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Kulturhaus Zinnowitz


Das Kulturhaus Zinnowitz ist ein Multifunktionsgebäude in der Gemeinde Zinnowitz auf der Insel Usedom, in dem bis in die 1980er Jahre Kulturveranstaltungen stattfanden. Es wurde von 1953 bis 1957 erbaut [1] und trug vormals den Namen Kulturhaus Deutsch-Sowjetische-Freundschaft. Es fungierte als kulturelle Einrichtung mit einem Theatersaal, einem Tanzcafé, einer Bibliothek und einem Speisesaal mit angeschlossener Großküche. Das ruinös erhaltene Gebäude ist wegen seiner früheren Bedeutung als prägnantes und dominierendes Element des Ortsgeschehens 2007 unter Denkmalschutz gestellt worden. [2]

Entwicklung und Planung

Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde der einstmals bürgerliche Ferienort Zinnowitz zum Ersten Seebad der Werktätigen erklärt und mit der Aktion Rose – bei der große Teile des privaten Grundbesitzes enteignet wurden – dem Feriendienst der Sowjetisch-Deutschen Aktien-Gesellschaft Wismut zugesprochen. Hierzu besuchten Kumpel aus den Uranbergwerken der DDR den Badeort, welche in zahlreichen neu errichteten Bauwerken untergebracht und unterhalten wurden.

Im Auftrag der Regierung der DDR entstanden in den Jahren 1952 bis 1957 auch an der Ostseeküste Kulturhäuser. Dazu hatte im Juli 1952 die II. Parteikonferenz der SED die Grundlagen beschlossen. Aus einem Streit um die sozialistische Gestaltungsweise von Kulturhäusern resultierte neben einem Ideenwettbewerb die Entwicklung von Typenprojekten, die an der Bauakademie betrieben wurden. Neben dem axialsymmetrischen längskubischen Bautyp mit dem repräsentativen Schaugiebel und Risalit baute man in Zinnowitz eine horizontal betonte Flügelanlage. Nach den hier übersteigerten Größenverhältnissen mit der Aneinanderreihung von Bauelementen klassizistischer Prägung kam es beim Bau des Zinnowitzer Kulturhaus zu Diskrepanzen bei der Umsetzung der politisch-ideologischen Richtlinien. Das konnte hier aber geschehen, weil es ein Geschenk des Sozialismus war. [3]

Das äußerst monumentale Bauwerk errichteten ab 1953 die Architekten W. Litzkow, G. Ulbrich, G. Möhring und Bühnentechniker K. Hämmerling vom VEB Industrieprojektierung Nord im Auftrag der S(D)AG Wismut. Äußerlich an die Architektur der Vorkriegsjahre erinnernd, bereitet sich die Fünfflügelanlage vor einem Park aus, den sie mit ihren Seitenflügeln zu vereinnahmen scheint. Vergleichbar auch mit einem zu einer Parkanlage hin geöffneten Ehrenhof. [4]

Der Komplex umfasste ein Theater und einen Kinosaal mit 900 Sitzplätzen, einen Speisesaal mit 400 Plätzen sowie diverse Funktionsräume [5] und eine Bücherei von 12 000 Bänden. Der Innenausbau des Kulturhauses wurde von renommierten Firmen, wie die Deutschen Werkstätten Hellerau ausgeführt. [6]

Architektur

Die Architektur des Kulturhauses ist dem sozialistischen Klassizismus zuzuordnen. Die monumentale Anlage als symmetrischer Fünfflügelbau besteht aus zwei- und dreigeschossigen geputzten Bauten mit Attika. Eine große Freitreppe bildet mit einem Pfeilerportikus zwischen zwei einachsigen Risaliten das Eingangsportal, welches in den Empfangssaal des zentralen Pavillons führt. Die beiden Seitenflügel, die durch stilisierte Pilaster gegliedert wurden, sind durch schlichte langgestreckte Putzbauten angeschlossen. Die Seitenflügel weisen jeweils an der Vorderseite ein von Pilastern flankiertes Portal auf, das durch Lisenen und Bänder eingefasst ist. [7]

Umfeld

  • Parkanlage
  • Sportanlage mit Fußballplatz

Nutzungen

Jahrzehnte war das Kulturhaus das kulturelle Zentrum im westlichen Teil der Insel Usedom. Der Kino- und Theatersaal zog zahlreiche Künstler aus dem In- und Ausland an und war oft verwendeter Aufzeichnungsort von Fernsehspielen des Fernsehens der DDR wie der Lustspielreihe „Ferienheim Bergkristall“. Ferner traten unter anderem Künstler der Mailänder Skala, der Grand Opéra Paris, Sänger und Tänzer aus Moskau, das Indische Nationalballett in den Sälen auf. [8]

Verfall und Nachnutzung

Eine grundlegende Sanierung und Rekonstruktion der Gebäude begann 1987, die jedoch durch die Wende zunächst gestoppt wurde. Anfang der 1990er Jahre wurde das Gebäude mangels Bauabsicherung völlig ausgeplündert und steht seitdem leer.

