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Krebsöge


Krebsöge
Höhe: 240 m ü. NN
Einwohner: 71 (31. Okt. 2004)
Postleitzahl: 42477
Vorwahl: 02191

Lage von Krebsöge in

Krebsöge ist eine Ortschaft der Stadt Radevormwald im Oberbergischen Kreis im Regierungsbezirk Köln in Nordrhein-Westfalen. Der Ort ist seit dem 18. Jahrhundert ein Industriestandort und wird auch heute noch von umfangreichen Werksanlagen der Firma GKN sintermetals dominiert, die über 400 Mitarbeiter beschäftigt.

Etymologie und Geschichte

Oege, Öge ist eine regionale Form von Aue und spiegelt die Lage des Orts in der Wupperaue wider. Offenbar gab es in der Entstehungszeit des Wohnplatzes ein reichhaltiges Vorkommen von Flusskrebsen an dieser Stelle, das sich ebenfalls im Ortsnamen niedergeschlagen hat. 1888 ist ein Massensterben der Flusskrebse in der Wupper belegt, als die aus Amerika eingeschleppte Krebspest (Pilzkrankheit) den Bestand befiel.[1]

1514 wurde der Ort das erste Mal urkundlich erwähnt und zwar in den „Kirchenrechnungen“. Schreibweise der Erstnennung: Krevetz oge.[2] Die Karte Topographia Ducatus Montani aus dem Jahre 1715 zeigt den Hof als Krebseou. Im 18. Jahrhundert gehörte der Ort zum bergischen Amt Bornefeld-Hückeswagen.

1724 ließen Peter Moll, Peter Daniel Hardt und Engelbert Strohn ein Wassertriebwerk bei Krebsöge errichten, in dem eine Walkmühle eingerichtet werden sollte. Das Wasser für die Wassertriebwerke wurde über einen langen Obergraben zu den Wasserrädern geführt, das mittels eines Wehres von der Wupper oberhalb von Krebsöge abgezweigt wurde und in einem Hammerteich gestaut wurde. Beinahe fünfzig Jahre später sind in einer Urkunde vom 15. April 1770 eine Walkmühle, ein Stab-Eisenhammer und vier Reckhämmer überliefert. 1804 zeichnete der Geometer Engelbert Haendeler einen Plan von Krebsöge. In diesem sind acht Gebäude unterhalb des Krebsöger Hammerteiches mit insgesamt zehn Wasserrädern eingezeichnet.[1] 1815/16 lebten vier Einwohner im Ort.[3]

1828 wurde das Urkataster des Orts aufgenommen. Es zeigt ein neues Gebäude an der Stelle dreier Walkmühlen bzw. Hammerwerken. Andere Kotten waren an die Gebrüder Hilger vermietet, die dort eine Tuchappretur betrieben. Der Baumeister Christian Schmidt errichtete um 1850 nach den Plänen von Christian Heyden eine große Fabrik unterhalb des Hammerteichs. Bauherren der Spinnerei, deren Arbeiter in einem Haus im Ort wohnten, waren die Gebrüder Thüring. Diese Fabrik wurde 1864 im Auftrag eines Albert Karsch durch den Baumeister Albert Schmidt erweitert, aber nach dessen Ableben 1868 von dem Schwiegersohn Arnold Budde innerhalb weniger Jahre in technischer und kaufmännischer Hinsicht heruntergewirtschaftet.[1][4]

Die alte Verbindungsstraße von Lennep nach Radevormwald führte über Krebsöge. 1830 wurde die dortige Wupperfurt durch eine Brücke ersetzt. Später wurde diese Straße bis zum Aufstau der Wuppertalsperre zur Bundesstraße 229 ausgebaut.[1]

1832 war Krebsöge unter dem Namen Krebsoege Teil der altbergischen Landgemeinde Fünfzehnhöfe, die der Bürgermeisterei Wermelskirchen angehörte. Der laut der Statistik und Topographie des Regierungsbezirks Düsseldorf als Wirthshaus und Ackergut bezeichnete Ort lag an der Grenze zur Bürgermeisterei Lüttringhausen und besaß zu dieser Zeit ein Wohnhaus und ein landwirtschaftliches Gebäude. Zu dieser Zeit lebten vier Einwohner im Ort, allesamt evangelischen Glaubens [3]

