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Lachter


Das (auch der oder die) Lachter (auch: Berglachter) war ein im Bergbau übliches Längenmaß (Symbol Lr. oder °[1]), mit dem meist Teufen, der Stollenvortrieb und die Größe von Grubenfeldern, auch Gedinge bestimmt wurden. In den meisten deutschsprachigen Bergrevieren war es das wichtigste Längenmaß.

Grundsätzliches

Ein Lachter entsprach in etwa dem Maß, welches ein Mann mit ausgestreckten Armen umfassen konnte. Damit war es in der Regel etwas größer als das Klafter (ca. 1,8 m).

Das Lachter wurde – mit regionalen Unterschieden – in die Einheiten Achtel (auch Spann, Gräpel oder Gröbel genannt), (Lachter-)Zoll, Primen (auch Prinen genannt) und Sekunden eingeteilt:

  • 1 Lachter = 8 Spann = 80 (Lachter-)Zoll = 800 (Lachter-)Primen = 8000 (Lachter-)Sekunden[2]

Im 19. Jahrhundert setzte sich die Einteilung nach dem Dezimalsystem durch:

  • 1 Lachter = 10 Lachterfuß = 100 Lachterzoll = 1000 Lachterlinien

Ab 1830 wurde das Lachter in Sachsen so festgelegt:

  • 1 Lachter = 7 Lachterfuß (126,636 Pariser Linien) = 886,392 Pariser Linien = 2,00 Meter[3]

Messinstrumente

Je nach Anwendungszweck standen mehrere Messinstrumente zur Verfügung. Die Lachterschnur hatte eine Länge von 10 oder 12 Lachtern. Knoten markierten den Lachterabstand. Gefertigt war sie ursprünglich aus Hanfseil, was aber schon Georgius Agricola bemängelte, da es bei Feuchtigkeit zu einer Längung des Seils kam. Deshalb ölte man das Seil bzw. ging später zur Fertigung aus Lindenbast über. Da Ungenauigkeiten bei Zug weiterhin nicht ausblieben diente die Schnur schließlich nur noch zum Spannen einer geraden Strecke, an der entlang mit einem Lachterstab gemessen wurde.

Die Lachterkette war eine aus Messing- oder Eisendraht gefertigte Kette mit einer Länge von 5 oder 6 Lachtern. Im Abstand von einem Achtel waren kleinere und im Abstand von einem halben bzw. ganzen Lachter größere Ringe angebracht.

Der Lachterstab, auch Lachterlatte genannt, hatte genau die Länge eines Lachters bei einem Durchmesser von etwa 2 Zoll. Gefertigt war er aus gut trockenem Holz (z.B. Tanne). An seinen Kopfenden waren Metallplatten angebracht und auf dem Stab Feinunterteilungen in Achtel, Zoll und Primen sowie Kerben zum Auflegen auf die gespannte Lachterschnur. Der Lachterstab wurde meist von den Markscheidern und Bergmeistern verwendet. Lachterstäbe waren als Normal zur Eichung bei den Bergämtern hinterlegt.

Das Lachtermaß hatte die Länge eines halben Lachters in Stockform und wurde vor allem von Steigern und Berggeschworenen verwendet.

Schließlich gab es noch die Lachterschmiege[4], eine Art Zollstock von der Länge eines viertel Lachters, der zur Grundausstattung eines Bergmanns gehören sollte.[5]

Regionale Unterschiede

Wie andere Maße auch, so war das Lachter in verschiedenen Regionen unterschiedlich groß, konnte aber auch innerhalb derselben Region Veränderungen erfahren. Darüber hinaus konnte es Unterschiede zwischen verschiedenen Bergrevieren innerhalb eines Territoriums geben. Die Angabe und Verwendung von Umrechnungswerten ist daher nur dann sinnvoll, wenn sicher bekannt ist, wo und für welchen Zeitrahmen die Werte galten. Einige Beispiele:

