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Kumulative Dissertation


Eine Kumulative Dissertation (auch als Publikationsdissertation oder Sammeldissertation bezeichnet)[1] bezeichnet eine Art der Dissertation, die durch mehrere Veröffentlichungen in Fachzeitschriften zur Promotion führt.

Abgrenzung zur monografischen Dissertation

Im Gegensatz zu einer im deutschsprachigen Raum üblichen Monografie als Promotionsleistung werden auch dort zunehmend die aus anderen Ländern bekannten kumulativen Dissertationen zugelassen. Hierbei reicht der Doktorand statt der Monografie eine Anzahl von Veröffentlichungen in Fachzeitschriften ein. Es gibt im deutschsprachigen Raum noch keinen Quasistandard dafür, welche Veröffentlichungen zur Einreichung zu zählen sind. Denkbar sind beispielsweise Modelle, bei denen entweder eine Veröffentlichung in einem A-Journal (= in einer Zeitschriftenbewertung somit als inhaltlich für die Disziplin sehr relevant und methodisch sehr rigoros eingestuft), zwei in einem B-Journal oder drei in einem C-Journal zur Einreichung geeignet sind oder Modelle, bei denen die Prüfungskommission entscheidet, welche Veröffentlichungen zur Promotion ausreichend sind. Bei letzterem Modell kommt der Doktormutter bzw. dem Doktorvater wie schon bei der Monografie die entscheidende Rolle zu. Um sowohl die fachliche Breite als auch Tiefe nachzuweisen, wird oftmals gefordert, dass mindestens eine Veröffentlichung globalen und einen speziellen Charakter hat. Es gibt jedoch auch Modelle, die fordern, dass alle Artikel thematisch unmittelbar zusammenhängen, um Expertise in diesem Gebiet nachzuweisen.

Vorteile

Die kumulative Dissertation setzt am Kritikpunkt der Monografie an, eine bloße Fleißarbeit zu sein, deren Güte einzig von den Gutachtern des Promotionsverfahrens beurteilt wird, statt in einem unabhängigen Verfahren, etwa im Peer-Review-Prozess einer anerkannten Fachzeitschrift. Der Hauptvorteil liegt darin, dass der Doktorand mit der Aufmerksamkeit, die er seiner Promotion widmet, zugleich der Erfüllung seines Projekts durch erstklassige Ergebnisse und, damit einhergehend, hochrangige Veröffentlichungen („Forschungsoutput“) dient. Dem Vorwurf, viele herkömmliche Monografien „verstauben“ am Ende in der Bibliothek, während sich die Doktoranden nicht genug mit ihren von der Dissertation unabhängigen Veröffentlichungen auseinandersetzen, wird damit entgegengewirkt. Der Qualitätsanspruch an Veröffentlichungen wird somit an international gültige Konventionen angehoben.

Nachteile

Nachteilig ist jedoch für den Doktoranden, dass unzulässigerweise viele Professoren ihre Mitarbeiter zwingen, den Namen des Professors mit auf die Veröffentlichung zu nehmen (in sehr eklatanten Fällen sogar nach vorne), falls nur solche Veröffentlichungen zählen, die alleine der Mitarbeiter verantwortet oder nur sein Anteil gewertet wird. Dem kann entgegengewirkt werden, wenn Veröffentlichungen auch dann gezählt werden, wenn der Doktorand auch nur Teilautor einer Mehrautorenschaft ist. Allerdings ist es aus Sicht der Wissenschaftsethik einzuhalten, dass der Hauptautor auch vorne steht.

Ein zweites Problem für den Doktoranden ergibt sich durch die Schwierigkeit, die Zeit bis zur Veröffentlichung abzuschätzen, wodurch die Karriereplanung erschwert ist. Es ist bei einer herkömmlichen Monografie viel einfacher, das Ende des Verfahrens abzuschätzen. Dem wird entgegengetreten, indem die Veröffentlichung in der Fachzeitschrift nicht zum Kriterium für die Promotion erhoben wird. So können bereits Artikel, die von der Promotionskommission als vergleichbar mit Veröffentlichungen in internationalen Fachzeitschriften eingestuft werden und solche, die sich noch im Begutachtungsverfahren der Fachzeitschrift befinden, als Teilleistung für die Promotion gelten.

Ein weiteres Problem ist die Vergleichbarkeit kumulativer Promotionen, weil in den meisten Promotionsordnungen weder die Anzahl der benötigten Publikationen noch die Qualität der Fachzeitschriften, in denen veröffentlicht wird, oder der notwendige Anteil des Promovenden bei Publikationen mit mehreren Autoren klar festgelegt ist. Das gilt auch für Monographien, sodass zwischen Universitäten und Fachbereichen schwankende Anforderungen an eine Dissertation gelten.

Fazit

Das Verfahren kann im Vergleich zum herkömmlichen einen internationalen Standard insofern einführen, als die Veröffentlichung in internationalen fachrezensierten (peer-Review) Zeitschriften zum Standard in einer Disziplin gehören -- wo wissenschaftlicher Erkenntnisfortschritt vorrangig über Zeitschriften läuft, kann es für die wissenschaftliche Karriere sinnvoll sein, sich schon im Rahmen der Promotion in dieses Spiel einzubringen. Der peer-review führt dabei im Idealfall mit einer unabhängigen Peer-Meinung eine weitere (internationale) Bewertung ein; ob die dann wissenschaftlichen Kriterien verpflichtet ist -- denen immerhin auch die Promotionsordnungen Folge zu leisten vorgeben --, kann man wohl nur im Einzelfall abschätzen. Rein rechnerisch erhöht das Verfahren die Anzahl der Publikationen an einem Universitätsinstitut, was dessen Mittelzuweisungen beeinflussen kann. Eine zusätzliche methodische Präzision ist mit einer kumulativen Promotion nicht zwingend verbunden. Qualitätsmäßig sind geschriebene Aufsätze mit unterbliebenen Monographien schwer gleichzusetzen. Idealerweise können kumulativ Promovierte ihren wissenschaftlichen Ruf mit dem der Fachzeitschriften beeinflussen, in denen ihre Artikel veröffentlicht wurden; den per Monographie Promovierenden bleibt dafür nur eine Chance. Allerdings wird man wohl sagen dürfen, dass, wer ernsthaft wissenschaftliche Karriereziele verfolgt, nicht bis zur Veröffentlichung der Monographie wartet, sondern schon im Laufe der Arbeit verschiedene Bausteine davon an geeigneter, wo möglicher fachrezensierter Stelle platziert.

Einzelnachweise

  1. Stock, Schneider, Peper, Molitor (Hrsg.): Erfolgreich Promovieren, 2009, 2. Auflage, Springer Verlag, S. 40.

Weblinks


Kategorien: Akademische Bildung | Wissenschaftliche Arbeit | Laufbahnschrift

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