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Kreuzkampf


Der Kreuzkampf fand 1936 im Oldenburger Münsterland statt und war eine der wenigen öffentlichen Proteste gegen eine Maßnahme des Nationalsozialismus im Dritten Reich. Ähnliche Aktionen gab es 1941 auch in Bayern.[1]

Ereignisse

Ende 1936 hatte der oldenburgische Minister der Kirchen und Schulen, Julius Pauly, einen Erlass herausgegeben, der besagte, dass aus allen staatlichen Gebäuden und damit auch aus den katholischen Konfessionsschulen religiöse Zeichen wie Statuen, Bilder und vor allem Kreuze entfernt werden sollten. Auch in neuen Gebäuden sollten keine religiösen Symbole mehr angebracht werden.

Dies erregte die Bevölkerung des katholisch geprägten Oldenburger Münsterlands sehr. So versammelten sich am 18. November 1936 in Bethen, einem Wallfahrtsort vor den Toren Cloppenburgs, trotz strömenden Regens ca. 2000 ehemalige Frontsoldaten und ca. 1000 weitere Pilger. Es waren hauptsächlich Wallfahrer aus dem Oldenburger Münsterland, aber auch aus dem Emsland, aus Wilhelmshaven, Bremen und Oldenburg gekommen. Die Stimmung war hochexplosiv.

Kaplan Uptmoor, ein im Ersten Weltkrieg ausgezeichneter Frontkämpfer, hielt eine kämpferische Predigt. Er rief zum Kampf um das Kreuz in den Schulen auf. Die Anwesenden reagierten mit stürmischen Beifall und fuhren entschlossen in ihre Gemeinden zurück. Hier wurden sie durch kämpferische Predigten einer Priestergruppe weiter ermutigt und angespornt.

Es bildete sich eine Widerstandsgruppe, die ihre Widerstandspredigten per Kurier an die einzelnen Pfarreien verschickte. Protestschreiben an die Regierung wurden verfasst, und drei Tage nach einer Kriegerwallfahrt fuhr die erste Abordnung nach Oldenburg, um sich bei Minister Pauly persönlich zu beschweren. Weitere Delegationen folgten, und am 25. November standen 75 Autos der Delegierten vor dem Ministerium.

Am Ende sah sich der oldenburgische Gauleiter, Carl Röver, gezwungen, auf einer von stürmischen Protesten begleiteten Versammlung in der Münsterlandhalle in Cloppenburg am 25. November 1936 den Erlass teilweise zurückzunehmen, wonach das Kreuz weiterhin in Schulen erlaubt sei.

Doch der Teilsieg reichte den Oldenburger Münsterländern nicht: Sie forderten, dass die nationalsozialistische Erziehung und Rassenlehre aus dem Schulunterricht herausgenommen werde. Die nationalsozialistischen Machthaber wagten es zunächst nicht, gegen die Proteste und Predigten der katholischen Kirche anzugehen. Es gab weitere Proteste, ein NS-Blockwart wurde in der Münsterlandhalle verprügelt, SA-Sturm- und Truppführer wurden beschimpft und mit Steinen beworfen.

Der Bischof von Münster, Clemens August Graf von Galen, dankte den Oldenburger Katholiken mit einem Hirtenbrief und erklärte: „… möge ihre Haltung für alle Christen, weit hinaus über die Grenzen unserer Heimat, möge sie vor allem für unsere Jugend Vorbild und Beispiel sein!“ [2][3]

Am 30. Juni 1937 wurden sechs Männer, die am Kreuzkampf teilgenommen hatten, von der Polizei verhaftet, einer kam sogar in das Konzentrationslager Oranienburg. Wenig später wurden fünf weitere Personen verhaftet und inhaftiert. Damit war der Kreuzkampf beendet.

