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Krasnolessje


Dorf
Krasnolessje/Rominten (Hardteck)
Краснолесье
Flagge Wappen
Föderationskreis Nordwestrussland
Oblast Kaliningrad
Rajon Nesterow
Frühere Namen Rominten, Groß-Rominten (bis 1938)
Hardteck (1938–1946)
Bevölkerung 415 Einwohner
(Stand: 14. Okt. 2010)[1]
Höhe des Zentrums 150 m
Zeitzone UTC+2
Telefonvorwahl (+7) 40144
Postleitzahl 238023
Kfz-Kennzeichen 39, 91
OKATO 27 224 816 007
Geographische Lage
Koordinaten }

Krasnolessje (russisch Краснолесье, bis 1938 (Groß-)Rominten, 1938–1946 Hardteck) ist ein Ort im Rajon Nesterow der Oblast Kaliningrad (Russland), früheres nördliches Ostpreußen. Es ist inzwischen Ortsteil von Tschistyje Prudy (früher Tollmingkehmen, 1938–1946 Tollmingen).

Geografie

Östlich Krasnolessje befindet sich die Rominter Heide (russisch Krasny Les), die früher bevorzugtes Jagdgebiet preußischer Landesherren war. Durch die Rominter Heide fließt der Fluss Krasnaja (früher Rominte).

Geschichte

Das Dorf Rominten wurde 1539 zum ersten Mal urkundlich erwähnt, obwohl angenommen wird, dass die Besiedlung schon einige Jahrzehnte vor diesem Datum begann. Rominten sollte mit dem gegen 1500 besiedelten und urkundlich erwähnten Dorf Hof Rominten (Kummetschen) nicht verwechselt werden.

Der Name Rominten weist auf ein prußisches Heiligtum[2], denn heidnische Gottesdienste wurden in freier Natur, in Wäldern und auf Heiden abgehalten (roms, rams: still, ruhig, andächtig). Im Rahmen der nationalsozialistischen Umbenennungen nichtdeutscher Ortsnamen wurde die am Westrand der Rominter Heide gelegene Gemeinde (Groß-)Rominten 1938 in den willkürlich gewählten Namen „Hardteck“ umbenannt. Die mitten in der Heide gelegene Ortschaft (Jagdhaus) Rominten, mit gleichnamiger Oberförsterei, ehemaligem kaiserlichen Jagdschloss, „Hirschbrücke“ und dem von Hermann Göring errichteten Reichsjägerhof Rominten, behielt diesen Namen und wurde zum touristischen und jagdlichen Zentrum der Rominter Heide. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde (Groß-)Rominten/Hardteck russisch und in Krasnolessje umbenannt.

Bekannt ist, dass in den Jahren 1535–65 14 Bauernhöfe in Rominten gebaut wurden. 1542 gab es im Dorf schon 45 Hauswirtschaften, deren Anzahl sich später auf 51 erhöht hat. Rominten war nicht nur die älteste dörfliche Ortschaft im Landkreis Insterburg, sondern auch die größte bis zum Jahr 1944. Rominten gehörte bis 1945 zum Landkreis Goldap.

Einwohnerentwicklung:

  • 1780: 109 Erwachsene + 34 Kinder,
  • 1863: 958,
  • 1871–74: 1100 (722 Rominten, 363 Klein Rominten, 25 Praßberg)
  • 1885: 1118,
  • 1898: 1088,
  • 1903–07: 1200,
  • 1931: 1021,
  • 1992: 440

Im Jahr 1735 wurde im Dorf eine Schule errichtet. 1860 wurde die Eisenbahnstrecke Königsberg-Eydtkuhnen eröffnet. 1901 folgte die Bahnstrecke Goldap–Stallupönen (über Tollmingkehmen und Groß Rominten) mit einem größeren Anhaltepunkt in Groß Rominten. Das wurde zu einer wichtigen Voraussetzung zur Entwicklung der Gewerben und nicht zuletzt des Tourismus im Dorf, wozu jährliche Aufenthalte von der Kaiserfamilie in Kaiserlich Rominten wesentlich beitrug. 1862–65 wurde eine für alle Dörfer in der Umgebung wichtige 30 Kilometer lange Landstraße von Kiauten (russisch: Smirnowo) bis zur Grenze des Bezirks Stallupönen über Groß Rominten und Tollmingkehmen gebaut.

1863 wurde Rominten zusammen mit dem Gut Praßberg wurde zu einem freien nicht-vererbbaren, von der Fronpflicht befreiten Siedlung mit 277 Häusern und der Flächengröße von 765 ha. Der Viehbestand schloss 95 Pferde, 55 Rinder, 140 Schafe, 131 Schweine und 1 Ziege ein.

Die unmittelbar an der Grenze zu Polen gelegene Ortschaft (Jagdhaus) Rominten existiert nicht mehr, deren historische Gebäude sind ruiniert und von Wald überwachsen. Die Ortsstellenbezeichnung des ehemaligen (Jagdhaus) Rominten lautet Raduschnoje (Радужноө). Seit 1945 befindet sich Krasnolessje in einer unbequemen Randlage, zunächst in einem sowjetischen Militärsperrbezirk, seit Auflösung der UdSSR in einer strukturschwachen Region der Oblast Kaliningrad, die nun eine Exklave bildet. Krasnolessje ist Zentrum des Nesterower Forstbetriebes. Im Dorf gibt es auch einen Kiessandtagebau und ein holzverarbeitendes Privatunternehmen.