Wilhelm Lausberg errichtete 1853 die Kronenbrauerei. In ihr wurde die Sorten Kronenpilsner, Krebsoeger Lager, Krebsoeger, Muenchner und das Bockbier Doppel-Krone gebraut. Die Gebäude der Tuchfabrik wurden schließlich am 20. Dezember 1878 von der Firma Peter Hammacher & Cie. erworben, die dort einen Tuchfabrik einrichteten. Neben der „ältesten Balancierdampfmaschine des Kreises Lennep“ sorgte eine 86 PS starke Henschel-Jonval Turbine (Gefälle 4,30 m, Verbrauch 2000 Liter Wupperwasser pro Sekunde) für den Antrieb der Textilmaschinen.[1]

Für die Anbindung der Fabriken in den Wupperortschaften wurde 1886 der erste Teilabschnitt der Wuppertalbahn gebaut. Auch Krebsöge bekam einen eigenen Abzweigebahnhof an der Bahnstrecke, den Bahnhof Krebsöge. Über den bedeutenden Eisenbahnknotenpunkt gelangte man per Schiene nach Barmen, nach Lennep oder nach Radevormwald und Halver.[5][4]

Im Gemeindelexikon für die Provinz Rheinland werden für das Jahr 1895 drei Wohnhäuser mit 15 Einwohnern angegeben. Der Ort gehörte zu dieser Zeit zur Bürgermeisterei Fünfzehnhöfe innerhalb des Kreises Lennep.[6] 1909 besitzt der Ort sechs Wohnhäuser mit 44 Einwohnern.[7]

Am 16. April 1901 erwarb die Barmer Firma Philipp Barthels-Feldhoff für 90.000 Mark sämtliche Liegenschaften in Krebsöger und produzierten dort Eisengarn.[1] 1906 wurde die Bürgermeisterei Fünfzehnhöfe in die Stadt Lennep eingemeindet.

1908 wurde die Kronenbrauerei von dem Wilhelm Lausberg an einen Ulrich Andreas aus Hagen-Haspe verkauft. Trotz Anschluss an die Gastwirtschaft und späterem Hotel Weber brach der Umsatz während des Ersten Weltkriegs ein und die Brauerei musste 1917 schließen. 1925 kaufte der Gastwirt Otto Weber die Brauereigebäude. Der Dreher Heinrich Stück mietete sich ein und stellte dort Stahlformen für Ziegel- und Kunststeine her.

Um 1920 wurde der Ort an das Stromnetz angeschlossen. Die Firma Philipp Barthels-Feldhoff, die sich nach dem Ersten Weltkrieg aufgrund geringer Nachfrage nach Eisengarn auf die Doubliererei und Flechterei beschränkte, war mit 60.000 Kilowattstunden der Großverbraucher im Ort. 1930 wurde der Geschäftsbetrieb eingestellt. 1941 überlegte der Wuppertaler Unternehmer Kurt Herberts in dem Werk eine Farben- und Lackproduktion aufziehen, aber verwarf die Idee wieder.[1]

Lennep wurde 1929 in Remscheid eingemeindet, die östlichen Randorte wie Krebsöge kamen zu Radevormwald.

Sintermetallwerk Krebsoege

Die Sintern-Kapillar Abteilung des Schwelmer Eisenwerkes zog schließlich 1943 in die Fabrik ein. Am 13. Juni 1943 wurde die Sintermetallwerk Krebsoege GmbH (SMK) in Handelsregister eingetragen, die bereits 1944 einen Jahresumsatz von 3,3 Millionen Reichsmark mit Sinter- oder Pulvermetall erzielte. Das Kriegsende bedeutete einen drastischen Einbruch für die Fertigung, nur knapp konnte die Firma mit wenigen Beschäftigten und der Produktion von Gleitlagern erhalten werden. Da die Stromversorgung noch nicht wieder hergestellt worden war, wurde der Strom für die Sinteröfen und Pressen mittels einer 170 PS starken Francisturbine lokal erzeugt.[1]

Die Firma erfuhr ein großes Wachstum und gründete zwischen 1960 und 1970 mehrere Zweigwerke in Deutschland. 1968 betrug der Jahresumsatz der Firma 15 Millionen DM. Auch in Krebsböge expandierte die Firma, die ältere Gebäude durch neue Werkshallen ersetzte. Als die alte Fabrik am 24. Februar 1971 abbrannte, wurde es durch ein modernes Werksgebäude ersetzt. Erst 1973 endete auch die Nutzung der Wasserkraft nach rund 250 Jahren. An der Stelle des Wehres wurde der Staudamm der Wuppertalsperre errichtet. In den 1990er Jahren wurden weitere Werkshallen errichtet.[1] 1993 erhielt das Sintermetalwerk Krebsoege vom Gemeinschaftsausschuss Pulvermetallurgie für herausragende Leistungen auf dem Gebiet der Pulvermetallurgie den Skaupy-Preis.

