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Landkreis Sorau (Lausitz)


Der Landkreis Sorau (Lausitz), ursprünglich Kreis Sorau, bestand von 1816 bis 1946 in der preußischen Provinz Brandenburg beiderseits der Lausitzer Neiße. Seit dem Zweiten Weltkrieg liegt der östlich der Neiße gelegene Hauptteil des Kreises mit der Kreisstadt Sorau (heute Żary) in Polen.

Gliederung

Der Landkreis Sorau (Lausitz) umfasste in den 1930er Jahren die fünf Städte Christianstadt (Bober), Gassen, Pförten, Sorau und Triebel sowie 140 weitere Gemeinden und zwei Forst-Gutsbezirke.[1][2]

Verwaltungsgeschichte

Als eines der Ergebnisse des Wiener Kongresses musste das Königreich Sachsen 1815 die Niederlausitz an Preußen abtreten. Einer der fünf historischen Kreise der Niederlausitz war der Gubener Kreis bzw. der Kreis Guben.[3][4] Die Niederlausitz wurde Teil des neuen Regierungsbezirks Frankfurt, in dem 1816 eine umfassende Kreisreform durchgeführt wurde. Der alte Kreis Guben wurde dabei in zwei Kreise aufgeteilt:[5]

  • Der Nordteil des Kreises mit der Stadt Guben bildete einen neuen, kleineren Kreis Guben
  • Der Südteil des Kreises bildete den neuen Kreis Sorau mit Sorau als Kreisstadt. Zum neuen Kreis Sorau traten außerdem mehrere Orte aus den Kreisen Spremberg, Cottbus, Krossen und Sagan.

Am 1. April 1897 schied die Stadt Forst i./L. aus dem Kreis Sorau aus und bildete fortan einen eigenen Stadtkreis.

Zum 30. September 1929 fand im Kreis Sorau entsprechend der Entwicklung im übrigen Freistaat Preußen eine Gebietsreform statt, bei der fast alle Gutsbezirke aufgelöst und benachbarten Landgemeinden zugeteilt wurden. Die Kreisbezeichnung schwankte in der Folgezeit zwischen Sorau und Sorau (Nd. Lausitz), bis am 10. Oktober 1940 der Kreisname endgültig auf Sorau (Lausitz) festgesetzt wurde. Seit dem 1. Januar 1939 wurde der Kreis entsprechend der jetzt reichseinheitlichen Regelung als Landkreis bezeichnet.

Im Frühjahr 1945 wurde das Kreisgebiet durch die Rote Armee besetzt. Das Territorium des Landkreises östlich der Oder-Neiße-Linie wurde unter polnische Verwaltung gestellt. Der Landkreis, nun nur noch das Gebiet westlich der Neiße umfassend, bestand noch kurzzeitig fort, bis er mit Wirkung zum 1. April 1946 aufgelöst und auf die Landkreise Cottbus und Spremberg sowie die kreisfreie Stadt Forst aufgeteilt wurde.[6][7]

Einwohnerentwicklung

Jahr Einwohner Quelle
1816 39.148 [8]
1840 57.328 [9]
1871 86.189 [10]
1890 108.542 [1]
1900 82.423 [1]
1910 87.866 [1]
1925 87.472 [1]
1933 89.231 [1]
1939 91.099 [1]

Landräte

1817–1824 Karl Keck von Schwartzbach
1824–1840 Ludwig von Diederichs
1840–1888 Rudolf von Lessing
1888–1906 Erich Haenel von Cronenthal
1906–1917 Joachim von Bredow (1872–1926)
1917–1934 Jobst von Schönfeldt
1934–1937 Martin Stumpf
1937–1939 Rudolf Kriele (1900–1973)
1939–1943 Hans-Jürgen Scheringer
1943–1944 Sarrazin (interimistisch)
1944–1945 Werner Groß (kommissarisch)

Kommunalverfassung

Mit Einführung des preußischen Gemeindeverfassungsgesetzes vom 15. Dezember 1933 sowie der Deutschen Gemeindeordnung vom 30. Januar 1935 wurde zum 1. April 1935 das Führerprinzip auf Gemeindeebene durchgesetzt. Eine neue Kreisverfassung wurde nicht mehr geschaffen; es galt weiterhin die Kreisordnung für die Provinzen Ost- und Westpreußen, Brandenburg, Pommern, Schlesien und Sachsen vom 19. März 1881.

Verkehr

Im Landkreis Sorau begann der Schienenverkehr im Jahr 1846 mit der Strecke Guben–Sommerfeld–Sorau–Kohlfurt der Niederschlesisch-Märkischen Eisenbahn-Gesellschaft (NME), die Berlin mit Breslau verband ›121.0 + 123.0‹.

Rund 25 Jahre später kamen weitere wichtige Ost-West-Verbindungen dazu: Die Märkisch-Posener Eisenbahn-Gesellschaft streifte ab 1870 nur den Norden des Kreises Guben mit dem Teilstück Guben–Rothenburg ›122.b‹. Mitten durch den Kreis Sorau führte ab 1871/72 die Strecke Forst–Sagan der Halle-Sorau-Gubener Eisenbahn bzw. der Niederschlesischen Zweigbahn-Gesellschaft ›153.0‹. Sie kreuzte mit der NME in der Kreisstadt, wo ein wichtiger Knotenpunkt entstand, der durch die direkte Verbindung der Preußischen Staatsbahn (KPStE) von Gassen nach Sagan ab 1875 umfahren werden konnte ›121.0‹.

