsmitteln besser löslich, zeigt jedoch die beste Löslichkeit in 0,1 N HCl-Pufferlösung [1]

Sicherheitshinweise
Bitte die eingeschränkte Gültigkeit der Gefahrstoffkennzeichnung bei Arzneimitteln beachten
GHS-Gefahrstoffkennzeichnung [2]
keine Einstufung verfügbar
H- und P-Sätze H: siehe oben
P: siehe oben
Soweit möglich und gebräuchlich, werden SI-Einheiten verwendet. Wenn nicht anders vermerkt, gelten die angegebenen Daten bei Standardbedingungen.
Vorlage:Infobox Chemikalie/Summenformelsuche vorhanden

Lenalidomid (Handelsname: Revlimid, Hersteller: Celgene) ist ein Arzneistoff aus der Gruppe der Immunmodulatoren. Es ist strukturell mit dem Thalidomid und Pomalidomid verwandt und wird wie diese zur Behandlung des Multiplen Myelom eingesetzt. Lenalidomid wurde vom Ausschuss für Humanarzneimittel (CHMP) der Europäischen Arzneimittelagentur als Arzneimittel für seltene Leiden (Orphan-Arzneimittel) ausgewiesen und als solches im Gemeinschaftsregister der Europäischen Union eingetragen.[3][4]

Anwendungsgebiete / Zulassungsstatus

Lenalidomid ist in den USA, der Europäischen Union, der Schweiz, in Argentinien und Kanada für eine Kombinationstherapie mit Dexamethason bei Patienten mit einem multiplen Myelom zugelassen, die bereits eine Standardtherapie erhalten haben. Darüber hinaus ist Lenalidomid in Verbindung mit Dexamethason in Australien zur Behandlung von Patienten mit multiplem Myelom zugelassen, deren Krankheit sich nach einer Therapie verschlimmerte.[5][6][7][8]

Im New England Journal of Medicine (NEJM) wurden im Mai 2012 die Ergebnisse dreier Phase-III-Studien zu Lenalidomid an Probanden mit neu diagnostiziertem multiplen Myelom veröffentlicht.[9][10][11]

Lenalidomid ist in den USA, der Europäischen Union, Kanada und Argentinien ebenfalls zugelassen für die Behandlung von transfusionsabhängigen Patienten mit einem Myelodysplastischen Syndrom der Risikoklasse „niedrig“ oder „intermediär-1“ (5q-minus-Syndrom) mit weiteren zytogenetischen oder ohne weitere zytogenetische Aberrationen.[12][13]

In verschiedenen Studien wird zurzeit überprüft, inwieweit Lenalidomid zur Erhaltungstherapie bzw. Therapie der Chronisch Lymphatischen Leukämie (CLL) eingesetzt werden kann.[14] Die ORIGIN-Studie (geplante Laufzeit bis 2018) für die Prüfung von Sicherheit und Wirksamkeit von Lenolidomid als Erstlinientherapie der CLL wurde aufgrund von einer erhöhten Sterblichkeitsrate von der US-amerikanischen Food and Drug Administration (FDA) abgebrochen. Die FDA fordert deswegen auch Ärzte dazu auf, Lenalidomid nicht im Off-Label-Use bei CLL zu verschreiben.[15]

Wirkungsmechanismus

Lenalidomid gehört wie auch Thalidomid und Pomalidomid zu einer Gruppe peroral bioverfügbarer immunmodulierender Substanzen (engl. immunmodulatory drugs), die das Pharmaunternehmen Celgene unter der Marke IMiDs eingetragen hat. Seine Wirkung beruht auf verschiedenen Mechanismen:

Sicherheitsvorkehrungen und Anwendungsbeschränkungen

Bei der Anwendung von Lenalidomid müssen wichtige Aspekte beachtet werden. Weil Lenalidomid vermutlich auch beim Menschen fruchtschädigend wirkt, gehört ein Schwangerschaftsverhütungsprogramm für gebärfähige Frauen und deren Partner sowie für Männer dazu. Eine mögliche Myelosuppression macht die wöchentlichen Blutbildkontrollen in den ersten acht Behandlungswochen erforderlich. Weiterhin zu beachten sind das erhöhte Risiko venöser Thromboembolien mit dem möglichen Einsatz einer antithrombotischen Prophylaxe und die Dosisreduktion bei Niereninsuffizienz. In Deutschland ist die Abgabe lenalidomidhaltiger Arzneimittel durch den § 3a Arzneimittelverschreibungsverordnung reguliert und unterliegt der amtlichen Überwachung, deshalb muss der Arzt für die Verordnung das so genannte T-Rezept verwenden. Der Arzt muss versichern, die Sicherheitsmaßnahmen gemäß der aktuellen Fachinformation einzuhalten, insbesondere auch, erforderlichenfalls ein Schwangerschafts-Präventionsprogramm durchzuführen. Ferner muss er auf der Verschreibung vermerken, ob die Behandlung innerhalb oder außerhalb (Off-Label-Use) der jeweils zugelassenen Anwendungsgebiete erfolgt.[16]

