Leibliche Aufnahme Mariens in den Himmel - LinkFang.de





Leibliche Aufnahme Mariens in den Himmel


Die leibliche Aufnahme Mariens in den Himmel ist ein am 1. November 1950 durch Papst Pius XII. verkündetes Dogma der römisch-katholischen Kirche. Die Dogmatisierung wurde in der apostolischen Konstitution Munificentissimus Deus bekanntgegeben.

Dogma

Die Definition des Dogmas in Munificentissimus Deus lautet:

„Wir verkünden, erklären und definieren es als ein von Gott geoffenbartes Dogma, dass die Unbefleckte, allzeit jungfräuliche Gottesmutter Maria nach Ablauf ihres irdischen Lebens mit Leib und Seele in die himmlische Herrlichkeit aufgenommen wurde.“[1]

Papst Paul VI. fasste das Glaubensgeheimnis von der leiblichen Aufnahme Mariens in den Himmel so im Credo des Gottesvolkes vom 30. Juni 1968 zusammen:

„Verbunden in einer ganz innigen und unauflöslichen Weise mit dem Geheimnis der Menschwerdung und Erlösung, wurde die allerseligste Jungfrau, die unbefleckt Empfangene, am Ende ihres irdischen Lebens mit Leib und Seele in die Herrlichkeit des Himmels aufgenommen und – in Vorausnahme des künftigen Loses aller Gerechten – ihrem auferstandenen Sohne in der Verklärung angeglichen.“

Diese Formulierung wiederholt das Zweite Vatikanische Konzil in Lumen Gentium Nr. 59 fast wörtlich.[2]

Das Dogma kann als logische Folgerung aus dem Dogma der unbefleckten Empfängnis Mariens angesehen werden, in dem ausgesagt wird, dass Maria ohne Erbsünde empfangen wurde. Da Maria, die Mutter Jesu, schon vor der Geburt von jedem Makel der Erbsünde bewahrt worden ist, hat sie bereits zu Lebzeiten auf der Erde dem göttlichen Bild des Menschen voll und ganz entsprochen, sodass sie beim Übergang ins ewige Leben keiner Läuterung mehr bedarf. Maria nimmt das vorweg, was alle Gerechten bei der Auferstehung am Jüngsten Tag erwartet. Der Vollendung des irdischen Lebens folgte die Aufnahme in das Himmelreich mit Leib und Seele.

Geschichte

In der Ostkirche kennt man seit dem 6., im Westen seit dem 7. und 8. Jahrhundert das Fest der Entschlafung Marias (Koimesis bzw. Dormitio).[3] Als lehramtliche Äußerung in der lateinischen Kirche werden die von Papst Alexander III. in seinem Brief Ex litteris tuis aus dem Jahr 1169 hervorgehoben, in dem es heißt: „Maria […] migravit sine corruptione“[4]; zudem die Aufnahme entsprechender Texte bei der Brevierreform durch Papst Pius V. (1568).[3]

Papst Pius XII. wandte sich am 1. Mai 1946 an alle Bischöfe mit der Bitte um ein Votum, ob die leibliche Aufnahme Mariens als Dogma zu verkündigen sei. Die Anfrage wurde zuerst als Brief veröffentlicht und später in den Acta Apostolicae Sedis als Enzyklika Deiparae Virginis Mariae[5] gedruckt. Das Ergebnis (22 Gegenstimmen bei 1181 Bischöfen) ermutigte ihn, die Lehre von der leiblichen Aufnahme Mariens dogmatisch zu verkündigen.

Die Orthodoxie teilt den im Dogma festgehaltenen Glauben, steht aber „vor allem unter dem formalen Gesichtspunkt der Inanspruchnahme der päpstlichen Autorität und Unfehlbarkeit in Distanz“ zu dieser Lehraussage.[6]

Begründung

Historische Zeugnisse allgemein

„Historisch sichere Nachrichten über Ort, Zeitpunkt und Art ihres (Mariens) Tod existieren nicht“.[7]

Biblische Begründung

Für die leibliche Aufnahme Marias in den Himmel „gibt es kein direktes biblisches Zeugnis“.[8]

In der Theologie ist es umstritten, inwieweit das Dogma „als explizit oder implizit geoffenbart zu gelten habe, ob es formell oder bloß virtuell in der Hl. Schrift enthalten sei“.[9]

Folgende Belegstellen werden von der katholischen Dogmatik (unter anderen) als Anklänge angeführt:

  • „Erheb dich, Herr, komm an den Ort deiner Ruhe, du und deine machtvolle Lade!“ (Ps 132,8 EU ) . Die hier erwähnte aus unverweslichem Holz gefertigte Bundeslade sei als Wohnung Gottes auf Erden ein Bild des unverweslichen Leibes Mariens.
  • „Der Tempel Gottes im Himmel wurde geöffnet, und in seinem Tempel wurde die Lade seines Bundes sichtbar.“ (Offb 11,19 EU )
  • „Wer ist die, die aus der Steppe heraufsteigt, auf ihren Geliebten gestützt?“ (Hld 8,5 EU )

Auch die sonnenumkleidete Frau aus der Apokalypse des Johannes (Offb 12,1 EU ) und die Gnadenfülle Mariens (Lk 1,28 EU ) werden als Hinweise auf die leibliche Aufnahme und Verherrlichung Mariens gedeutet.

