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Kriebitzsch


Dieser Artikel beschreibt die thüringische Gemeinde Kriebitzsch. Für den gleichnamigen deutschen Glasmaler siehe Johannes Kriebitzsch
Wappen Deutschlandkarte
Basisdaten
Bundesland: Thüringen
Landkreis: Altenburger LandVorlage:Infobox Gemeinde in Deutschland/Wartung/Landkreis existiert nicht
Verwaltungs­gemeinschaft: Rositz
Höhe: 200 m ü. NHN
Fläche: 13,3 km²
Einwohner: 1018 (31. Dez. 2015)[1]
Bevölkerungsdichte: 77 Einwohner je km²
Postleitzahl: 04617
Vorwahlen: 03448, 034498 (Zechau)Vorlage:Infobox Gemeinde in Deutschland/Wartung/Vorwahl enthält Text
Kfz-Kennzeichen: ABG, SLN
Gemeindeschlüssel: 16 0 77 022
Gemeindegliederung: Kerngemeinde; 2 Ortsteile
Adresse der
Gemeindeverwaltung:
Hauptstraße 26
04617 Kriebitzsch
Webpräsenz: www.vg-rositz.de
Bürgermeister: Bernd Burkhardt (Die Linke)
}

Kriebitzsch ist eine Gemeinde im thüringischen Landkreis Altenburger Land. Sie gehört zur Verwaltungsgemeinschaft Rositz.

Geographie

Geographische Lage

Die Gemeinde wird dem Altenburg-Zeitzer Lösshügelland zugeordnet und ist stark durch die frühere Braunkohlenförderung (Meuselwitz-Altenburger Braunkohlerevier) geprägt. Der ehemalige Tagebau Zechau – gelegen zwischen Monstab, Großröda und den drei Ortsteilen Kriebitzschs – bildet heute das Naturschutzgebiet "Restloch Zechau" mit großer ökologischer Bedeutung in der Bergbaulandschaft südlich von Leipzig.[2][3] Der Hauptort Kriebitzsch liegt nur zwei Kilometer von der nächstgelegenen Stadt Meuselwitz entfernt. Die Kreisstadt Altenburg liegt fünf Kilometer südöstlich.

Nachbargemeinden

Angrenzende Gemeinden sind (im Uhrzeigersinn) die Stadt Meuselwitz, Rositz, Monstab und Starkenberg im Landkreis Altenburger Land sowie Elsteraue im sachsen-anhaltischen Burgenlandkreis.

Gemeindegliederung

Zu Kriebitzsch gehören die Ortsteile Altpoderschau und Zechau. Die ehemaligen Orte Leesen und Petsa fielen dem Braunkohleabbau (Tagebau Zechau) in den 1950er Jahren zum Opfer und wurden abgesiedelt.

Geschichte

Frühgeschichte

In der damaligen Sandgrube wurde im Jahr 1905 ein bronzezeitlicher Hortfund geborgen. In zwei Tongefäßen befanden sich zwölf Ösenhalsringe, zwei offene Armringe und eine Randaxt. Es könnte eine kultische Deponierung gewesen sein.[4]

13. bis 19. Jahrhundert

Die urkundliche Ersterwähnung von Kriebitzsch erfolgte 1216. Im Dorf wurde auf Anweisung des Kaisers Friedrich Barbarossa (1122–1190) die Anlage der St.-Veit-Kirche veranlasst. Kriebitzsch gehörte zum wettinischen Amt Altenburg,[5][6] welches ab dem 16. Jahrhundert aufgrund mehrerer Teilungen im Lauf seines Bestehens unter der Hoheit folgender Ernestinischer Herzogtümer stand: Herzogtum Sachsen (1554 bis 1572), Herzogtum Sachsen-Weimar (1572 bis 1603), Herzogtum Sachsen-Altenburg (1603 bis 1672), Herzogtum Sachsen-Gotha-Altenburg (1672 bis 1826). Bei der Neuordnung der Ernestinischen Herzogtümer im Jahr 1826 kam der Ort wiederum zum Herzogtum Sachsen-Altenburg. Nach der Verwaltungsreform im Herzogtum Sachsen-Altenburg gehörte Kriebitzsch bezüglich der Verwaltung zum Ostkreis (bis 1900)[7] bzw. zum Landratsamt Altenburg (ab 1900).[8] Juristisch unterstand das Dorf seit 1879 dem Amtsgericht Altenburg und ab 1906 dem Amtsgericht Meuselwitz.