Region Länge [m] Bemerkung
Anhalt-Köthen 2,0410 Harzgeröder Lachter
Baden (bis 1827)[6] 2,25 = 7,5 alte badische Fuß
Baden (ab 1827)[6] 2,99 = 10 neue badische Fuß
Bayern 1,9705
Bayreuth 2,0354 entsprach 80 Bayreuther Zoll
Berchtesgaden 1,7512 entsprach 6 Fuß
Böhmen 2,3805 entsprach 4 Ellen
Braunschweig 1,9198
Clausthal 1,9238
Eisleben 2,0111
Hannover 1,9198
Idria (Krain) 1,957 6 idrianische Fuß
Joachimsthal (Jáchymov) 1,918
Kronach 2,1270 entsprach 7 Nürnberger Fuß[7]
Lippe-Detmold 2,3161
Nassau 2,0924
Österreich 1,8965 1 Berglachter = 6 Schuh
Preußen 2,0924[8] 80 preuß. Zoll
Sachsen 1,98233
2,00000
bis 1830: 7 Dresdner oder sächsische Fuß
ab 1830: auf exakt 2 Meter definiert.
   Altenberg 1,9851 1826 ermittelt aus den Normallachtern der Bergämter.
   Annaberg 1,9826
   Freiberg 1,9616
   Johanngeorgenstadt 1,9811
   Marienberg 1,9849
Schemnitz (Banská Štiavnica) 2,022
Schlesien 1,9202
Tirol (1769–1809 und ab 1815)[9] 1,8949 = Wiener Klafter
Tirol: Innsbruck (vor 1769)[10] 2,005 = 6 Tiroler Fuß = 72 Tiroler Zoll
Tirol: Kitzbühel (1747)[11] 1,78 = 64 Tiroler Zoll
Tirol: Schwaz[11] 1,75 = 63 Tiroler Zoll
Württemberg 2,0054 = 7 württembergische Fuß

Berglachtermaße

Ausgehend von der Definition des Meters (443,296 Pariser Linien) kann der Pariser Fuß (144 Pariser Linien) mit 32,4839 Zentimeter gerechnet werden.

  • 1 Bayrisches Berglachtermaß = 1,97008166 Meter
  • 1 Braunschweiger Berglachtermaß = 1,92549439 Meter
  • 1 Dänisches Berglachtermaß = 2,01149028 Meter[12]
  • 1 Eislebener Berglachtermaß = 1,97257239 Meter[12]
  • 1 Eislebener Berglachtermaß = 6,191 Pariser Fuß = 2,011 m
  • 1 Englisches Berglachtermaß = 1,82932942 Meter (Fathom)[12]
  • 1 Französisches Berglachtermaß = 1,94903334 Meter (Toise)[12]
  • 1 Freiberger Berglachtermaß = 5,98 Pariser Fuß = 1,94 m
  • 1 Hessen-Kasseler Berglachtermaß = 1,994377 Meter[12]
  • 1 Idrijanisch Berglachtermaß = 1,95912511 Meter[12]
  • 1 Joachimsthaler Berglachtermaß = 1,97000312 Meter, auch 1,9185895 Meter[12]
  • 1 Magdeburger Berglachtermaß =2,196978 Meter[12]
  • 1 Oberbayrisches Berglachtermaß = 5,927 Pariser Fuß = 1,925 m
  • 1 Pfälzer Berglachtermaß = 2,12036085 Meter[12]
  • 1 Pfälzer Berglachtermaß = 6,346 Pariser Fuß = 2,0614 m
  • 1 Russisches Berglachtermaß = 2,13357949 Meter[12]
  • 1 Schemnitzer Berglachtermaß = 2,02467215 Meter[12]
  • 1 Schwedisches Berglachtermaß = 5,483 Pariser Fuß = 1,781 m
  • 1 Zweibrücker Berglachtermaß = 1,97000312 Meter[12]

Angaben ohne Marke nach[13]

Siehe auch

Literatur

  • Helmut Kahnt, Bernd Knorr: Alte Maße, Münzen und Gewichte. VEB Bibliographisches Institut, Leipzig 1986, ISBN 3-323-00013-7.
  • Bernd Leißring: Maßeinheiten des alten Bergbaus. Das Lachter. In: Erzgebirgische Heimatblätter. Nr. 5. Kulturbund 1989, ISSN 0232-6078 , S. 132–136.
  • M. Schmidt: Über die Entwicklung der Markscheidekunst und die Ausbildung der Markscheider in Sachsen. In: Jahrbuch für das Berg- und Hüttenwesen im Königreiche Sachsen auf das Jahr 1889. Graz&Gerlach, Freiberg 1889, II. Das Berglachter, S. 3–6 (tu-freiberg.de [PDF; 21,8 MB] [abgerufen am 31. Juli 2015]).
  • Julius Weisbach: Die neue Markscheidekunst und ihre Anwendung auf bergmännische Anlagen. Band 2. Vieweg, Braunschweig 1859, S. 7 (Digitalisat ).
  • Paul Wilski: Lehrbuch der Markscheidekunde. Band 2. Springer, Berlin, Heidelberg 1929, Längenmessung, S. 19–30.
  • Otto Hermann Brandt: Urkundliches über Maß und Gewicht in Sachsen. Druckerei des Sächsischen Ministeriums des Innern, Dresden 1933.
  • Fritz Verdenhalven: Alte Maß- und Währungssysteme aus dem deutschen Sprachgebiet. Verlag Degener & Co., Neustadt an der Aisch 1993, ISBN 3-7686-1036-5.

