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Kreis Marienwerder


Der Kreis Marienwerder war ein Landkreis in der Provinz Westpreußen und später (1922 bis 1945) in der Provinz Ostpreußen. Er bestand von 1818 bis 1945. Er umfasste am 1. Januar 1945 zwei Städte und 52 Gemeinden. Die Hauptstadt war Marienwerder.

Überblick

Das spätere Kreisgebiet war das Kerngebiet des Fürstbistums Pomesanien, das nach dem Zweiten Thorner Frieden 1466 beim Gebiet des Deutschen Ordens verblieb. Das Fürstbistum ging 1526 im Herzogtum Preußen auf. Die Ämter des späteren Kreisgebiets wurden Teil des Oberländischen Kreises. Bei der 1752 von Friedrich II. durchgeführten Verwaltungsreform Ostpreußens wurde ein Marienwerderscher Kreis als einer von zehn neu eingerichteten ostpreußischen landräthlichen Kreisen geschaffen, die aber mit den nach 1815 geschaffenen Kreisen kaum mehr als den Namen gemeinsam hatten.

Im Zuge der ersten Teilung Polens wurde 1773 das gesamte Kreisgebiet der neu geschaffenen Provinz Westpreußen unterstellt.

Nach der Neuorganisation der Kreisgliederung im preußischen Staat nach dem Wiener Kongress entstand mit dem 1. April 1816 der Kreis Marienwerder im Regierungsbezirk Marienwerder in der preußischen Provinz Westpreußen. Der Kreis umfasste bis 1818 fünf königliche Immediat- und zwei adlige Mediatstädte sowie vier Domänen- bzw. Erbhauptämter.

1818 wurde der Kreis Rosenberg (Westpreußen) abgetrennt und die Stadtgemeinde Rosenberg (Westpreußen) zur Kreisstadt dieses neu geschaffenen Kreises erhoben. Zum Ausgleich wurde der Kreis Marienwerder um einige Gemeinden westlich der Weichsel vergrößert. Durch die deutsch-polnische Grenzziehung 1920 wurde der Kreis geteilt, nur die östlich der Weichsel gelegenen Gebiete blieben bis 1945 bei Deutschland.

Zum 1. Juli 1922 wurde der Kreis Marienwerder förmlich in die Provinz Ostpreußen eingegliedert. Dominierender Wirtschaftszweig war die Landwirtschaft, in der 1933 rund 65 % der nicht in der Kreisstadt lebenden Bewohner tätig waren.

Verwaltungsgeschichte

Nach der Neuorganisation der Kreisgliederung im preußischen Staat nach dem Wiener Kongress entstand mit dem 1. April 1816 der Kreis Marienwerder im Regierungsbezirk Marienwerder in der preußischen Provinz Westpreußen. Dieser umfasste meist ländliche Gebiete westlich und östlich der unteren Weichsel. Das Landratsamt befand sich in Marienwerder.

Seit dem 3. Dezember 1829 gehörte der Kreis – nach dem Zusammenschluss der bisherigen Provinzen Preußen (nicht: Ostpreußen) und Westpreußen – zur neuen Provinz Preußen mit Sitz in Königsberg i. Pr. Der Regierungsbezirk Marienwerder blieb dabei bestehen.

Das Königreich Preußen (und damit auch der Kreis Marienwerder) gehörte ab 1815 zum Deutschen Bund, ab 1867 zum Norddeutschen Bund und ab 1871 zum Deutschen Reich.

Nach Inkrafttreten des Versailler Vertrages am 10. Januar 1920 gehörten alle Gebiete westlich der Weichsel nunmehr als neuer Kreis Gniew (Mewe) der polnischen Zweiten Rzeczpospolita an. Dieser wurde zum 1. April 1932 aufgelöst und auf die Kreise Tczew (Dirschau), Starogard (Preußisch Stargard) und Swiecie (Schwetz) verteilt. Der vorläufig deutsch gebliebene Ostteil wurde einstweilig dem Oberpräsidenten in Königsberg i. Pr. unterstellt. Am 24. Januar 1920 trat der Kreis unter die Interalliierte Kommission für Regierung und Volksabstimmung in Marienwerder.

