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Least Developed Countries


Least Developed Countries (LDC, deutsch am wenigsten entwickelte Länder) ist ein von den Vereinten Nationen definierter sozialökonomischer Status, den eine Gruppe von 48 besonders armen Ländern überall in der Welt besitzt. Diese am wenigsten entwickelten Länder der Welt werden auch als Vierte Welt bezeichnet.

Begriffsklärung

Die Bezeichnung Least Developed Countries wird fälschlicherweise oft synonym mit den Begriffen Less Developed Countries, Developing Countries oder Dritte-Welt-Länder gebraucht. Dabei ist aber zu beachten, dass Least Developed Countries weitaus entwicklungsbedürftiger als Less Developed Countries (auch Developing Countries) sind. Dritte-Welt-Länder hingegen umfassen ein viel breiteres Spektrum an Ländern.

Die Abkürzung LDC für Least Developed Countries wird oft auch mit LLDC angegeben, um Verwechslungen mit den Less Developed Countries auszuschließen, was aber wiederum Verwechslungen mit der Abkürzung LLDC für Landlocked Developing Countries mit sich bringt. Deswegen werden die Less Developed Countries meist ausweichend als Developing Countries bezeichnet. Viele Behörden wie das Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) oder sogar einige UN-Organisationen machen allerdings keinen Unterschied zwischen LDC und LLDC.

Für den deutschen Sprachgebrauch hat das BMZ mittlerweile aufgrund der umständlichen Übersetzung die englische Abkürzung „LDC“ oder den unbestimmten Begriff „Entwicklungsland“ festgelegt. Die Schweizer Direktion für Entwicklung und Zusammenarbeit (DEZA) vermeidet den Begriff „Entwicklungsland“ zugunsten der Bezeichnung „Partnerland“.

Kriterien

Bis 1990 wurden als ausschlaggebende Kriterien für die Einstufung als LDC das Pro-Kopf-Einkommen, der Anteil der Industrie am Bruttoinlandsprodukt (BIP) und die Alphabetisierungsrate herangezogen.

Dieser Kriterienkatalog wurde 1991 von vier neuen, umfassenden Kriterien abgelöst, um auch langfristige Entwicklungshemmnisse wie z. B. Strukturschwächen und niedriges Niveau der Entwicklung menschlicher Ressourcen bei der Beurteilung berücksichtigen zu können.

Bei seinem letzten Review der Liste der LDCs im Jahr 2009 verwendete das Komitee für Entwicklungspolitik die folgenden drei Kriterien für ihre Einordnung:

  1. Bruttonationaleinkommen pro Kopf im Dreijahres-Durchschnitt von weniger als 992 US$ als Aufnahmekriterium und von über 1.190 US$ als Aufstiegskriterium.
  2. Human Assets Index (HAI) – liefert Aussagen über soziale Merkmale wie Gesundheit und Bildung. Historisch ersetzt er den früheren Augmented Physical Quality of Life Index (APQLI). Er macht Angaben zur Kalorienzufuhr pro Kopf in % des Minimalbedarfs, zur Kindersterblichkeitsrate, zur Alphabetisierungsrate unter Erwachsenen und zur Einschulungsrate in Sekundarschulen.
  3. Economic Vulnerability Index (EVI) – beschreibt die Verwundbarkeit von Gesellschaften und ersetzt den alten Economic Diversification Index (EDI). Er orientiert sich an den Exporten, der Instabilität der Exporterlöse, der Agrarproduktion und dem Anteil von verarbeitender Industrie und Dienstleistungen am BIP.

Um der Liste hinzugefügt zu werden, müssen alle drei Kriterien erfüllt sein. Zusätzlich, da die fundamentale Bedeutung der Liste ist, strukturelle Nachteile zu erkennen,- so auch zahlenmäßig zu kleine Volksgemeinschaften, – darf die Einwohnerzahl 75 Mio. Menschen nicht übersteigen.[1]

Von der Liste der LDCs kann ein Land gestrichen werden, wenn es die (oberen) Grenzwerte von mindestens zwei der drei erstgenannten Kriterien in mindestens zwei aufeinanderfolgenden Überprüfungen überschreitet.

Die differenzierten zugrundeliegenden Indikatoren genießen weltweit eine hohe Akzeptanz. Kritisiert wird allerdings der Bevölkerungsindikator, aufgrund dessen diese Einteilung wenig über die tatsächliche Verteilung von Armut in der Welt aussagt, die mögliche politische Instrumentalisierung dieser Klassifizierung und, dass die Einteilung sehr aufwendig zustande kommt.