Einzelnachweise

  1. Manfred Frank: Die Alpirsbacher und Reinerzauer Erzgänge im Württembergischen Schwarzwald. In: Württembergische Jahrbücher für Statistik und Landeskunde. 1951/52, S. 117.
  2. Heinrich August Ottokar Reichard: Der Passagier auf der Reise in Deutschland und der Schweiz, nach Amsterdam, Brüssel, Kopenhagen (etc). Friedrich August Herbig, Berlin 1843, S. 105.
  3. Wilhelm Hoffmann: Allgemeine Enzyklopädie für Kaufleute, Fabrikanten, Geschäftsleute. Band 2. Otto Wigand, Leipzig 1848, S. 529.
  4. J. Weisbach, Die neue Markscheidekunst, 1859, S. 7.
  5. Friedrich Jakob Richter: Die Bergbaukunst nach Abraham Gottlob Werners Vorlesungen, in der Königl. Sächs. Bergakademie in Freiberg, und nach eigenen Erfahrungen. Arnold, Dresden 1823, S. 29 (Digitalisat ).
  6. 6,0 6,1 Rudolf Metz: Mineralogisch-Landeskundliche Wanderungen im Nordschwarzwald. 2. Auflage. Lahr 1977, S. 597.
  7. Nürnberg. In: Heinrich August Pierer, Julius Löbe (Hrsg.): Universal-Lexikon der Gegenwart und Vergangenheit. 4. Auflage. Band 12. Altenburg 1861, S. 159–161 (online bei zeno.org [abgerufen am 22. März 2010] „Stadtfuß von 12 Zoll à 12 Linien = 303,975 Millimeter“).
  8. Ludger Mintrop: Einführung in die Markscheidekunde, mit besonderer Berücksichtigung des Steinkohlenbergbaues. 2., verbesserte Auflage. Springer, Berlin 1916, S. 34.
  9. Wilhelm Rottleuthner: Die alten Localmasse und Gewichte nebst den Aichungsvorschriften bis zur Einführung des metrischen Mass- und Gewichtssystems und der Staatsaichämter in Tirol und Vorarlberg. Wagner’sche Universitätsbuchhandlung, Innsbruck 1883, S. 14–22.
  10. Wilhelm Rottleuthner: Die alten Localmasse und Gewichte nebst den Aichungsvorschriften bis zur Einführung des metrischen Mass- und Gewichtssystems und der Staatsaichämter in Tirol und Vorarlberg. Wagner’sche Universitätsbuchhandlung, Innsbruck 1883, S. 16, 130.
  11. 11,0 11,1 Wilhelm Rottleuthner: Die alten Localmasse und Gewichte nebst den Aichungsvorschriften bis zur Einführung des metrischen Mass- und Gewichtssystems und der Staatsaichämter in Tirol und Vorarlberg. Wagner’sche Universitätsbuchhandlung, Innsbruck 1883, S. 32.
  12. 12,00 12,01 12,02 12,03 12,04 12,05 12,06 12,07 12,08 12,09 12,10 12,11 Gustav Wagner, Friedrich Anton Strackerjan: Kompendium der Münz-, Maß-, Gewichts- und Wechselkursverhältnisse sämtlicher Staaten und Handelsstädte der Erde. B. G. Teubner, Leipzig 1855, S. VI.
  13. Johann Christian Nelkenbrecher: J. C. Nelkenbrechers allgemeines Taschenbuch der Münz-, Maß- und Gewichtskunde für Banquiers und Kaufleute. Sandersche Buchhandlung, Berlin 1820, S. 442.

Kategorien: Bergbaugeschichte | Maßeinheit (Bergbau) | Längeneinheit | Altes Maß oder Gewicht

Quelle: Wikipedia - http://de.wikipedia.org/wiki/Lachter (Vollständige Liste der Autoren des Textes [Versionsgeschichte])    Lizenz: CC-by-sa-3.0

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