Der Ort wurde durch den Bau der Wuppertalsperre stark beschnitten. Der Damm wurde mitten durch den Ort errichtet und südliche Teile des Orts mitsamt dem Bahnhof versanken ab 1986 in den Fluten. Im Eiskeller der alten Brauerei suchten die Krebsöger Einwohner Schutz vor Luftangriffen im Zweiten Weltkrieg. Für den Bau des Grundablassstollens der neu errichten Wuppertalsperre wurde die alte Brauerei in Teilen abgerissen. Bei den Abrissarbeiten 1985 fanden die Bauarbeiter des Wupperverbandes in den 20 m tiefen Eiskellern zahlreiche Porzellanverschlüsse und alte Bierflaschen mit der Aufschrift Krebsoeger Lager.

Gegenwart

Heute wird der Ort durch den großen Abschlussdamm der Wuppertalsperre beherrscht. Die Anliegerstraße an Staumauer und der Lenneper Bach-Vorsperre lädt vor allem Inline-Skater zum Befahren ein. Startpunkt ist in der Regel ein Wanderparkplatz an der Staumauer. Das „alte Dorf“ Krebsöge ist in wenigen Teilen als Einheit noch erhalten und wurde mit neueren Wohnbauten ergänzt.

Wander- und Radwege

Folgende Wanderwege führen an dem Ort vorbei:

Literatur

  • Norbert Wolff: Versunken in der Wupperfluten. Eine Dokumentation in Wort und Bild von Krebsöge und Kräwinklerbrücke vor dem Bau der Wupper-Talsperre. Geiger-Verlag, Horb am Neckar 1999, ISBN 3-89570-610-8.
  • Klaus Pampus: Urkundliche Erstnennungen oberbergischer Orte (= Beiträge zur Oberbergischen Geschichte. Sonderband 1). Oberbergische Abteilung 1924 e.V. des Bergischen Geschichtsvereins, Gummersbach 1998, ISBN 3-88265-206-3.
  • Manfred Heymann u. a.: Krebsöge „original“. Der kleine Ort vor dem Bau der Wupper-Talsperre. Eine Nostalgie. Jungdruck, Radevormwald 2007.

Einzelnachweise

  1. 1,0 1,1 1,2 1,3 1,4 1,5 1,6 1,7 1,8 Krebsöge auf wupperindustrie.de (Abgerufen: 19. Januar 2015)
  2. Klaus Pampus: Urkundliche Erstnennungen oberbergischer Orte (= Beiträge zur Oberbergischen Geschichte. Sonderbd. 1). Oberbergische Abteilung 1924 e.V. des Bergischen Geschichtsvereins, Gummersbach 1998, ISBN 3-88265-206-3.
  3. 3,0 3,1 Johann Georg von Viebahn: Statistik und Topographie des Regierungsbezirks Düsseldorf. Theil 2: Die statistische Ortschafts- und Entfernungs-Tabelle und das alphabetische Ortsnamenverzeichniß enthaltend. Schreiner, Düsseldorf 1836, S. 19 .
  4. 4,0 4,1 Wilhelm R. Schmidt (Hrsg.): Albert Schmidt. Ein bergischer Baumeister. Sutton, Erfurt 2008, ISBN 978-3-86680-400-5, S. 121 ff.
  5. Rudolf Inkeller: Die Wuppertalbahn. Die Eisenbahnverbindung Wuppertal – Radevormwald – Brügge (Westf.) (= Rheinisch-Bergische Eisenbahngeschichte. Heft 5). 3., überarbeitete und aktualisierte Auflage. Kaiß, Leichlingen 2004, ISBN 3-9806103-7-3, S.38f.
  6. Königliches Statistisches Bureau (Preußen) (Hrsg.): Gemeindelexikon für die Provinz Rheinland. Auf Grund der Materialien der Volkszählung vom 1. Dezember 1895 und andere amtlicher Quellen (= Gemeindelexikon für das Königreich Preußen. Bd. 12, ZDB-ID 1046036-6 ). Verlag des Königlichen Statistischen Bureaus, Berlin 1897.
  7. Königliches Statistisches Bureau (Preußen) (Hrsg.): Gemeindelexikon für die Provinz Rheinland. Auf Grund der Materialien der Volkszählung vom 1. Dezember 1905 und andere amtlicher Quellen (= Gemeindelexikon für das Königreich Preußen. Bd. 12). Verlag des Königlichen Statistischen Bureaus, Berlin 1909.

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