Die KPStE ergänzte das Netz noch durch folgende Nebenbahnen:

1895/96: Sorau–Benau–Christianstadt und weiter
1904 nach Grünberg ›122.e‹,
1914: Sommerfeld–Crossen ›122.d‹

Zwei weitere Strecken wurden von der Lokalbahn Aktien-Gesellschaft München bzw. der von ihr gegründeten Lausitzer Eisenbahn-Gesellschaft gebaut und bis 1938 als Privatbahnen betrieben, nämlich

1895: Hansdorf–Priebus ›123.g‹ und
1897/98: Sommerfeld–Teuplitz–Muskau ›154.d‹

Die Zahlen in ›‹ beziehen sich auf das Deutsche Kursbuch 1929.

Städte und Gemeinden

Städte und Gemeinden östlich der Neiße

Die folgenden Städte und Gemeinden des Landkreises Sorau lagen östlich der Neiße und kamen nach dem Zweiten Weltkrieg zu Polen, wo sie heute größtenteils zum Powiat Żarski in der Woiwodschaft Lebus gehören.[1]

Im östlichen Teil des Landkreises Sorau lagen außerdem die beiden gemeindefreien Forst-Gutsbezirke Christianstadt und Pförten Wald.

Gemeinden westlich der Neiße

Die folgenden Gemeinden des Landkreises Sorau lagen östlich der Neiße und damit nach dem Zweiten Weltkrieg in der SBZ. Das betreffende Gebiet gehört heute zum Landkreis Spree-Neiße.[1]

Namensänderungen

Im Zuge der Germanisierung ursprünglich sorbischer Ortsnamen veränderte die Reichsregierung 1937 die Schreibweise einiger Namen oder vergab gänzlich neue:

  • Buckocka: Buchenberge
  • Koyne: Keune
  • Nablath: Nahberg
  • Sablath: Raudenberg/Niederlausitz
  • Tzschacksdorf: Schacksdorf
  • Tzschecheln: Eichenrode
  • Tzscheeren: Grünaue (Nieder Lausitz)
  • Zukleba: Steinfelde (Nieder Lausitz)

Literatur

  • Topographisch-statistische Uebersicht des Regierungs-Bezirks Frankfurt a. d. Oder. Aus amtlichen Quellen zusammengestellt. Frankfurt a. d. O. 1844, S. 186–207.
  • W. Riehl und J. Scheu (Hrsg.): Berlin und die Mark Brandenburg mit dem Markgrafenthum Nieder-Lausitz in ihrer Geschichte und in ihrem gegenwärtigen Bestande. Berlin 1861, S. 572–593.
  • von Schönfeldt, E. Stein (Hrsg.): Der Landkreis Sorau N.-L. Deutscher Kommunal-Verlag G.m.b.H., Berlin-Friedenau 1925.

Weblinks

 Commons: Landkreis Sorau (Lausitz)  – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. 1,0 1,1 1,2 1,3 1,4 1,5 1,6 1,7 1,8 Michael Rademacher: Deutsche Verwaltungsgeschichte: Landkreis Sorau. Abgerufen am 2. April 2016.
  2. geneaology.net: Landkreis Sorau
  3. Heinrich Berghaus: Landbuch der Mark Brandenburg und des Markgrafthums Niederlausitz in der Mitte des 19. Jahrhunderts. Adolph Müller, Brandenburg 1854, Kap. 3 VI., S. 44 (Digitalisat [abgerufen am 5. Mai 2016]).
  4. Carl Heinrich Ludwig Pölitz: Geschichte und Statistik des Königreiches Sachsen. Hinrichs, Leipzig 1809, Kap. Staatsverfassung, S. 257 (Digitalisat [abgerufen am 5. Mai 2016]).
  5. Amtsblatt der Königlichen Preußischen Regierung zu Frankfurt a.d. Oder. Nr. 12, 1816, S. 107 (Digitalisat [abgerufen am 5. Mai 2016]).
  6. Der Kreis Sorau bei genealogy.net
  7. Verordnungsblatt der Provinzialverwaltung Mark Brandenburg Nr. 14 vom 23. September 1946
  8. Christian Gottfried Daniel Stein: Handbuch der Geographie und Statistik des preußischen Staats. Vossische Buchhandlung, Berlin 1819, Der Regierungsbezirk Frankfurt, S. 210 (Digitalisat [abgerufen am 5. Mai 2016]).
  9. Topographisch-statistische Übersicht des Regierungsbezirks Frankfurt a. d. O., Harnecker, 1844, S. 30
  10. Die Gemeinden und Gutsbezirke der Provinz Brandenburg und ihre Bevölkerung 1871

Kategorien: Aufgelöst 1946 | Gegründet 1818 | Ehemaliger Landkreis in der Provinz Brandenburg

Quelle: Wikipedia - http://de.wikipedia.org/wiki/Landkreis Sorau (Lausitz) (Vollständige Liste der Autoren des Textes [Versionsgeschichte])    Lizenz: CC-by-sa-3.0

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