Lauter (Lauter-Bernsbach) - LinkFang.de





Lauter (Lauter-Bernsbach)


Lauter
Höhe: 480 m
Fläche: 21,55 km²
Einwohner: 4707 (31. Dez. 2011)
Bevölkerungsdichte: 218 Einwohner/km²
Eingemeindung: 1. Januar 2013
Postleitzahl: 08315
Vorwahl: 03771

Lage von Lauter in

Lauter ist ein Ortsteil der am 1. Januar 2013 gebildeten Stadt Lauter-Bernsbach im sächsischen Erzgebirgskreis, dessen Geschichte bis zum 12. Jahrhundert verfolgt werden kann. Im Jahr 1962 wurde Lauter das Stadtrecht verliehen. Die Stadtverwaltung wirbt mit dem Zusatz Stadt der Vogelbeere.

Lage

Lauter erstreckt sich auf einer Fläche von 21,55 km² und liegt zwischen den beiden Städten Aue und Schwarzenberg. Durch die Stadt führt die Bundesstraße 101 als Silberstraße und durch den südwestlichen Stadtteil die Staatsstraße S 228. Lauter ist mit einem Bahnhof an die Regionalbahn-Verbindung ZwickauJohanngeorgenstadt der Erzgebirgsbahn – die sich aus den Teilstrecken Zwickau–Schwarzenberg und Schwarzenberg–Johanngeorgenstadt zusammensetzt – angeschlossen. Er befindet sich im Tal des Schwarzwassers.

Geschichte

Gründung und Entwicklung

Der Ort wurde vermutlich am Ende des 12. Jahrhunderts als Waldhufendorf am westlichen Hang des Schwarzwassertals angelegt und 1460/62 im Terminierbuch der Zwickauer Franziskaner als Lawther erstmals urkundlich erwähnt.[1] Weitere frühere Namensformen lauten Lawte (1501) und Lauttera (1509). Die Ortsnamen leiten sich vom Namen des Baches die Lauter ab, der heute nicht mehr benutzt wird.

Neben der Landwirtschaft und der Flößerei waren der Bergbau – vor allem die Zinnerzgewinnung – und die Korbmacherei Haupterwerbsquellen der Bevölkerung. Im Hussitenkrieg, im Bauernkrieg und dem Dreißigjährigen Krieg wurde auch Lauter nicht verschont, Zerstörungen und Verwüstungen führten zur Stagnation der Einwohnerzahl.

Wirtschaftlicher Aufschwung

Zu Beginn des 18. Jahrhunderts waren kursächsische Laboranten im Auftrag August des Starken ausgeschickt worden, um Fundstellen von Heilkräutern und -wurzeln ausfindig zu machen. Daraus sollte – ähnlich wie im alten China – ein Elixier hergestellt werden, das ein langes und gesundes Leben versprach. Die Kräutermänner gründeten in Lauter eine Manufaktur, in der nach Geheimrezepturen Heil- und Hausmittel erzeugt wurden. Sie eröffneten im Jahr 1734 die Destillerie Lautergold und sorgten so mit für den wachsenden Wohlstand der Einwohner.[2]

Seit der im 19. Jahrhundert einsetzenden Industrialisierung bei gleichzeitigem Niedergang des Bergbaus in der Region siedelten sich mehrere Maschinen-, Metall- und Holzverarbeitungsbetriebe sowie ein Emaillierwerk an. Außerdem entstanden Wäsche- und Papierfabriken.

Das 20. Jahrhundert

In den beiden Weltkriegen wurden auch Lauterer Einwohner zum Kriegsdienst einberufen und mussten ihr Leben lassen, woran ein entsprechendes Kriegerdenkmal erinnert.

Durch die SAG/SDAG Wismut wurden ab 1947 im Steinbruch Weidauer ein Stolln und ein Tiefschurf aufgefahren. Eine vorgefundene Uranglimmervererzung wurde abgebaut und die Arbeiten eingestellt. Zwischen 1950 und 1952 wurden am Nordost-Hang des Burkhardtswaldes ein Erzvorkommen mit dem Schacht 329 sowie mit 8 Stolln und 4 Tiefschürfen untersucht und 2,1 t Uran abgebaut.

Im Jahr 1962 wurde Lauter das Stadtrecht verliehen.

