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Leimersheim


Wappen Deutschlandkarte
Basisdaten
Bundesland: Rheinland-Pfalz
Landkreis: GermersheimVorlage:Infobox Gemeinde in Deutschland/Wartung/Landkreis existiert nicht
Verbandsgemeinde: Rülzheim
Höhe: 105 m ü. NHN
Fläche: 12,96 km²
Einwohner: 2553 (31. Dez. 2014)[1]
Bevölkerungsdichte: 197 Einwohner je km²
Postleitzahl: 76774
Vorwahl: 07272
Kfz-Kennzeichen: GER
Gemeindeschlüssel: 07 3 34 016
Adresse der Verbandsverwaltung: Am Deutschordensplatz 1
76761 Rülzheim
Webpräsenz: www.leimersheim.de
Ortsbürgermeister: Matthias Schardt (CDU)
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Leimersheim, pfälzisch „Lämersche“, ist eine Ortsgemeinde im Landkreis Germersheim in Rheinland-Pfalz. Sie gehört der Verbandsgemeinde Rülzheim an.

Geographie

Lage

Leimersheim liegt im mittleren Oberrheingraben im Bereich der linksseitigen Niederterrassen des Rheins auf 100 m Höhe zwischen den Rheinbrücken von Germersheim und Karlsruhe. Das Ortsgebiet und den Rheinstrom trennt seit der Rheinbegradigung des 19. Jahrhunderts der Auwald, in dem diverse Altarme sowie ein Hochwasserschutzdamm verlaufen.

Gewässer

Innerhalb des Ortes vereinigen sich Erlenbach und Otterbach zum Michelsbach, der bei Hördt von links in den Rhein mündet. Bekanntestes Stehgewässer ist das Fischmal (lokal als Fischbl bezeichnet), ein kleiner See im Verlauf des Otterbachs, der ein Biotop für zahlreiche Wasservögel und Pflanzen darstellt.

Geschichte

Chronik

Frühe Geschichte

Das Dorf Leimersheim wurde erstmals 778 in einer Schenkungsurkunde des Klosters Lorch erwähnt. Gräber, die im Jahre 1884 gefunden wurden, deuten aber schon auf eine Besiedlung während der Bronzezeit hin. 960 wurde zum Schutze der bischöflichen Untertanen eine Burg gebaut. Erster Burgherr war der Edle Rudolf.

1270 wurden das Dorf und die Burg dem Kloster in Hördt angegliedert. Zwölf Jahre später wurde die erste Rheinfähre bei Leimersheim eingerichtet.

Frühe Neuzeit

Bei einer Überschwemmung im Jahre 1534 versanken der Gemarkungsteil „Werth“ und das Dorf Potz in den Fluten des Rheins.

1624, während des Dreißigjährigen Krieges, wurden die Klosterdörfer Leimersheim und Kuhardt von marodierenden Truppen überfallen und ausgeplündert. Dies wiederholte sich in der Zeit des Dreißigjährigen Krieges noch mehrmals. Deshalb wohnten 1660 in Leimersheim nur noch 58 Familien.

1729–31 wurde eine neue Pfarrkirche gebaut, 1772 die Leimersheimer Burg abgerissen. 1786 wurden die Bauarbeiten für die ersten Rheindurchstiche beendet. In der Gewanne „Niederhorst“ westlich des Ortes trafen 1793 in einem Gefecht französische Revolutionstruppen und Einheiten der preußischen Armee aufeinander. Abziehende Dragoner zerstörten das Kreuz vor der Pfarrkirche.

1801 wurde bei der Fährstelle eine Zollstation eingerichtet. Das Gebäude wurde später als Gaststätte benutzt. 1827/28 wurde durch neue Rheindurchstiche am „Karlskopf“ und am „Haselforst“ eine weitere Rheinstrecke bei Leimersheim begradigt. Ab 1871 überquerte ein neues Fährschiff am Längsseil, das durch Nachen getragen wurde, den Rhein. In der Neujahrsnacht 1883 mussten die Einwohner vor den Fluten des Rheins in das höher gelegene Dorf Kuhardt flüchten, die gesamte Gemarkung von Leimersheim wurde überflutet.

20. Jahrhundert

1902 wurde das neue Schulhaus eingeweiht, in dem drei Unterrichtsräume zur Verfügung standen. Bereits 1908 musste es durch ein Gebäude mit zwei Schulsälen erweitert werden.