Kirche

Evangelisch

Mit finanzieller Unterstützung von Kaiser Wilhelm I. wurde in Groß Rominten im Jahre 1880 eine Kirche gebaut. An sie erinnert allerdings nur noch die Ruine des ausgebrannten Gebäudes. Mittlerweile wurde der zerstörte Dachstuhl (2015) wieder restauriert und das Dach gedeckt.

Kirchengemeinde

Die Bevölkerung von Rominten/Hardteck war vor 1945 überwiegend evangelischer Konfession. Damals galt es als das jüngste Kirchspiel im Landkreis Goldap, war es doch erst im Jahre 1868 gegründet worden. Vorher waren die Orte des Kirchspiels den Kirchdörfern Gawaiten (1938–1946 Herzogsrode, heute russisch: Gawrilowo) bzw. Tollmingkehmen (1938–1946 Tollmingen, russisch: Tschistyje Prudy) zugeordnet. 1944 gehörten 16 Dörfer zum Pfarrsprengel Groß Rominten, der in den Kirchenkreis Goldap (heute polnisch: Gołdap) in der Kirchenprovinz Ostpreußen der Kirche der Altpreußischen Union eingegliedert war.

Während der Sowjetzeit war alles kirchliche Leben untersagt. In den 1990er Jahren entstand im Nachbarort Tschistyje Prudy wieder eine evangelische Gemeinde, die zur Propstei Kaliningrad in der Evangelisch-Lutherischen Kirche Europäisches Russland gehört[3].

Kirchspielorte (bis 1945)

Zum evangelischen Kirchspiel Groß Rominten resp. Hardteck gehörten vor 1945 16 Orte, Ortschaften und Wohnplätze[4][5]:

Deutscher Name Änderungsname
1938 bis 1946
Russischer Name Deutscher Name Änderungsname
1938 bis 1946
Russischer Name
Bromberg Klein Rominten Kleinhardteck
Eckertsberg Simonowo Klein Trakischken
Freiberg Praßberg
*Groß Rominten Hardteck Krasnolessje Roponatschen Steinheide
Groß Trakischken Hohenrode Schelesnodoroschnoje *Szeldkehmen
1936–38: Scheldkehmen
Schelden Sosnowka
*Kiauten/Domäne Kiauten Smirnowo *Texeln
Kiauten/Eisenhütte Zellmühle Smirnowo Uszupönen
1936–38: Uschupönen
Grundfeld Bulawino
Klein Jodupp Kleinschelden Petrowskoje Warkallen Wartenstein

Pfarrer 1868–1945

Zwischen 1868 und 1945 amtierten in Groß Rominten/Hardteck sieben evangelische Geistliche[6]:

  • Otto Friedrich Hermann Krauß, 1868–1873
  • August Lange, 1873–1878
  • Johannes Hübner, 1878–1885
  • Carl Hugo Szczeczka, 1885–1921
  • Bruno Franz, 1921–1928
  • Georg Teschner, 1928–1930
  • Alfred Radtke, 1930–1945

Lehrer in Gr. Rominten/Hardteck Fritz Schwetlick vor 1945

Russisch-Orthodox

Die meisten heutigen Einwohner in der Region sind heute, sofern konfessionell gebunden, Angehörige der russisch-orthodoxen Kirche. Krasnolessje liegt auf dem Territorium der Diözese Kaliningrad und Baltijsk und gehört zur Kirchengemeinde Nesterow.

Sehenswertes

Im Zentrum des Dorfes ist ein Denkmal des Ersten Weltkrieges 1914–1918 erhalten geblieben. Nördlicher davon wurde eine Ehrengrabstätte für die im Zweiten Weltkrieg gefallenen sowjetischen Soldaten errichtet.

Seit dem Ende des 20. Jahrhunderts sich in Krasnolessje das Wystiter Ökologisch-Historische Museum.

Weblinks

 Commons: Krasnolesye  – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. Itogi Vserossijskoj perepisi naselenija 2010 goda. Kaliningradskaja oblastʹ. (Ergebnisse der allrussischen Volkszählung 2010. Oblast Kaliningrad.) Band 1 , Tabelle 4 (Download von der Website des Territorialorgans Oblast Kaliningrad des Föderalen Dienstes für staatliche Statistik der Russischen Föderation)
  2. Siehe auch Romehnen
  3. Website der Propstei Kaliningrad
  4. Walther Hubatsch, Geschichte der evangelischen Kirche Ostpreußens, Band 3: Dokumente, Göttingen, 1968, S. 479
  5. Der * kennzeichnet einen Schulort
  6. Friedwald Moeller, Altpreußisches evangelisches Pfarrerbuch von der Reformation bis zur Vertreibung im Jahre 1945, Hamburg, 1968

Kategorien: Ort im Rajon Nesterow

Quelle: Wikipedia - http://de.wikipedia.org/wiki/Krasnolessje (Vollständige Liste der Autoren des Textes [Versionsgeschichte])    Lizenz: CC-by-sa-3.0

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