Am 25. November 1961 wurde am Marktplatz in Cloppenburg eine Denkmalanlage aus Sandstein mit Hochkreuz zur Erinnerung an die Protestversammlung gegen den „Kreuzerlass“ errichtet. Alle zwei Jahre findet im Wallfahrtsort Bethen zur Erinnerung an den Kreuzkampf ein „Bekenntnistag“ statt.[4]

Historische Einordnung

Der Kreuzkampf gehört zu den „Großen Erzählungen“ des Oldenburger Münsterlands. Er wird häufig als Beispiel für die These angeführt, dass es traditionell eine besonders belastbare Loyalität zwischen den hier lebenden Katholiken und der katholischen Kirche gebe, die dazu geführt habe, dass das Oldenburger Münsterland vor 1933 eine Hochburg der Zentrumspartei gewesen sei, und noch heute dazu führe, dass es eine Hochburg der CDU sei.

Im Juni 2010 entschuldigte Christian Wulff, damals niedersächsischer Ministerpräsident und Kandidat für das Amt des Bundespräsidenten, in einem Interview eine Äußerung der niedersächsischen Sozialministerin Aygül Özkan, sie sei gegen Kreuze in Klassenzimmern, mit dem Argument, man könne nicht erwarten, dass die in Hamburg aufgewachsene türkischstämmige Frau „jede Besonderheit der niedersächsischen Geschichte kennt, zum Beispiel den »Kreuzkampf« im katholischen Oldenburger Münsterland.“[5]

Joachim Kuropka, emeritierter Professor für Geschichte an der Universität Vechta, betont, dass es beim Kreuzkampf nicht in erster Linie darum gegangen sei, christliche Symbole zu schützen, sondern darum, christliche Werthaltungen zu leben. Er weist darauf hin, dass Eltern in Goldenstedt 1938 gegen die Schließung einer katholischen Bekenntnisschule gestreikt und dass sich 1942 Bürger Cloppenburgs erfolgreich gegen die Deportation von Sinti und Roma gewehrt hätten.[6]

Literatur

  • Johannes Göken: Der Kampf um das Kreuz in der Schule. A. Fromm, Osnabrück 1947.
  • Johannes Pohlschneider: Der nationalsozialistische Kirchenkampf in Oldenburg. Butzon und Bercker, Kevelaer 1978, ISBN 3-7666-9006-X.
  • Joachim Kuropka (Hrsg.): Zur Sache - Das Kreuz! Untersuchungen zur Geschichte des Konflikts um Kreuz und Lutherbild in den Schulen Oldenburgs, zur Wirkungsgeschichte eines Massenprotests und zum Problem nationalsozialistischer Herrschaft in einer agrarisch-katholischen Region. Vechta 1986, ISBN 3-88-441036-9.
  • Joachim Kuropka: Totalitäres Regime und katholischer Klerus in Oldenburg. In: Oldenburger Jahrbuch. Bd. 104 (2004), S. 187–202 (online ).
  • Maria Anna Zumholz (Hrsg.): Katholisches Milieu und Widerstand – Der Kreuzkampf im Oldenburger Land. LIT-Verlag, Berlin 2012, ISBN 978-3-643-11937-7.

Weblinks

Einzelnachweise

  1. wissenmedia in der inmediaONE GmbH: Tageseinträge für 23. April 1941 . chroniknet
  2. Erholungsgebiet Thülsfelder Talsperre e.V.: Cloppenburg - Mahnmal Kreuzkampf
  3. Peter Löffler (Hrsg.): Bischof Clemens August Graf von Galen – Akten, Briefe und Predigten 1933–1946. Ferdinand Schöningh, Paderborn/München/Wien/Zürich, 2. Aufl. 1996, ISBN 3-506-79840-5, S. 465.
  4. Mit Wut und voller Verbitterung – Vor 75 Jahren: Oldenburger Kreuzkampf . Kirchensite 18. November 2011.
  5. Können Sie das, Herr Wulff? . Die Zeit. Ausgabe 24/2010.
  6. Thomas Schwierzi: Nazidiktatur: Widerstand in Südoldenburg – Arbeitsstelle der Uni Vechta legt neue Ergebnisse vor . Nordwestradio. 28. November 2012.

Kategorien: Politik 1936 | Widerstand gegen den Nationalsozialismus | Römisch-katholische Kirche im Deutschen Reich 1933–1945

Quelle: Wikipedia - http://de.wikipedia.org/wiki/Kreuzkampf (Vollständige Liste der Autoren des Textes [Versionsgeschichte])    Lizenz: CC-by-sa-3.0

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