Zeitraum des Braunkohleabbaus in und um Kriebitzsch

Der Braunkohleabbau um das im Zentrum des Meuselwitz-Altenburger Braunkohlereviers liegende Kriebitzsch wurde in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts begonnen. Durch die 1872 eröffnete Bahnstrecke Altenburg–Meuselwitz–Zeitz, an der Kriebitzsch einen Bahnhof erhielt, erlebte der Braunkohleabbau einen Aufschwung, da mit der Bahn neue Absatzmärkte erschlossen werden konnten. In der Folgezeit entstanden Tiefbaugruben um den gesamten Ort, dies waren u.a. die "Grube Ida Nr. 108" (1878 bis 1952), die "Grube Gertrud Nr. 131" (1899 bis 1959), die "Grube Agnes Nr. 109" (1872 bis 1952) und die "Grube Union Nr. 112" (1872 bis 1952). 1898 entstand durch Vereinigung des Gertrud-Schachtes mit dem Glückauf-Schacht bei Kriebitzsch die Aktiengesellschaft Zechau-Kriebitzscher Kohlenwerke „Glückauf“ mit Sitz in Zechau. Zeitweise waren in Kriebitzsch fünf Brikettfabriken in Betrieb.

Im Tagebau wurde die Kohle zunächst im südwestlich von Kriebitzsch liegenden "Tagebau Gertrud I" (1908 bis 1916) gefördert. Etwas später folgte der "Tagebau Gertrud II (Petsa)" (1914 bis 1932) südlich von Petsa. Der 1931 aufgeschlossene Tagebau Gertrud III (Zechau) im Gebiet der südlich von Kriebitzsch liegenden Gemeinde Zechau-Leesen überbaggerte zwischen 1943 und 1947 dessen Ortsteil Petsa und zwischen 1950 und 1952 den Ortsteil Leesen. Die Einwohner wurden größtenteils in eine eigens für sie errichtete Siedlung in Kriebitzsch umgesiedelt. Nachdem der Tagebau im Jahr 1959 am westlichen Ortsrand von Zechau wegen Auskohlung zum Stillstand gekommen war, entstand im Bereich von Leesen das heute renaturierte Restloch Zechau. Es ist heute Naturschutzgebiet mit großer ökologischer Bedeutung innerhalb der Bergbaulandschaft südlich von Leipzig.

20. Jahrhundert

Ab 1918 gehörte Kriebitzsch zum Freistaat Sachsen-Altenburg, der 1920 im Land Thüringen aufging. 1922 wurde der Ort dem Landkreis Altenburg angegliedert. Zur Zeit des Nationalsozialismus unterhielt die Deutsche Erdoel-Actiengesellschaft (DEA) in Zechau ein Lager mit 96 Zwangsarbeitern, in Kriebitzsch waren 12 untergebracht, die in der Bruderzeche H. Solf arbeiten mussten.[9]

Bei der zweiten Kreisreform in der DDR wurden 1952 die bestehenden Länder aufgelöst und die Landkreise neu zugeschnitten. Somit kam Kriebitzsch mit dem Kreis Altenburg an den Bezirk Leipzig. 1953 wurde eine LPG gegründet. In den 1980er Jahren war die Wiederaufnahme des Braunkohleabbaus geplant, welche aber nicht zur Ausführung kam. Dem geplanten „Tagebau Meuselwitz“ zwischen Meuselwitz und Rositz hätte das gesamte Gemeindegebiet von Kriebitzsch einschließlich der Ortsteile Altpoderschau und Zechau weichen müssen.[10] 1990 wurde Kriebitzsch mit dem Kreis Altenburg wieder thüringisch, seit 1994 gehört der Ort zum Landkreis Altenburger Land.

Eingemeindungen und Einwohnerentwicklung

Eingemeindungen

Altpoderschau wurde am 1. Januar 1973 eingemeindet, nachdem es mit Neupoderschau seit 1957 zur Gemeinde Poderschau zusammengefasst worden war. Am 1. August 1977 wurde Zechau mit den Fluren der ehemaligen Orte Leesen und Petsa eingemeindet.

Einwohnerentwicklung

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</timeline> Die Statistik nennt für Kriebitzsch ohne die später eingemeindeten Orte 1910 1686, 1925 1900, 1933 1827 und 1939 noch 1734 Einwohner.

