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Lassaner Winkel


Der Lassaner Winkel ist ein Landstrich vor den Toren der Insel Usedom in Mecklenburg-Vorpommern. Gemeint ist der Küstenstreifen zwischen Wolgast und Anklam sowie gegenüber von Krumminer Wiek, Gnitz-Halbinsel, Achterwasser, Lieper Winkel und Usedomer Winkel. Der Lassaner Winkel ragt spitz in den Peenestrom hinein.[1]

Mittelpunkt des Lassaner Winkels ist der namensgebende Ort Lassan, die kleinste Stadt in Mecklenburg-Vorpommern.[2] Der Küstenstreifen gehört zum Naturpark Flusslandschaft Peenetal sowie zum Naturpark Insel Usedom.

Name

In der Boddenlandschaft Mecklenburg-Vorpommerns tragen Halbinseln oft die Bezeichnung „Winkel“. Beispiele hierfür sind der Klützer Winkel in Mecklenburg sowie der Lieper Winkel und der Usedomer Winkel in Vorpommern. In der Literatur taucht die Bezeichnung Lassaner Winkel bereits 1862 in Karl Viohls Chronik Geschichte der Stadt Lassan auf. Darin bezieht sich Viohl wiederum auf Akten aus und nach dem dreißigjährigen Krieg:

»Dies führt uns an das Ende des dreißigjährigen Krieges zurück, dessen Schrecken sich auch bis auf diesen entfernten Landwinkel, der in den Akten häufig der Lassaner Winkel genannt wird, verbreiteten.«

Karl Viohl[3]

Die Bezeichnung „Lassaner Winkel“ findet heute vorwiegend im touristischen Sinne Verwendung und wird auch solcherart vermarktet.

Geographie

Die Landschaft wurde in der letzten Eiszeit geformt und liegt im Vorland der Velgaster Staffel. Die Weichsel-Eiszeit ließ flache Grundmoränen und hügelige Endmoränenlandschaften zurück. Das Schmelzwasser des Gletschereises floss über die Urstromtäler ab und schuf so das Vorpommersche Talnetz mit Peene und Oder. Übrig geblieben sind kleine Seen und eiszeitliche Sölle, sogenannte Himmelsaugen.

Verkehrstechnisch erreicht man den Lassaner Winkel über die Bundesstraße 111 von Wolgast oder über die Bundesstraße 110 von Anklam in Richtung Usedom. Außerdem ist die Gegend in das Wanderwegenetz der Via Baltica eingebunden.[4]

Laut der Lassanschen Wasserverordnungen von 1535, 1571, 1603 und 1711 gehörten das Achterwasser sowie der südliche Teil des Peenestroms über mehrere Jahrhunderte als Lassansche Wasser zum Einflussbereich der Küstenstadt Lassan, die auf dem Gewässer die Fischereigerechtigkeit besaß.[5]

»Bei dieser Wasserverordnung ist bemerkenswert, dass unter dem Lassanschen Wasser das ganze Achterwasser und die Peene von einschließlich Bauer bis Klotzow verstanden wird, und dass auch die Anklamer unter denen genannt werden, die das Lassansche Wasser gegen übliche Pacht befischen.«

Karl Viohl[6]

Orte im Lassaner Winkel

Laut Informationsbroschüre des ortsansässigen Netzwerks Kräuter, Kunst und Himmelsaugen vom November 2014 gehören auch Orte und Güter der angrenzenden Gemeinden Buggenhagen, Murchin und Zemitz zum Lassaner Winkel:

  • Bauer (Amt Am Peenestrom)
  • Bauer-Sandhof (Amt Am Peenestrom)
  • Buggenhagen (Amt Am Peenestrom)
  • Jamitzow (Amt Am Peenestrom)
  • Klein Jasedow (Amt Am Peenestrom)
  • Klotzow (Amt Am Peenestrom)
  • Lassan (Amt Am Peenestrom)
  • Libnow (Amt Züssow)
  • Murchin (Amt Züssow)
  • Papendorf (Amt Am Peenestrom)
  • Pinnow (Amt Züssow)
  • Pulow (Amt Am Peenestrom)
  • Seckeritz (Amt Am Peenestrom)
  • Vorwerk (Amt Am Peenestrom)
  • Wangelkow (Amt Am Peenestrom)
  • Waschow (Amt Am Peenestrom)
  • Weiblitz (Amt Am Peenestrom)
  • Wehrland (Amt Am Peenestrom)
  • Zemitz (Amt Am Peenestrom)

Hauptort der Region ist die Hafenstadt Lassan in der Lassaner Bucht. Der Winkel ist beinahe deckungsgleich mit der Kirchgemeinde St. Johannis zu Lassan, die auch die Dorfkirchen von Murchin, Pinnow und Wehrland-Bauer umfasst.