Am 2. Dezember 1918 rückten französische Truppen als Besatzung nach Leimersheim ein. Aus dem Ersten Weltkrieg kehrten 53 Männer nicht mehr heim. 1923 wurde das Dorf an das elektrische Stromnetz angeschlossen, 1930 das Schöpfwerk zur Entwässerung der Rheinniederung gebaut. Im Zweiten Weltkrieg wurde 1940 das Fährschiff durch Flussminen getroffen und sank. Die neue Fähre wurde 1944 in Dienst gestellt. Sie diente vor allem zum Transport deutscher Soldaten über den Rhein. 1945, am Ende des Krieges, brannte das alte Zollhaus nieder. Am 23. März 1945 besetzten amerikanische Truppen das Dorf. Viele Häuser waren beschädigt, einige abgebrannt. Am 1. April überquerten Truppen der 1. französischen Armee bei Leimersheim den Rhein.

1952 ließ die Gemeinde auf dem Friedhof eine Kapelle bauen zum Gedächtnis der 118 Leimersheimer Opfer des Zweiten Weltkrieges. 1955 wurde Leimersheim an das Wasserversorgungsnetz angeschlossen und die Ortsrufanlage installiert. 1956 erfolgte der Umbau der Rheinfähre, die fortan von einem Grundseil geführt wurde. 1957 wurde der neue Pfarrkindergarten eingeweiht.

1960 wurden die Rheindämme verstärkt erhöht. 1962 war Baubeginn bei Kanalisation und Kläranlage, 1963 wurden die ersten Gemeindestraßen asphaltiert. 1964 weihte der Bischof von Speyer die neue Kirche. 1974 wurde ein Feuerwehrhaus gebaut, 1975 der neue Kindergarten eingeweiht. 1978 beging die Gemeinde ihre 1200-Jahr-Feier.

1981 wurde ein bäuerliches Anwesen gekauft, in dem das Heimatmuseum „Fischerhaus“ Platz fand. 1983 wurde die Sport- und Freizeithalle eingeweiht, 1985 mit dem Bau des Tennisplatzes begonnen, 1987 das Rathaus renoviert. 1993 wurde die Ortsdurchfahrt ausgebaut und umgestaltet. 1998 gab die Bundeswehr die Brückenstelle am Rhein auf. Das Unterkunftsgebäude wurde abgerissen und die freigewordene Fläche mit Bäumen bepflanzt.

21. Jahrhundert

Der Rheinhauptdeich wurde 2001 für ca. 1,8 Millionen EUR umgebaut, die Kosten werden vom Land getragen. 2003 feierte Leimersheim das 1225-jährige Bestehen. 2009/10 wurden umfangreiche Dorferneuerungsmaßnahmen vorgenommen, darunter die Sanierung des Kindergartens, des Festplatzes oder der neue Dorfplatz im Dorfmittelpunkt bei der Kirche.

Einwohnerentwicklung

Religion

Im Februar 2015 waren 63,6 % der Einwohner katholisch und 15,0 % evangelisch. Die übrigen gehörten einer anderen Religion an oder waren konfessionslos.[2] Im Jahr 1871 waren von insgesamt 1333 Einwohnern 1218 katholisch (91 %), 7 evangelisch (< 1 %) und 108 jüdisch (8 %).[3]

Der katholischen Pfarrkirche St. Gertrud in der Ortsmitte benachbart ist ein Pfarrzentrum mit dem Pfarrsaal. Die Gemeinde gehört zur Pfarrei Hl. Theodard Rülzheim und liegt im Bistum Speyer (Dekanat Germersheim).

Politik

Gemeinderat

Der Gemeinderat in Leimersheim besteht aus 20 Ratsmitgliedern, die bei der Kommunalwahl am 25. Mai 2014 in einer personalisierten Verhältniswahl gewählt wurden, und dem ehrenamtlichen Ortsbürgermeister als Vorsitzendem.

Die Sitzverteilung im Gemeinderat:[4]

Wahl SPD CDU GRÜNE Gesamt
2014 4 13 3 20 Sitze
2009 5 12 3 20 Sitze
2004 5 13 2 20 Sitze

Wappen

Die Wappenbeschreibung lautet: „Ein schwarzes Hufeisen mit abwärts gerichteten Stollen und neun Nagellöchern, einen sechsstrahligen roten Stern umschließend, das Ganze von einer schwarzen Schnur mit Quasten überhöht.“

Seit 31. August 1841 führte die Gemeinde Leimersheim ein eigenes Wappen (schwarzes Hufeisen auf Gold). Die Herren von Fleckenstein besaßen bis 1720 die Grundherrschaft über das Dorf, traten diese jedoch an die Propstei Hördt ab. Auch dies sollte im neuen Gemeindewappen zum Ausdruck gebracht werden, so dass 1964 der Heraldiker Hauser aus Karlsruhe mit einem entsprechenden Entwurf beauftragt wurde. Die Neugestaltung hält sich eng an das alte Gerichtssiegel von 1701. Der Stern symbolisiert wahrscheinlich das alte Gericht, die schwarze Schnur vermutlich die Jahrhunderte zurückliegende Zugehörigkeit zur Propstei Hördt.