Nach dem eindeutigen Ergebnis der Volksabstimmung im Abstimmungsgebiet Marienwerder am 11. Juli 1920 verblieb der Kreis endgültig bei Deutsch-Preußen. Trotz des positiven Ausgangs des Referendums für einen Verbleib beim Deutschen Reich mussten am 12. August 1920 auch die ostwärts der Weichsel gelegenen Landgemeinden Außendeich, Johannisdorf, Kleinfelde, Kramershof und Neu Liebenau an Polen abgetreten werden.

Mit dem 16. August 1920 endete die Unterstellung des Kreises unter die Interalliierte Kommission für Regierung und Volksabstimmung in Marienwerder. Nunmehr konnten endgültige Regelungen hinsichtlich der Reste der Provinz Westpreußen getroffen werden. Zum 1. Juli 1922 wurde der Kreis Marienwerder förmlich in die Provinz Ostpreußen eingegliedert.

Der „Regierungsbezirk ‚Marienwerder‘“ wurde aus Traditionsgründen in Regierungsbezirk Westpreußen umbenannt. Sitz des Regierungspräsidenten blieb weiterhin in Marienwerder.

Zum 30. September 1929 fand im Kreis Marienwerder entsprechend der Entwicklung im übrigen Preußen eine Gebietsreform statt, bei der alle bisher selbstständigen Gutsbezirke aufgelöst und benachbarten Landgemeinden zugeteilt wurden.

Mit dem 26. Oktober 1939 wurde der Landkreis Marienwerder Teil des neu gebildeten Reichsgaus Westpreußen, der zum 2. November 1939 in „Reichsgau Danzig-Westpreußen“ umbenannt wurde. Der Regierungsbezirk führte jetzt zwar wieder die frühere Bezeichnung „Marienwerder“, war aber nicht mehr Bestandteil des Freistaats Preußen.

Am 2. Dezember 1940 wurden rückwirkend die seit dem 26. Oktober 1939 mitverwalteten früher polnischen Gemeinden Burztych (Außendeich), Janowo (Johannisdorf), Kramrowo (Kramersdorf), Male Polko (Kleinfelde) und Nowe Lignowy (Neuliebenau) des Landkreises Dirschau in den Landkreis Marienwerder eingegliedert.

Im Frühjahr 1945 wurde das Kreisgebiet durch die Rote Armee besetzt und wurde danach ein Teil der Woiwodschaft Allenstein.

Landräte

  • 1818–1833: Anton Freiherr von Rosenberg-Klötzen († 2. März 1849)
  • 1833–1865: Benno Graf von Rittberg
  • 1865–1866: von Buddenbrock (kommissarisch)
  • 1866–1878: Ernst von Pusch (1834–1904)
  • 1878–1880: Walther Herwig (1838–1912)
  • 1880–1886: Waldemar Mueller (1851–1924)
  • 1886–1893: Stephan Genzmer (1849–1927)
  • 1893–1906: Max Brückner (* 1855) [1]
  • 1906–1919: Adolf Abicht (* 1872) [2]
  • 1919–1927: Otto Schwemann
  • 1927–9999: Hans Freiherr von Oldershausen (1876–1956) (kommissarisch)
  • 1927–1933: Otto Ulmer (1890–1946)
  • 1934–1939: Bernhard Wuttke († 1944)
  • 1939–1941: Artur Franz (vertretungsweise)
  • 1941–9999: von Roeder (kommissarisch)
  • 1941–1945: Rudolf Schmidt

Kommunalverfassung

Die Kreis Marienwerder gliederte sich zunächst in die Stadtgemeinden Garnsee, Marienwerder und Mewe, in Landgemeinden und selbstständige Gutsbezirke.