Tourismus

Landschaftliche Besonderheiten

Der Lassaner Winkel ist nicht in den organisierten Tourismus der nahegelegenen Insel Usedom eingebunden. Die Region setzt auf individuelle Besucher und einen sanften, umweltnahen Tourismus.[7] Der Landstrich lässt sich gut mit dem Pkw, Fahrrad oder zu Fuß erkunden. In den kleinen ehemaligen Gutsdörfern der Umgebung haben sich viele Künstler niedergelassen. Vor allem in den Sommermonaten gibt es zahlreiche Ausstellungen und Musikaufführungen. Typisch für die Region sind die eiszeitlichen Sölle, sogenannte Himmelsaugen, mehrere Obstbaumalleen sowie die Lage am Peenestrom. Die Nähe zu den Ausläufern der beiden Naturparks Insel Usedom und Flusslandschaft Peenetal begünstigt eine reiche Fauna und Flora. Barthold von Quistorp vom auf den Gütern Bauer, Krenzow und Vorwerk Lassan bis 1945 ansässigen Adelsgeschlecht derer von Quistorp schilderte die Landschaft 1903 wie folgt:

»Das Gut Vorwerk stößt südwärts an das Städtchen Lassan. Auf dem Ufer des Peenestroms, da wo er das Haff mit dem offenen Meere verbindet und zu der Ausbuchtung des Achterwassers sich erweitert, gelegen, bietet es landschaftliche Schönheiten, welche dem flachwelligen Vorpommern sonst versagt sind. Von der Lassaner Bucht schweift der Blick über den breiten Strom nach den Ufern des Eilandes Usedom hinüber, dessen hochgelegene Kirchen, dessen Wälder und Felder im Wechsel mit dem Wellenschlag der tief hineinspülenden Wasserflächen ein anziehendes Bild zeichnen.«

Barthold von Quistorp[8]

Sehenswürdigkeiten

In Lassan gibt es mit der Lassaner Wassermühle und der dazugehörigen Friedrich-von-Lösewitz-Halle ein Museum zur Stadt- und Regionalgeschichte. Die beachtliche Vielfalt der Haustüren in Lassan verweist auf die Blüte des Holzhandwerks im 19. Jahrhundert.[9] Die Kirchen von Wehrland-Bauer und Pinnow sind Pilgerkirchen des Jakobsweges an der Via Baltica.

Literatur

  • Karl Viohl: Geschichte der Stadt Lassan von den ältesten Zeiten bis auf die Gegenwart. Aus den Werken pommerscher Geschichtsschreiber und den städtischen Akten, Selbstverlag, Berlin 1862, 152 Seiten. (Volltext online )
  • Netzwerk Kräuter, Kunst und Himmelsaugen (Hg.): Ferien im Lassaner Winkel. Wo die Eile einen Umweg macht, Lassan, 1. Auflage, November 2014.

Siehe auch

Weblinks

Belege

  1. Netzwerk Kräuter, Kunst und Himmelsaugen (Hg.): Ferien im Lassaner Winkel, Lassan 2014, S. 5.
  2. Waltraud Schwab: Ins Nichtstun fallen lassen: Langeweile in Lassan In: taz vom 22. November 2011.
  3. Karl Viohl: Geschichte der Stadt Lassan, Selbstverlag, Berlin 1862, S. 43.
  4. Netzwerk Kräuter, Kunst und Himmelsaugen (Hg.): Ferien im Lassaner Winkel, Lassan 2014, S. 18.
  5. Hannelore Deya: Neues historisches Lexikon: Edition Vorpommern, Haff-Verlag, Grambin 2013, S. 12. ISBN 978-3-942916-83-7
  6. Karl Viohl: Geschichte der Stadt Lassan, Selbstverlag, Berlin 1862, S. 31.
  7. Florian Zimmer-Amrhein: Raum für Einsteiger , in: taz vom 28. Dezember 2013.
  8. Barthold von Quistorp: Das Rittergut Vorwerk bei Lassan , vollständig in: Beiträge zur Lassaner Heimatgeschichte (Heft 5), Interessengemeinschaft Heimatgeschichte, Lassan 1999.
  9. Lassaner Türen In: lassaner.tumblr.com. Abgerufen am 24. Juni 2016.
  10. Gutshaus Wehrland-Bauer In: gutshaeuser.de. Abgerufen am 9. Mai 2016.

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Quelle: Wikipedia - http://de.wikipedia.org/wiki/Lassaner Winkel (Vollständige Liste der Autoren des Textes [Versionsgeschichte])    Lizenz: CC-by-sa-3.0

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