Einwohnerentwicklung

Folgende Einwohnerzahlen beziehen sich auf den 31. Dezember des voranstehenden Jahres; nach 1990 mit Gebietsstand vom Januar 2007:

1962 bis 1988

  • 1962 – 9500 *)
  • 1982 – 6778
  • 1983 – 6659
  • 1984 – 6567
  • 1985 – 6457
  • 1986 – 6299
  • 1987 – 6200
  • 1988 – 6107

1989 bis 1995

  • 1989 – 5880
  • 1990 – 5589
  • 1991 – 5442
  • 1992 – 5399
  • 1993 – 5328
  • 1994 – 5499
  • 1995 – 5401

1996 bis 2002

  • 1996 – 5303
  • 1997 – 5283
  • 1998 – 5255
  • 1999 – 5185
  • 2000 – 5199
  • 2001 – 5135
  • 2002 – 5103

2003 bis 2009

  • 2003 – 5066
  • 2004 – 5007
  • 2005 – 4968
  • 2006 – 4927
  • 2007 – 4872
  • 2009 – 4803
Quellen: *): Homepage der Stadt; sonst: Statistisches Landesamt des Freistaates Sachsen

Wappen

Das Zentrum des Wappenschildes bildet eine Tanne, die den Waldreichtum der Stadt und ihrer Umgebung verkörpert. Um das Wurzelwerk legt sich Farnkraut als Symbol für die Flussaue, auf der Lauter einst entstand. Das Blattwerk rechts und links des Nadelbaumfußes charakterisiert die Früchte und Heilkräuter des Waldes. Eine rote umgebende Perlenschnur symbolisierte den früheren Erzreichtum der Stadt. – Wer das Wappen gestaltete, ist nicht überliefert, es wird auf Entwürfe von Volkskünstlern zurückgeführt.[3] Im Zuge der Umsetzung bundesdeutscher Wappengestaltungen verschwand die Perlenschnur aus dem offiziellen Stadtwappen.

Wirtschaft

Seit den späten 1990er Jahren gibt es in der Stadt keine größeren Industriebetriebe mehr. Erhalten oder etabliert haben sich dagegen das Emaillierwerk, die Spankorbherstellung, die Likörfabrik. Handwerker, Klein-Gewerbetreibende und etliche Gasthäuser (wie die Morgenleithe oder die Pension Danelchristelgut) tragen zur Wirtschaftsstärkung von Lauter bei.

Verkehr

Durch Lauter führt die Bundesstraße 101. Der Ort hat einen Haltepunkt an der Bahnstrecke Schwarzenberg–Zwickau, über die die Erzgebirgsbahn von Johanngeorgenstadt nach Zwickau verkehrt.

Bildung und Kultur

Schule

Im Jahr 1899 wurde eine neue Gemeindeschule eröffnet, die heute die Oberschule der Stadt ist und den Namen Heinrich-Heine-Schule trägt.

Kommunale Einrichtungen

Hierzu zählen ein Kinderhaus, eine Jugendbegegnungsstätte, die Stadtbibliothek und ein Kulturhaus. Im Zusammenhang mit der Errichtung der Industriebetriebe entstand die Freiwillige Feuerwehr Lauter, die es auch heute noch gibt.

Museum

Aus dem im 18. Jahrhundert gegründeten Stammhaus der Likörfabrik, die in der DDR gut bekannte Liköre wie Bergmannsgold, Steinholder, Vugelbeertroppn oder Lauterer Tropfen unter dem Fabriknamen Lautergold erzeugte, ging nach 1990 das Spirituosenmuseum Alte Laborantenkunst hervor. Es bezeichnet sich selbst als „kleinste und funktionstüchtige Spirituosenfabrik Deutschlands“. In der Museumsschau können Interessenten den Produktionsprozess auf funktionierenden historischen Gerätschaften hautnah verfolgen. Verkostung und Verkauf der heutigen Produkte beschließen einen Besuch.[2]

Kunstgalerie

Eine privat geführte Kunstgalerie (Rathausstraße) rundet neben den verschiedenen Stadtfesten die Kulturangebote ab.

Sehenswürdigkeiten, Sport, Veranstaltungen

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Blick auf Lauter im Schwarzwassertal (rechts der Bildmitte)

Rathaus

Im Stadtzentrum lädt das historische Rathaus aus dem Jahre 1875 zu einer Besichtigung. Es diente im 19. Jahrhundert als Schule.

