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Komorbidität


Als Komorbidität oder Begleiterkrankung (englisch comorbidity) werden in der Medizin ein oder mehrere zusätzlich zu einer Grunderkrankung (Indexerkrankung) vorliegende, diagnostisch abgrenzbare Krankheits- oder Störungsbilder bezeichnet (Doppel- oder Mehrfachdiagnose). Komorbiditäten können, müssen aber nicht – im Sinne einer Folgeerkrankung – ursächlich mit der Grunderkrankung zusammenhängen. Wenn also ein Patient mit einem Morbus Alzheimer gleichzeitig Beschwerden seitens einer Arthritis urica hat, oder ein Prostatakarzinom gleichzeitig mit einem Diabetes mellitus auftritt, spricht man von Komorbidität.[1]

Eine besondere Schwierigkeit bei der Bestimmung von Komorbiditäten besteht in der Frage, welche zusätzlichen Befunde als Symptome gewertet und welcher Krankheit beziehungsweise welchen Krankheiten diese gegebenenfalls zugeordnet werden.

Komorbiditäten treten mit zunehmendem Alter gehäuft auf. So können bei 40 % der Patienten mit einem Kolonkarzinom fünf oder mehr Begleiterkrankungen diagnostiziert werden.[2] Entscheidend ist, dass bei der Behandlung einer Erkrankung das Vorliegen anderer Erkrankungen mit berücksichtigt wird, da diese den Behandlungserfolg bzw. das Gesamtüberleben entscheidend beeinflussen können und in erster Linie das Gesamtwohl des Patienten im Vordergrund steht.

Vor allem im Bereich der psychischen Störungen nach DSM-IV kommen Mehrfachdiagnosen oft vor. So zeigt sich, dass bei einem problematischen Substanzgebrauch (bzw. Abhängigkeitserkrankungen) gehäuft eine Depression, Angst- und Panikstörung sowie eine Dysthymie nachgewiesen werden kann. Auch hier gilt wieder, dass damit keine Aussage getroffen wird, ob und wie welche Störung für das Auftreten der anderen verantwortlich zu machen ist.[3] Dabei wird so weit gegangen zu betonen, dass die (häufige) Vernachlässigung dieser Tatsachen aufgrund ihrer verheerenden Konsequenzen an einen ärztlichen Kunstfehler grenze. Das gleichzeitige Vorkommen von körperlichen und psychischen Erkrankungen führt zu schlechteren Behandlungsergebnissen, verschlechtert die Prognose der jeweils einzelnen Erkrankungen und beeinflusst die Lebensqualität insgesamt erheblich.[4]

Werden bei einem Patienten viele zusätzliche Erkrankungen diagnostiziert, wird von einer Multimorbidität gesprochen.

Literatur

  • Michael Höfler: Statistik in der Epidemiologie psychischer Störungen, Springer, Berlin 2004, ISBN 3-540-20387-7, S. 21

Einzelnachweise

  1. U. Wedding u.a.: Uroonkologie, Springer, 2009, ISBN 3-642-01381-3, Abschnitt Uroonkologie bei älteren Patienten, S. 275, hier online
  2. R. Yancik, M. N. Wesley, L. A. Ries, R. J. Havlik, S. Long, B. K. Edwards, J. W. Yates: Comorbidity and age as predictors of risk for early mortality of male and female colon carcinoma patients: a population-based study. In: Cancer. Band 82, Nummer 11, Juni 1998, S. 2123–2134, PMID 9610691 .
  3. Kathlen T. Brady, Sudie E. Back, Shelly F. Greenfield (ed.): Women & Addiction – A Comprehensive Handbook. The Guilford Press, New York / London 2009
  4. Adam J. Gordon: Physical Illness and Drugs of Abuse, A Review of the Evidence. Cambridge University Press, 2010
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