Es gibt Pläne für die Einrichtung von 77 Wohnungen und einem Wellnesskomplex auf dem Areal. Von Ende 2015 bis Ende 2017 sollen die Pläne realisiert werden, das Kulturhaus soll dabei umfassend saniert werden. [9]

Parkanlage

Für die Neugestaltung des Parks vor dem Kulturhaus hat die Oberste Landesplanungsbehörde Mecklenburg-Vorpommerns – das Ministerium für Verkehr, Bau und Landesentwicklung – im Jahr 2008 rund 622.000 Euro Städtebauförderungsmittel bewilligt. Die Gesamtkosten betrugen 668.000 Euro und alle Aufwertungsmaßnahmen wurden im September 2009 abgeschlossen. Der Stadtpark wurde zu einem zentralen grünen Platz innerhalb des Ortes aufgewertet. [10]

Literatur

  • Simone Hain, Stephan Stroux, Michael Schroedter: Die Salons der Sozialisten: Kulturhäuser in der DDR. Ch. Links, 1996, ISBN 3-86153-118-6.
  • Ulrich Hartung: Arbeiter- und Bauerntempel. DDR-Kulturhäuser der fünfziger Jahre. Ein architekturhistorisches Kompendium. Zugleich Dissertation der Humboldt-Universität Berlin, 1996. Schlezky & Jeep, Berlin 1997, ISBN 3-89541-102-7. (Geschichte der DDR-Kulturhäuser der 1950er Jahre und ausführlicher, bebilderter Katalog)
  • Georg Dehio: Handbuch der Deutschen Kunstdenkmäler, Mecklenburg-Vorpommern. München, Berlin 2000, ISBN 3-422-03081-6 S. 729.
  • Mélanie van der Hoorn: Indispensable Eyesores: An Anthropology of Undesired Buildings. Berghahn Books, 2009, ISBN 978-1-84545-530-9.

Weblinks

 Commons: Kulturhaus Zinnowitz  – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. Simone Hain, Stephan Stroux, Michael Schroedter: Die Salons der Sozialisten: Kulturhäuser in der DDR. Ch. Links, 1996, S. 187.
  2. Amtliches Bekanntmachungsblatt des Amtes Usedom-Nord. Jahrgang 03. Dienstag, den 23. Oktober 2007. Nummer 11. (PDF; 4,5 MB), Zugriff am 5. Januar 2010.
  3. Josef Kaiser: Das Kulturhaus der Maxhütte. In: Deutsche Architektur. Heft 3, 1954, S. 107.
  4. Georg Dehio: Zinnowitz. Ehem. Kulturhaus. 2000, S. 729.
  5. Geschichte des Ostseebades Zinnowitz
  6. Ulrich Hartung: Arbeiter- und Bauerntempel, DDR-Kulturhäuser der fünfziger Jahre - Ein architektonisches Kompendium. Berlin 1996, S. 161.
  7. Landesamt für Denkmalpflege Mecklenburg-Vorpommern (Hrsg.): Die Bau- und Kunstdenkmale in Mecklenburg-Vorpommern. Vorpommersche Küstenregion. Henschelverlag, Berlin 1995, S. 383.
  8. Die Geschichte des Seebades Zinnowitz , Zugriff am 5. Januar 2010.
  9. Zinnowitz: Im Ex-Kulturhaus entstehen Wohnungen , Ostseezeitung, 12. Juni 2015
  10. Ministerium für Energie, Infrastruktur und Landesentwicklung

Kategorien: Bauwerk auf Usedom | Veranstaltungsstätte in Mecklenburg-Vorpommern | Kulturzentrum (Mecklenburg-Vorpommern) | Theatergebäude in Mecklenburg-Vorpommern | Ruine in Mecklenburg-Vorpommern | Baudenkmal im Landkreis Vorpommern-Greifswald | Bauwerk im Landkreis Vorpommern-Greifswald | Zinnowitz | Erbaut in den 1950er Jahren

Quelle: Wikipedia - http://de.wikipedia.org/wiki/Kulturhaus Zinnowitz (Vollständige Liste der Autoren des Textes [Versionsgeschichte])    Lizenz: CC-by-sa-3.0

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