Postmeilensäule

Eine früher in Aue vorhanden gewesene kursächsische Postmeilensäule wurde nach 1990 rekonstruiert und 1995 im Zentrum von Lauter neu aufgestellt.

Kirchen

Vier kirchliche Einrichtungen befinden sich im Ort, das sind:

  • Die Pfarrkirche im Zentrum der Stadt (Pfarrstraße) geht auf eine um 1250 hier nachgewiesene Dorfkirche zurück. Das jetzige evangelisch-lutherische Gotteshaus wurde 1628 fertiggestellt und inzwischen mehrfach restauriert.
  • eine Landeskirchliche Gemeinschaft (Dietrich-Bonhoeffer-Straße)
  • eine Evangelisch-Freikirchliche Gemeinde (Antonsthaler Straße)[4] und
  • eine evangelisch-methodistische Gemeinde (Kapellenstraße).

Sport

Anfang der 1950er Jahre spielte die Sektion Fußball der BSG Empor Lauter in der DDR-Oberliga, ehe ihre Mannschaft 1954 nach Rostock delegiert wurde, wo sie der heute als Hansa Rostock aus dem Gesamtverein gelösten Fußballabteilung des SC Empor Rostock angeschlossen wurde.

Ein Freibad aus dem 20. Jahrhundert hat sich erhalten und konnte umfassend erneuert werden. Es liegt in der Nähe einer Kleingartenanlage im Griesetal nahe dem Ortsausgang in Richtung Schwarzenberg. Neben dem 50-Meter-Schwimmbecken laden großzügige Freiflächen zur sportlichen Betätigung wie Fußball- oder Volleyballspielen ein. Daneben gibt es auch einen Kinderspielplatz.

Veranstaltungen

Eine an dem Beinamen der Stadt angelehnte Veranstaltung ist das seit 1996 jährlich ausgerichtete Vogelbeerfest, auf dem eine Vogelbeerprinzessin gewählt wird.[5] Außerdem gibt es Heimatfeste und Weihnachtsmärkte sowie regelmäßige Mitmach-Angebote für Kinder, erwachsene Einwohner und Touristen.

Persönlichkeiten

  • Max Pickel (1884–1976), Lehrer und Scherenschnittkünstler
  • Bruno Herrmann (1870–1927), Mundartdichter, Kammerrat und Bürgermeister
  • Edwin Bauersachs (1893–1948), erzgebirgischer Heimatdichter, war von 1919 bis 1945 in Lauter tätig

Söhne und Töchter von Lauter

Ehrenbürger

  • Horst Scharf (1925–2008), Lehrer, Chronist und Vorsitzender des Erzgebirgszweigvereins in Lauter
  • 1998: Steffi Martin (* 1962), Doppelolympiasiegerin und Weltmeisterin im Rennrodeln
  • 2009: Gottfried Rebner (* 1928), evangelischer Pfarrer

Literatur

  • Stadtverwaltung Lauter (Hrsg.): Festschrift Heimatfest 850 Jahre Lauter. Bergstraße Verlagsgesellschaft mbH, 2008 ISBN 9783981137224
  • Richard Steche: Lauter. In: Beschreibende Darstellung der älteren Bau- und Kunstdenkmäler des Königreichs Sachsen. 8. Heft: Amtshauptmannschaft Schwarzenberg. C. C. Meinhold, Dresden 1887, S. 21.

Einzelnachweise

  1. Ernst Költzsch: Gesamtverzeichnis zum Liber benefactorum im Stadtarchiv Zwickau. Terminierbuch der Zwickauer Franziskaner, 1996 (Schriftenreihe der AMF, 18)
  2. 2,0 2,1 Flyer Lautergold. Spirituosenmuseum Alte Laborantenkunst; Hrsg. Paul Schubert GmmbH, Stand April 2011
  3. Offizielle Homepage von Lauter
  4. Homepage der E.-Freikirchl. Gemeinde Lauter
  5. Homepage von Lauter mit Details zum Vugelbeerfast

Weblinks

 Commons: Lauter/Sa.  – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Kategorien: Ehemalige Gemeinde (Erzgebirgskreis) | Lauter-Bernsbach | Ort im Erzgebirgskreis

Quelle: Wikipedia - http://de.wikipedia.org/wiki/Lauter (Lauter-Bernsbach) (Vollständige Liste der Autoren des Textes [Versionsgeschichte])    Lizenz: CC-by-sa-3.0

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