Im Dezember 2012 verschickte der Hersteller Celgene eine Mitteilung an Angehörige der Heilberufe (Rote-Hand-Brief) zum Risiko des Auftretens von Lebererkrankungen in Zusammenhang mit der Anwendung von Lenalidomid bei Vorliegen von anderen Risikofaktoren.[17]

Nebenwirkungen

Als häufigste Nebenwirkungen werden Abnahme der weißen Blutkörperchen (Neutropenie), der Blutplättchen (Thrombozytopenie) und der roten Blutkörperchen (Anämie), Müdigkeit, Kraftlosigkeit, Übelkeit, Verstopfung, Durchfall, Muskelkrämpfe, Schwellungen in Armen und Beinen und Hautausschlag beobachtet.

Chemische Eigenschaften

Lenalidomid ist chiral und kann daher in den optisch aktiven enantiomeren Formen (S)-(−) und (R)-(+) vorliegen, pharmazeutisch verwendet wird das Racemat [1:1-Gemisch von (S)-(−)-Form und (R)-(+)-Form]. Lenalidomid ist in 0,1 N Salzsäure gut löslich.

Handelsnamen

Revlimid (EU, CH, USA)

Weblinks

Einzelnachweise

  1. 1,0 1,1 FDA Drug Details Revlimid (Lenalidomide)
  2. Diese Substanz wurde in Bezug auf ihre Gefährlichkeit entweder noch nicht eingestuft oder eine verlässliche und zitierfähige Quelle hierzu wurde noch nicht gefunden.
  3. Orphan Designation (EU/3/03/177) by the European Commission (englisch) .
  4. Orphan Designation (EU/3/07/494) by the European Commission (englisch) .
  5. Produktinformation der Europäischen Arzneimittelagentur (englisch) .
  6. Europäische Arzneimittelagentur: Zusammenfassung des EPAR für die Öffentlichkeit (deutsch) (PDF-Datei; 60 kB).
  7. Dimopoulos, Meletios et al.: Lenalidomide plus Dexamethasone for Relapsed or Refractory Multiple Myeloma. In: N Engl J Med. Nr. 357, 2007, S. 2123–2132 (Abstract ).
  8. Weber, Donna M. et al.: Lenalidomide plus Dexamethasone for Relapsed Multiple Myeloma in North America. In: N Engl J Med. Nr. 357, 2007, S. 2133–2142 (Abstract ).
  9. Palumbo, Antonio et al.: Continuous Lenalidomide Treatment for Newly Diagnosed Multiple Myeloma. In: N Engl J Med. Nr. 366, 2012, S. 1759–1769 (Free Preview ).
  10. McCarthy, Philip L. et al.: Lenalidomide after Stem-Cell Transplantation for Multiple Myeloma. In: N Engl J Med. Nr. 366, 2012, S. 1770–1781 (Free Preview ).
  11. Attal, Michel et al.: Lenalidomide Maintenance after Stem-Cell Transplantation for Multiple Myeloma. In: N Engl J Med. Nr. 366, 2012, S. 1782–1791 (Free Preview ).
  12. European public assessment report (EPAR) for Revlimid - lenalidomid(e) , in Englisch von der Website der europäischen Gesundheitsbehörde (EMA), abgerufen am 14. Februar 2014.
  13. Zusammenfassung des EPAR für die Öffentlichkeit , in Deutsch von der Website der europäischen Gesundheitsbehörde (EMA), abgerufen am 14. Februar 2014.
  14. Studien Klinik I für Innere Medizin, Uniklinik Köln (PDF-Datei; 67 kB).
  15. FDA Statement: FDA halts clinical trial of drug Revlimid (lenalidomide) for chronic lymphocytic leukemia due to safety concerns .
  16. Rote Hand Info von Celgene Juni 2008, (PDF; 1,48 MB) .
  17. Rote Hand Brief von Celgene im Dezember 2012. Abgerufen am 10. Dezember 2012.
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Quelle: Wikipedia - http://de.wikipedia.org/wiki/Lenalidomid (Vollständige Liste der Autoren des Textes [Versionsgeschichte])    Lizenz: CC-by-sa-3.0

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