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Lavarone


Lavarone
Staat: Italien
Region: Trentino-Südtirol
Provinz: Trient (TN)
:
Höhe: 1100 m s.l.m.
Einwohner: 1.138 (31. Dez. 2015)[1]
Postleitzahl: 38046
Vorwahl: 0464
ISTAT-Nummer: 022102

Lavarone (zimbrisch Lavròu, deutsch Lafraun) ist eine Gemeinde mit 1138 Einwohnern (Stand 31. Dezember 2015 ) auf der gleichnamigen Hochebene in der Provinz Trient (Welsch-Tirol) in heutigen Italien. Es gibt keinen eigentlichen Ort, der Lavarone genannt wird. Vielmehr besteht die Gemeinde aus den 19 Fraktionen Albertini, Azzolini, Bertoldi, Birti, Cappella, Chiesa, Gasperi, Gionghi, Lanzino, Lenzi, Longhi, Magrè, Masetti, Nicolussi, Oseli, Piccoli, Rocchetti, Slaghenaufi und Stengheli. Die Bezeichnung Lavarone ist (vor-)romanischen Ursprungs und leitet sich vermutlich von „làvara“ („flacher Stein“, „Felsplatte“) her. Die Gemeinde grenzt an die drei Trentiner Gemeinden Caldonazzo, Folgaria und Lusern sowie im Süden an die Provinz Vicenza.

Wirtschaft

Die Gemeinde lebt hauptsächlich vom Tourismus. Im Winter eignet sich die Hochfläche sehr gut für den Skilanglauf, im Sommer zum Wandern und für Mountainbiking. Außerdem spielt in Lavarone die Käseproduktion eine Rolle (Vézzena DOP).

Lavarone und die Psychoanalyse

Die Gemeindebibliothek in Gionghi ist nach Sigmund Freud benannt, der 1904, 1906, 1907 und 1923 Urlaube in Lavarone verbrachte und Spaziergänge rund um den See von Lavarone machte.[2] 1990 wurde in Gionghi das Studienzentrum Gradiva für angewandte Psychoanalyse gegründet, das jährliche Kongresse unter dem Motto "Die Grenzen der Psychoanalyse" organisiert.

Erster Weltkrieg

Lavarone lag im Frontgebiet des Ersten Weltkriegs. In der näheren Umgebung gibt es mehrere österreichisch-ungarische Festungsbauten, unter anderem das Werk Gschwent. Luis Trenker war einem von April 1915 bis zu seiner Verwundung 1916 dort stationiert. Nach dem Kriegseintritt Italiens 1915 wurden die Bewohner Lavarones mit dem Argument der Sicherheit, aber auch, weil die österreichische Führung Verrat durch die Italiener gewittert hatte[3], unter anderem nach Braunau am Inn deportiert.

Sprache

Lavarone war bis ins 20. Jahrhundert hinein gemeinsam mit der Nachbargemeinde Folgaria Teil einer heute nur noch aus der Gemeinde Lusern bestehenden Zimbrischen Sprachinsel im Trentino. Es wird angenommen, dass die Siedler aus den Dreizehn Gemeinden oder eher aus den näher gelegenen und siedlungsgeschichtlich älteren Sieben Gemeinden auf der Hochfläche von Sleghe / Asiago kamen. Heute ist der deutsche Dialekt als Muttersprache durch die italienische Sprache vollständig verdrängt. Zahlreiche Flurnamen und lokale Bezeichnungen lassen noch die zimbrische Geschichte der Orte erkennen.

In Lavarone und Folgaria wurde bis Anfang des 20. Jahrhunderts noch zimbrisch gesprochen, doch während der Faschistenzeit (1922–1943) wurden alle zimbrischen Traditionen und die Sprache im öffentlichen und privaten Bereich infolge der Politik der Italianisierung durch Mussolini und Ettore Tolomei unterdrückt und verboten.

Seitdem 2006 die Volksschule von Lusern wegen zu geringer Schüleranzahl schließen musste, besuchen die Luserner Kinder die Volksschule in Lavarone. Hier wird die zimbrische Sprache als Wahlfach unterrichtet: Von diesem Angebot machen auch viele Kinder aus Lavarone und aus den Nachbardörfern Gebrauch, obwohl das Zimbrische hier schon seit Jahrzehnten ausgestorben ist.

Einzelnachweise

  1. Statistiche demografiche ISTAT. Monatliche Bevölkerungsstatistiken des Istituto Nazionale di Statistica, Stand 31. Dezember 2015.
  2. Ernest Jones: The Life and Work of Sigmund Freud. (1953)
  3. Florian Kotanko auf Braunauer Zeitgeschichte Tage - hrb.at

Weblinks

 Commons: Lavarone  – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Kategorien: Lavarone | Gemeinde im Trentino

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