Die Aufnahme in die LDC kann für den betroffenen Staat durchaus begehrt sein, da in den Geberländern die Qualität der Entwicklungspolitik oft an ihrer Ausrichtung auf die LDC-Staaten gemessen wird. Daher erhalten diese bevorzugt nichtrückzuzahlende Zuschüsse (Grants) oder Kredite zu günstigeren Bedingungen (International Development Association, IDA).

Die Bezeichnung „Least Developed Countries“ lehnt sich stark an den sogenannten Human Development Index (HDI) an, der jedes Jahr im Rahmen des Entwicklungsprogrammes der UNO erstellt wird, um die Entwicklung eines Landes in Hinblick auf wirtschaftliche und soziale Kriterien zu messen. In diesem Kontext bezeichnen Least Developed Countries die Gruppe der Länder, die am Ende dieses Index’ liegt. Es ist allerdings umstritten, ob die Kriterien des HDI wirklich eine Einordnung in einen Index rechtfertigen, beziehungsweise ob eine solche Einordnung überhaupt möglich ist, weshalb die Bezeichnung Least Developed Countries ebenfalls umstritten ist.

Gemeinsam mit den Entwicklungsländern ohne Zugang zum Meer (Landlocked Developing Countries, LLDC) und denen auf kleinen Inseln gelegenen Entwicklungsländern (Small Island Developing States, SIDS) werden die LDCs seit 2001 von einem Hohen Vertreter des OHRLLS („Office of the High Representative for Least Developed Countries, Landlocked Developing Countries and Small Island Developing States“) repräsentiert. Aufgrund einer Resolution der UN-Vollversammlung wurde dieses Büro am Sitz der Weltorganisation in New York eingerichtet, um bei den verschiedenen Aktionsprogrammen für diese Ländergruppen koordinierend zu helfen. Ein internationaler Politikbereich, wo diese Ländergruppen eine besondere Aufmerksamkeit erfahren, ist die internationale Klimapolitik. Bereits in der Klimarahmenkonvention (UNFCCC) wurde vereinbart, dass die Vertragsstaaten in Bezug auf Klimafinanzierung und Technologietransfer die Bedürfnisse der LDCs besonders berücksichtigen sollen. So gibt es im UNFCCC-Prozess besondere Unterstützung für die LDCs, durch die Bereitstellung von Informationen, durch Beratung bei der Planung der Anpassung an die globale Erwärmung und durch einen speziellen Finanzmechanismus, den "Least Developed Countries Fund (LDCF)".[2]

Aktuelle LDCs

Asien Afrika
Afghanistan Afghanistan* Angola Angola Mauretanien Mauretanien
Bangladesch Bangladesch Äquatorialguinea Äquatorialguinea Mosambik Mosambik
Bhutan Bhutan* Athiopien Äthiopien* Niger Niger*
Jemen Jemen Benin Benin Ruanda Ruanda*
Kambodscha Kambodscha Burkina Faso Burkina Faso* Sambia Sambia*
Laos Laos* Burundi Burundi* Sao Tome und Principe São Tomé und Príncipe**
Kongo Demokratische Republik Demokratische Republik Kongo Senegal Senegal
Myanmar Myanmar Dschibuti Dschibuti Sierra Leone Sierra Leone
Nepal Nepal* Eritrea Eritrea Somalia Somalia
Osttimor Osttimor** Gambia Gambia Sudan Sudan
Ozeanien Guinea Guinea Sudan Sud Südsudan*
Kiribati Kiribati** Guinea-Bissau Guinea-Bissau** Tansania Tansania
Salomonen Salomonen** Komoren Komoren** Togo Togo
Samoa Samoa** Lesotho Lesotho* Tschad Tschad*
Tuvalu Tuvalu** Liberia Liberia Uganda Uganda*
Vanuatu Vanuatu** Madagaskar Madagaskar Zentralafrikanische Republik Zentralafrikanische Republik*
Karibik Malawi Malawi* * auch in der Gruppe der LLDC
** auch in der Gruppe der SIDS
Haiti Haiti** Mali Mali*

Quelle:[3][4]

Siehe auch

Weblinks

Einzelnachweise

  1. Webseite UN-OHRLLS
  2. Webseite UNFCCC
  3. List of Least Developed Countries (as of May 2016) , United Nations Committee for Development Policy
  4. LDC Country Information , UNFCCC

Kategorien: Entwicklungsgeographie | Vereinte Nationen | Least Developed Country

Quelle: Wikipedia - http://de.wikipedia.org/wiki/Least Developed Countries (Vollständige Liste der Autoren des Textes [Versionsgeschichte])    Lizenz: CC-by-sa-3.0

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