Erläuterung

Positiver Gehalt

Die Aufnahme Mariens in den Himmel bedeutet, „dass sie nach Beendigung ihres irdischen Lebens in den Zustand gelangt ist, in den die übrigen Gläubigen erst nach der Auferstehung am Jüngsten Tag kommen werden“[10] bzw. in den Zustand, in den die am Jüngsten Tag lebenden Menschen verwandelt werden.[11]

Als Kernaussage des Dogmas wird angesehen, dass Maria auf Grund ihrer einzigartigen Verbindung mit der Erlösungstat Christi „auch an der Auferstehungsgestalt Christi als die Ersterlöste und Vollerlöste teil[nimmt]. So ist sie Typus der ganzheitlichen Hinordnung des Menschen auf Gott […] [und] die prototypisch und exemplarisch Erlöste“.[12]

Offen gelassene Fragen

  • Das Dogma lässt die theologisch kontroverse Frage offen, ob Maria gestorben und die Aufnahme eine Vorwegnahme der allgemeinen Auferstehung ist oder ob „die Aufnahme als Vorereignis der Verwandlung der bei der Wiederkunft Christi noch Lebenden zu verstehen ist.“[10]
  • Das Dogma lässt auch die Frage offen, wie die Identität des verklärten und des irdischen Leibes Mariens zu sehen ist.[11] Maria soll „einfach als [...] Vorverherrlichte gekennzeichnet sein“.[11] Es besteht insoweit „keine direkte Parallele zur Frage nach der Einheit des irdischen und des verklärten Leibes Jesu“, die „durch die pneumatische Leiblichkeit Jesu in den Ostererscheinungen manifestiert“ ist.[12]
  • Ebenso bleibt offen, ob auch andere Heilige das Privileg einer Vorverherrlichung genießen.[12][11]

Liturgie

Die römisch-katholische Kirche feiert dieses Glaubensgeheimnis am Hochfest Mariä Aufnahme in den Himmel (umgangssprachlich auch Mariä Himmelfahrt) am 15. August.

Literatur

  • Franz Courth: Aufnahme Marias in den Himmel. In: Walter Kasper (Hrsg.): Lexikon für Theologie und Kirche (LThK). 3. Auflage. Band 1. Herder, Freiburg im Breisgau 1993, Sp. 1216–1220.
  • Gerhard Ludwig Müller: Katholische Dogmatik: für Studium und Praxis der Theologie. 2. Aufl. der Sonderausgabe (7. Gesamtauflage 2005). Herder: Freiburg, Basel, Wien 2007, S. 505–508.

Weblinks

 Commons: Aufnahme Mariä in den Himmel  – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. DH 3903
  2. Katechismus der Katholischen Kirche (1997), Nr. 966 [1] .
  3. 3,0 3,1 Müller: Katholische Dogmatik; S. 506.
  4. DH 748
  5. Deiparae Virginis Mariae. Vatican.va, abgerufen am 19. August 2014.
  6. Müller: Katholische Dogmatik; S. 508.
  7. Müller: Katholische Dogmatik; S. 505 f.
  8. Deutsche Bischofskonferenz (Hrsg.): Katholischer Erwachsenenkatechismus. Band 1: Das Glaubensbekenntnis der Kirche. (1985), S. 180 [2]
  9. Courth: Aufnahme Marias in den Himmel; Sp. 1216.
  10. 10,0 10,1 Anton Ziegenaus: Maria in der Heilsgeschichte. Mariologie. MM Verlag, Aachen 1998 (Scheffczyk/Ziegenaus: Katholische Dogmatik. Bd. V), S. 309.
  11. 11,0 11,1 11,2 11,3 Johann Auer: Jesus Christus – Heiland der Welt; Maria – Christi Mutter im Heilsplan Gottes. Pustet: Regensburg 1988 (Auer/Ratzinger: Kleine Katholische Dogmatik. Bd. IV/2), S. 455.
  12. 12,0 12,1 12,2 Müller: Katholische Dogmatik, S. 507.

Kategorien: Religion 1950 | Mariendogma | Pius XII.

Quelle: Wikipedia - http://de.wikipedia.org/wiki/Leibliche Aufnahme Mariens in den Himmel (Vollständige Liste der Autoren des Textes [Versionsgeschichte])    Lizenz: CC-by-sa-3.0

Änderungen: Alle Bilder mit den meisten Bildunterschriften wurden entfernt. Ebenso alle zu nicht-existierenden Artikeln/Kategorien gehenden internen Wikipedia-Links (Bsp. Portal-Links, Redlinks, Bearbeiten-Links). Entfernung von Navigationsframes, Geo & Normdaten, Mediadateien, gesprochene Versionen, z.T. ID&Class-Namen, Style von Div-Containern, Metadaten, Vorlagen, wie lesenwerte Artikel. Ansonsten sind keine Inhaltsänderungen vorgenommen worden. Weiterhin kann es durch die maschinelle Bearbeitung des Inhalts zu Fehlern gerade in der Darstellung kommen. Darum würden wir jeden Besucher unserer Seite darum bitten uns diese Fehler über den Support mittels einer Nachricht mit Link zu melden. Vielen Dank!

Stand der Informationen: August 201& - Wichtiger Hinweis: Da die Inhalte maschinell von Wikipedia übernommen wurden, ist eine manuelle Überprüfung nicht möglich. Somit garantiert LinkFang.de nicht die Richtigkeit und Aktualität der übernommenen Inhalte. Sollten die Informationen mittlerweile fehlerhaft sein, bitten wir Sie darum uns per Support oder E-Mail zu kontaktieren. Wir werden uns dann innerhalb von spätestens 10 Tagen um Ihr Anliegen kümmern. Auch ohne Anliegen erfolgt mindestens alle drei Monate ein Update der gesamten Inhalte.