Mit Einführung des preußischen Gemeindeverfassungsgesetzes vom 15. Dezember 1933 sowie der Deutschen Gemeindeordnung vom 30. Januar 1935 wurde zum 1. April 1935 das Führerprinzip auf Gemeindeebene durchgesetzt.

Eine neue Kreisverfassung wurde nicht mehr geschaffen; es galt weiterhin die Kreisordnung für die Provinzen Ost- und Westpreußen, Brandenburg, Pommern, Schlesien und Sachsen vom 19. März 1881.

Bevölkerung

Im Folgenden eine Übersicht[3] nach Einwohnerzahl, Konfessionen und Sprachgruppen:

Jahr 1821 1831 1841 1852 1861 1871 1880 1890 1900 1910
Einwohner 38.089 41.250  ? 59.001 62.922 65.805  ? 63.675 66.773 68.426
Evangelische
Katholiken
Juden
23.190
14.105
374
25.529
14.927
422
  36.527
21.309
815
38.031
23.483
879
38.963
25.664
804
  34.870
27.878
695
35.416
30.571
588
35.248
32.350
311
deutschsprachig
zweisprachig
polnischsprachig
  32.130

9.120
  40.778

18.223
44.489

18.433
    40.772
1.169
21.701
42.170
720
23.867
42.465
796
25.148

1939 waren von den Bewohnern des Landkreises 81 % evangelisch und 17 % katholisch.

Ortsnamen

In einigen Fällen wurden in den 1930er Jahren Ortsnamen als „nicht deutsch“ genug angesehen und erhielten eine lautliche Angleichung oder Übersetzung, zum Beispiel:

  • Baldram: Mergental
  • Bandtken: Pankendorf
  • Bialken: Weißenkrug
  • Gutsch: Zandersfelde
  • Kamiontken: Lamprechtsdorf
  • Kanitzken: Kunkenau
  • Russenau: Reussenau
  • Zigahnen: Dietmarsdorf

Persönlichkeiten

  • Heinrich Joachim Woldeck von Arneburg, um 1767 von Friedrich II. eingesetzter Landrat des Kreises Marienwerder (erwähnt 1769/72),[4] ab 1774 Oberrat im Generaldirektorium, Abt. 9,[5] Peuplierungspolitiker und Merkantilist[6]

Literatur

  • Franz Neumann, Otto Gründer: Der Kreis Marienwerder/Wpr. – Landgemeinden und Stadt Garnsee. Heimatkreis Marienwerder, Hamburg 1983.

Weblinks

 Commons: Kreis Marienwerder  – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. preussenprotokolle.bbaw.de (PDF; 2,3 MB) Band 8-2
  2. (eingeschränkte Vorschau bei Google Book Search).
  3. Leszek Belzyt: Sprachliche Minderheiten im preußischen Staat 1815–1914. Marburg 1998, S. 109.
  4. Deutsches Biographisches Adelsrepertorium .
  5. 1808 wurde das Generaldirektorium im Rahmen der Preußischen Reformen im Zusammenhang mit der Einführung der neuen preußischen Zentralverwaltung aufgelöst. Christian Gahlbeck, Vacys Vaivada, Joachim Tauber: Archivführer zur Geschichte des Memelgebiets und der deutsch-litauischen Beziehungen. Oldenbourg, München 2006, ISBN 3-486-57902-9, S. 42.
  6. Zeitschrift des Historischen Vereins für den Regierungsbezirk Marienwerder. Erstes Heft, im Auftrage des Vorstandes hrsg. von Georg von Hirschfeld. Marienwerder 1876, S. 232.

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Quelle: Wikipedia - http://de.wikipedia.org/wiki/Kreis Marienwerder (Vollständige Liste der Autoren des Textes [Versionsgeschichte])    Lizenz: CC-by-sa-3.0

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