Entwicklung der Einwohnerzahl (Stand jeweils 31. Dezember):

  • 1994: 1511
  • 1995: 1462
  • 1996: 1427
  • 1997: 1405
  • 1998: 1385
  • 1999: 1346
  • 2000: 1318
  • 2001: 1312
  • 2002: 1268
  • 2003: 1233
  • 2004: 1256
  • 2005: 1249
  • 2006: 1208
  • 2007: 1187
  • 2008: 1166
  • 2009: 1133
  • 2010: 1132
  • 2011: 1102
  • 2012: 1078
  • 2013: 1059
  • 2014: 1025
Datenquelle: Thüringer Landesamt für Statistik

Politik

Gemeinderat

Seit der Kommunalwahl vom 25. Mai 2014 setzt sich der Gemeinderat wie folgt zusammen:

  • DIE LINKE - 7 Sitze (57,7 %)
  • Freie Wählergemeinschaft (FWG) - 3 Sitze (25,0 %)
  • Sozialdemokratische Wählervereinigung Kriebitzch (SWV) - 2 Sitze (17,3 %)

Die Wahlbeteiligung lag bei 54,6 %.

Bürgermeister

Die Gemeinderatswahl von 1994 gewann der zur Wählergemeinschaft gehörende Lutz Kipping mit 66,9 % der Stimmen im ersten Wahlgang. 1999 setzte sich Bernd Burkhardt von der PDS mit 58,3 % im ersten Wahlgang durch. Die Wiederwahl erfolgte jeweils im ersten Wahlgang 2004 (96,2 %) und 2010 (70,3 %).

Wirtschaft und Infrastruktur

Verkehr

Über Kriebitzsch verläuft die Bundesstraße 180 von Altenburg nach Zeitz. Die Landesstraße 2174 führt nach Wintersdorf, Kreis- und Gemeindestraßen erschließen die beiden südlichen Ortsteile Altpoderschau und Zechau. Die Gemeinde liegt im Mitteldeutschen Verkehrsverbund und ist über mehrere täglich verkehrende Buslinien der THÜSAC Personennahverkehrsgesellschaft direkt mit Altenburg, Meuselwitz und Lucka verbunden. Die Linie 412 verkehrt bis nach Leipzig. Kriebitzsch besaß einen Haltepunkt an der mittlerweile stillgelegten Bahnstrecke Zeitz–Altenburg.

Ansässige Unternehmen

Im Ortsteil Zechau befand sich eine Brikettfabrik. Sie wurde 1898/1899 erbaut und blieb bis 1991 in Betrieb. Die Fabrik wurde teilweise ab Mitte 1993 als technisches Museum weiter genutzt.[11] Das Museum musste jedoch geschlossen werden und schließlich wurde die Fabrik 2003 vollständig abgerissen.

Kirche

St. Veit-Kirche

Persönlichkeiten

Literatur

  • Lore-Christine Jaschke: Familienbuch Kriebitzsch (Landkreis Altenburger Land) 1809-1875. Leipzig: AMF 2010 (= Mitteldeutsche Ortsfamilienbücher der AMF 54)

Weblinks

 Commons: Kriebitzsch  – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. Bevölkerung der Gemeinden vom Thüringer Landesamt für Statistik  (Hilfe dazu).
  2. Naturschutzrelevante Gebiete der Bergbaufolgelandschaft (Memento vom 6. Oktober 2007 im Internet Archive)
  3. Natur- und Landschaftsschutzgebiete im Altenburger Land
  4. Michael Köhler: Heidnische Heiligtümer. Jenzig-Verlag, 2007, ISBN 978-3-910141-85-8, S. 192.
  5. Das Amt Altenburg. In: Geographie für alle Stände, S. 201 ff.
  6. Die Orte des Amts Altenburg ab S.83 .
  7. Der Ostkreis des Herzogtums Sachsen-Altenburg im Gemeindeverzeichnis 1900
  8. Das Landratsamt Altenburg im Gemeindeverzeichnis 1900
  9. Thüringer Verband der Verfolgten des Naziregimes - Bund der Antifaschisten und Studienkreis deutscher Widerstand 1933-1945 (Hg.): Heimatgeschichtlicher Wegweiser zu Stätten des Widerstandes und der Verfolgung 1933-1945, Reihe: Heimatgeschichtliche Wegweiser Band 8 Thüringen, Erfurt 2003, S. 20, ISBN 3-88864-343-0
  10. Das Braunkohlerevier Altenburg/Meuselwitz, Publikation des LMBV
  11. Technisches Museum Zechau. In: Straße der Braunkohle. Abgerufen am 14. Oktober 2012.

Kategorien: Kriebitzsch | Ort im Landkreis Altenburger Land | Gemeinde in Thüringen

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