Partnerschaften

Jahrelang bestand eine Schulpartnerschaft mit der Schule im Dorf Limersheim im Elsass, etwa 100 Kilometer rheinaufwärts im Kanton Erstein gelegen. Sie beruhte vor allem auf der guten Beziehung der beiden Schulleiter und führte zu mehreren Austauschfahrten von Schulklassen.

Kultur und Sehenswürdigkeiten

Bauwerke

Hauptartikel: St. Gertrud (Leimersheim)

Die katholische Kirche St. Gertrud liegt im Ortszentrum. Während bereits 960 eine kleine Kirche urkundlich erwähnt wurde, entstand zwischen 1729 und 1732 eine spätbarocke Kirche, die aus Steinen der Klosterkirche Hördt gebaut wurde. Von dieser sind seit der Gebäudeerweiterung 1962 nur noch der Chorraum und der Hochaltar mit Bildern vom Letzten Abendmahl und der Patronin Gertrud von Nivelles erhalten. Der Neubau von 1962, ein Kirchenschiff in Zeltform, wurde von Erwin van Aaken (1904–2008) entworfen. Das helle Haus mit den großen Fenstern und den „schreitenden“ Giebeln nimmt Bezug auf die Inhalte des Zweiten Vatikanischen Konzils. Die Kirche umfasst ferner eine kleine Taufkapelle an der Westseite, eine Orgel mit 29 Registern (1969) und ein Geläut (Fis, A, H, Cis) von 1865, 1950 bzw. 1963.

Denkmäler und Skulpturen

  • Mahnmal mit Brunnen am Standort der ehemaligen Synagoge
  • Denkmal des Rheinfischers vor dem Bürgerhaus (2004), gestaltet von dem Lustadter Bildhauer Peter Brauchle
  • Kriegerdenkmal und Flaggenbaum in Form eines Schiffsmastes neben der katholischen Pfarrkirche
  • Marienstatue La Salette gegenüber dem Friedhofseingang
  • Denkmal für die Rheinquerung französischer Truppen bei Leimersheim am 2. April 1945 in Form eines Obelisken

Museen

  • Heimatmuseum „Fischerhaus“ (seit 1978)[5]

Regelmäßige Veranstaltungen

  • Das Maislabyrinth Leimersheim ist jedes Jahr ab etwa Juli geöffnet.
  • Am letzten Wochenende im September wird die Kirchweih (Kerwe) gefeiert.
  • Den Sonntag nach dem Namenstag des hl. Karl Borromäus (3. November) feiert die katholische Kirche als Buchsonntag. An diesem Tag findet die Buchausstellung der Katholischen Öffentlichen Bücherei (s Abschnitt Öffentliche Einrichtungen) statt.

Wirtschaft und Infrastruktur

Verkehr

Leimersheim gehört dem Verkehrsverbund Rhein-Neckar und dem Karlsruher Verkehrsverbund an und ist mit den Städten Landau und Germersheim durch Buslinien verbunden. Das überörtliche Straßennetz verknüpft das Dorf mit Neupotz und Kuhardt. Die Rheinfähre verbindet mit dem badischen Leopoldshafen. Fährschiffe waren in der Vergangenheit „Loreley“ und dann „St. Nikolaus“; aktuell versieht den Dienst die „Peter Pan“.

Öffentliche Einrichtungen

Katholische Öffentliche Bücherei (KÖB)

Bereits 1924 gegründet, wurde die Kath. Volksbücherei nach der staatlich verordneten Zwangspause während der Zeit des Nationalsozialismus 1950 wiederbelebt. In den 50er Jahren standen rund 800 Bände in einem Schulsaal unter der Leitung von Schwester Heriberta Vogelgesang zur Ausleihe bereit.

Im Jahresbericht 1960 sind Ausgaben von 2.500,- DM zur Erstellung eines Büchereiraumes vermerkt. Vermutlich zog dann die Kath. Bücherei auf die Bühne der zum Pfarrsaal umgebauten Scheune um.

Die Kath. Öffentl. Bücherei erhielt unter dem damaligen Ortspfarrer Paul Steeg 1981 erstmals einen eigenen Raum als Anbau an den Pfarrsaal (neben dem Gruppenraum). Hierfür werden die Kosten im Jahresbericht mit 6.561,55 DM beziffert.

Bereits 2011 wurde eine erste Kooperationsvereinbarung zwischen Kirchenstiftung (als Träger der Bücherei) und Ortsgemeinde geschlossen. Diese hatte die Errichtung größerer Räume durch einen privaten Investor zum Ziel. Die Räume sollten von der Ortsgemeinde langfristig angemietet und der Kirchenstiftung für die Büchereiarbeit überlassen werden. Diese Pläne konnten nicht realisiert werden. Daher modifizierten die Vertragspartner ihre Vereinbarung, so dass 2016 nach kleinerem Umbau der Umzug der Bücherei in die Grundschule erfolgte.

Grundschule

In Leimersheim befindet sich die Kardinal-Wendel-Schule, eine einzügige Grundschule. Das heutige Gebäude in der Abraham-Weil-Straße 2a (bis 2015 postalisch "Am Festplatz 4") wurde 1956 als achtklassige Volksschule erbaut.

Sport- und Freizeitanlagen

  • Rasenplätze des Fußballclubs Leimersheim mit 100-m-Laufbahn, Sprunggrube, Basketballfeld, Beachvolleyballfeld
  • Sport- und Freizeithalle (Rheinstraße)
  • Kulturkreishalle (St.-Gertrudis-Straße)
  • Schulturnhalle
  • Bademöglichkeit an Baggerseen
  • Bürgerhaus Leimersheim (seit 2003, eingeweiht anlässlich der 1225-Jahr-Feier der Gemeinde)
  • Yachthafen

Persönlichkeiten

Ehrenbürger und ehemalige Ehrenbürger

  • Abraham Weil (* 30. Januar 1834 in Ellerstadt, † 17. Februar 1900 in Oppau), Gründer und Leiter der ersten gemeindlichen Sparkasse
  • Pfarrer Nikolaus Nagel († 19. Juli 1969 in Speyer)
  • Carl Joseph Hodapp († 15. Oktober 1976 in Römerberg), Begründer der ersten Ortschronik (1960) von Leimersheim
  • Walter Kling († 25. Dezember 2001 in Leimersheim), langjähriger Rektor der Leimersheimer Schule und Bürgermeister
  • Pfarrer Paul Johannes Steeg (* 22. September 1913; † 4. August 1986), Priester seit 1939, erhielt die Ehrenbürgerschaft für sein besonderes Bemühen um Kranke und Schwache in der Gemeinde.
  • Schwester M. Miguela (Luise Keller) wirkte von 1963 bis 2011 als Krankenschwester in der Missionsstation des Institut St. Dominikus in Akwatia (Ghana).
  • Hugo Dörrler (* 1937), Ortsbürgermeister von 1972 bis 2004
  • Während der Zeit des Nationalsozialismus wurden Adolf Hitler, Paul von Hindenburg und Gauleiter Josef Bürckel zu Ehrenbürgern ernannt. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurden diese Ehrenbürgerschaften wieder aberkannt.

Söhne und Töchter der Gemeinde

Personen, die vor Ort gewirkt haben

Bildergalerie

Literatur

  • Ernst Marthaler: Leimersheim. Die Geschichte eines pfälzischen Dorfes am Rhein. 778–2003. Ortsgemeinde Leimersheim, Leimersheim 2002.
  • Anton Kuhn (Hrsg.): Die Schmuggleraffäre zu Leimersheim 1811–1814. Eine regionalgeschichtliche Untersuchung, erarbeitet auf der Grundlage eines auf Archivstudien beruhenden Typoskripts von André Raymond Weschler aus Roeschwoog im Elsass. Ortsgemeinde Leimersheim, Leimersheim 2011, ISBN 978-3-9805623-3-1.
  • Bilder vom Gestern. Leimersheim mit den Augen des Chronisten Ernst Marthaler. Ausstellung des Förderkreises für Heimat- und Brauchtumspflege Leimersheim. Heimatmuseum Fischerhaus Leimersheim, 9. bis 11. März 2012. Ortsgemeinde Leimersheim, Leimersheim 2012.

Weblinks

 Commons: Leimersheim  – Sammlung von Bildern

Einzelnachweise

  1. Statistisches Landesamt Rheinland-Pfalz – Anzahl der Einwohner in den Kommunen am 31. Dezember 2014 (Hilfe dazu).
  2. Ewois Stand: 28. Februar 2015
  3. Ergebnisse der Volkszählung im Königreiche Bayern vom 1. Dezember 1871 nach einzelnen Gemeinden, 1873, S. 64
  4. Der Landeswahlleiter Rheinland-Pfalz: Kommunalwahl 2014, Stadt- und Gemeinderatswahlen
  5. Webpräsenz des Heimatmuseums „Fischerhaus“

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